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Die Virginier Erster Band – 5. Kapitel

William Makepeace Thackeray
Die Virginier
Erster Band
Wurzen, Verlags-Kontor, 1858
5. Kapitel
Familienstreitigkeiten

Als Harry Warrington seiner neugefundenen Verwandten so aufrichtig die Geschichte seiner Abenteuer zu Hause berichtete, bildete sich Madame Bernstein, die viel Sinn für Humor und eine bemerkenswerte Weltkenntnis besaß, zweifellos ihr Urteil über die geschilderten Personen und Ereignisse; und wenn dies Urteil nicht in jeder Beziehung günstig ausfiel, was kann man anderes dazu sagen, als dass Mann und Weib unvollkommen und das menschliche Leben nicht so ganz vergnüglich und ersprießlich ist? Die bei Hofe und in der Stadt erzogene Dame schauderte bei dem bloßen Gedanken an das ländliche Dasein ihrer amerikanischen Schwester zurück. Ein solches Leben wäre für die meisten städtischen Damen recht langweilig gewesen. Aber die kleine Madame Warrington kannte kein anderes und war mit dem ihren so zufrieden, wie sie tatsächlich mit sich selbst im Allgemeinen zufrieden war. Weil du und ich Fein­schmecker und Leckermäuler sind, darum ist noch nicht erwiesen, dass sich der Bauer bei seinem schlichten Mahl von Brot und Speck unglücklich fühlt. Madame Warrington führte ein Leben voller Pflichten und Tätigkeiten, die eintönig sein mochten, ihr aber jedenfalls Vergnügen machten. Sie war eine flinke, geschäftige kleine Frau, und alle Angelegenheiten ihres weiten Besitztums bekam sie zu wissen. Keine Pastete wurde in Gastlewood gebacken, in der sie nicht ihren zierlichen Finger hatte. Sie setzte die Mägde ans Spinnrad, sie brachte die Küchenfrauen in Trab, sie trottete auf ihrem Pony querfeldein und beaufsichtigte die Aufseher und die farbigen Arbeiter in den Tabak- und Kornfeldern. Wenn ein Sklave krank war, pflegte sie ihn bei jedem Wetter zu besuchen und mit großer Entschlossenheit zu kurieren. Sie hatte ein Buch voll altmodischer Rezepte, ein Kabinett, in dem sie Wasser destillierte und Elixiere zusammenbraute, und eine Hausapotheke, die der Schrecken ihrer Nachbarn war. Sie zitterten davor, krank zu werden, damit die kleine Dame sie nicht mit ihren Pillen und Heiltränken überfiele.

Vor hundert Jahren gab es kaum Städte in Virginia; die Niederlassungen der Gutsbesitzer bildeten kleine Dörfer, in denen sie mit ihren Vasallen wohnten. Rachel Esmond herrschte wie eine kleine Königin in Gastlewood, und rundum regierten ihre Nachbarn wie Fürsten ihre Ländereien. Viele davon waren recht kümmerliche Potentaten, die wohl üppig, aber in rauer Art lebten, zahlreiche Diener hatten, aber oft in zerrissener Livree; sie hielten offenes Haus und wiesen keinen Fremden von der Für, waren stolz, faul und liebten jeden Sport im Freien, wie es Gentlemen von guter Abstammung ziemte. Die Witwe von Gastlewood war so gastfrei wie ihre Nachbarn und dazu ein besserer Wirtschafter als die meisten anderen. Zweifellos hätte manch einer nichts dagegen gehabt, ihr Lebensinteresse an dem Besitz zu teilen und Papas Platz bei den Jungen auszufüllen. Aber welcher Mann war gut genug für eine Persönlichkeit von so hoher Geburt wie Ihro Gnaden? Es gab ein Gerücht, dass man den Herzog von Cumberland zum Vizekönig oder sogar König über Amerika machen wolle.

Madame Warringtons Gevatterinnen bemerkten lachend, sie warte wohl auf ihn. Sie erwiderte mit viel Ernst und Würde, dass Personen von ebenso hoher Geburt wie Seine Königliche Hoheit der Familie Esmond schon Heiratsanträge gemacht hätten.

Als ihren Statthalter beschäftigte sie eine Offizierswitwe, die wir schon erwähnten und die Madame Esmonds Schulfreundin gewesen war, so wie ihr seliger Gatte des seligen Mr. Warrington Regimentskamerad. Wenn die englischen Mädels in der Kensington Academy, wo Rachel Esmond erzogen wurde, den kleinen Fremdling aus Amerika neckten und ärgerten und über die fürstlichen Allüren lachten, die sie schon in sehr jungen Jahren annahm, wurde sie von Fanny Parker verteidigt, die freundschaftlich zu ihr hielt. Beide heirateten dann Fähnriche aus Kingsleys Regiment. Sie hingen zärtlich aneinander. In den Briefen der jungen Damen hieß es nur liebste Fanny und liebste Rachel. Dann starb der liebsten Fanny Gatte in traurigen armseligen Umständen und hinterließ nichts für Weib und Kind; und bei einer seiner jährlichen Reisen brachte Kapitän Franks Mrs. Mountain auf der Jungen Rachel nach Virginia herüber.

