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In den Klauen der Angst

Marc Freund
Sir Arthur Conan Dyoles Sherlock Holmes in »Die neuen Fälle«
Fall 34
In den Klauen der Angst

Romantruhe Audio, Kerpen-Türnich 2017, 1 CD, ca. 79 Minuten, 8,95 Euro, ISBN: 9783864731440, Sprecher: Christian Rode, Peter Groeger, Lutz Harder, Alexis Krüger, Margrit Straßburger, Frank Glaubrecht, Wolfgang Draeger, Martin Kautz, Thomas Petruo
www.romantruhe.de

Sherlock Holmes ist ungehalten: Als er seine Morgenzeitung nicht wie gewohnt vorfindet, schickt er Dr. Watson los, ihm ein Exemplar zu besorgen. Der Arzt erledigt seine Aufgabe gewissenhaft – aber nicht schnell genug. Und so liegen nun zwei Ausgaben der The Times auf dem Tisch des Meisterdetektivs, dem eine Auffälligkeit ins Auge springt: Jemand hat einen der Artikel auf der Titelseite ausgetauscht! Darin ist vom Mord an dem Wissenschaftler Norton die Rede, der in einem Teich nahe seinem Labor ertrunken sein soll. Als Holmes der Sache nachgeht, entdeckt er einige Ungereimtheiten. Derjenigen, der zum Scherz Holmes’ Zeitung vertauschte, scheint in den Mordfall verwickelt zu sein. Hat der zwielichtige Neffe Nortons seine Hände im Spiel oder doch eher sein Assistent? Die Spur führt zu einem chinesischen Waschsalon in London, dessen strenger Besitzer Fing Su seine Mitarbeiter fest im Griff hat. Ein älterer Mann, der dort arbeitet, ist verschwunden. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen?

Für die 34. Folge der »neuen Fälle« hat sich Autor Marc Freund eine harte Nuss für den Detektiv einfallen lassen. In der Tat gibt es mit dem Zeitungsrätsel, dem möglicherweise fremdverschuldeten Tod des Wissenschaftlers, einer geraubten Leiche, einem dubiosen Waschsalonbesitzer, einem explodierenden Labor und einem weiteren verschwundenen Mann in der Wäscherei so viele Baustellen, die hintereinander abgeklappert werden, dass die Handlung schon fast unnötig überkomplex erscheint. Der findige Hörer ahnt die Pointe und will dann nur noch wissen, wie alles zusammenhängt, denn in der Liste der Sprecher ist ein Name aufgeführt, an den sich Holmes-Hörer wohl etwas länger gewöhnen müssen: Holmes’ neuer Erzfeind Farley Straker ist wieder mit von der Partie – und seine Geschichte ist hier noch nicht zu einem Ende gekommen. In der Tat gibt es sogar so etwas wie einen Cliffhanger, was den Seriencharakter hier mehr herausstellt als zuletzt bei vielen »Fällen des Monats«. Das ist so wohl auch gewollt, killt aber auch ein wenig die Spannung.

Auf der Sprecherseite agieren Christian Rode und Peter Groeger wieder gut miteinander, wenn auch Rode wohl als Regieanweisung mitbekommen hat, Holmes dieses Mal durchgängig mit unterschwelliger Wut zu spielen, was angesichts der Genervtheit wegen Strakers Eskapaden sicher richtig ist, seine Figur aber einige Sympathiepunkte kostet. Margit Strassburger als einziger weiblicher Part liefert eine tolle Performance als geplagte Mutter und Wäschereimitarbeiterin Claudine Wheldon ab. Lediglich Alexis Krüger legt Straker etwas comichaft überspitzt mit boshafter Attitüde à la Joker aus Batman an und wirkt teils eher lächerlich als bedrohlich.

Im Bezug auf das Sounddesign gibt es nichts zu meckern: Akustische Highlights sind der Laborbrand und das Finale in einigen unterirdischen Kellergewölben. Hier hallt und tropft es adäquat, was die jeweiligen Stimmungen gut unterstreicht.

Fazit:
Trotz wendungsreich gedachten, aber etwas überfrachteten Ideen ein sehr solider Fall für den Meisterdetektiv und seinen treuen Kumpan, mit schönen Nebenfiguren und einem Ende, das für weitere Episoden noch mehr Spannung verspricht.

(sv)