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Die Geisterspiegel-Anthologie Dark Crime II

Die Geisterspiegel-Anthologie Dark Crime II

Es handelte sich um zwölf Todesfälle in den letzten drei Monaten. Zwischen den Opfern schien es keine Gemeinsamkeiten zu geben, es waren Frauen, Männer und Kinder darunter. In der Mehrzahl der Fälle war ihnen der Schädel mit einem harten Gegenstand eingeschlagen worden. Anschließend hatte der Täter ihnen das Herz herausgeschnitten. (Gerd Ruebenstrunk, Das letzte Opfer)

Diese zwölf Todesfälle sind nur der Anfang von Mordserien, die die vorliegende Anthologie Dark Crime II füllen. Und es wird schnell klar, dass die Fälle oft nicht mit herkömmlichen Mitteln zu lösen sind, denn Dark Crime heißt eben auch, dass Übersinnliches und Mysteriöses ins Spiel kommen. Neben den zwölf Todesfällen von Gerd Ruebenstrunk verantworten sich für weitere Opfer die Autoren Michael Kirchschlager, Mara Laue, Andreas Zwengel, Thomas Backus, Torsten Scheib, Rafael Hoppe, Regina Schleheck, Katja Zucchetti, Gerold Schulz und Carsten Thomas und überraschen Sie, liebe Leser, noch einmal damit, wozu die Phantastik in der Kriminalistik fähig ist.

In der fünften Anthologie sind folgende Autoren vertreten:


Thomas Backus mit Fünf tote Huren

Seit der junge Gruselfan eine Lesergeschichte der Woche in einem John Sinclair Roman veröffentlichen durfte, ist er vom Schreibfieber befallen. Seitdem hat er einige weitere Geschichten in Bastei-Heftromanen verschiedener Serien (Geisterjäger John Sinclair, Professor Zamorra, Vampire, Schattenreich) veröffentlicht, anschließend viele Geschichten in Anthologien und Magazinen. Zusammen mit seiner Autorengruppe »Die Apokalyptischen Schreiber« verfasste er In Blut geschrieben. Danach folgte das erste eigene Buch Zombies! Sie werden dich fressen!, welches es sogar in zwei Versionen gibt. In »Hart«, und in »Ganz hart«.

Eine Fortsetzung ist in Arbeit, was wenig Zeit lässt, um an Ausschreibungen teilzunehmen – aber ein paar Beteiligungen an Projekten, die ihm sehr am Herzen liegen, wird es trotzdem geben, wie z. B. an dieser Geisterspiegel-Anthologie.


Rafael Hoppe mit Spieglein, Spieglein

Rafael wurde 1987 in Limburg an der Lahn geboren und lebt dort noch immer. 2012 beendete er seine schulische Laufbahn mit dem Abschluss des Studiengangs  Bachelor of Arts in Business Administration und ist seither im Logistikbereich tätig.

Zum ersten Mal in Kontakt mit phantastischer Literatur kam er 2001, als er die Serie Geisterjäger John Sinclair für sich entdeckte. Bis heute ist sein Faible für Horror, SF und gelegentlich auch Fantasy – sei es in gedruckter oder filmischer Form – ungebrochen. Auch dem bekannten Geisterjäger ist er weiterhin treu geblieben und engagiert sich in dieser Beziehung unter anderem als Moderator im John-Sinclair-Bereich des Gruselroman-Forums.

Seit Jahren schon ist er zudem als Mitarbeiter für das Online-Magazin Geisterspiegel tätig. Neben Artikeln für die John-Sinclair-Kolumne veröffentlicht er dort seit 2008 unter dem Pseudonym Raphael Marques seine Online-Serie Jimmy Spider, von der mittlerweile 39 Folgen erschienen sind.


