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Interessante Abenteuer unter den Indianern 97

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Interessante Abenteuer unter den Indianern
Erzählungen der merkwürdigsten Begebenheiten in den ersten indianischen Kriegen sowie auch Ereignisse während der neueren indianischen Feindseligkeiten in Mexiko und Texas

Überfall der Indianer auf das Haus der Witwe Scraggs

Am 11. April 1787 ereignete sich im Haus der Witwe Scraggs am Coopers River in Burbon County in Kentucky folgende Schaudergeschichte. Sie bewohnte ein sogenanntes doppeltes Blockhaus in einer damals sehr einsamen Gegend. Den einen Teil des Hauses bewohnte die alte Frau selbst nebst ihren beiden erwachsenen Söhnen und ihrer verwitweten Tochter, welche einen Säugling an der Brust hatte. In dem anderen wohnten zwei erwachsene Töchter, sechszehn und zwanzig Jahre alt, und eine jüngere, etwa 10 oder 11 Jahre alt. Eine der ledigen Töchter saß um 11 Uhr nachts noch am Webstuhl, während die übrigen Mitglieder der Familie bereits schlafen gegangen waren, mit Ausnahme des einen erwachsenen Sohnes. Dieser war durch einige ungewöhnliche Ereignisse wach gehalten. Er hatte seit 10 Uhr verschiedentlich Eulenrufe im benachbarten Gehölze gehört, die einander auf seltsame Weise zu antworten schienen. Die Pferde, welche, wie gewöhnlich, in einer Einzäunung in der Nähe des Hauses gehalten wurden, waren äußerst unruhig. Aus ihrem Schnauben und Stampfen ging deutlich hervor, dass irgendetwas Fremdartiges in ihrer Nähe befindlich sein müsse. Der junge Mann war mehrmals im Begriff, seinen Bruder zu wecken. Allein die Furcht, wegen zu großer Ängstlichkeit ausgelacht zu werden, hielt ihn davon ab. Endlich hörte er rasche Schritte im Hof und lautes Pochen an der Haustür, während jemand, anscheinend in gutem Englisch, Einlass begehrte. Aus dem Sprechen den Schluss ziehend, dass irgendein verspäteter Reisender Obdach suche, war er im Begriff, den großen Riegel, womit die Tür verschlossen war, hinwegzunehmen, als seine alte Mutter, welche lange an der Indianergrenze gewohnt und wahrscheinlich den fremdartigen Akzent besser beobachtet hatte, ihm zurief, er solle bei Leibe nicht öffnen, die Fremden seien Indianer.

Sie weckte sogleich den älteren Sohn, und beide ergriffen sofort die Gewehre, welche stets geladen bereitstanden, und waren gefasst, sich und die ihren zu verteidigen. Die Indianer, wohl einsehend, dass ihre List missglückt, rannten nun sogleich mit Heftigkeit gegen die Tür. Allein diese war fest, ein wohlgerichteter Schuss durch die Zwischenräume in den Holzwänden zwang die Angreifer, sich vorläufig zurückzuziehen. Allein bald darauf entdeckten sie die Tür zum anderen Teil des Blockhauses, in dem die Töchter schliefen. Die Gewehre der Söhne konnten diesen Eingang leider nicht bestreichen, und bald brachen die Indianer die Tür mit einigen Riegeln, welche sie von der Hofumzäunung herbeiholten, auf. Die eine der Töchter wurde sogleich gepackt und ohne Widerstand gebunden. Die Ältere aber verteidigte sich verzweifelt mit einem Messer, welches sie am Webstuhl gebraucht hatte. Sie traf einen der Indianer damit ins Herz, ehe es den übrigen gelang, sie niederzumetzeln.

Unterdessen war die jüngste Tochter, welche die Indianer übersehen hatten, in ihrem Eifer, sich der beiden erwachsenen Mädchen zu bemächtigen, in den Hof gelaufen und hätte sich durch die Flucht retten können. Anstatt sich davon zu machen, lief das unglückliche Kind händeringend um das Haus und schrie jämmerlich über den Tod ihrer Schwestern. Die Brüder waren schon im Begriff, herauszustürzen und das jammernde Kind zu sich hereinzuholen, als sich die Mutter ihnen in den Weg warf und erklärte, man müsse das Kind deinem Schicksal überlassen, da das Herausgehen aus dem Hause alle Übrigen in Gefahr setze, ohne dass man dem Kind helfen könne. In demselben Augenblick schrie dasselbe nochmals laut auf. Aus dem darauffolgenden immer leiser werdenden Stöhnen ließ sich deutlich schließen, dass es bereits von den Indianern ermordet sei. Gleich darauf hörte man das Prasseln von Flammen, begleitet von einem Jubelgeschrei der Indianer, denen es gelungen war, den Teil des Hauses, worin die Töchter geschlafen hatten, in Brand zu stecken.

