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Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern … Teil 25

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern, Zauberern und Gaunern
Dem Ende des philosophischen Jahrhunderts gewidmet
Adam Friedrich Böhme, Leipzig, 1796

Bald wird man die Hexe vor der Schleifmühle tanzen sehen.

In einem Ort, wo Messer, Schlösser und andere dergleichen Waren angefertigt werden, ereignete sich ein Zufall, der ein neues Schauspiel versprach. Bekanntlich sind an solchen Fabrikorten Schleifmühlen, auf welchen Messer und Gabeln geschliffen werden. Die Schleifsteine dieser Mühlen werden von einem Kammrad, das mit dem Wasserrad wie in Mahlmühlen an ein und derselben Welle befestigt ist, angetrieben. Über diesen Schleifsteinen ist ein Sessel befestigt, auf welchem der Schleifer sitzt und sich mit der Klinge oder Gabel in der Hand abwärts auf den Stein lehnt, wodurch seine Stärke zum Aufdrücken vermehrt und das darauf gehaltene Eisen umso schneller und leichter abgeschliffen wird. Der Stein muss aber immer ruhig in seinem Kreis herumlaufen und sich weder hin noch her in die Höhe bewegen, sodass der Schleifer in einer ganz ruhigen Lage bleiben kann. In jener Schleifmühle trug es sich aber zu, dass der Stein, wenn das Gewerk angelassen war, sehr unruhig und ungleich herumlief, dass der Schleifer nicht ohne Lebensgefahr darüber sitzen und arbeiten konnte. Die Sache wurde untersucht, bald dieses daran gebessert, bald jenes probiert; alles wollte nichts helfen. Man ging auch zu einem Mann mit Namen S. aus M. im Eisenach’schen, dessen Geschicklichkeit in Hexenprozessen rühmlichst bei allen Toren bekannt ist. Da er nebst seinem Sohn ein Zimmermann ist, so war es leicht, den Verdacht, als ob man zu ihm als einem Hexendoktor seine Zuflucht nähme, zu entfernen. Allein gewiss ist es, dass er nicht durch seine Geschicklichkeit als Handwerker, sondern durch Zettelchen, deren kräftige Wirkungen in daselbigen Gegenden bekannt sind, und die er unter das Rad und die Welle steckte, zu helfen versuchte. Jedoch blieb es beim Alten und der Versuch war fruchtlos.

Das Gerücht von S.’  Operation an der Schleifmühle hatte sich bald genug verbreitet. Die Einbildungskraft aller Leichtgläubigen war voll vom wunderbaren Auftritt und der schrecklichen Strafe, womit dieser weise Mann die Urheber der gegenwärtigen Zauberei belegen würde. Der Tag kam, und Alt und Jung, Groß und Klein eilte, der schlimmen Witterung ungeachtet, zur Schleifmühle, um die Hexe am hellen Tag tanzen zu sehen. Aber beschämt mussten sie freilich ihren Rückzug nehmen. Unter dem Pöbel fanden sich Leute mit ein, denen man bisher mehr gesunden Menschenverstand zutraute, als man nun gewahr wurde. Es fand sich nämlich die wahre Ursache des unruhigen und unegalen Laufs des Schleifsteins: Die eine eiserne Welle, an die man gar nicht gedacht hatte, weil sie kurz zuvor neu gemacht worden war, hatte sich geworfen. Da also diese nicht in gleicher Richtung lief, sondern den Stein in die Höhe hob, konnte der Schleifer nicht eher gehörig arbeiten, als bis diese wieder in guten Stand gesetzt war.

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