Es war reichlich Platz in Haus Gastlewood und Mrs. Mountain brachte Leben hinein. Sie spielte mit der Herrin des Hauses Karten, sie hatte einige Musikkenntnisse und konnte dem ältesten Jungen auf diesem Gebiet helfen; sie lachte und war liebenswürdig zu den Gästen, sie sah nach den Fremdenzimmern und herrschte über Schränke und Linnen. Sie war eine freundliche, lebhafte, lustig aussehende Witwe, und mancher unverehelichte Gentleman der Kolonie hat sie, ihren Namen mit dem seinen zu vertauschen. Aber sie wollte lieber den des seligen Mountain behalten, obwohl oder vielleicht auch, weil er ihr kein Glück gebracht hatte. Diese eine Heirat genüge ihr, pflegte sie zu sagen. Mr. Mountain hatte liebenswürdig ihr kleines Vermögen und auch sein eigenes durchgebracht. Ihre letzten Schmuckstücke gingen dahin, um sein Begräbnis zu bezahlen; und solange Madame Esmond sie in Gastlewood behalten wollte, zog sie ein Heim ohne Gatten jedem ihr bisher in Virginia gebotenen vor.

Die beiden Damen zankten sich häufig, aber sie liebten einander – sie legten ihre Streitigkeiten bei, überwarfen sich von Neuem und versöhnten sich doch bald wieder. Wenn einer der Jungen krank war, wetteiferten die Damen in mütterlicher Zärtlichkeit und Sorge. Der Oberst, dessen Gedächtnis Madame Warrington höher hielt als irgendeinen lebenden Menschen, hatte Mrs. Mountains Güte und Heiterkeit in seinen letzten Tagen auf dem Krankenlager sehr gewürdigt.

So kam es, dass Jahr um Jahr, wenn Kapitän Franks in seiner munteren Art fragte, ob sie mit ihm zurückreisen wolle, Mrs. Mountain abzulehnen pflegte und sagte, sie beabsichtige, noch ein Jahr länger zu bleiben.

Und wenn, wie es geschah, Bewerber zu Madame Warrington kamen, pflegte sie ihre Schmeicheleien und Aufmerksamkeiten recht freundlich aufzunehmen und fragte manchen Liebhaber, ob er nicht wegen Mrs. Mountain käme. Sie pflegte ihre Mountain wärmstens zu empfehlen. Fanny war das beste Geschöpf von der Welt, stammte aus einer guten englischen Familie und würde jeden Gentleman glücklich machen. Wenn der Kavalier erklärte, dass seine Bewerbung ihr und nicht ihrer Vasallin gelte, pflegte sie ihm ihren würdevollsten Knicks zu machen und erklärte, dass sie über seine Absichten wirklich ganz im Irrtum gewesen sei und ließ ihn wissen, dass die Tochter des Marquis von Esmond für ihre Leute und für ihre Söhne lebe und nicht gedenke, ihre Stellung zu verändern. Haben wir nicht gelesen, dass es der Königin Elisabeth, die eine vollkommen vernünftige Geschäftsfrau war, nicht nur gefiel, Furcht und Schrecken einzuflößen, sondern auch Liebe im Busen ihrer Untertanen zu entzünden? So hatte auch die kleine virginische Fürstin ihre Günstlinge, ließ sich von ihnen schmeicheln, wurde ihrer überdrüssig und behandelte sie grausam oder freundlich, wie es ihrer wetterwendischen Herrscherlaune gerade passte. Es gab kein Kompliment, das sie nicht gnädig und als einen ihr geschuldeten Tribut empfing. Ihre kleine Schwäche war so gut bekannt, dass die Spaßvögel darauf rechneten. Der Windbeutel Jack Firebrace aus der Grafschaft Henrico hatte monatelang freies Quartier in Gastlewood und war erster Günstling der Dame des Hauses, weil er sie in Versen andichtete, die er aus Almanachen stahl. Tom Humbold aus Spotsylvania wettete fünfzig Oxhoft gegen fünf, dass er sie dazu bringen würde, einen Ritterorden zu gründen, und er gewann die Wette.

Der ältere Sohn erkannte die Torheiten und Wunderlichkeiten im Charakter seiner lieben Mutter, und insgeheim tobte und wütete er darüber. Sehr früh schon empörte er sich, wenn der kleinen Dame Schmeicheleien und Komplimente gesagt wurden und bemühte sich, sie durch seine jugendliche Satire als unwahr zu enthüllen, sodass seine Mutter ernsthaft zu sagen pflegte: »Die Esmonds waren von Natur immer eifersüchtig, und mein armer Junge schlägt darin ganz nach meinem Vater und meiner Mutter.«

George hasste Jack Firebrace und Tom Humbold und alle ihresgleichen, während Harry mit ihnen auf die Jagd zog, zum Fischen, Vogelstellen und zum Hahnenkampf – und alle Freuden des amerikanischen Landlebens genoss.

