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Marcel Riepegerste Raum 211² – Rachespiel

Marcel Riepegerste
Raum 211² Rachespiel

Marcel Riepegerste hat vor wenigen Wochen den zweiten Teil seiner Dystopie veröffentlicht, der nun an diesem Ort ebenfalls besprochen werden soll.

Wir erinnern uns, dass der Staat Deutschland und ein großer Pharmakonzern im ersten Teil dafür sorgten, dass von Forschern die Frage beantwortet wurde, ob Straftäter überhaupt bei ihren Taten Entscheidungsfreiheit hatten, oder ob die Verbrechen in ihrem Hirn so angelegt waren, dass sie diese, weil sie sich zu keiner Zeit dagegen entscheiden konnten, begehen mussten.

Straftäter und ihre Taten standen im Mittelpunkt von Experimenten auf einer Ostseeinsel und danach wurde die Frage nach ihrem freien Willen so beantwortet, dass der Mensch keinen solchen hat und allenfalls durch entsprechende Medikamente dazu gebracht werden kann, Verbrechen zu unterlassen.

Die Wissenschaftler, die die Experimente leiteten, führten allerdings ihre Untersuchung nicht korrekt durch, manipulierten und fälschten dabei sogar, sodass nicht von einem echten Ergebnis gesprochen werden konnte. Die Forscher waren zudem einem Pharmakonzern verpflichtet, der ein Mittel auf den Markt bringen wollte, welches Verbrecher angeblich daran hinderte, Verbrechen zu begehen.

Aber der Konzern verkündete zusammen mit den Wissenschaftlern das getürkte Ergebnis dieser Forschung als einzige Wahrheit. Flüchtlinge, die die Insel verließen und untertauchten, stellte man als Schwerverbrecher dar, die es zu fangen gelte.

Die Flüchtlinge verbargen sich schließlich in der Waldhütte eines Freundes auf dem Festland.

 

Der zweite Teil der Geschichte beginnt damit, dass der ehemalige Minister Anton, der die Forschung forcierte und an deren Ergebnis interessiert war, neuer Bundeskanzler wird. Er ist ein Psychopath, machtgierig und drogenabhängig und strebt danach, die Flüchtlinge in die Gewalt des Staates zu bekommen. Eine der Flüchtigen, eine junge Frau Namens Tammy, war nämlich vor einiger Zeit die Freundin seines Sohnes und hat diesen schwer verletzt, als er sie betrog. Deshalb schwor Anton Rache und will sie und wohl auch die anderen vernichten.

Weniger Monate später, im Herbst 2026, hat die GSG 9, das heißt, die Grenzschutzgruppe 9 der Bundespolizei, eine sehr bekannte Anti-Terror-Einheit, nachts die Waldhütte umstellt, in welcher sich die Geflüchteten verstecken. Anton, der direkt mit der Führung in der GSG 9 verbunden ist, befiehlt den Einsatz, und die Polizisten dringen in das Haus ein. Keiner der Flüchtigen entkommt, und bis auf einen namens Gunnar, der sich gegen die Eindringlinge wehrt, wird niemand verletzt.

Unterdessen landet eine Cessna 172 auf einem kleinen Flugplatz in Brandenburg. Fluggast ist ein amerikanischer Geheimagent mit dem Decknamen Seabird, der gerade von einem Auftrag in Russland kommt und nach Deutschland beordert worden ist. Ein Taxi wartet auf ihn, und er lässt sich nach Berlin bringen.

Inzwischen hat die Regierung nach Veröffentlichung der Forschungsergebnisse beschlossen, zunächst die Häftlinge aus der Haft zu entlassen, die in U-Haft sitzen, also noch nicht rechtskräftig verurteilt sind. Nach und nach sollen dann alle anderen Straftäter aus den Gefängnissen entlassen werden, sofern sie sich bereit erklären, das neue Medikament zu nehmen, das allein nach Schreibart der Verantwortlichen verhindern kann, dass sie erneut straffällig werden.

Einige andere Länder tun dasselbe, manche, vor allem die USA und die konservativen Länder in Osteuropa wie Russland und Polen, weigern sich und verhängen Einreiseverbote für deutsche Staatsbürger und die der anderen liberalen Länder, um sich vor entlassenen Straftätern zu schützen.

