Download-Tipp
Band 6

Heftroman der Woche

Archive
Folgt uns auch auf

Paraforce Band 23

Paraforce-23-Edersee-AtlantisEdersee-Atlantis

»Er sieht aus, wie von einem Frosch geküsst«, sagte Jette so leise, dass es außer Nils niemand hören konnte.

Der schaute seine Kollegin entsetzt an. »Bist du irre?«

»Wieso denn?«

»Das ist nicht der richtige Moment, um Witze zu machen.«

»Ich meinte ja auch nur. Ich habe noch nie eine grüne Leiche gesehen.«

»Das habe ich auch nicht.« Nils richtete den Blick auf den Gerichtsmediziner, der aber anscheinend nichts von der kurzen Unterhaltung zwischen den beiden Paraforce-Agenten mitbekommen hatte.

»Über die Todesursache kann ich Ihnen noch nichts sagen«, erklärte Dr. Andreas Springer und sah die beiden Agenten entschuldigend an. »Es gibt keinerlei sichtbare Verletzungen. Auch für die grüne Hautfarbe des Toten habe ich keine Erklärung. Ich kann Ihnen noch nicht einmal sagen, wie lange das Opfer bereits tot ist. Was auch immer seinen Körper verfärbt hat, hat ihn auch konserviert. So etwas habe ich noch nie gesehen.«

»Ich auch nicht«, stimmte Nils dem Arzt zu. Er hätte ihm sagen können, dass es eine ganze Menge an rätselhaften Phänomenen gab, die sich die Wissenschaft nicht erklären konnte, verzichtete aber darauf. Es hatte keinen Sinn, und der Mann würde ihm vermutlich ohnehin nicht glauben.

Jette ging um die Leiche herum und sah sich den Körper genauer an. »An irgendetwas muss er aber gestorben sein«, sagte sie schließlich.

»Wir vermuten, dass die Ursache für die Hautverfärbung in einem uns unbekannten Gift liegt, woran der Mann dann auch gestorben sein könnte.«

»Das wäre zumindest eine Möglichkeit«, stimmte Nils dem Gerichtsmediziner zu.

»Wie gesagt stehen wir vor einem Rätsel. Die inneren Organe habe ich noch nicht untersucht, befürchte aber, dass uns auch das nicht weiterbringen wird. Was werden Sie in der Sache unternehmen?«

»Zunächst müssen wir mit Kommissar Kramer reden. Er soll uns die Stelle zeigen, wo man die Leiche gefunden hat.« Nils wollte den Raum so schnell wie möglich wieder verlassen. Weitere Informationen würden sie hier nicht mehr bekommen. Helmut Kramer hatte ihn gebeten, sich die Leiche anzuschauen, bevor sie sich mit dem Kommissar trafen. Diese Bitte hatte er nun gemeinsam mit Jette erfüllt.

»Wenn Sie etwas Neues herausbekommen, rufen Sie mich bitte auf meinem Handy an«, sagte Nils, reichte Dr. Springer seine Karte und gab ihm zum Abschied die Hand.

 

***

 

»Fahren wir jetzt direkt zur Staumauer?«, fragte Jette, nachdem sie das Gebäude gemeinsam mit Nils verlassen hatte.

»Wohin sonst? Der Kommissar will uns dort gegen 14:00 Uhr treffen. Wir sind zwar ein bisschen zu früh, aber es macht keinen Sinn, wenn wir alleine versuchen, den Fundort der Leiche zu finden.«

»Wir könnten um den Edersee herum fahren, um uns ein Bild von der Umgebung zu machen«, schlug Jette vor.

»Das können wir später noch tun.«

Mittlerweile hatten sie den Parkplatz, auf dem Nils seinen Golf abgestellt hatte, erreicht. Während Nils den Wagen startete, schaltete Jette das Navi an, um den kürzesten Weg von der Gerichtsmedizin in Gießen bis zur Staumauer des Edersees herauszusuchen.

Unterwegs sprachen sie darüber, was sie bisher über den Fall wussten. Viel war das nicht. Lena Sommer hatte einen Anruf aus dem Ministerium bekommen, in dem man sie bat, zum Edersee zu kommen, um dort die Mordkommission bei einem aktuellen Fall zu unterstützen. Man hatte eine Männerleiche mit einer grünlichen Hautfarbe gefunden. Identifizieren konnte man den Toten bisher nicht. Weil Lena Sommer nach ihrer Verletzung am Würgengel an keinen Außeneinsätzen mehr teilnahm, hatte sie ihren Neffen Nils und Jette Larsen geschickt. Die Dänin lebte bereits seit vier Wochen bei den beiden Paraforce-Agenten in Deutschland und sollte dort Erfahrungen sammeln. Nach einem halben Jahr würde sie dann in ihrer Heimat eine eigene Einheit gründen.

