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Dschiheads

Wolfgang Jeschke
Dschiheads

Science Fiction, Taschenbuch, Wilhelm Heyne Verlag, München, September 2013, 365 Seiten 7,99 Euro, ISBN 9783453314917, Titelbild: Nele Schütz Design
www.heyne.de

Irgendwo in der Zukunft sind die Reisen durchs All schon etwas Alltägliches geworden. Den Menschen gelang es, das Sonnensystem zu besiedeln und fremde Planeten zu kolonisieren. Wie eine Infektionskrankheit breitet sich der Mensch im All aus. So kommt es auch, dass sich die Gesellschaftsstrukturen ändern und für fast jede bekannte Art ein Planet existiert, wo die Menschen nach ihrem Gusto leben können.
Dies gilt auch für den Planeten New Belfast. Auf ihm siedelten hauptsächlich religiöse Fanatiker, Quer- und Andersdenker. Bei so vielen unterschiedlichen
Individuen kommt es nicht nur zu verbalen Auseinandersetzungen. Die extremen Religionssektierer wurden auch handgreiflich. Irgendwann erkannte man die extreme Religiosität als Krankheit und begann sie zu kurieren. Doch nicht alle Menschen wurden geheilt. Einige flohen von New Belfast und siedelten sich auf anderen Planeten an. Diese Leute nannte man Dschiheads. Ihr Ziel war der Planet Hot Spot, ein Wüstenplanet. Der Planet wird von den neuen Bewohnern jedoch Paradies genannt. Hier leben sie so, wie es ihre Anführer für richtig halten.
Eines Tages werden zwei Exobiologen nach Hot Spot geschickt, weil man dort Felszeichnungen entdeckte. Ihr Auftrag ist es, intelligentes einheimisches Leben zu finden. Begleitet werden die beiden Forscher von ihrem genetisch veränderten Assistenten. Dieser ist ein kybernetisch aufgerüsteter Hund, der auf den Namen Jonathan Swift hört.
Der Kommandant der Militärbasis, der die Forscher zur Begutachtung der Felszeichnungen eingeladen hatte, ist jedoch auf dem Planeten verschollen. Der Vertreter des Kommandanten steht den Wissenschaftlern feindselig gegenüber. Die beiden Forscher lassen sich nicht entmutigen und versuchen, dem Geheimnis auf die Spur zur kommen.
Ein anderer Ort, eine andere Handlung. Der junge Suk lebt in einer religiösen Diktatur. Der dortige Führer ist ein gewalttätiger Potentat, dessen Wort Gesetz ist.
Suk und sein taubstummer Freund Anzo geraten immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz. Als Anzo und seine Mutter spurlos verschwinden, ist Suk klar, dass seine Zeit ebenfalls rum ist. Er muss verschwinden, bevor man ihn verschwinden lässt.

Dschiheads ist ein aufregend neues Buch des SF-Kenners, Herausgerbers und Autors Wolfgang Jeschke und glänzt mit der Andersartigkeit der Kulturen.
Dennoch erinnert er mich in vielen Dingen an den Baracuda-Zyklus von Gisbert Haefs, der 1986 im Wilhelm Goldmann Verlag erschien. Auch Weltenschöpfer Jack Vance nahm sich oft seltsamer Sektierer an. Der Roman überzeugt mit seinen Beschreibungen einer exotischen Tier- und Pflanzenwelt auf Hot Spot. Die meisten der beteiligten Charaktere sind leider etwas zu »eindimensional«, was durch eine packende Handlung wieder wettgemacht wird. Wolfgang Jeschke gelingt es, dem Leser eine unvergleichliche Aussicht auf eine andere, exotische Welt zu geben. Ein frappierender Blick in eine fremde, exotische Welt. Genauso fremd mag uns die Gesellschaftsstruktur erscheinen, aber die Situation ist in unserer Gesellschaft ähnlich, treiben sich doch überall Sektierer und Fanatiker herum. Wolfgang Jeschke war über viele Jahrzehnte einer der maßgeblichen Herausgeber von Phantastik, nicht nur von Science Fiction. Gleichzeitig ist er auch ein hervorragender Autor.
Seine Bücher sind für die Leser deutschsprachiger Zukunftsromane immer wieder eine Herausforderung. Er bietet nicht nur einen wunderbaren Abenteuerroman, sondern auch gleichzeitig ein nachdenklich machendes, spannendes und niveauvolles Werk. Dies bestätigt sein neuester Roman, der ohne allzu viele Klischees auskommt.

(es)