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Der Fluch von Capistrano – Kapitel 2

Johnston McCulley
Der Fluch von Capistrano
New York. Frank A. Munsey Company. 1919
Ursprünglich in fünf Teilen in der All-Story Weekly ab der Ausgabe vom 9. August 1919 als Serie veröffentlicht.
Kapitel 2
Nach dem Sturm

Eine Böe mit Wind und Regen kam auf, und ein Mann trat herein. Die Kerzen flackerten, eine von ihnen wurde ausgeblasen. Dieser plötzliche Eintritt inmitten der Prahlerei des Sergeants erschreckte sie alle. Gonzales zog seine Klinge zur Hälfte aus seiner Scheide, als seine Worte in seiner Kehle verstummten. Der Einheimische schloss schnell die Tür wieder, um den Wind draußen zu lassen.

Der Neuankömmling drehte sich um und trat ihnen gegenüber. Der Wirt seufzte noch einmal auf. Es war natürlich nicht Señor Zorro. Es war Don Diego Vega, ein schöner Mann von Adel, vierundzwanzig Jahre jung, der sich die Existenz des El Camino Real für sein kleines Interesse an den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zunutze machte.

»Ha!«, rief Gonzales und steckte seine Klinge wieder in die Scheide.

»Habe ich Euch ein wenig erschreckt, Señores?«, fragte Don Diego höflich und mit leiser Stimme, blickte in den großen Raum und nickte den Männern vor ihm zu.

»Wenn Sie das taten, Señor, dann deshalb, weil Sie den Sturm hinter sich gelassen haben«, antwortete der Sergeant. »Es wäre nicht Eure eigene Tatkraft, die jeden Mann überraschen würde.«

»Hm!«, knurrte Don Diego, warf seinen Sombrero und seine nasse Serape beiseite. »Deine Worte grenzen an das Bedrohliche, mein rauer Freund.«

»Kann es sein, dass Sie vorhaben, mich herausfordern zu wollen?«

»Es ist wahr«, fuhr Don Diego fort, »dass ich nicht den Ruf habe, wie ein Tölpel zu reiten, der seinen Hals riskiert, mit jedem Neuankömmling wie ein Vollidiot zu kämpfen und unter jedem Frauenfenster Gitarre zu spielen wie ein Dummkopf. Aber es ist mir nicht egal, ob du mir diese Dinge, die du für meine Schwächen hältst, mir ins Gesicht schleuderst.«

»Ha!« Gonzales schrie halb vor Wut.

»Wir haben eine Vereinbarung, Sergeant Gonzales, dass wir Freunde sein können, und ich kann den großen Unterschied in der Geburt und Erziehung vergessen, der zwischen uns besteht, aber nur so lange, wie du deine Zunge zügelst und deinen Mann stehst. Deine Prahlerei amüsiert mich, und ich kaufe dir den Wein, den du begehrst – es ist ein schönes Geschäft. Aber verspottest du mich noch einmal, Señor, entweder öffentlich oder privat, und die Vereinbarung ist am Ende. Ich darf erwähnen, dass ich ein wenig Einfluss habe …«

»Ich bitte um Verzeihung, Caballero und mein sehr guter Freund«, jammerte der verunsicherte Sergeant Gonzales nun. »Sie stürmen schlimmer als der Sturm draußen, und nur weil meine Zunge zufällig etwas gelockert war. Wenn jemand danach fragt, seid Ihr wendig und schnell mit der Klinge, immer bereit zu kämpfen oder Liebe zu machen. Sie sind ein Mann der Tat, Caballero! Ha! Wagt es jemand, daran zu zweifeln?«

Er blickte durch den Raum, zog wieder halb die Klinge. Dann steckte er den Degen zurück, warf den Kopf zurück, brüllte vor Lachen und klatschte Don Diego auf die Schultern. Der dicke Hausherr eilte mit mehr Wein herbei, wohl wissend, dass Don Diego Vega die Rechnung bezahlen würde.

Diese eigenartige Freundschaft zwischen Don Diego und Sergeant Gonzales war das Thema von El Camino Real. Don Diego stammte aus einer Familie von adligem Blut, die über Tausende von großen Landstrichen, unzählige Pferde- und Rinderherden und große Getreidefelder herrschte. Don Diego hatte eine Hazienda, die einem kleinen Reich glich, und ein Haus im Pueblo, und er sollte später mehr als dreimal so viel von seinem Vater erben.

Aber Don Diego war anders als die anderen Vollblutjünger dieser Zeit. Es schien, dass er keine Plänkeleien mochte. Er trug seine Klinge nur selten, es sei denn, es ging um Stil und Kleidung. Er war zu allen Frauen verdammt höflich und hofierte keine.

