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Andromedanebel

Iwan Jefremow
Meisterwerke der Science Fiction
Andromedanebel
Originaltitel: Туманность Андромеды (Andromeda Nebula)

Science Fiction, Taschenbuch, Heyne, München, Januar 2015, 26 farbige Abbildungen, 544 Seiten, 9,99 Euro, ISBN: 9783453315372, Übersetzung: Anneliese Kienspann, Titelbild: Nele Schütz Design

www.randomhouse.de

Ich hielt den Roman zuerst für eine neue, mir unbekannte Erzählung des russischen Autors. Leider habe ich den Hinweis nicht beachtet, und so kam er mir doch recht bekannt vor. Allerdings suchte ich vergeblich unter Andromedanebel. Der Roman erschien vor mehr als fünfzig Jahren in Deutschland unter dem Titel Das Mädchen aus dem All. Iwan Jefremows Erzählung, zuerst nur gekürzt in Deutschland erschienen, gilt als einer der wichtigsten und erfolgreichsten russischen Science-Fiction-Romane, der von Jewgeni Scherstobitow verfilmt wurde.

Der Roman Andromedanebel spielt in einer fernen kommunistischen Zukunft, die als Jahr 3000 bezeichnet wird. Dies ist, der Entstehungszeit geschuldet, nicht weiter ungewöhnlich, denn die entsprechenden »kapitalistisch geprägten« Romane spielen in einer adäquaten Zukunft. Die Zukunft wird unter Vorherrschaft eines Kommunismus, wie er von Karl Marx beschrieben wurde, von einer entwicklungsfreudigen Wissenschaft vorangetrieben, die sich nicht nur auf die Technik bezieht, sondern auch auf den Menschen selbst. Die Technik ist soweit, dass der Mensch in der Lage ist, Reisen durch den Kosmos zu unternehmen. Fremde Sonnensysteme sind der Menschheit ebenso wenig fremd, wie eine verbesserte menschliche Hülle. Mit den fremden Sonnensystemen werden Kontakte gepflegt. Nicht unbedingt durch ständiges Anfliegen, aber immerhin mit einer Art Videokontakt. Die fremden Welten und mit ihnen die Erde bilden die Gemeinschaft des Großen Rings. Dennoch werden immer wieder Expeditionen in den Kosmos geschickt, das bekannte und unbekannte All besser kennenzulernen. So kann der Leser einer Expedition unter dem Kommando des Astronavigators Erg Noor folgen. Das Schiff Tantra ist unterwegs zu einem bewohnten Planeten, der plötzlich keine Bildsignale mehr sendet. Die Verbindung ist abgebrochen und niemand kann sich das Warum erklären. Als das Schiff den Planeten erreicht, finden sie nur noch eine tote Welt, zerstört durch den unvernünftigen und gewissenlosen Einsatz von Kernenergie. Von Radioaktivität verseucht, ist dieser Planet nicht mehr bewohnbar. Der Rückweg gestaltet sich etwas schwierig, da die Tantra zu wenig Treibstoff besitzt. Aus diesem Mangel heraus landen sie auf einem Planeten, der namenlos geblieben ist. Zufällig finden sie nicht nur ein lang verschollenes Raumschiff der Erde, sondern auch ein fremdes Raumschiff. Der Planet ist nicht freundlich zur Raumschiffbesatzung, und mit dem Treibstoff des verschollenen Raumschiffs gelingt die Flucht. Der nächste Handlungsstrang spielt auf der Erde. Dar Weter, der Leiter einer Außenstation, leidet an einer schweren psychischen Erkrankung. Dies ist seiner Position unzuträglich. Weil er die Verantwortung nicht mehr tragen kann und will, nimmt er die Einladung einer Freundin an, sich an einer Ausgrabung zu beteiligen. Ihm geht es zwar besser, doch gerät er in eine weitere schwere psychische Krise, die ihn in die Titanminen Südafrikas führt. An anderer Stelle experimentiert der Forscher Ren Boss mit einer Art Energiestrahl. Er soll es ermöglichen, augenblicklich von einem Stern zum anderen zu reisen. Der neue künftige Leiter der irdischen Außenstation unterstützt den Forscher, jedoch nicht ganz uneigennützig. Verliebt in die Sprecherin des Sterns Epsilon Tucanae, die er in einer Bildsendung sah, will er dorthin. Dem Physiker, der für sein Experiment die ganze Energie der Erde benötigt, wurde der Versuch verboten, aber Mwen Mass, so der Name des Außenstationsleiters, hilft dem Mann. Allerdings geht der Versuch reichlich schief. Mass muss seinen Posten verlassen und zieht sich auf eine kleine Insel zurück.

Das Buch Andromedanebel, 1957 erstmals in Fortsetzungen in einer Zeitschrift erschienen, ist eher ein Episodenroman denn ein normaler Roman. Er beinhaltet sehr viel Wissen und Spekulationen der ehemaligen Sowjetunion, auf eine fremde Zukunft ausgerichtet. Der Roman spiegelt die wissenschaftliche Phantastik der damaligen Zeit wieder. Heute wirkt diese SF antiquiert, nichts desto trotz jedoch interessant. Iwan Jefremow unternimmt es in den einzelnen Episoden ein in Einzelheiten ausführliches Bild einer kommunistischen idealen Zukunftsgesellschaft zu zeichnen. Es zählt nur das Wohl der Allgemeinheit und alle Menschen leben in Frieden und Freude miteinander. Dabei spart er nicht mit verbalen Seitenhieben auf die kapitalistische Gesellschaft des damaligen Staatsfeindes. Ein empfehlenswerter SF-Roman, den dankenswerterweise der Wilhelm Heyne Verlag neu auflegte. Dies ist jedoch ein kaufmännisches Wagnis, denn er bewegt sich abseits des heutigen Geschmacks. Daher werden wohl eher die älteren Semester zugreifen.

(es)