Einen Winter, nachdem ihr erster Lehrer entlassen worden war, brachte Madame Esmond die Zwillinge nach Williamsburg, der Bildung wegen, die Schulen und College dort bieten konnten; und hier hatte die Familie das Glück, der Predigt des berühmten Mr. Whitheld zu lauschen, der nach Virginia gekommen war, wo die Sitten und Predigten der Geistlichkeit der Staatskirche nicht sehr erbaulich waren. Ungleich vielen Nachbarprovinzen gehörte Virginia zur Kirche von England. Die Geistlichen wurden vom Staat bezahlt und erhielten Pfarrland zugeteilt; und da es noch keinen Bischof der Anglikanischen Kirche in Amerika gab, waren die Kolonisten gezwungen, ihre Priester aus dem Mutterland zu importieren. Die da herüberkamen, waren natürlich nicht die allerbeste oder beredsamste Sorte von Pastoren. Schmarotzer von Edelleuten, verschuldete Pfarrer, die mit der Justiz oder dem Gerichtsvollzieher in Streit gelegen hatten, schleppten ihren befleckten Talar in die Kolonie und hofften, dort eine Pfründe zu finden. Kein Wunder, dass Whitfields großartige Stimme all jene erregte, die der harmlose Mr. Broadbent, der Williamsburger Kaplan, nie zu erwecken vermochte. Zuerst begeisterten sich die Jungen für Mr. Whitfield genauso wie ihre Mutter, sie sangen Kirchenlieder und lauschten ihm mit glühendem Eifer; und wäre er lange genug dortgeblieben, hätten Harry und George vielleicht den schwarzen Rock statt der Epauletten getragen. Die einfältigen Knaben erzählten sich ihre inneren Erlebnisse und warteten Tag und Nacht auf den heiligen Ruf in der Hoffnung oder Besessenheit, die eine so riesige Mehrheit des protestantischen Englands zu jener Zeit durchschauerte.

Aber Mr. Whitfield konnte nicht immer bei der kleinen Gemeinde von Williamsburg ausharren. Es war seine Mission, das ganze umnachtete Kirchenvolk zu erleuchten, die Wahrheit auszuposaunen von Morgen gen Abend und schlummernden Sündern Erweckung zu gebieten. Indessen tröstete er die Witwe durch vortreffliche Briefe und versprach, ihr einen Lehrer für die Söhne zu senden, der fähig wäre, sie nicht nur weltliche Kenntnisse zu lehren, sondern sie zu stärken und zu befestigen in einer weit köstlicheren Wissenschaft.

Zur gehörigen Zeit traf denn auch ein erwähltes Schiff aus England ein. Der junge Mr. Ward verfügte über eine so laute Stimme wie Mr. Whitfield selbst und konnte fast ebenso fließend und lange reden. Jag und Nacht tönte die Halle von seinen Ermahnungen. Die Hausangestellten schlichen an die Türen, um ihm zu lauschen. Andere Diener verdunkelten die Verandafenster mit ihren krausen Köpfen, um seinen Vortrag zu hören. Die schwarzen Schafe der Herde von Gastlewood waren es, auf die Mr. Ward den größten Einfluss gewann. Diese wolligen Lämmlein wurden von seinen Prophezeiungen ungeheuer ergriffen, und wenn er den Lobgesang anstimmte, erscholl ein solcher Chor, dass man ihn wohl am anderen Ufer des Potomac vernehmen mochte – ein solcher Chor, wie man ihn zu des Obersten Lebzeiten nie gehört hätte. Denn dieser würdige Herr war gegen jeden Talar misstrauisch und erklärte, er wolle mit einem Geistlichen nie disputieren, außer über das Puffspiel. Wo Geld für wohltätige Zwecke gebraucht wurde, war niemand mehr zu geben bereit als er; und der gute, nachgiebige, virginische Geistliche, der auch herzlich gern Puff spielte, behauptete, die Barmherzigkeit des guten Obersten müsste seine Mängel im Glauben ausgleichen.

Ward war ein hübscher junger Mann. Seine Predigt gefiel Madame Esmond von Anfang an und befriedigte sie, glaube ich, ebenso wie die des Mr. Whitfield. Heute natürlich, da die Frauen so vortrefflich gebildet sind, kann das nicht mehr der Fall sein, aber vor hundert Jahren waren sie leichtgläubig, eifrig bereit zu bewundern und zu vertrauen und fähig, dem Gegenstand ihrer Bewunderung alle möglichen Vorzüge anzudichten. Wochen, ja Monate lang wurde Madame Esmond nicht müde, Mr. Wards tönende flüssige Sprache und seine zungenfertigen Gemeinplätze anzuhören; und wie es ihre Gewohnheit war: Sie bestand darauf, dass auch ihre Nachbarn kommen sollten, ihm zu lauschen, und befahl sie zur Bekehrung. Ihren jungen Günstling, Mr. Washington, strebte sie besonders zu beeinflussen; wieder und wieder drängte sie ihn, zu kommen und in Gastlewood zu bleiben, und Segen zu gewinnen durch die geistlichen Gaben, die dort geboten wurden. Aber dieser junge Herr fand immer, dass ihn ein bestimmtes Geschäft entweder nach Hause rief oder fortzureiten zwang, und befahl stets rechtzeitig sein Pferd am Abend, wenn die Stunde für Mr. Wards fromme Übungen nahte. Und die Zwillinge wurden ihres neuen Lehrers bald überdrüssig und sogar widerspenstig – welche Jungen sind denn auch gerecht gegen ihren Erzieher?