In allen Staaten allerdings gibt es auf den Straßen Proteste von Tausenden Demonstranten. Aber in Deutschland lässt der neue Bundeskanzler die Proteste von berittener Polizei und mit Wasserwerfern und Pfefferspray niederwerfen.

Nach weiteren Ausführungen über andere Charaktere und ihre Geschichten kommt der Autor schließlich zur wichtigsten Episode der Story, nämlich zu der Schilderung des Rachespiels, das an einem markanten Berliner Ort vollzogen wird, an welchen die gefangenen Flüchtlinge verbracht werden.

 

Marcel Riepegerste führt im zweiten Teil seiner Dystopie die Erzählstränge des ersten Teils stringent und somit nachvollziehbar weiter. Zudem beschreibt er neue Orte und Personen, die sich logisch in die Erzählung einfügen.

In seinem Nachwort zeigt er auf, dass er einige seiner neuen Charaktere und einige der Örtlichkeiten deshalb beschrieben hat, weil seine Leser ihm hierfür Vorlagen lieferten. Er hatte vorher in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, dass diese ihre Ideen mit ihm teilen sollten. Die Namen der beteiligten Leser listet er am Ende auf.

Außerdem wählt er das Ende des zweiten Buches so, dass es einen dritten Teil geben wird. Diese Tatsache basiert ebenfalls auf Wünschen seiner Leser.

Wie bereits im ersten Teil der Dystopie gelingt es dem Erzähler, eine spannende Geschichte aufs Papier zu bringen, wobei das Ganze allerdings nicht nur düster und tragisch daherkommt, sondern auch, trotz allen Blutes, das da fließt, Licht und Hoffnung Raum geben wird.

Sehr interessant sind dabei die Lebensgeschichten der Hauptakteure Tammy und Alex, wobei sich der Leser fragt, ob sich die Geschichte des Alex nicht ein wenig an die Lebensgeschichte des Autors anlehnt.

Wie dem auch sei, man darf den dritten Teil der Dystopie gespannt erwarten. Interessant wird dabei sein, ob der Verfasser wieder seine Leser aufruft, sich mit ihren Ideen zu beteiligen und ihre Gedanken im dritten Teil ebenfalls verwendet.

Fazit:

Der Autor schreibt mit Raum 211² Rachespiel eine interessante und spannende Fortsetzung seiner Dystopie. Das Experiment, die Leser an Inhalt und den Ideen seiner Fortsetzung zu beteiligen, darf als gelungen gewertet werden.

Ich kann dem Leser, der an Dystopien interessiert ist, deren Wesen es ist, dass sie – ganz oder zumindest zum Teil – Wahrheit werden könnten, dieses Buch empfehlen, allerdings nur dann, wenn er den ersten Teil bereits kennt.

 

Der Autor:

Marcel Riepegerste ist 1993 in Lüdenscheid in Westfalen geboren, studierte nach seinem Abitur an der Hochschule Koblenz und schloss mit 1,0 als Jahrgangsbester ab.

Er arbeitete als Sozialarbeiter und -pädagoge lange in einer forensischen Psychiatrie, das heißt, in einer stark gesicherten psychiatrischen Einrichtung für psychisch erkrankte Straftäter.

Nach dem Ratgeber 1,0 – der Weg zum perfekten Studienabschluss, der zum Bestseller wurde, erschienen die bisher zwei Teile seiner Dystopie Raum 211 bei Redrum Books in Berlin. Teil 1 schaffte es in die Top 100 der Amazon Horror Charts und hielt sich dort längere Zeit. Außerdem wurde dieses Buch von der Jury des Skoutz Award 2022 in die Liste der besten 15 Crime Bücher des Jahres gewählt, für den Planet Award 2022 nominiert und tauchte unter den Top 3 der Krimi-Couch auf. Ferner hat Marcel Riepegerste zusammen mit dem Sprecher Gerrit Koch den Kurz-Thriller Seher 001 als Hörbuch herausgebracht. Weitere Arbeiten des Autors sind in kürzerer Zeit zu erwarten.

Quellen:

Bilder:

  • Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung von Marcel Riepegerste.
  • Foto des Autors. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung von Marcel Riepegerste.

(ww)