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Sammlung bergmännischer Sagen Teil 38

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete begangen, verdient er schon vollauf unseren Dank. Seine Liebe zur Sache lässt uns hoffen, er werde mit Unterstützung Gleichstrebender noch jene Schaetze heben, die nicht an der großen Straße liegen, sondern an weniger befahrenen Wegen und Stegen zu heiligen Zeiten schimmern und zutage gefördert sein wollen.


IV. Vermischte Sagen

32. Höckendorfer Silberbergwerke

Konrad von Theler, welcher so wie seine Vorfahren den Pferden silberne Hufeisen aufschlagen ließ und, wo er ritt, Geld ausstreute, damit man wisse, welchen Weges die Theler gezogen waren, soll am 9. Sonntag nach Trinitatis, am 25. August 1557, um es in seinem Hochmut dem Herzog Albrecht in der St. Georgsgrube in Schneeberg gleich zu tun, der Ritterschaft der Umgegend ein glänzendes Gastmahl in seiner reichen Silbergrube Zur goldenen Krone gegeben haben, in welcher die Knappen Tische und Bänke aus den edelsten Metallen gehauen hatten und alles Geschirr der Tafel von gediegenem Gold und Silber war. Als man nun tief unter der Erde in wilder Lust schwelgte, zog von Bärwalde her ein furchtbares Gewitter auf, entlud sich unter orkanähnlichem Sturm mit Wolkenbrüchen über das Tal der wilden Weißeritz. Der über sieben Ellen hoch angeschwollene Fluss stürzte sich mit solcher Macht in das offenstehende Mundloch der Krone, dass Ritter Theler mit all seinen Gästen und Dienern da unten ertrank und das kostbare Geschirr und zur Prunkschau aufgestellte Silbererz verschüttet und verschwemmt wurde.


33. Die Mordgrube zu Freiberg.

Als um die Mitte des l4. Jahrhunderts das Bergwerk zu Freiberg im höchsten Flor war, trug es sich zu, da an Feiertagen gewöhnlich Zusammenkünfte und Tänze in der Nähe von Zechenhäusern abgehalten wurden, dass auch auf einer sehr berühmten Zeche zwischen Berthelsdorf und Erbisdorf ein solcher öffentlicher Reihentanz stattfand 1360). Da ging gerade ein katholischer Priester mit der Monstranz vorüber, um einen Sterbenden zu versehen. Der Küster gab das übliche Zeichen mit seinem Glöcklein, allein keiner der Tanzenden oder Zuschauer achtete darauf, mit Ausnahme des Fiedlers, der zum Tanz aufspielte. Er ließ sich auf die Knie nieder, um dem heiligen Sakrament seine Ehrfurcht zu bezeugen. Da tat sich alsbald die Erde auf und verschlang die ganze anwesende Gesellschaft. Nur der fromme Fiedler blieb am Leben, der sich auf einem kleinen Hügel solange hielt, bis man ihm zu Hilfe kam. Dann versank aber auch der Hügel, sodass man weder Tänzer noch Tänzerinnen je wiedersah. Seit dieser Zeit hat sich auch an diesem Orten niemals mehr ein nützlicher Bau vornehmen lassen. Man hat auch weder die Versunkenen noch den Schmuck und das Geschmeide, das sie an sich und bei sich gehabt hatten, retten können, denn ob man wohl oft räumte und sich viel Mühe gab, so stürzte doch das, was man den Tag über bewältigt, des Nachts wieder zusammen. Die Zeche behielt den Namen Mordgrube.

Vor Zeiten ist die ganze Geschichte in der Kirche zu Erbisdorf gemalt gewesen, und im Jahr 1490 hat man an der Stelle jenes Ereignisses noch ein gewaltiges rundes Loch, so groß wie der halbe Markt zu Freiberg, sehen können.

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