Sie stellten fest, er sei ein schlechter Gelehrter, ein langweiliger Bursche und obendrein schlecht erzogen. George verstand mehr Latein und Griechisch als sein Lehrmeister und erwischte ihn im Schreiben und Rechnen ständig hei groben Schnitzern. Harry, der sich viel mehr Freiheiten erlauben durfte als sein älterer Bruder, kopierte Wards Manier, mit vollem Mund zu sprechen, sodass Mrs. Mountain und selbst Madame Esmond lachen mussten und die kleine Fanny Mountain vor Vergnügen krähte. Madame Esmond würde den Burschen selbst als einen gewöhnlichen Scharlatan bezeichnet haben, wenn nicht der Widerstand ihrer Söhne gewesen wäre, dem sie ihren eignen unbeugsamen Willen entgegensetzen wollte. »Was macht es schon, ob er etwas mehr oder weniger weltliches Wissen hat?«, fragte sie, »in dem Kostbarsten aber, darin kann Mr. Ward uns allen ein Lehrer sein. Was schadet es, wenn seine Manieren ein wenig ungeschliffen sind? Der Himmel sucht seine Auserwählten nicht zwischen den Mächtigen und Reichen. Ich wünschte, Kinder, ihr würdet das eine Buch so gut kennen wie Mr. Ward. Es ist euer gottloser Stolz – der Stolz aller Esmonds – der euch hindert, auf ihn zu hören. Fallt in eurem Zimmer auf die Knie und betet, von diesem fürchterlichen Fehler befreit zu werden.« Ward predigte an diesem Abend über Naaman, den Syrer, und den Hochmut, in welchem er seine heimischen Flüsse von Ahana und Pharpar den segensreichen Wassern des Jordan überlegen glaubte – wobei die Moral der Geschichte hieß, dass er, Ward, der Wahrer und Hüter der geheiligten Wasser des Jordan sei, und die unglücklichen betrogenen Jungen zur Verdammnis verurteilt wären, wenn sie nicht zu ihm fänden.

George begann nun einer verruchten sarkastischen Art nachzugehen, die er vielleicht von seinem Großvater geerbt hatte; und wenn eine ruhige, gewandte junge Person sie als Werkzeug wählt, kann sie es damit einer ganzen Familie unbehaglich machen. Er griff Wards pompöse Bemerkungen auf und machte sie lächerlich, sodass der junge Priester innerlich raste und an seinen großen Bissen bei Tisch fast erstickte. Er versetzte Madame Esmond in Wut, und das doppelt stark, wenn er Harry zu Lachanfällen brachte. Der halsstarrige ältere Bruder trotzte ihrer Autorität, verachtete und beleidigte ihren Beamten und verdarb ihr jüngstes Kind. Sie unternahm einen verzweifelten und unglücklichen Angriff, um ihre Macht aufrechtzuerhalten.

