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Die drei Musketiere 38

Alexander Dumas d. Ä.
Die drei Musketiere
7. bis 10. Bändchen
Historischer Roman, aus dem Französischen von August Zoller, Stuttgart 1844, überarbeitet nach der neuen deutschen Rechtschreibung

V.

Wie Athos, ohne sich die geringste Mühe zu geben, seine Equipirung fand.

D’Artagnan war in so gewaltiger Aufregung, dass er, ohne sich im Geringsten darum zu bekümmern, was aus Ketty wurde, in größter Eile die Hälfte von Paris durchlief und nicht eher anhielt, bis er sich vor der Tür von Athos befand. Die Verwirrung seines Geistes, der Schrecken, der ihn spornte, das Geschrei einiger Patrouillen, die ihn verfolgten, bewirkten nur, dass er seinen Lauf noch mehr beschleunigte.

Er eilte durch den Hof, stieg die zwei Treppen hinauf und klopfte an die Tür, dass sie hätte in Stücke springen sollen.

Grimaud öffnete mit schlaftrunkenen Augen. D’Artagnan stürzte mit solcher Gewalt in das Vorzimmer, dass er ihn beinahe niedergeworfen hätte.

Trotz der gewöhnlichen Stummheit Grimauds kam ihm diesmal das Wort. Beim Anblick des entblößten Degens, den d’Artagnan in der Hand hielt, bildete sich der arme Bursche ein, er habe es mit einem Mörder zu tun, und rief: »Zu Hilfe! Zu Hilfe! Zu Hilfe!«

»Schweig, Unglücklicher!«, sprach der junge Mann, »ich bin d’Artagnan. Erkennst du mich nicht mehr? Wo ist dein Herr?«

»Ihr, Monsieur d’Artagnan?«, rief Grimaud erschrocken, »unmöglich!«

»Grimaud«, sagte Athos, im Schlafrock aus seinem Zimmer tretend, »ich glaube, du erlaubst dir zu sprechen!«

»Ach, gnädiger Monsieur, weil …«

»Still!«

Grimaud begnügte sich, mit dem Finger auf d’Artagnan zu deuten.

Athos brach bei al’ seinem Phlegma in ein Gelächter aus, das durch die verstörte Miene seines jungen Freundes gar wohl motiviert war.

»Lacht nicht, mein Freund!«, rief d’Artagnan, »um des Himmels willen, lacht nicht, denn bei meiner Seele sage ich Euch, es ist kein Grund zum Lachen vorhanden.«

Er sprach diese Worte mit einer so feierlichen Betonung und mit einem so unzweideutigen Ausdruck des Schreckens, dass Athos ihn bei der Hand nahm und ausrief: »Solltet Ihr verwundet sein, mein Freund? Ihr seht sehr bleich aus.«

»Nein, aber es ist mir soeben ein furchtbares Abenteuer begegnet. Seid Ihr allein, Athos?«

»Bei Gott, wer soll denn zu dieser Stunde bei mir sein?«

»Gut, gut!«

D’Artagnan stürzte in das Zimmer von Athos.

»Ei, so sprecht doch«, sagte dieser, die Tür verschließend und die Riegel vorschiebend, um nicht gestört zu werden. »Ist der König tot? Habt Ihr den Monsieur Kardinal umgebracht? Ihr seid ganz verwirrt. Sprecht! Lasst hören, denn ich sterbe in der Tat vor Unruhe.«

»Athos«, antwortete d’Artagnan, »seid bereit, eine unglaubliche, unerhörte Geschichte zu hören!«

»Redet doch«, sagte Athos.

»Nun wohl«, fuhr d’Artagnan, sich zu dem Ohr von Athos beugend und die Stimme dämpfend fort. »Mylady ist mit einer Lilie auf der Schulter bezeichnet.«

»Ha!«, rief der Musketier, als ob ihn eine Kugel ins Herz getroffen hätte.

»Sagt«, sprach d’Artagnan, »seid Ihr sicher, dass die andere tot ist?«

»Die andere?«, versetzte Athos mit so dumpfer Stimme, dass es d’Artagnan kaum hörte.

»Ja, die, von welcher Ihr mir eines Tages in Amiens erzählt habt.«

Athos stieß einen Seufzer aus und ließ den Kopf in seine Hände fallen.

»Diese«, fuhr d’Artagnan fort, »ist eine Frau von sechsundzwanzig bis achtundzwanzig Jahren.«

»Blond?«, fragte Athos.