Er saß in der Sonne und lauschte den wilden Geschichten anderer Männer, und hin und wieder lächelte er. Er war in allen Dingen das Gegenteil von Sergeant Pedro Gonzales, und doch waren sie häufig zusammen. Es war, wie Don Diego gesagt hatte – er genoss die Prahlerei des Sergeants, und der Sergeant genoss den kostenlosen Wein. Was könnte man mehr verlangen als eine angemessene Übereinkunft?

Nun ging Don Diego zum Kamin, um die Kleidung ein wenig zu trocknen, dabei einen Becher Rotwein in einer Hand haltend. Er war nur mittelgroß, aber er besaß ein gutes Befinden und Aussehen. Es war die Verzweiflung der stolzen Duennas, dass er kein zweites Mal auf die hübschen Señoritas blickte, die sie in ihrer Obhut hatten und für die sie begehrenswerte Ehemänner suchten.

Gonzales, verängstigt darüber, dass er seinen Freund verärgert hatte und der spendierte Wein nicht mehr zu seinem Gunsten fließen würde, bemühte sich nun, Frieden zu schließen.

»Caballero, wir haben über diesen berüchtigten Señor Zorro gesprochen«, sagte er. »Wir sprachen über den Fluch von Capistrano, den ein schlagfertiger Dummkopf als Plage der Gegend bezeichnet hat.«

»Was ist mit ihm?«, fragte Don Diego, stellte seinen Weinkrug ab und versteckte ein Gähnen hinter seiner Hand. Diejenigen, die Don Diego am besten kannten, meinten, er gähne etwa zehn Mal am Tag.

»Ich habe bemerkt, Caballero«, sagte der Sergeant, »dass dieser feine Señor Zorro nie in meiner Nähe erscheint, und dass ich hoffe, dass die guten Heiligen mir die Chance geben werden, ihm eines schönen Tages gegenüberzutreten, damit ich die vom Gouverneur angebotene Belohnung einfordern kann. Señor Zorro, nicht wahr? Ha!«

»Lasst uns nicht von ihm sprechen«, bat Don Diego, als er sich vom Kamin abwandte und wie aus Protest eine Hand ausstreckte. »Soll es sein, dass ich nie von etwas anderem höre als von Blutvergießen und Gewalt? Wäre es in diesen unruhigen Zeiten möglich, dass ein Mann auf Worte der Weisheit über die Musik oder die Dichter hört?«

»Mehlbrei und Ziegenmilch!«; schnaubte Sergeant Gonzales mit großem Ekel. »Wenn dieser Señor Zorro seinen Hals riskieren will, dann soll er. Es ist sein eigener Hals, bei den Heiligen! Ein Halsabschneider! Ein Gauner! Ein Halunke! Ha!«

»Ich habe viel über sein Wirken gehört«, sagte Don Diego weiter. »Der Bursche ist zweifellos aufrichtig in seinem Vorhaben. Er hat niemanden beraubt, außer den Beamten, die die Missionen und die Armen bestohlen haben, und niemanden bestraft, außer den Unmenschen, die die Eingeborenen misshandeln. Er hat niemanden getötet, soviel ich weiß. Lassen Sie ihm seinen kleinen Tag in der Öffentlichkeit, lieber Sergeant.«

»Ich hätte lieber die Belohnung!«

»Verdienen Sie sie sich diese«, sagte Don Diego. »Fangen Sie den Mann!«

»Ha! Tot oder lebendig, heißt es in der Proklamation des Gouverneurs. Ich habe sie selbst gelesen.«

»Dann stell dich ihm entgegen und jage ihn zu Tode, wenn dir das gefällt«, erwiderte Don Diego. »Und erzähle mir alles danach, aber verschone mich jetzt.«

»Das wird eine schöne Geschichte!«, sagte Gonzales. »Und Sie sollen sie ganz haben, Caballero, Wort für Wort! Wie ich mit ihm spielte, wie ich ihn im Kampf auslachte, wie ich ihn nach einer Weile zurückdrängte und ihn durchs …«

»Danach, aber nicht jetzt!«, rief Don Diego verzweifelt. »Herr Wirt, mehr Wein! Man kann diesen Angeber nur aufhalten, wenn man ihm den Wein in den Rachen schüttet, dass die Worte nicht heraussprudeln!«

Der Gastwirt füllte schnell die Becher. Don Diego nippte langsam an seinem Wein, wie es sich für einen Gentleman gehört, während Sergeant Gonzales seinen in zwei großen Schlucken nahm. Und dann trat der Sprössling des Hauses Vega auf die Bank und griff nach seinem Sombrero und seinem Serape.

»Was?«, rief der Sergeant. »Sie wollen uns so früh verlassen, Caballero? Sie wollen sich der Wut des aufziehenden Sturms stellen?«

»Zumindest bin ich mutig genug dafür«, antwortete Don Diego lächelnd. »Ich bin nur für einen Topf Honig von zu Hause herübergekommen. Die Narren fürchteten den Regen zu sehr, um mir heute welchen von der Hazienda zu holen. Hol mir einen, Wirt.«

»Ich werde Euch sicher durch den Regen nach Hause begleiten!«, begehrte Sergeant Gonzales, denn er wusste genau, dass Don Diego dort einen ausgezeichneten, alten Wein hatte.