Das Feuer ergriff bald den anderen Teil des Hauses, und es blieb nun den Angegriffenen die Wahl, entweder in den Flammen zu sterben oder das Haus zu verlassen. Sie wählten das Letztere, da es die einzige Möglichkeit bot, dass wenigstens einige sich retten könnten. Der älteste Sohn nahm seine Mutter in Schutz und versuchte sie, über die Hofumzäunung zu heben, während die verwitwete Tochter mit ihrem Säugling und unterstützt vom jüngeren Bruder eine andere Richtung einschlugen. Die Feuersbrunst erhellte den ganzen Hof, und man sah deutlich die Indianer in einiger Entfernung auf ihre Schlachtopfer lauern. Sobald die alte Frau an die Umzäunung gelangt war und dieselbe übersteigen wollte, fiel sie, von mehreren Kugeln in die Brust getroffen, tot nieder. Der älteste Sohn entging den Kugeln der Feinde wie durch ein Wunder, und seiner außerordentlichen Behändigkeit und Gewandtheit gelang es, sich zu retten.

Die verwitwete Tochter und der jüngere Sohn erreichten ebenfalls die Umzäunung des Hofes, aber als sie dieselbe übersteigen wollten, wurden sie plötzlich von allen Seiten angegriffen. Die Indianer hatten ihre Gewehre beiseitegelegt und drangen mit ihren Streitäxten auf sie ein. Der junge Mann verteidigte seine Schwester auf das Äußerste, schoss auf die Angreifer erst und schwang dann sein Gewehr wie einen Prügel gegen sie mit einer solchen Wut, dass er die ganze Aufmerksamkeit der Feinde auf sich und von seiner Schwester mit ihrem Säuglinge ablenkt, wodurch sie Gelegenheit bekam, glücklich zu entschlüpfen. Er wurde bald darauf überwältigt und niedergemetzelt. Am anderen Morgen fand man seinen Leichnam grässlich verstümmelt im Hof liegen. Die jüngere Tochter wurde von den Indianern als Gefangene mitgeschleppt.

Durch den geretteten Bruder wurde sofort die Nachbarschaft in Bewegung gesetzt und mit Tagesanbruch hatten sich an 30 Nachbarn zur Verfolgung der Indianer versammelt. Gegen Morgen war ein wenig Schnee gefallen und die Spur der Indianer war deshalb leicht aufgefunden und rasch zu verfolgen. Sie führte in die bergige Gegend am Licking River und es ließ sich deutlich wahrnehmen, dass der Rückzug der Indianer sehr eilig gewesen war. Unglücklicherweise hatte einer der Weißen einen Jagdhund mitgenommen. Dieser verfolgte die Indianerspur nicht nur auf das Eifrigste, sondern als die Spur frischer wurde, bellte er laut und gab dadurch den Indianern ein Zeichen, dass sie von den Ansiedlern verfolgt würden. Die unglücklichen Folgen davon zeigten sich bald, denn kurz darauf fanden sie die jüngere geraubte Tochter mit vielen Wunden bedeckt, blutend und noch warm im Schnee liegen. Als die Weißen sich ihr näherten, hatte sie noch Kraft genug, ihnen mit der Hand zuzuwinken. Ihr Bruder sprang vom Pferd und richtete sie auf. Sie murmelte noch einige unverständliche Worte und verschied in seinen Armen.

Die Verfolgung wurde nun rasch wieder fortgesetzt und in weniger als zwanzig Minuten bekam man die Indianer zu Gesicht. Sie hatten einen steilen und oben sehr scharfen Bergrücken besetzt und schienen es darauf abgesehen zu haben, ihre Anzahl in den Augen der Verfolger zu vergrößern, denn sie liefen stets von einem Baum zum anderen und schrien unaufhörlich aus Leibeskräften. Ihre Verfolger waren mit der List der Indianer zu wohl bekannt, als dass sie sich hätten täuschen lassen. Sie wussten aus den Spuren, dass die Anzahl der Indianer geringer sei als ihre eigene, deshalb stiegen sie von den Pferden, umringten den Bergrücken und erstiegen nun denselben mit so großer Eile, wie es die Rücksicht für die eigene Sicherheit erlaubte. Gewehrfeuer begann nun von beiden Seiten. Nun erst entdeckten die Ansiedler, dass ihnen nur zwei Indianer gegenüberstanden. Sie hatten sich freiwillig für die Sicherheit ihrer Gefährten aufgeopfert. Einer derselben wurde auf dem Fleck erschossen und der andere schwer verwundet, wie sich aus der blutigen Decke, die er zurückließ und aus den blutigen Spuren im Schnee schließen ließ. Die Verfolgung der Übrigen begann nun aufs Neue und wurde bis zum späten Abend fortgesetzt. Dann aber verlor sich die Spur in einem Bach. Am nächsten Morgen konnte sie nicht wieder aufgefunden werden, da der Schnee inzwischen geschmolzen war.

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