»Ja.«

»Blaue, helle Augen, von seltener Klarheit, mit schwarzen Wimpern und Brauen?«

»Ja.«

»Groß, gut gewachsen? Es fehlt ihr ein Zahn neben dem Augenzahn auf der linken Seite?«

»Ja.«

»Die Lilie ist klein und rot, etwas verwischt durch Pflaster, welche man aufgelegt hat?«

»Ihr sagt jedoch, diese Frau sei eine Engländerin?«

»Ja.«

»Man nennt sie Mylady, aber sie kann dessen ungeachtet eine Französin sein. Lord Winter ist nur ihr Schwager.«

»Ich will sie sehen, d’Artagnan!«

»Nehmt Euch in Acht, Athos, nehmt Euch in Acht. Ihr wolltet sie töten? Sie ist die Frau, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten und Euer nicht zu fehlen.«

»Sie wird es nicht wagen, etwas zu sagen, denn sie würde sich dadurch selbst verraten.«

»Sie ist zu allem fähig! Habt Ihr sie je wütend gesehen?«

»Nein«, sprach Athos.

»Eine Tigerin, ein Panthertier! Ach, mein lieber Athos, ich fürchte sehr, eine grässliche Rache auf uns herabbeschworen zu haben!«

D’Artagnan erzählte nun alles, den wahnsinnigen Zorn Myladys und ihre Todesdrohungen.

»Ihr habt recht, und ich würde mein Leben für ein Haar geben«, sprach Athos. »Zum Glück verlassen wir Paris übermorgen, wir ziehen höchst wahrscheinlich nach La Rochelle, und wenn wir einmal fort sind …«

»Wird sie Euch verfolgen bis ans Ende der Welt, Athos, wenn sie Euch wiedererkennt. Lasst also ihren Hass sich gegen mich allein wenden.«

»Ei, mein Lieber, was ist daran gelegen, dass sie mich tötet!«, sagte Athos. »Glaubt Ihr etwa, ich hänge am Leben?«

»Unter allem dem ist ein furchtbares Geheimnis verborgen. Die Frau ist die Spionin des Kardinals. Das bin ich fest überzeugt.«

»In diesem Fall seid auf Eurer Hut. Wenn der Kardinal nicht wegen der Londoner Angelegenheit eine hohe Bewunderung für Euch hegt, so hegt er einen gewaltigen Hass. Aber da er Euch am Ende nichts offen vorwerfen kann und der Hass befriedigt werden muss, besonders wenn es ein Kardinalshass ist, so hütet Euch wohl! Wenn Ihr ausgeht, geht nicht allein aus, wenn Ihr esst, nehmt Eure Vorsichtsmaßregeln. Misstraut allem, selbst Eurem Schatten.«

»Zum Glück handelt es sich nur darum«, sprach d’Artagnan, »bis übermorgen in Bangigkeit umherzugehen. Denn sind wir einmal bei der Armee, so haben wir es hoffentlich nur noch mit Männern zu tun.«

»Indessen«, sagte Athos, »verzichte ich auf meine Einsperrungspläne und gehe überall hin mit Euch. Ihr müsst zur Rue des Fossoyeurs zurückkehren. Ich werde Euch begleiten.«

»Es sei, mein lieber Athos, aber lasst mich Euch zuerst den Ring zustellen, den ich von dieser Frau empfangen habe. Der Saphir gehört Euch. Habt Ihr mir nicht gesagt, es sei ein Familienjuwel?«

»Ja, mein Vater kaufte ihn um zweitausend Taler, wie er mir einst sagte. Er bildete einen Teil der Hochzeitsgeschenke, die er meiner Mutter machte. Es ist ein prächtiger Stein. Meine Mutter gab ihn mir, und ich in meiner damaligen Narrheit schenkte ihn, statt ihn wie eine heilige Reliquie zu bewahren, meinerseits dieser Elenden.«

»Gut, nehmt den Ring zurück, an dem Ihr begreiflich hängen müsst.«

»Ich den Ring zurücknehmen, nachdem er durch die Hände dieser Schändlichen gegangen ist? Nie, dieser Ring ist beschmutzt, d’Artagnan.«

»Dann verkauft oder verpfändet ihn. Man wird Euch wohl tausend Taler darauf leihen. Mit dieser Summe macht Ihr Eure Angelegenheiten bequem ab. Mit dem ersten Geld, das Ihr einnehmt, löst Ihr ihn sodann wieder und nehmt ihn von seinen alten Flecken gereinigt zurück, denn er ist durch die Hände von Wucherern gegangen.«