»Hast du eine ähnliche Hautverfärbung schon einmal gesehen?«, fragte Jette ihren Partner, der, auch wenn er nur drei Jahre älter war, über deutlich mehr Erfahrung im Außeneinsatz verfügte als sie selbst.

»Nicht in dieser Intensität«, antwortete Nils. »Ich habe schon Leichen gesehen, deren Haut einen leichten Grünschimmer hatte. Die waren aber nicht aus dieser Welt.«

»Also denkst du, dass der Tote Kontakt mit einer anderen Dimension hatte?«

»Es wäre zumindest eine Möglichkeit. Von einem Gift mit einer derartigen Wirkung habe ich noch nie gehört.«

»Also müssen wir diese Welt finden.«

»Wenn unsere Theorie stimmt, dann ja. Das wird aber nicht einfach werden. Vermutlich ist der Tote eher zufällig darauf gestoßen. Wenn wir Glück haben, finden wir einen Hinweis, wenn wir seinen Namen kennen. Daran glaube ich aber nicht.« Nils hasste solche Fälle, in denen sie keine Anhaltspunkte hatten und im Dunkeln tappten. Er wusste, dass es Jette ähnlich ging. Beide mochten es lieber, wenn es richtig zur Sache ging. Das Lösen von paranormalen Rätseln war eher etwas für seine Tante Lena.

»Müssten wir den See nicht schon sehen?«, fragte Jette nach einer Weile und deutete auf das Navi. »Das Ding sagt, dass wir unser Ziel in fünfhundert Metern erreicht haben.« Die Fahrt hatte länger gedauert, als die beiden zunächst angenommen hatten. Der Weg führte durch einige Dörfer und über kurvenreiche Straßen, die nur schlecht einzusehen waren und ein Überholen von anderen Fahrzeugen annähernd unmöglich machten. Außerdem mussten sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten.

»Aus dieser Richtung sieht man das Wasser erst ab der Staumauer. Dort müssten wir aber gleich ankommen.«

Sie erreichten Hemfurth und fuhren einen Hang hinauf in Richtung See. Nils hatte Glück und fand gleich einen freien Platz, an dem er den Golf abstellen konnte.

»Ganz schön kalt hier«, stellte Jette fest und schloss ihre Sweatshirtjacke.

»Das müsstet du doch eigentlich gewohnt sein.«

»Quatsch nicht. Auch in Dänemark scheint manchmal die Sonne.«

»Heute geht es doch noch.« Nils, der selber nur mit einem T-Shirt bekleidet war, aber genau wie Jette eine lange Jeans und Turnschuhe trug, musste zugeben, dass es für Anfang Juli in den letzten Tagen tatsächlich recht frisch gewesen war.

Die beiden gingen über einen Platz, an dem es verschiedene Läden gab, und erreichten nach wenigen Minuten die Staumauer.

»So etwas gibt es bei uns in Dänemark nicht. Wir haben zwar viele Seen, aber ich habe noch nie einen gesehen, den man künstlich angelegt hat.« Jette war von dem Anblick sichtlich beeindruckt. Staunend schaute sie auf den See und dann zurück in das Tal auf der anderen Seite.

»Das muss Kommissar Kramer sein«, sagte Nils und deutete auf einen Mann, der am Beginn des Weges über die Staumauer stand und sich suchend umsah.

Tatsächlich winkte der Mann Jette und Nils zu und kam ihnen entgegen. »Frau Larsen und Herr Sommer?«

»Das sind wir«, antwortete Nils und reichte dem Kommissar die Hand.

»Ich danke Ihnen, dass Sie so schnell gekommen sind«, sagte Kramer, nachdem er auch Jette begrüßt hatte.