Michael Kirchschlager mit
Der Crako und der Ascheturm und Der Crako und die Totengräber

Michael, Jg. 1966, Studium der Germanistik und Geschichte, arbeitet als Verleger, Historiker und Schriftsteller in Arnstadt. In der DNB sind von ihm über 50 Buchtitel verzeichnet. Neben Sachbüchern, Quellen- und Textsammlungen gibt er die Bibliothek des Grauens, die Historische Kriminal-Bibliothek sowie das Online-Magazin  Kriminalia.de heraus. Zu seinen erfolgreichsten Sachbüchern zählt der Band Historische Serienmörder, der als Reihe fortgesetzt wird. 2006 und 2007 erschienen die historischen Kriminalromane Der Crako und der Gierfraß und Der Crako und das Giftmädchen (FESTA). Michael Kirchschlager ist Mitglied im Syndikat, 2012 Träger des Stiftungspreises der Stiftung Deutsche Schrift. Sein historischer Roman Hans Stahl und der Tod der Rosen wurde für den Thüringer Krimipreis nominiert. Zuletzt erschienen von ihm die Kinderbücher Emil aus der Drachenschlucht und Emil rettet Thüringen im Knabe Verlag Weimar.


Mara Laue mit Breaking Point

Mara, geb. 07.07.1958 in Braunschweig, lebt als Berufsschriftstellerin am Niederrhein. Sie schreibt hauptsächlich Krimis/Thriller, Science-Fiction, Okkult-Krimis, Dark Romance, Fantasy und Lyrik. Nebenbei unterrichtet sie kreatives Schreiben in Workshops und Fernkursen und schreibt als Ghostwriterin Biografien und Firmenchroniken. Wenn ihr das Schreiben die Zeit dazu lässt, arbeitet sie im Nebenberuf als Künstlerin und Fotokünstlerin. Sie ist Mitglied der »Mörderischen Schwestern – Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen« und im »Syndikat – Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur«.


Gerd Ruebenstrunk mit Das letzte Opfer

Gerd wurde in Gelsenkirchen geboren und lebt auch heute, nach zahlreichen Umwegen, wieder im Ruhrgebiet. Nach einem Lehramts- und anschließendem Psychologiestudium arbeitete er als Werbetexter, Kreativdirektor und Konzeptioner in verschiedenen Werbe- und Internetagenturen. Für VOX entwickelte er das Computermagazin CLICK und war dafür auch Chefredakteur. Anschließend war er Chefautor bei Endemol für Wie Bitte?! und Versteckte Kamera und schrieb Drehbücher für TV-Comedys (Alles Atze) und TV-Movies. Seit 2008 schreibt er Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, darunter die erfolgreiche Trilogie um Arthur und die Vergessenen Bücher.


Torsten Scheib mit Mr. Smith

Torsten, geboren 1976 in Ludwigshafen, schreibt seit 2002 regelmäßig Erzählungen und Kurzgeschichten, die meist im Horrorbereich ihre Wurzeln haben. Seine Story Gute Ansätze aus der Anthologie Disturbania belegte beim Vincent Preis 2009 den siebten Platz in der Kategorie »Beste Horror-Kurzgeschichte deutschsprachig«. Die Geschichten Götterdämmerung und Motten schafften 2010 und 2011 jeweils den zweiten Platz in der gleichen Kategorie. Veröffentlichungen u.a. in Liberate Me, Mord in jeder Beziehung, Killer, Köter, Kleinstadtpaten, Creatures sowie Das Buch der Lebenden Toten. Herausgeber der Anthologie Casus Belli. Sein erster Roman Toxic Lullaby, basierend auf dem gleichnamigen Film, wird 2013 bei p.machinery erscheinen, ebenso seine erste Kurzgeschichtensammlung Mondo Bizarro. Weitere Projekte befinden sich zurzeit in Arbeit.


Regina Schleheck mit Kopf in den Sternen

Regina, geb. 1959 in Wuppertal, in Köln aufgewachsen, lebt nach ihrem Studium in Aachen und einer zehnjährigen Diaspora in Herford seit 1996 in Leverkusen und ist hauptberuflich Oberstudienrätin an einem Kölner Berufskolleg, daneben freiberufliche Referentin, Autorin, Lektorin, Herausgeberin und fünffache Mutter. Seit 2002 veröffentlicht sie schwerpunktmäßig im Bereich Kurzprosa und Hörspiel. Ihre Auszeichnungen sind zahlreich und nach Jahren sortiert neben vielen Leseankündigungen und Hunderten von Veröffentlichungen unter www.regina-schleheck.de zu finden. Allein 2013 wurden ihre Texte bislang zwölfmal in Literaturwettbewerben nominiert bzw. mit Preisen versehen, unter anderem mit dem renommierten Friedrich-Glauser-Preis der Krimiautoren in der Sparte Kurzprosa. Die Autorin ist Mitglied im Netzwerk der »Mörderischen Schwestern« und im »Syndikat«.