Athos lächelte. »Ihr seid ein entzückender Junge, mein lieber d’Artagnan«, sprach er. »Ihr richtet durch Eure ewige Heiterkeit die armen Geister in ihrem Kummer auf. Nun denn, ja, verpfänden wir diesen Ring, der mir gehört, aber unter einer Bedingung.«

»Unter welcher?«

»Dass fünfhundert Taler für Euch und fünfhundert für mich sind.«

»Was denkt Ihr, Athos? Ich bedarf nicht des vierten Teils dieser Summe, da ich bei den Garden stehe. Wenn ich meinen Sattel verkaufe, so verschaffe ich mir den Betrag. Was brauche ich? Ein Pferd für Planchet, das ist alles. Dann vergesst Ihr, dass ich auch einen Ring besitze.«

»An dem Ihr noch mehr zu hängen scheint, als ich an dem meinen. Wenigstens glaubte ich dies zu bemerken.«

»Ja, denn in einem äußersten Fall kann er uns nicht nur aus einer großen Verlegenheit, sondern auch aus einer großen Gefahr ziehen. Das ist kein einfacher Diamant, es ist zugleich ein Talisman.«

»Ich verstehe Euch nicht, aber ich glaube, was Ihr sagt. Um wieder auf meinen Ring oder vielmehr auf den Euren zurückzukommen, so müsst Ihr die Hälfte der Summe, die man Euch darauf leihen wird, annehmen oder ich werfe ihn in die Seine, und ich zweifle, ob, wie bei Polykrates, ein Fisch so gefällig ist, ihn uns wieder zu bringen.«

»Gut, ich nehme es an«, sagte d’Artagnan.

In diesem Augenblick trat Grimaud in Begleitung von Planchet ein. Dieser war unruhig über seinen Herrn und neugierig zu erfahren, was ihm begegnet sein mochte.

Athos kleidete sich an. Als er auszugehen bereit war, machte er Grimaud ein bedeutsames Zeichen. Der Diener nahm seine Muskete von der Wand und schickte sich an, seinen Herrn zu begleiten.

D’Artagnan und Athos gelangten ohne irgendeinen Unfall in die Rue des Fossoyeurs. Monsieur Bonacieux stand an seiner Tür und schaute d’Artagnan auf eine pöbelhaft spottende Weise an.

»Eh! Mein lieber Mietsmann«, sagte er, »beeilt Euch, es wartet ein hübsches Mädchen in Eurem Zimmer, und Ihr wisst, die Frauen lieben es nicht, dass man sie warten lässt.«

»Es ist Ketty«, rief d’Artagnan und lief in den Gang.

Auf dem zu seinem Zimmer führenden Boden fand er das arme Kind, das sich ganz zitternd an die Tür lehnte. Sobald sie ihn erblickte, sagte sie: »Ihr habt mir Euren Schutz versprochen, Ihr habt mir gelobt, mich vor ihrem Zorn zu retten. Erinnert Euch, dass Ihr es seid, der mich zugrunde gerichtet hat.«

»Ja, allerdings«, erwiderte d’Artagnan, »sei ruhig, Ketty. Aber was ist denn nach meinem Abgang vorgefallen?«

»Weiß ich es?«, sagte Ketty, »Auf ihr Geschrei liefen alle Lakaien herbei. Sie war furchtbar aufgebracht und spie alle Verwünschungen der Welt gegen Euch aus. Dann dachte ich, sie würde sich erinnern, dass Ihr durch mein Zimmer in das ihre eingedrungen wäret, und sie müsste in mir Eure Mitschuldige erkennen. Ich nahm das wenige Geld, das ich besaß, sowie meine kostbarsten Kleidungsstücke und flüchtete mich.«

»Armes Kind, aber was soll ich mit dir machen? Ich reise übermorgen ab.«

»Alles, was Ihr wollt, Monsieur Chevalier. Macht, dass ich Paris, dass ich Frankreich verlasse.«

»Ich kann dich doch nicht mit zur Belagerung von La Rochelle führen«, sprach d’Artagnan.