Die Jungen waren vierzehn Jahre alt, Harry größer und entwickelter als sein Bruder, der noch zart und von Gestalt und Aussehen fast kindlich war. Die baculine Methode war in jenen Tagen eine ganz allgemeine Art zu überzeugen. Sergeanten, Schulmeister und Sklavenaufseher machten reichlich vom Stock Gebrauch. Unsere kleinen Burschen waren noch zu ihres Großvaters Lebzeiten so manchen Tag von Mr. Dempster, ihrem schottischen Lehrer, übergelegt und durchgeprügelt worden; und besonders Harry hatte sich ganz an diese Praxis gewöhnt und machte sich kaum etwas daraus. Aber in dem Interregnum nach Oberst Esmonds Tod war der Stock beiseitegelegt worden, und die jungen Herren auf Gastlewood hatten nach ihrem Gefallen leben dürfen. Da nun ihre eigene und ihres Stellvertreters Autorität durch die jugendlichen Rebellen missachtet wurde, gedachte die unselige Mutter, sie mit Zwangsmitteln wiederherzustellen. Sie pflog Rat mit Mr. Ward. Dieser athletische junge Pädagoge fand leicht Kapitel und Vers, um das Verfahren zu rechtfertigen, das er selbst wünschte – tatsächlich zweifelte man damals nicht an der Heilsamkeit dieser Prozedur. Er hatte den Jungen anfangs geschmeichelt, da er eine gute Stelle und behagliche Unterkunft in Gastlewood fand und dort zu bleiben hoffte. Aber sie lachten über seine Schmeicheleien, sie spotteten über seine schlechten Manieren und gähnten bald bei seinen Predigten; je mehr ihre Mutter ihn begünstigte, umso weniger mochten sie ihn leiden, und so hassten der Lehrer und die Schüler sich gegenseitig von Herzen. Mrs. Mountain, die auf Seiten der Jungen stand und besonders die Freundin Georges war, den die Mutter ihrer Meinung nach ungerecht behandelte, warnte die Burschen: Sie sollten vorsichtig sein, irgendeine Verschwörung würde gegen sie ausgehecht. »Ward ist kriecherischer denn je zu eurer Mama. Mir dreht sich wahrhaftig der Magen um, wenn ich ihn so schmeicheln höre und sein Futter schlingen sehe – den widerlichen Schurken! Ihr müsst auf der Hut sein, meine armen Jungen – ihr müsst eure Lektion lernen und dürft euren Lehrer nicht ärgern. Es droht Unheil, ich weiß, es kommt. Eure Mama sprach neulich mit Mr. Washington über euch, als ich gerade ins Zimmer kam. Ich kann diesen Major Washington nicht leiden, das wisst ihr. Sag nicht: ›Ach Mounty!‹ Master Harry. Du trittst immer für deine Freunde ein, das weiß ich. Der Major ist sehr hübsch und groß und mag ja auch sehr gut sein, aber er ist mir ein zu alter junger Mann. Herrje, meine Lieben, der wilde Hafer, den euer Vater und mein armer Mountain säten, als sie noch Fähnriche in Kingsleys Regiment waren, der würde ganze Säcke füllen! Zeigt mir Mr. Washingtons wilden Hafer, sage ich – nicht ein Korn! Ja, also ich kam letzten Dienstag zufällig hinein, als er hier bei eurer Mama war, und ich bin sicher, sie sprachen von euch, denn er sagte: ›Disziplin ist Disziplin und muss gewahrt werden. Es kann nur ein Kommando im Hause geben, Madame, und Ihr müsst Herrin in dem Euren sein.‹«

»Dieselben Worte gebrauchte er mir gegenüber«, rief Harry aus. »Er erzählte mir, dass er sich nicht gern in anderer Leute Angelegenheiten mische, dass aber unsere Mutter sehr ärgerlich sei, gefährlich ärgerlich, sagte er, und er hat mich, Mr. Ward zu gehorchen und besonders George zu drängen, dass er es tue.«

»Mag er sein eigenes Haus verwalten, aber nicht meines«, sagte George sehr hochmütig. Und die Warnung, weit entfernt ihm zu nützen, machte den Jungen nur noch anmaßender und widerspenstiger.

Am nächsten Tag brach das Gewitter los, und die Rache fiel auf des kleinen Rebellen Haupt. Während des morgendlichen Studiums kam es zum Wortwechsel zwischen George und Mr. Ward. Der Junge benahm sich ungehorsam und unbillig. Selbst sein treuer Bruder schrie auf und musste zugehen, dass er im Unrecht wäre. Mr. Ward bewahrte Ruhe – denn seine Wut unterdrücken, auf Flaschen ziehen und zukorken, um den augenblicklichen wilden Ausbruch zu verhüten, das nennt man: die Ruhe bewahren – und er sagte, er würde über diese Angelegenheit mit Madame Esmond sprechen. Als die Familie sich zum Dinner traf, bat Mr. Ward Ihro Gnaden, noch zurückzubleiben und legte ihr sehr gelassen den Streitfall dar.

Er forderte Harry auf, seine Darstellung zu bezeugen, und der arme Harry war genötigt, alle Angaben des Schulmeisters zu bestätigen. George, der am Kamin unter dem Porträt seines Großvaters stand, bemerkte hochmütig, was Mr. Ward gesagt hätte, stimme vollkommen.

»Es ist sinnlos, solch einen Schüler zu unterrichten«, fuhr Mr. Ward fort und hielt eine lange Rede, geschmückt mit vielen seiner bekannten Bibelsprüche, und bei jedem dieser Zitate lächelte der boshafte junge George und zischte verächtlich, und am Ende bat Mr. Ward Ihro Gnaden, sich zurückziehen zu dürfen.

»Nicht ehe Ihr dieses gottlose und ungehorsame Kind gezüchtigt habt«, sagte Madame Esmond, die während Wards bombastischem Wortschwall wütend geworden war, besonders über das Benehmen ihres Sohnes.

»Züchtigen!«, rief George.

