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Slatermans Westernkurier 04/2019

Auf ein Wort, Stranger, erinnerst du dich noch an den Salzkrieg von San Elizario?

Unweit der Millionenmetropole El Paso liegt auch heute noch das kleine Städtchen San Elizario, das sich durch eine Flussbettverlagerung des Rio Grande seit 1831 auf einer Insel inmitten des Flusses befindet. Trotz seiner geringen Größe hat es eine sehr wechselvolle, ja teilweise turbulente Geschichte aufzuweisen.

Seine Gründung geht um 1760 auf einen Ort zurück, der den Namen Hacienda de los Tiburcios genannt wurde. 1789 wurde dieser zum Sitz der spanischen Provinzverwaltung und erhielt seinen bis heute noch gültigen Namen San Elizario.

Es gibt allerdings auch Schreibweisen, die den Ort als San Elizaro bezeichnen.

1841 zählte der Ort über eintausend Einwohner, 1847 wurde er von texanischen Truppen besetzt und ein Jahr später offizieller Teil der Republik Texas.

Als 1850 das El Paso County gegründet wurde, ernannte man San Elizario zum Sitz der Countyverwaltung. 1851 wurde dort das erste Postamt eröffnet.

Nach 1873 begann der Ort jedoch an Bedeutung zu verlieren, und als die Eisenbahntrasse 1881 nicht dort, sondern in El Paso verlegt wurde, war der wirtschaftliche Niedergang nicht mehr aufzuhalten. Um 1931 lebten noch gerade einmal 300 Menschen in dem Ort.

Trotzdem ist San Elizario auch heute noch unter Kennern der Geschichte des Wilden Westens ein Begriff. Das Städtchen ist ein Paradebeispiel für die grundsätzlichen Gegensätze zwischen Mexikanern und Texanern, sprich Amerikanern.

Eine der Hauptursachen für diesen bis heute schwelenden Konflikt sind die Spätfolgen des 1848 für Mexiko verlorenen Krieges gegen Amerika.

Durch den Zusammenprall des ungeschriebenen Gewohnheitsrechts mit neuen amerikanischen Gesetzen, die in den Grenzgebieten der ehemals spanischen Territorien alles Gewohnte außer Kraft setzten, fing es an. Es endete schließlich in lang anhaltenden Fehden, die sich dann allmählich zu wohlproportionierten rassischen Ressentiments entwickelten.

Der Salzkrieg von San Elizario, bei dem es zuerst um Profit und Ausbeutung ging, später aber um den elementaren Gegensatz zwischen Mexikanern und Amerikanern, zeigt diesen Verlauf besonders deutlich auf.

 

*

 

Jahrzehntelang betrachtete die Grenzbevölkerung von Mexiko und Texas die ausgedehnten Salzwannen am Fuß der Guadelupe Mountains , etwa einhundertzehn Meilen östlich von El Paso gelegen, als öffentliches Eigentum. Die Bedingungen des Staatsvertrages von Guadelupe-Hidalgo schienen das auch zu bestätigen und so holte sich ein jeder so viel Salz, wie er brauchte. Darunter auch Händler aus Mexiko und Texas und niemand dachte daran, dafür etwas zu zahlen.

Aber dann kam Charles A. Howard!

Der Mann war Rechtsanwalt aus Missouri, Ex-Offizier der konföderierten Armee und Distriktrichter in El Paso del Norte. Arrogant, besserwisserisch und vor allen Dingen gierig nach Macht und Geld.

Auf der Suche nach ertragreichen Geldquellen, die er für seine politischen Ambitionen benötigte, erwarb er 1877 einen Landtitel, der die Salzvorkommen gesetzlich zu seinem Eigentum machte. Als Howard nun von jedermann, der nach alter Gewohnheit Salz holen wollte, hierfür einen Obolus verlangte und gleichzeitig eine gepfefferte Preisliste veröffentlichte, sah er sich schon kurz darauf einer erregten Menschenmenge gegenüber, die ihn kurzerhand gefangen nahm und erst wieder freiließ, als er schriftlich auf sein Richteramt verzichtete, sein Eigentumsrecht an den Salzvorkommen feierlich wieder der Öffentlichkeit übertrug und eine Bürgschaft von zwölftausend Dollar geleistet hatte.

Danach verließ Howard El Paso und ging nach Mesilla in Neu Mexiko.

Er kehrte aber im selben Jahr wieder zurück und erschoss am 10. Oktober 1877 in El Paso seinen Hauptwidersacher, den aus Italien stammenden Lokalpolitiker Louis Cardis mit einer doppelten Ladung aus seiner Schrotflinte.

Er entkam der aufgebrachten Menge nur mit knapper Not.

Als bekannt wurde, dass eine kleine Armee wütender Mexikaner aus Sonora die Grenze überquerte, um Howard und seinen zu einem Interessenring organisierten Anhängern den Garaus machen wollte, stellte der Texas Ranger Mayor John B. Jones aus Freiwilligen eine Kompanie unter der Leitung von John Tays auf, deren Ziel es sein sollte, ein allgemeines Massaker zu verhindern.

Bei der Auswahl dieser Männer besaß Jones allerdings kein glückliches Händchen. Die meisten dieser Ranger waren – ihr Anführer Tays mit eingeschlossen – unerfahrene, nicht kampferprobte Männer, die sich dem Kommando teils aus Abenteuerlust, teils aus falsch verstandenem Patriotismus angeschlossen hatten.

Howard missbrauchte die Truppe, um unter ihrem Schutz die amerikanische Bevölkerung zum Heiligen Krieg gegen mexikanische Invasoren aufzurufen.

Aber die Männer aus Sonora waren ihnen so dicht auf den Fersen, das sich Howard und die Ranger schließlich in San Elizario verbarrikadieren mussten.

Nach drei Tagen Kampf, Blut und Tod gaben die Texas Ranger angesichts der erdrückenden Übermacht schließlich auf und legten ihre Waffen nieder.

Das erste und einzige Mal in ihrer Geschichte.

Howard wurde festgenommen, erschossen und anschließend in Stücke gehackt.

Der aufgeschreckte US-Kongress entsandte drei seiner Mitglieder nach El Paso zu einer Untersuchung.

 

*

 

Es bleibt nachzutragen, dass am Ende wieder alles so war wie vor Howards Erscheinen.

Das Salz war wieder öffentliches Eigentum. Lediglich ein Sergeant der Texas Ranger fungierte als offizieller Salzinspektor, der allen Leuten diesseits und jenseits der Grenze mit großer Höflichkeit Salz-Transporterlaubnisse ausstellte.

Es herrschte wieder Frieden im El Paso County, ein trügerischer Frieden allerdings, denn der eigentliche Konflikt zwischen den Menschen dieser beiden Nationen war mit dem Ende des Salzkrieges nicht vorbei, sondern gipfelte bereits 1886 in einer weiteren Auseinandersetzung zwischen kleinen, mexikanischen Ranchos und Vaqueros gegen die Allmacht der großen amerikanischen Viehgenossenschaften.

Aber das ist ein anderes Thema.

In diesem Sinne,
euer Slaterman

Quellenhinweise:

  • H. J. Stammel, Das waren noch Männer, Lizenzausgabe des Econ Verlages Düsseldorf, Buch Nummer 10331680

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