»Nein, aber Ihr könnt mich in der Provinz unterbringen, bei irgendeiner Dame von Eurer Bekanntschaft; in Eurer Heimat zum Beispiel.«

»Oh, meine liebe Freundin, in meiner Heimat haben die Damen keine Kammerfrauen. Doch halt! Ich weiß, was zu tun ist. Planchet, hole mir Aramis. Er möge sogleich kommen. Wir haben etwas sehr Wichtiges mit ihm zu sprechen.«

»Ich begreife«, sagte Athos, »aber warum nicht Porthos? Es scheint mir, seine Marquise …«

»Die Marquise von Porthos ließe sich eher von den Schreibern ihres Mannes ankleiden, als dass sie eine Kammerfrau hielte«, sprach d’Artagnan lachend. »Überdies dürfte Ketty nicht gerne in der Rue aux Ours wohnen, nicht wahr, Ketty?«

»Ich werde wohnen, wo man will«, sagte Ketty, »vorausgesetzt, dass ich gut verborgen bin und man nicht weiß, wo ich mich aufhalte.«

»Jetzt, Ketty, da wir uns zu trennen im Begriff sind, und du folglich nicht mehr auf mich eifersüchtig bist …«

»Monsieur Chevalier«, sprach Ketty, »nah oder fern, ich werde Euch beständig lieben.«

»Wo, Teufel, nistet sich die Beständigkeit ein!«, murmelte Athos.

»Auch ich«, sagte d’Artagnan, »auch ich werde dich stets lieben, glaube mir. Aber höre, antworte mir. Ich lege ein großes Gewicht auf die Frage, die ich an dich richte. Solltest du nie von einer jungen Frau gehört haben, die man in einer Nacht wegführte?«

»Halt … Oh! Mein Gott, Monsieur Chevalier, liebt Ihr diese Frau noch?«

»Nein, einer meiner Freunde liebt sie – Athos, den du hier siehst.«

»Ich!«, rief Athos mit dem Ausdruck eines Menschen, der gewahr wird, dass er auf eine Natter getreten war.

»Allerdings Ihr«, erwiderte d’Artagnan, Athos die Hand drückend. »Ihr wisst wohl, wie sehr wir an dem Schicksal der guten Frau Bonacieux teilnehmen. Überdies wird Ketty nicht plaudern. Nicht wahr, Ketty? Du begreifst, mein Kind«, fuhr d’Artagnan fort, »es ist die Frau des abscheulichen Affen, den du bei deinem Eintritt unten an der Tür gesehen hast.«

»Oh! mein Gott!«, rief Ketty, »Ihr erinnert mich an meine Angst. Wenn er mich nur nicht erkannt hat …!«

»Wie, erkannt? Du hast also diesen Menschen schon gesehen?«

»Er ist zweimal zu Mylady gekommen.«

»Um welche Zeit?«

»Vor etwa vierzehn oder achtzehn Tagen.«

»Ganz richtig.«

»Und gestern Abend ist er wieder erschienen.«

»Gestern Abend?«

»Ja, einen Augenblick, ehe Ihr selbst eingetroffen seid.«

»Mein lieber Athos, wir sind von einem Netz von Spionen umgeben! Und du glaubst, er habe dich erkannt, Ketty?«

»Ich senkte meine Haube, als ich ihn erblickte, aber vielleicht war es zu spät.«

»Geht hinab, Athos, man misstraut Euch weniger als mir, und seht, ob er immer noch vor der Tür steht.«

Athos ging hinab und kam sogleich wieder zurück.

»Der Krämer ist fort«, sprach er, »und das Haus ist geschlossen.«

»Er wird sich ohne Zweifel entfernt haben, um zu melden, dass alle Tauben im Schlag sind.«

»Gut! Aber wir wollen ausfliegen«, sagte Athos, »und nur Planchet hierlassen, um uns Nachricht zu bringen.«

»Noch eine Minute! Aramis, nach dem wir geschickt haben?«

»Das ist richtig, erwarten wir Aramis.«

In demselben Augenblicke trat Aramis ein.

Man setzte ihm die ganze Angelegenheit auseinander und sagte ihm, dass er notwendig unter allen seinen hohen Bekannten einen Platz für Ketty suchen müsse.

Aramis dachte einen Augenblick nach und erwiderte dann errötend: »Wird Euch wirklich ein großer Dienst dadurch erwiesen?«

»Ich werde Euch mein ganzes Leben dafür dankbar sein.«

»Nun wohl. Frau von Bois-Tracy hat mich für eine ihrer Freundinnen, welche, glaube ich, in der Provinz wohnt, um eine sichere Kammerfrau gebeten, und wenn Ihr mir für dieses Mädchen stehen könnt, d’Artagnan …«

»Oh! Gnädiger Monsieur«, rief Ketty, »ich werde gewiss der Person, die mich in den Stand setzt, Paris zu verlassen, mit Leib und Seele ergeben sein.«

»Dann geht die Sache vortrefflich«, sprach Aramis.