»Ja, mein Herrchen, züchtigen! Wenn die Mittel der Liebe und Ermahnung versagen, wie es bei deinem hoffärtigen Herzen der Fall ist, müssen andere Wege gefunden werden, um dich zum Gehorsam zu bringen. Ich züchtige dich jetzt, widerspenstiger Junge, um dich vor härterer Züchtigung hernach zu bewahren. Die Disziplin in der Familie muss erhalten werden. Es kann im Haus nur ein Kommando geben, und ich muss die Herrin des meinen bleiben. Ihr werdet diesen widersetzlichen Jungen züchtigen, Mr. Ward, wie wir es verabredet haben, und sollte es den geringsten Widerstand auf seiner Seite geben, werden mein Aufseher und meine Diener Euch Hilfe leihen.«

In solchen Worten muss die Witwe zweifellos gesprochen haben, aber mit vielen eifernden biblischen Anspielungen, die der Chronist nicht gern wiedergibt.

Sich ständig auf das Wort Gottes zu berufen und seine Sprüche den eigenen Zwecken anzupassen, ständig den Himmel ins Vertrauen zu ziehen über Privatangelegenheiten und leidenschaftlich sein Eingreifen in die Familienstreitigkeiten zu fordern, so vertraut mit seinen Vorsätzen und Plänen zu sein, dass man dem Nachbarn mit Himmelsstrafen drohen kann, und seine Absichten mit jedem, der nicht der eignen, unfehlbar richtigen Meinung ist, ganz genau zu kennen – das war es, was die einfältige Witwe von ihrem heftigen, jungen, geistlichen Führer gelernt hatte, und ich bezweifle, ob es ihr viel Glück brachte.

Mitten in der Rede seiner Mutter, vielleicht trotz dieser Rede, fühlte George, dass er falsch gehandelt hatte. »Es kann nur ein Kommando im Hause gehen, und Ihr müsst die Herrin sein. Ich weiß, wer vor Euch diese Worte gebrauchte«, sagte George langsam und sehr bleich im Gesicht, »und … und ich weiß, Mutter, dass ich unrecht gegen Mr. Ward gehandelt habe.«

»Er gibt es zu! Er bittet um Verzeihung!«, rief Harry. »Das ist recht, George! Das genügt, nicht wahr?«

»Nein, es genügt nicht!«, schrie die kleine Frau. ,,Der ungehorsame Junge muss für seinen Ungehorsam büßen. Wenn ich eigensinnig war, wie ich manchmal als Kind zu sein pflegte, ehe mein Sinn gewandelt und demütig wurde, züchtigte mich meine Mama, und ich fügte mich. Das muss auch George. Ich wünsche, dass Ihr Eure Pflicht tut, Mr. Ward.«

»Haltet ein, Mutter! Ihr wisst nicht ganz, was Ihr tut«, rief George tief erregt.

»Ich weiß, dass, wer die Rute spart, sein Kind verdirbt, du undankbarer Bursche!«, erwiderte Madame Esmond und tilgte noch mehrere Zitate gleicher Art hinzu, die George sehr bleich und verzweifelt anhörte.

Auf dem Kaminsims unter dem Bildnis des Obersten stand eine Porzellantasse, auf die die Witwe großen Wert legte, da ihr Vater immer daraus getrunken hatte. George ergriff sie plötzlich, und ein seltsames Lächeln glitt über sein bleiches Gesicht. »Wartet eine Minute, geht noch nicht fort«, rief er seiner Mutter zu, die das Zimmer verlassen wollte. »Ihr … Ihr liebt diese Tasse sehr, Mutter?«

Harry sah ihn verwundert und fragend an.

»Wenn ich sie zerbräche, könnte sie nie mehr heil werden, nicht wahr? Keines Kesselflickers Bänder würden sie wieder ganz machen. Meines lieben alten Großpapas Tasse! Ich hatte unrecht. Mr. Ward, ich bitte um Verzeihung. Ich will versuchen, mich zu bessern.«

Die Witwe sah ihren Sohn entrüstet, fast verächtlich, an. »Ich glaubte«, sagte sie, »ich glaubte, ein Esmond wäre mehr Mann, als dass er Angst hätte.« Hier stieß sie einen kleinen Schrei aus, da Harry mit vorgestreckten Händen auf seinen Bruder zustürzte.

George, nach einem Blick auf die Tasse, erhob sie und ließ sie auf die Marmorplatte vor dem Kamin fallen. Harry hatte vergeblich versucht, sie aufzufangen.

»Es ist zu spät, Hal«, sagte George. »Das wirst du nie wieder heilen – nie. Jetzt, Mutter, hin ich bereit, wie Ihr es wünscht. Wollt Ihr kommen und sehen, ob ich Angst habe? Mr. Ward, ich bin Ihr Diener. Ihr Diener? Ihr Sklave! Und das nächste Mal, wenn ich Mr. Washington treffe, Madame, werde ich ihm für den Rat danken, den er Euch gab.«

»Ich sage, tut Eure Pflicht, Sir!«, schrie Mrs. Esmond, mit dem kleinen Fuß aufstampfend. Und George forderte Mr. Ward mit einer tiefen Verbeugung auf, ihm in die Bibliothek vorauszugehen.