»Kein Problem«, antwortete Nils. »Ich gebe zu, dass dieser Fall mehr als ungewöhnlich ist und uns neugierig gemacht hat.«

»Man sagte mir, Sie seien Spezialisten in solchen Fragen.«

»So könnte man es ausdrücken. Wurde die Leiche hier an der Staumauer gefunden?«

»Nein, Herr Sommer. Wir müssen etwa drei Kilometer bis zu der Stelle fahren.«

»Warum treffen wir uns dann hier?«

»Weil die Staumauer leichter zu finden ist.«

»Wir haben GPS«, warf Jette ein und grinste den Kommissar an.

»Das mag sein. Von hier aus können Sie sich aber auch einen guten Überblick über die Gegend verschaffen. Ich nehme an, Sie kennen das Geheimnis unseres Sees?«

»Nein«, antwortete Jette.

»Ja«, sagte Nils gleichzeitig.

»Was denn nun?« Kramer schaute die beiden irritiert an.

»Wenn Sie die versunkenen Dörfer meinen, so kenne ich die Geschichte«, sagte Nils. »Meine Kollegin kommt aus Dänemark und wusste bis heute Morgen nicht einmal, dass es den Edersee überhaupt gibt.«

»Verstehe. Dann werden Sie Frau Larsen über das Wesentliche informieren?«

»Ja. Zunächst wäre es für uns aber wichtiger zu erfahren, was Sie über den Fall wissen.«

»Zwei Taucher haben den Toten gefunden. Er lag in einer Röhre zwischen der Straße und der Stelle, von der aus die Männer immer in den See gestiegen sind.«

»Wo genau war das?«, fragte Nils. Genau wie Jette verstand er nicht, warum sich der Kommissar nicht am Fundort der Leiche mit ihnen getroffen hatte, verzichtete aber darauf, diese Diskussion erneut zu beginnen.

»Auf der anderen Seite des Sees. Etwa einen Kilometer von Waldeck entfernt. Von der Straße aus kann man die Stelle nicht sehen. Es ist also möglich, dass der Tote ein paar Tage dort lag.«

»Haben Sie mittlerweile herausbekommen, um wen es sich handelt?«, fragte Jette.

»Nein. Wir wissen lediglich, dass er auch Taucher war, weil er einen entsprechenden Anzug trug. Wir vermuten, dass er sich die alten Ruinen angesehen hat, können das aber nicht genau sagen.«

»Haben Sie ein Boot in der Nähe gefunden?«

»Nein. Wahrscheinlich ist der Mann an der Stelle ins Wasser gegangen, wo er auch gefunden wurde.«

»Dr. Springer sagte, dass er keine Verletzungen an der Leiche gefunden hat«, erklärte Nils. »Er vermutet, dass der Mann durch ein Gift getötet wurde. Ich verstehe nicht, warum er in die Röhre gekrochen ist, anstatt nach Hilfe zu suchen.«

»Vielleicht konnte er es nicht mehr«, sagte Kramer. »Wenn wir von einem Mord ausgehen, könnte der Täter die Leiche auch dort versteckt haben.«

»Vielleicht«, stimmte Nils zu. »Haben Sie sonst noch etwas herausgefunden?«

»Nein. Wir haben natürlich die Leute in der Umgebung befragt. Zeugen gibt es allerdings keine. Wir wissen aber, dass er in keinem der umliegenden Hotels gewohnt hat.«

»Das macht die Sache nicht unbedingt leichter.«

»Nein. Mehr kann ich Ihnen aber leider auch noch nicht sagen.«

»Viel ist das nicht.«

»Nein, Herr Sommer. Da haben Sie recht. Ich nehme an, auch Sie haben noch keine Erklärung für die grüne Hautfärbung bei dem Opfer?«

»Nicht konkret.« Nils ärgerte sich über den Kommissar. Er selbst ermittelte schon seit mehreren Stunden ergebnislos, erwartete aber, dass er von den Paraforce-Agenten sofort eine Antwort bekam. Leider war es oft so, dass die ermittelnden Beamten Wunderdinge von der Sondereinheit erwarteten und darauf aus waren, die ihnen unangenehmen Fälle schnell loszuwerden.

»Es gibt verschiedene Ansätze, die wir verfolgen können«, sagte Nils. »Wir wissen aber noch zu wenig, um etwas darüber sagen zu können. Zeigen Sie uns bitte zunächst die Stelle, an der man die Leiche gefunden hat. Vielleicht finden wir dort einen Hinweis.«


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB und MOBI zum Downloaden zur Verfügung.

Bisherige Downloads PDF: 978
Bisherige Downloads EPUB: 1279
Bisherige Downloads MOBI: 599