Gerold Schulz mit Tödliche Gedanken

Gerold, 1957 in Schwäbisch Hall geboren, ist gelernter Kaufmann, bekennender Schwabe und begeisterter Hobbykoch.

Er war schon immer von spannenden Geschichten fasziniert, von Helden und Abenteuern aus fremden Welten. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis er selbst mit dem Schreiben begann.

Sein erstes Buch erschien 2009 unter dem Pseudonym Kendall Kane in einem Kleinverlag, vier weitere folgten. Als C. C. Slaterman kamen etliche Romane und Storys aus den Genres Horror, Science-Fiction und Fantasy sowie Fachreferate zur amerikanischen Pioniergeschichte im Onlinemagazin Geisterspiegel.de hinzu. Des Weiteren eine Westernserie, die heute noch bei beam-ebooks.de erscheint und von der eine Folge in der Novemberausgabe 2012 in der Computerzeitschrift CHIP als beliebteste Story zu eben diesem Genre gekürt wurde und auf der beigelegten CD erschien.

Dazu kommen noch eine Veröffentlichung bei Bastei und ein Hörbuch, das im Action Verlag erschienen ist.

Weitere Projekte sind in Vorbereitung.

Der Autor lebt heute unweit von Stuttgart in einer kleinen, beschaulichen Gemeinde, wo Mensch einfach noch Mensch sein kann.


Carsten Thomas mit Kopfsache

Carsten ist 1985 in Pforzheim geboren und lebt heute in Karlsruhe. Er arbeitet als freischaffender Redakteur bei einer Zeitung und studiert Europäische Kultur und Ideengeschichte am Karlsruher Institut für Technologie. Mit seinem ersten Roman Die Erben der Flamme aus der Serie Dunkelmagierchroniken um die vereiste Welt Kyranis fand er schnell Anhänger packender, düsterer Fantasy. Das phantastische Genre in allen Facetten ist sein Metier, er probiert jedoch stets neue literarische Wege aus. Augenblicklich arbeitet er am zweiten Band seiner Roman-Serie, der 2014 veröffentlicht wird.


Katja Zucchetti-Montejano mit Stummes Herz

Katja wurde 1967 in Aarau (Schweiz) geboren und lebt mit ihrem Ehemann in Zofingen. Nach Abschluss einer Banklehre war sie in diversen Kreditinstituten und Unternehmen tätig. Seit 2001 arbeitet sie als Übersetzerin in der Informatikabteilung einer größeren Bankengruppe.

Ihre Leidenschaft für Spannungsliteratur hat sie dazu bewogen, selber Thriller zu schreiben. Die Autorin ist Mitglied der »Mörderischen Schwestern« und wird von der Literaturagentur ARTEAGA vertreten.


Andreas Zwengel mit Vollmond über Venedig

Jahrgang 1969, gewann 2007 den Kurzgeschichtenwettbewerb von tcboyle.de und veröffentlichte seitdem über 30 Phantastik- und Krimi-Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien. 2009 erschien sein historischer Kriminalroman mit phantastischen Elementen Die Welt am Abgrund als Siegerroman einer Ausschreibung des Onlinemagazins Geisterspiegel.de. Anfang 2013 folgte sein Abenteuerroman Sieben Städte aus Gold, der von einer Schatzsuche im Wilden Westen erzählt. Zuletzt veröffentlichte er den Mystery-Thriller Die Schattenkrieger.