»Bleib vor dem prasselnden Feuer sitzen«, sagte Don Diego mit Nachdruck. »Ich brauche keine Eskorte von Soldaten aus dem Presidio, um die Plaza zu überqueren. Ich gehe mit meinem Sekretär die Konten durch und komme vielleicht danach in die Taverne zurück. Ich wollte nur ein wenig Honig, den wir bei der Arbeit essen können.«

»Ha! Und warum haben Sie Ihren Sekretär nicht nach dem Honig geschickt, Caballero? Warum reich sein und Diener haben, wenn ein Mann sie in einer so stürmischen Nacht nicht auf Botengänge schicken kann?«

»Er ist ein alter Mann und schwach«, erklärte Don Diego. »Er ist auch der Sekretär meines alten Vaters. Der Sturm würde ihn töten. Wirt, serviere allen hier Wein und setz ihn auf meine Rechnung. Ich komme wieder, wenn meine Bücher geordnet sind.«

Don Diego Vega nahm den Topf mit dem Honig, wickelte seinen Scrape um seinen Kopf, öffnete die Tür und tauchte in den Sturm und die Dunkelheit ein.

»Da geht ein Mann!«, rief Gonzales und streckte einen Arm aus. »Er ist mein Freund, dieser Caballero, und ich möchte, dass alle Männer es wissen! Er trägt nur selten eine Klinge, und ich bezweifle, dass er eine benutzen kann, aber er ist mein Freund! Die blitzenden dunklen Augen der schönen Señoritas stören ihn nicht, doch ich schwöre, er ist ein Musterbeispiel für einen Mann! Musik und die Dichter«, was? Ha! Hat er nicht das Recht, wenn es ihm gefällt? Ist er nicht Don Diego Vega? Hat er nicht blaues Blut und weite Felder und große Lagerhäuser voller Waren? Ist er nicht liberal? Er darf auf dem Kopf stehen oder Weiberröcke tragen, wenn es ihm gefällt – aber ich schwöre, er ist ein Musterbeispiel für einen Mann!«

Die Soldaten schlossen sich seinen Gefühlen an, da sie Don Diegos Wein tranken und nicht den Mut hatten, die Aussagen des Sergeants zu widerlegen. Der fette Wirt servierte ihnen noch eine Runde, da Don Diego bezahlen würde. Denn es war unter einem Vega, in einer öffentlichen Taverne seine Rechnung zu begleichen, und der fette Wirt hatte diese Tatsache schon oft ausgenutzt.

»Er kann den Gedanken an Gewalt oder Blutvergießen nicht ertragen«, fuhr Sergeant Gonzales fort. »Er ist so sanft wie eine Frühlingsbrise. Dennoch hat er ein festes Handgelenk und ein wachsames Auge. Es ist lediglich die Art und Weise, wie der Caballero das Leben sieht. Hätte ich nur seine Jugend, sein Aussehen und seinen Reichtum gehabt … Ha! Es gäbe einen Strom gebrochener Herzen von San Diego de Alcala bis San Francisco de Asis!«

»Und gebrochene Köpfe!«, verkündete der Korporal.

»Ha! Und gebrochene Schädel, Comrade! Ich würde das Land regieren! Kein junger Mann sollte mir lange im Weg stehen. Raus mit der Klinge und auf sie! Pedro Gonzales verärgern, hm? Ha! Durch die Schulter, ganz sachte! Ha! Durch die Lunge!«

Gonzales war nun auf den Beinen und seine Klinge war aus der Scheide gezogen worden. Er fegte sie hin und her durch die Luft, stieß, parierte, stürzte, rückte vor und zog sich zurück, stieß seine Flüche aus und lachte, während er mit dem Schatten kämpfte.

»So ist es!«, kreischte er am Kamin. »Was haben wir denn da? Zwei von euch gegen einen? Umso besser, Señores! Wir lieben mutige Quoten! Ha! Auf dich, Hund! Stirb, Hund! Eine Seite, Feigling!«

Er wand sich keuchend an die Wand, sein Atem war fast weg, die Spitze seiner Klinge lag auf dem Boden, sein großes Gesicht violett von der Anstrengung und dem Wein, den er getrunken hatte, während der Korporal, die Soldaten und der fette Hausherr lange und laut über diese unblutige Schlacht lachten, aus der Sergeant Pedro Gonzales als unbestrittener Sieger hervorgegangen war.

»Dieser feine Señor Zorro war hier und stand vor mir!«, keuchte der Sergeant.

Und wieder wurde die Tür plötzlich geöffnet, und ein Mann betrat, von einer Sturmbö begleitet, die Taverne.