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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 11

Der Markgraf Hans (Johann von Küstrin)

In der Ucker- und Neumark erzählt man noch viel von Markgraf Hans. Manches hat noch einen geschichtlichen Anklang und bestätigt, dass damit der Bruder Joachims des II. gemeint ist, welchem bei der Teilung die Neumark und das Cottbuser Land zugefallen war. Er war, heißt es, ein einfacher und strenger Haushalter, der überall im Land auf gute Ordnung hielt, und seine Gemahlin war auch eine gute Wirtin. Die hat alles für ihre Kinder selbst gestrickt und genäht.1

Damit er sich überzeugte, erzählt schon ein alter Berichterstatter nach sagenhafter Überlieferung, dass seine Verordnungen auch überall beobachtet würden, ging er oftmals verkleidet in Dörfern und Städten umher und sah zu, wie es die Leute trieben. Da soll ihm denn manches Abenteuer begegnet sein. Einmal kam er zum Beispiel als ein dänischer Soldat im Land Sternberg in eine Schenke und ließ sich von der Wirtin den Zustand des Landes erzählen. Die tadelte denn in seiner Regierung bald seinen Geiz, bald seinen Festungsbau (er baute die Festung Küstrin), bald seine Bierordnung. Da kam der Edelmann des Dorfes dazu, der ihn kannte und als dem Landesherrn alle Ehre erwies. Darüber erschrak das arme Weib und fiel ihm zu Füßen. Er aber lachte und sagte, dass sie ihm viel Wahrheit gesagt habe, die er sonst nicht zu hören bekäme.

Ein anderes Mal, erzählt derselbe Berichterstatter, ritt er als ein Fleischer in der Gegend von Quartschen herum. Da fiel es ihm ein, einen Schäferknecht auf die Probe zu stellen. Er lag ihm an, ihm heimlich einen Hammel zu verkaufen. Da sich aber der Schäfer weigerte, fing er mit ihm an zu zanken, und es kam zu Schlägen. Der Schäfer warf zuletzt dergestalt mit seiner Barte (Spieß) nach ihm, dass sie ihm am Sattel hängen blieb. Damit ritt er davon und ließ den Sattel mit der Barte zum Andenken im Marstall aufbewahren.

Überall mussten die Leute auf dem Platz sein, namentlich war er auch sehr hinterher, dass der Weinbau, der damals noch in der Mark florierte, ordentlich betrieben wurde und auf jede Weise suchte er ihn zu heben. Einen Kammerdiener, der sich einmal ein Fass Wein aus Frankreich hatte kommen lassen, den stellte er zur Rede, weshalb er nicht den Wein tränke, der hier erzielt würde, und den er selbst tränke. Als jener sich nicht fügen wollte, jagte er fort.

Im Übrigen war er, heißt es, wenn alles ordentlich und nach seinem Willen ging, ein leutseliger Herr. Auch manches lustige Stückchen erzählt man von ihm, gleich andere behaupteten, diese Geschichten gingen nicht ihn und ebenso wenig auf den aus dem Schlesischen Krieg bekannten Markgraf Karl, von dem sie auch wohl erzählt werden, als vielmehr auf die Schwedter Markgrafen.

So schwankt man auch, ob das wunderbare Haus in Niederkränig vom Markgraf Hans oder Markgraf Karl erbaut ist. Das hat nämlich einen großen Saal gehabt, der ringsum mit Glasfenstern umgeben gewesen war, sodass man nicht bloß das ganze Dorf, sondern auch die ganze Gegend mit einem Blick hatte übersehen können.

Dass Markgraf Hans es aber gewesen war, der Küstrin erbaut hatte, wie schon oben erwähnt, das weiß man noch allgemein. Man erzählt, er hätte nicht gewusst, wie er den Ort, als er fertig war, nennen sollte. Da setzte er fest, wer zuerst ins Tor einpassiere, nach dem solle er heißen: Das sei nun des Küsters Trin’ (Catharina) gewesen, und so wäre die Stadt Küstrin genannt worden. Nach anderen hätte Markgraf Hans gesehen, wie er gerade so überlegte, welchen Namen er der Stadt geben solle, dass ein Bursche seine Trine küsste, und einer aus seiner Umgebung habe gesagt: »Da küsst einer seine Trine.« Dies sei die Veranlassung zu dem Namen Küstrin geworden.

In den Kasematten von Küstrin aber ist allgemein die Rede, existiert noch heutzutage sein Bett. Das hängt angeblich in Ketten, und eine alte Frau soll ausdrücklich gehalten werden, es täglich zu machen. Des Morgens, wird gesagt, ist auch stets eine Grube darin und eine warme Stelle, als hätte einer darin gelegen.

Zur Franzosenzeit behaupteten sie auch, Markgraf Hans hätte sich öfters dort sehen lassen und manche französische Schildwache vom Wall hinuntergestoßen. Das hatten aber wohl welche aus Rache getan, die als Patrioten die Franzosen hassten. Nachher hieß es dann bloß immer: »Das hätte Markgraf Hans getan.«

Show 1 footnote

  1. Catharina, geb. Prinzess von Braunschweig-Wolfenbüttel. Sie hatte bei den Untertanen große Liebe wegen ihrer Gütigkeit und wurde vom gemeinen Mann, wie Coccelius schreibt, immer die Mutter Käthe genannt. Sie war die Mutter der mildtätigen Kurfürstin Catharina, der ersten Gemahlin Joachim Friedrichs, welche in Berlin auf dem danach benannten Molkenmarkt die Milch aus ihrem Vorwerk zu Kölln an der Spree verkaufen ließ und von dem Erlös den Armen zu Berlin und Kölln freie Medizin aus der Schlossapotheke gewährte.