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Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 47

Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845

47. Wie Rübezahl Unrecht wieder gut macht.

Der günstige Leser, der in Bunzlau gewesen ist, weiß, dass dort die Töpfe zu Hause sind, und hat viel leicht selbst einmal da den großen Topf in einem Haus der Vorstadt, draußen vor der Boberbrücke, gesehen oder wenigstens die Abbildung davon am Haus. Nun, mit diesen Töpfen treiben die vielen Töpfer dort einen großen Handel, besonders auf Jahrmärkten, und es ist wohl nicht leicht eine Haushaltung, wo man nicht ein oder das andere »Bunzeltöppel« hätte. Die Töpfer ziehen aber meist nicht selbst mit ihren Waren umher, sondern ihre Weiblein, die in Frost und Hitze, in Sturm und Regen, herzhaft oben auf ihrer Ladung sitzen oder in der Schoßkelle triumphieren.

Eine solche Töpferfrau von Bunzlau reiste auch einmal auf solche Manier mit und auf einem Fuder Töpfe zur Stadt Schömberg hinter Landshut, wo die guten Würstlein gemacht werden, die der günstige Leser so gern isst, denn es war eben dort Markt. Als sie nun so am Gebirge hinzog, hörte sie auf einmal den Storch klappern und schaute in die Höhe. Der günstige Leser weiß, wenn ein Weiblein den Storch klappern oder nennen hört oder einen Storch sieht, so hat es gewöhnlich dabei ganz kuriose Gedanken, die aber freilich nicht alle Leute zu wissen brauchen. Aber manchmal fällt so einem Weiblein auch wieder etwas anderes dabei ein, wie eben unserer Töpferfrau. Denn so wie sie den Storch klappern hörte, dachte sie, nach der Meinung gemeiner Leute, dass das etwas Gutes bedeute, und sagte:

»Hoho, nun werde ich dieses Jahr gewiss noch viel Töpfe machen.«

Kaum hört das Rübezahl, welcher am Wagen herging, – er lief auch gern aus allen Jahrmärkten herum –, als er auch sogleich auf den Wagen sprang. Indem er ausrief »Nun, so kannst du auch zusehen, wie es deinen Töpfen geht und nur gleich wieder umkehren und neue machen« stampfte er wie vom Teufel besessen auf den Töpfen herum. Darauf war er verschwunden.

Der Fuhrmann und die arme Frau waren vor Schrecken stumm und vermochten während des ganzen Vorgangs sich nicht zu regen, bis das Werk völlig vollbracht war.

Den Kräuterklauber, der sich überhaupt gar zu gern freut, den freut eins, dass die arme Frau nicht auf Jahrmarktsweibermanier schimpfte, drohte und die Fäuste ballte oder Rübezahl gar in die Haare geriet, sondern in stillem Weinen ihren Jammer ausschüttete. Und wer weiß, den Rübezahl hat es wohl auch gefreut. Denn als nun der Fuhrmann den Wagen umkehrte und das arme Weiblein noch einmal auf ihre zertrümmerte Habe blickte, da fiel ihr ein Beutel auf, der vom Wagen herunterhängte. Als sie ihn öffnete, so war er ganz voller Gold. Nun, so vieles Gold bringt wohl kein Töpfer auf Erden von einem Jahrmarkt zurück, und es verdenkts der Frau wohl niemand, das sie in der Folge das Reisen aufgegeben hat, obwohl es sich in einer Schoßkelle auch schön sitzt.

Aus diesem geringen Märlein merke: Auch in wichtigerem Unglück steht überall der himmlische Trost bei irdischer Klage.

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