»Halt! Um Gottes willen, Mutter, haltet ein!«, rief der arme Harry.

Aber Zorn kochte im Herzen der kleinen Frau, und sie wollte die Bitte des Jungen nicht hören. »Du hilfst ihm nur, du!«, schrie sie. »Und wenn ich selbst es tun müsste, es soll geschehen!« Und Harry, Trauer und Wut im Gesicht, verließ den Raum durch dieselbe Für wie eben sein Bruder und Mr. Ward.

Die Witwe sank dicht daneben in einen großen Sessel und starrte eine Weile mit leerem Blick auf die Scherben der zerschlagenen Tasse. Dann neigte sie den Kopf zurr Für hin, einer der sechs geschnitzten Mahagonitüren, die der Oberst ans Europa mitgebracht hatte. Eine Weile blieb es still – dann ein lauter Aufschrei, der die arme Mutter zusammenschrecken ließ.

Im nächsten Moment stürzte Mr. Ward herein, der aus einer großen Kopfwunde blutete, und hinter ihm Harry mit lodernden Augen, einen kleinen Hirschfänger seines Großvaters schwingend, der mit anderen Waffen des Obersten an der Wand der Bibliothek hing.

»Mir ist es gleich, ich habe es getan«, rief Harry. Ich kann es nicht ertragen, dass dieser Bursche meinen Bruder schlägt, und als er die Hand hob, schleuderte ich das große Lineal nach ihm. Ich konnte nicht anders. Ich würde es nicht ertragen; und wenn jemand die Hand gegen mich oder meinen Bruder hebt, bringe ich ihn um«, schrie Harry und schwenkte das Waidmesser.

Die Witwe atmete tief auf und seufzte, als sie den jungen Kämpen und sein Opfer erblickte. Sie musste schrecklich gelitten haben während der wenigen Minuten, und die Hiebe, die, wie sie glaubte, den ältesten Sohn verletzten, hatten sie selbst ins Herz getroffen. Es verlangte sie danach, beide Söhne ans Herz zu drücken. Nun war sie nicht zornig. Sehr wahrscheinlich war sie entzückt bei dem Gedanken an des Jüngeren Heldenhaftigkeit und Edelmut. »Du bist ein sehr ungezogenes, ungehorsames Kind«, sagte sie in auffallend sanftem Ton. »Mein armer Mr. Ward! Solch ein Rebell, Euch zu schlagen! Papas großes Ebenholzlineal, nicht wahr? Leg den Hirschfänger hin, Kind. Den gab General Webb meinem Papa nach der Belagerung von Lille. Wir wollen Eure Wunde waschen, mein guter Mr. Ward, und dem Himmel danken, dass nichts Schlimmeres geschah. Mountain, holt mir doch etwas Englischpflaster aus der mittelsten Schulblade im Japanschränkchen. Da ist auch George! Zieh Rock und Weste an, Kind! Du wolltest deine Strafe auf dich nehmen, und das genügt. Harry, bitte du Mr. Ward um Verzeihung für deinen bösen aufrührerischen Sinn – ich tue es gewiss von ganzem Herzen. Und hüte dich vor deiner heftigen Natur, Kind, und bete, dass dir verziehen werde. Mein Sohn, ach, mein Sohn!« Und mit einem Tränenausbruch, den sie nicht länger zurückhalten konnte, warf sich die kleine Frau dem Älteren an die Brust.

Harry legte das Jagdmesser fort, ging zögernd zu Mr. Ward und sagte: »Tatsächlich, ich bitte um Verzeihung, Sir. Ich konnte nichts dafür, auf Ehre, ich konnte nicht, ich kann es nicht ertragen, dass man meinen Bruder schlägt.«

Die Witwe erschrak, als sie nach der Umarmung in Georges bleiches Gesicht sah. Er erwiderte ihre gierigen Liebkosungen durch einen kalten Kuss auf die Stirn und trat von ihr weg.

»Ihr wolltet das Beste, Mutter«, sagte er, »und ich hatte unrecht. Aber die Tasse ist zerbrochen, und eines Königs ganzes Heer mit Mann und Ross kann sie nicht wieder heil machen. Da, stellt sie mit der unversehrten Seite nach außen auf den Sims, und die Wunde wird nicht sichtbar sein.«

Wieder blickte Madame Esmond auf den Jungen, als er die Scherben der armen Tasse auf dem Kaminbord anordnete, wo sie immer gestanden hatte. Ihre Macht über ihn war dahin. Er hatte sie bezwungen. Sie war nicht traurig über die Niederlage, denn Frauen wollen nicht nur gern siegen, sondern auch besiegt werden; und von diesem Tage an war der junge Gentleman Herr auf Gastlewood. Seine Mutter bewunderte ihn, wie er auf Harry zuging, ihm gnädig und herablassend die Hand gab und sagte: »Danke, Bruder.« Als oh er ein Fürst wäre und Harry ihm als sein General in einer großen Schlacht geholfen hätte.