Produktinformation:

Geisterspiegel, Romantruhe
Dark Crime II
Anthologie, Paperback
Originalausgabe März 2014
232 Seiten, 10,95 Euro
ISBN: 9783864731051
Umschlagbild: Sammlung Kirchschlager, Arnstadt
Umschlaggestaltung: Wolfgang Brandt


Leseprobe aus Das letzte Opfer von Gerd Ruebenstrunk

Ich weiß nicht, warum Nosslinger gerade mich beauftragte, die Mordserie in der Stadt am Meer zu untersuchen.

Ich hatte weder großartige Erfolge vorzuweisen noch war ich das, was man einen Topermittler nennt. Die letzte Zeit hatte ich vorwiegend im Büro verbracht, damit beschäftigt, alte Fallakten zu aktualisieren und anschließend zu archivieren. Das würde ich wahrscheinlich bis zu meiner Pensionierung fortführen, die, mit einigem Glück, nur noch drei Jahre entfernt war.

Deshalb überraschte es mich umso mehr, als er mich in sein Büro riefen ließ. Wie eine alte, fette Kröte hockte er hinter seinem Schreibtisch, der so leer war wie mein Konto kurz vor Monatsende. Vor ihm lag lediglich eine dicke Akte, die schon durch viele Hände gegangen sein musste, wenn man nach den zahlreichen Unterschriftenkürzeln auf dem Deckel ging.

Nosslinger war eine lebende Legende. Im Laufe seiner Karriere war es ihm gelungen, zwei Serienmörder zur Strecke zu bringen. So wunderte es auch keinen, dass er, obwohl er zehn Jahre jünger war als ich, zum Abteilungsleiter und damit zu meinem Vorgesetzten berufen worden war.

Warum er den Fall nicht selbst übernehme, fragte ich ihn. Immerhin verfüge er doch über entsprechende Erfahrung, während ich nichts anderes sei als ein besserer Archivar.

Das sei nicht so einfach, erwiderte er. Er habe jetzt Verantwortung und könne seinen Posten nicht ohne Weiteres verlassen. Er setze volles Vertrauen in mich, schließlich sei ich doch einmal ein solider Ermittler gewesen, und genau das sei hier gefragt. Solide Ermittlungsarbeit. Überflieger gebe es genug, auch in der Stadt am Meer, aber keinem von ihnen sei es gelungen, auch nur den kleinsten Hinweis auf den Täter zu finden. Deshalb betrachte er es als durchaus unkonventionellen Schachzug, mir die Aufgabe zu übertragen.

Er schob mir die Akte zu. Ich solle mich, so sagte er, in Ruhe einlesen. Alle Informationen über den Fall seien vorhanden, er selbst wisse auch nicht mehr. Vor allem solle ich mich nicht irritieren lassen von einigen Ungereimtheiten, die Umstände der einzelnen Morde betreffend.

Also vertiefte ich mich in die Unterlagen. Es handelte sich um zwölf Todesfälle in den letzten drei Monaten. Zwischen den Opfern schien es keine Gemeinsamkeiten zu geben, es waren Frauen, Männer und Kinder darunter. In der Mehrzahl der Fälle war ihnen der Schädel mit einem harten Gegenstand eingeschlagen worden. Anschließend hatte der Täter ihnen das Herz herausgeschnitten. Weitere Misshandlungen oder sexuellen Missbrauch der Leichen gab es nicht.

Es existierten keinerlei Zeugen und auch keine Hinweise auf einen möglichen Täter. Erschwerend kam hinzu, dass der Leiter der Untersuchungen, ein gewisser Beermann, vor zwei Wochen überraschend aus dem Dienst ausgeschieden war.

Die Medien hatten nichts darüber berichtet, was mich wunderte. Man halte die ganze Sache unter der Decke, erklärte mir Nosslinger. Da es keine Zeugen gebe, habe das bislang funktioniert. Zudem sei die Presse vor Ort recht kooperationsbereit. Aber das werde ich alles schon selbst sehen.

