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Des Teufels Sohn

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Der Konstanzer Hans Teil 7

W. Fr. Wüst
Der Konstanzer Hans
Merkwürdige Geschichte eines schwäbischen Gauners
Reutlingen, 1852

Siebentes Kapitel

Hans kommt immer tiefer ins Gaunerleben hinein, wird eingesperrt und lügt sich wieder hinaus.

Indem er seinen zuletzt gewonnenen Kameraden Städele aufsuchte, kam er mit zwei Gaunerinnen zusammen, mit welchen er sich nach Thalheim bei Tuttlingen in eine Diebsherberge begab. Die Wirtssöhne baten ihn, für ihre Base ein Bett zu stehlen, und bezeichneten ihm genau den Ort, wo er ein solches bekommen könne. Hans ging darauf ein, kam glücklich mit der Beute zurück, empfing dafür eine Belohnung an Geld und wurde noch überdies zu der Hochzeit der genannten Base eingeladen. Da aber diese Belustigung erst nach einigen Tagen stattfinden sollte, so wollte er diese Zeit nicht untätig hinbringen. Er ging daher nachts in ein benachbartes Dorf, räumte zuerst bei einem Goldarbeiter auf, bestahl hierauf noch einen Wirt und kehrte dann nach Thalheim zurück.

In Hausen ob Verena sollte die Hochzeit gefeiert werden. Hans war nun nicht mehr entschlossen, an derselben teilzunehmen. Er fürchtete Nachforschungen wegen der letztgemachten Einbrüche. Seine Kameraden beruhigten ihn aber. Er ließ sich bereden, mitzugehen. Er kleidete sich festlich an und hing noch den Hirschfänger um, den er dem Goldarbeiter gestohlen hatte.

Im Hochzeitshaus wurde ihm aus bekannten Gründen viel Ehre erwiesen, was seinem Stolz sehr schmeichelte und ihn ganz heiter stimmte. Aber bald sollte die Freude und Lustigkeit ein Ende nehmen. Bei dem Wirt, dessen ungebetener Gast er in der letzten Nacht gewesen war, hatte er beim raschen Aufräumen seine Tabakpfeife fallen lassen und nicht wieder aufgehoben. Sie verriet ihn als den Dieb, denn ein Jude hatte ihn mit derselben des Tags vorher gesehen und sagte dies dem Bestohlenen. Die Söhne des Wirts kamen dem Dieb auf die Spur, und machten dem Ortsvogt die Anzeige. Dieser schickte sofort den Dorfschützen mit vier handfesten Männern auf den Tanzboden. Hans war bei dem Anblick derselben etwas betroffen. Doch wollte er eben den Tanz wieder fortsetzen, als der Schütze zu ihm herantrat und ihm sagte, dass er ihn verhaften müsse.

»Was sagt Ihr?«, sprach Hans trotzig, »mich verhaften, der ich ein ehrlicher Kerl bin?»

»Folgt mir nur zum Vogt«, erwiderte jener, »um Euch bei ihm zu rechtfertigen.«

»Das kann ich wohl«, sagte Hans und ließ sich nichts von seiner inneren Unruhe anmerken, doch versuchte er, von den gestohlenen Gegenständen so viel wie möglich unbemerkt von sich wegzubringen.

Beim Vogt angekommen, beschwerte er sich sehr, dass man ihn als einen Fremden, der sein Geld hier verzehre, so schmählich behandle.

»Ihr müsst mir das nicht verargen«, erwiderte der Vogt, »diese zwei Männer hier«, – es waren die Wirtssöhne –, »beschuldigen Euch einer Sache. Wenn ihr Eure Unschuld dartun könnt, so sollt Ihr augenblicklich Eure Freiheit wiedererhalten.« Indem nun Hans seine Schreibtafel aus der Tasche zog, um seinen Pass herauszunehmen, kam auch eines der gestohlenen Sacktücher zum Vorschein und wurde sein Verräter, denn der eine der Wirtssöhne erklärte es gleich als Eigentum seines Vaters.

Hans war wie vom Himmel gefallen. In dem Augenblick, in welchem er seine Unschuld auf sehr brutale Art beweisen wollte, wurde er auf das Schlagendste seiner Schuld überführt. Er machte daher zum bösen Spiel eine möglichst gute Miene, bekannte seine Schuld und wurde an das Tuttlinger Amt abgeliefert.

Dennoch hoffte Hans einen guten Ausgang seiner Sache. Er hatte nämlich gleich nach seinem letzten Entweichen vom Soldatenstand einem Johannes Schüle aus Harmerspach, der auch Soldat gewesen war, den Abschied abgekauft. Da er die Verhältnisse dieses Schüle genau wusste, so glaubte er sich vor jeder Gefahr gesichert. Diesen Pass legte er dem Richter vor, heuchelte gegen denselben eine Reue über seine Diebstähle und sagte, da er bei einem kaiserlichen Freikorps gestanden sei, wo das Rauben öfters vorkomme, so habe er es für keine so große Sünde gehalten. Übrigens sei es ihm recht lieb, dass er gleich bei seinen ersten Diebstählen ertappt worden sei, und es solle gewiss ihm zur Warnung dienen, dass er künftig nicht mehr stehle.

Aus Harmerspach, wohin man sich gewendet hatte, lief die Nachricht ein, dass die Aussagen des Gefangenen wahr seien, dass Johannes Schüle sich immer gut aufgeführt habe und dass er wahrscheinlich von schlechten Menschen nur verführt worden sei. So entging Hans – als Johannes Schüle – aller weiteren Untersuchung und erhielt nach 24-tägigem Arrest und nach Empfang einer körperlichen Züchtigung seine Freiheit wieder.

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