Er setzte sich an einen Tisch, schrieb ein paar Worte, versiegelte sie mit einem Ring und händigte das Billett Ketty ein.

»Du weißt nun, mein Kind«, sagte d’Artagnan, »dass es hier nicht besser für uns ist, als für dich. Wir müssen uns jetzt trennen, werden uns aber in schöneren Tagen wiederfinden.«

»Und an welchem Ort und zu welcher Zeit wir uns wiedersehen werden«, sprach Ketty, »so werde ich Euch so innig lieben, wie ich Euch heute liebe.«

Einen Augenblick danach trennten sich die drei jungen Männer und ließen nur Planchet zurück, um das Haus zu bewachen.

Aramis kehrte in seine Wohnung zurück, während Athos und d’Artagnan für die Unterbringung des Saphirs sorgten.

Man fand, wie unser Gascogner vorhergesehen hatte, leicht dreihundert Pistolen auf den Ring. Überdies bemerkte der Jude, wenn man denselben an ihn verkaufen wollte, so würde er sogar fünfhundert Pistolen dafür geben, da er ein prachtvolles Ohrgehänge daraus machen lassen könnte.

Mit der Tätigkeit zweier Soldaten und der Wissenschaft zweier Kenner brauchten Athos und d’Artagnan kaum drei Stunden, um die ganze Equipierung des Musketiers einzukaufen. Athos war ein vornehmer Herr bis an die Nagelspitzen. Sobald ihm etwas anstand, bezahlte er den verlangten Preis, ohne dass er nur den geringsten Versuch machte, etwas herunterzumarkten. D’Artagnan wollte ihm hierüber Bemerkungen machen, aber Athos legte ihm lächelnd die Hand auf die Schulter, und d’Artagnan begriff, dass für ihn, den kleinen gascognischen Edelmann, das Handeln gut war, aber nicht für einen Mann von fürstlichem Aussehen.

Der Musketier fand ein herrliches andalusisches Ross, schwarz wie Gagath, mit Feuer schnaubenden Nüstern, eleganten, zarten Beinen und sechs Jahre alt. Er untersuchte das Pferd und erkannte es als tadellos. Man bot es für tausend Franken. Vielleicht hätte er es für weniger bekommen, aber während sich d’Artagnan mit dem Pferdehändler über den Preis besprach, zählte Athos die hundert Pistolen auf den Tisch.

Grimaud erhielt ein picardisches Pferd, untersetzt und stark, das dreihundert Livres kostete.

Nachdem der Sattel für letzteres Pferd und die Waffen für Grimaud gekauft waren, blieb kein Sou mehr von den hundertfünfzig Pistolen von Athos übrig. D’Artagnan bot seinem Freund etwas von dem ihm zukommenden Teil an. Aber Athos beschränkte sich statt jeder Antwort darauf, die Achseln zu zucken.

»Wie viel würde der Jude für den Ring geben, wenn man ihm denselben als volles Eigentum überließe?«, fragte er.

»Fünfhundert Pistolen.«

»Das heißt zweihundert Pistolen mehr: hundert Pistolen für Euch, hundert Pistolen für mich. Das ist ein wahres Glück, mein lieber Freund, kehrt zu dem Juden zurück.«

»Wie? Ihr wollt …«

»Dieser Ring würde offenbar zu traurige Erinnerungen in mir zurückrufen. Dann haben wir ihm auch die dreihundert Pistolen nicht heimzubezahlen, sodass wir bei diesem Handel zweitausend Livres gewinnen. Sagt ihm, der Ring gehöre ihm, d’Artagnan, und kommt mit zweihundert Pistolen zurück.

»Überlegt, Athos.«

»Das bare Geld ist in diesen Zeitläufen teuer, und man muss Opfer zu bringen wissen. Geht, d’Artagnan, geht. Grimaud wird Euch mit seinem Mousqueton begleiten.«

Nach einer halben Stunde kam d’Artagnan mit den zweihundert Pistolen und ohne dass ihm ein Unfall zugestoßen war, zurück.

So fand Athos in seiner Wirtschaft Mittel, auf die er nicht gerechnet hatte.

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