Dann wandte sich George zu Mr. Ward, der noch immer kläglich sein Auge und seine Stirn mit Wasser kühlte. »Ich bitte um Verzeihung für Harris Heftigkeit, Sir«, sagte er mit großer Würde. »Ihr seht, wenngleich noch jung an Jahren, sind wir doch Gentleman und können keine schmachvolle Behandlung von Fremden dulden. Ich hätte mich unterworfen, da es Mamas Forderung war, aber ich hin froh, dass sie nicht länger darauf besteht.«

»Und bitte, Sir, wer gibt mir Genugtuung?«, fragte Mr. Ward. »Wer macht den mir angetanen Schimpf wieder gut?«

»Wir sind sehr jung«, antwortete George wiederum mit einer altmodischen Verbeugung, »aber wir werden bald fünfzehn. Jede Genugtuung, die zwischen Gentleman üblich ist …«

»Das, Sir, einem geheiligten Diener des Wortes?«, kreischte Mr. Ward erschreckt. Er kannte die Fechtkünste der Burschen sehr genau, da er zu dutzenden Malen von den Brüdern besiegt worden war.

»Noch seid Ihr kein Geistlicher. Wir glaubten, Ihr würdet gern als Gentleman betrachtet.«

»Gentleman! Ich bin ein Christ, Sir!«, rief Ward mit wütend funkelnden Augen und ballte seine großen Fäuste.

»Gut, gut, warum vergebt Ihr dann nicht?«, fragte Harry. »Und wenn Ihr nicht vergebt, warum kämpft Ihr dann nicht? So etwas nenne ich die Alternativen eines Dilemmas.« Und er lachte in seiner offenen, lustigen Art.

Aber dies war gar nichts gegen das Gelächter, das es einige Tage später gab, als der unglückselige Mr. Ward, nachdem der Bruch zugleich mit des armen Lehrers Auge notdürftig geheilt war, nach seiner Gewohnheit wieder Vortrag hielt. Er versuchte, den Jungen Respekt vor seiner Person einzupredigen und die Begeisterung wieder zu wecken, die die Gemeinde für ihn gefühlt hatte. Er rang mit ihrer offenbaren Gleichgültigkeit, er flehte den Himmel an, ihre kalten Herzen zu erwärmen und jene zu erheben, die in Sünde zurückfielen. Alles war vergeblich. Die Witwe weinte nicht mehr bei seinen Tiraden, sie wurde durch seine stärksten Bilder und Gleichnisse nicht mehr bewegt, noch schien sie sehr erschreckt durch die schärfsten Drohungen, mit denen er seine Predigt pfefferte. Ja, sie schützte Kopfweh vor und zog sich eines Abends zurück, bei welcher Gelegenheit denn der Rest der Herde wirklich sehr kalt blieb. Eines Tages dann predigte Ward, der noch immer verzweifelte Anstren­gungen machte, seine verletzte Autorität zurückzugewinnen, über die Schönheit der Unterordnung, über den laxen Zeit­geist und die Notwendigkeit, unseren geistlichen und welt­lichen Herrschern zu gehorchen. »Denn warum, meine lieben Freunde«, fragte er erhaben, (es war seine Art, ungeheuer dumme Fragen zu stellen und sie geradeswegs mit den ent­sprechenden Plattheiten zu beantworten) »warum sind Regierende gesetzt, wenn nicht, damit wir regiert werden? Warum werden Lehrer verpflichtet, wenn nicht, damit Kinder belehrt werden?« (Dies mit einem Blick auf die Jungen.) »Warum sind rulers – (ruler heißt im Englischen sowohl Herrscher als auch Lineal) – hier stockte er und sah traurig auf die jungen Gentlemen. Er las in ihren Gesichtern, dass sie an die doppelte Bedeutung des von ihm gewählten Wortes dachten, begann zu stottern und schlug mit der Faust auf den Tisch. »Warum, sage ich, sind rulers …«

»Rulers«, sagte George und sah Harry an.

»Rulers«, sagte Hal und legte die Hand aufs Auge, wo der unglückliche Erzieher noch Spuren der kürzlichen Rauferei trug. Rulers, oho! Es war zu viel. Die Jungen brachen in ein prustendes Gelächter aus. Mrs. Mountain, die eine so lustige Person war, konnte nicht anders als in den Chor einstimmen; und die kleine Fanny, die sich bei diesen Feierlichkeiten immer sehr ernsthaft und schweigsam verhalten hatte, krähte vor lauter Vergnügen und klatschte in die Händchen, als die anderen lachten, ohne im Geringsten den Grund dafür zu verstehen.

Dies war nicht zu ertragen. Ward klappte sein Buch zu; in wenigen zornigen, doch beredten und mannhaften Worten erklärte er, dass er an dieser Stätte fürder nicht mehr predigen würde. Und er verließ Gastlewood, durchaus nicht zum Bedauern von Madame Esmond, die drei Monate zuvor doch ganz vernarrt in ihn gewesen war.