Am Wochenende packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg. Die Stadt am Meer war nicht an das Fernstraßennetz angebunden. Ich musste wohl zu früh die Autobahn verlassen haben, denn stundenlang fuhr ich durch eine flache Einöde. Die grauen Wolken, die seit Stunden einen unablässigen Sprühregen ausspuckten, verschmolzen in der aufkommenden Dunkelheit mit den Nebelschwaden, die aus den ausgedehnten Wiesen aufstiegen. In dem trügerischen Zwielicht verschwamm die Landschaft, löste sich die Grenze zwischen Himmel und Erde auf, und ich musste mich konzentrieren, um die unmarkierte Straße im fahlen Licht der Scheinwerfer zu erkennen.

Ich saß seit sechs Stunden hinter dem Steuer und war entsprechend müde. Zwei kurze Kaffeepausen an fast leeren Raststätten hatten mich zwar kurzzeitig mit Energie versorgt; jetzt ließen sie mich in ein umso tieferes Loch fallen. Es fühlte sich an, als würde sich das Zwielicht draußen nahtlos in meinem Kopf fortsetzen. Nur selten kam mir ein Fahrzeug entgegen, und jedes Mal riss es mich aus meiner geistigen Dämmerung und beschleunigte meinen Herzschlag, weil ich in der Straßenmitte fuhr und befürchtete, beim Ausweichen auf die rechte Seite in einen jener Gräben zu kippen, die direkt neben dem ausgebrochenen Asphalt am Straßenrand klafften.

Eine gewisse Erleichterung brachten nur die gelegentlich auftauchenden Dörfer mit ihren geduckten, reetgedeckten Dächern, die, wie tief in die Stirn gezogene Kappen, die Fenster im Erdgeschoss fast verdeckten. Trübe Straßenlaternen ließen hier den Straßenverlauf zumindest erkennen, während aus den Häusern selbst kein Lichtstrahl nach außen drang, als hätten die Bewohner sich ebenso verkrochen wie ihre Behausungen.

Die Fahrt kam mir endlos vor. Die Kilometerangaben auf den gelben Wegweisern schienen willkürlich gesetzt zu sein: Waren es vor einer Viertelstunde noch zehn Kilometer bis zu meinem Ziel, so sollten es nun mit einem Mal zwölf sein. Ich fürchtete schon, mich verfahren zu haben, und hatte soeben beschlossen, im nächsten Weiler nach dem Weg zu fragen, als ich den Ortseingang meines Reiseziels passierte.

Hier waren die Straßen nur unwesentlich heller beleuchtet, und die Gebäude wiesen kaum Zeichen von Leben auf. Ab und an sah ich Menschen auf den Gehwegen, die, gegen den ständigen Regen gebückt, eilig einem mir unbekannten Ziel zustrebten.

Ich folgte einer gewundenen Straße, die mich in den Ortskern führte. Er bestand aus schmalen, geduckten Häusern, deren Dächer im Regen glänzten. Die Fahrbahn war mit Kopfstein gepflastert, und in dem Labyrinth der engen Gassen verlor selbst mein Navigationsgerät seine Orientierung. Ich irrte eine Weile herum. Mehrmals hatte ich das Gefühl, eine Straße schon durchfahren zu haben, bis ich schließlich ein kleines, unbeleuchtetes Schild entdeckte, das den Namen meines Hotels trug.

Dreimal musste ich die Klingel drücken, bis mir ein schläfriger Nachtportier die Tür öffnete. Ich schien der einzige Gast zu sein. Mit mürrischer Miene wies der Mann mir ein spärlich eingerichtetes Zimmer zu. Ich hätte nach der langen Fahrt gerne noch etwas gegessen oder getrunken, aber ein Blick aus dem Fenster in den stärker werdenden Regen ließ mich hungrig zu Bett gehen.

Am nächsten Morgen holte mich der leitende Kommissar der Stadt vom Hotel ab. Er stellte sich als Bosner vor und war ein korpulenter Mann mit buschigen Augenbrauen. Er freue sich sehr über die Unterstützung, die ihm Nosslinger habe zukommen lassen, erklärte er. Er hoffe, mit meiner Hilfe den Fall schnell abschließen zu können.

Ich sei kein Spezialist für solche Fälle, wehrte ich ab, werde aber selbstverständlich mein Bestes tun.

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