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Across the River

Across the River
Originaltitel: Oltre il guado
Collective Pictures, Italien, 2013

DVD im Amaray Case, Horror/Mystery, EAN: 4042564151749, ca. 85 Minuten, Marctropolis, Braunschweig im Vertrieb von Alive! Vertrieb und Marketing AG, 18. Juli 2014, FSK: 16, Darsteller: Renzo Gariup, Marco Marchese, Lidia Zabrieszach, Regie: Lorenzo Bianchini, Drehbuch: Lorenzo und Michela Bianchini, Musik: Stefano Sciascia, Extras: Vorfilm Foxes (Gewinner Cinestrange Filmfestival Dresden), Original Trailer, Trailershow, Kurzfilm: A night with friends (Daniele Trani – Kameramann von Across The River)
www.acrosstheriver-film.de

Der Verhaltensforscher Marco Contrada verbringt seine Zeit alleine in den Wäldern, um dort Langzeitstudien mit einheimischen Tieren durchzuführen. Dazu stattet er unter anderem Wildschweine mit Nachtsichtkameras und GPS-Sendern aus, um ihre Wanderungen und Futtersuche zu beobachten. Als eine Kamera plötzlich Bilder eines verlassenen Bergdorfes liefert, wird Contrada neugierig. Er folgt dem Tier über den nahen Fluss in die menschenleere Siedlung, wo er sich für weitere Studien einrichtet. In der Nacht wird der Forscher von seltsamen Geräuschen geweckt. Unsicher, ob er tatsächlich alleine ist, erkundet er die Siedlung. Da erfasst eine der Kameras plötzlich im Wald zwei junge Mädchen.

Across the River ist ein brillantes Beispiel, dass es noch immer möglich ist, Schrecken auch ohne exzessives Blutvergießen zu erzeugen. Die Werbung spricht zwar vollmundig von einem Film in der Tradition von Argento, Fulci und Bava, doch Lorenzo Bianchini kann ganz ohne die übertriebenen Inszenierungen oder die expliziten Brutalitäten seiner seligen Landsleute überzeugen.

Schon die Ausgangssituation des Protagonisten, der alleine im Wald seine Forschungen betreibt, um den Tieren mittels Nachtsichtkameras bei ihrer nächtlichen Futtersuche zu beobachten, bringt ein gewisses Grundmaß an Beklemmung mit, das Bianchini auf subtile Weise stetig steigert. Als erfahrener Horrorkonsument ist man zeitweise sogar versucht, in die titelgebende Flussüberquerung einen (nicht gezeigten) Unfall und einen unbemerkten Übertritt Contradas ins Jenseits hineinzuinterpretieren (wie z. B. in Karneval der toten Seelen). Stattdessen orientiert sich Across the River mit seinen teilweise subjektiven nächtlichen Aufnahmen der Tierkameras eher an Blair Witch Project, ohne diesen plump zu kopieren. Dass die Geschichte um die Geistermädchen am Ende von ihren Andeutungen lebt und keine vollständige Auflösung erfährt, liegt dabei durchaus in der Absicht des Regisseurs, wie dieser im Making-of preisgibt.

Weiterhin klärt das Making-of auf, dass und wie das Team mit den Gegebenheiten, die sie vor Ort vorfanden, oft »tricksen« bzw. diese ins rechte Licht rücken mussten. Die Wirkung des Films wird durch die teils provisorische Herangehensweise jedoch keineswegs geschmälert. Eher das Gegenteil ist der Fall. Auch dass der Film komplett von Hauptdarsteller Marco Marchese als alleiniger Identifikationsfigur für den Zuschauer getragen wird, trägt nicht unerheblich zur Eindringlichkeit der Geschichte bei.

Darüber hinaus führt der deutsche Verleiher Marctropolis die schöne Tradition des Vorfilms wieder ein und hat dem Hauptfilm direkt Lorcan Finnegans 16-minütigen Kurzfilm Foxes vorangestellt, der aber auch einzeln anwählbar ist. Das Ehepaar Ellen und James lebt in einer reißbretthaft monotonen Neubausiedlung. Ellen ist immer mehr von den dort umherstreunenden Füchsen fasziniert. Sie folgt den Tieren, um sie zu fotografieren und verschwindet schließlich auf einer ihrer Exkursionen. Wie Across the River vermag auch Foxes mir geringsten Mitteln eine große Wirkung zu erzielen. Besonders die Bilder der unkrautüberwucherten und gleichförmigen Siedlungsgrundstücke, wo Ellen und James offenbar die einzigen Bewohner sind, verströmen ein verstörend-surreales Flair. Foxes ist ebenfalls auf Lorca Finnegans Webseite www.lorcanfinnegan.com zu sehen.

Außerdem ist im Bonusmaterial noch Daniele Tranis (Across the River-Kameramann) Kurzfilm Una serata tra amici (Ein Abend mit Freunden), inspiriert von Joe R. Landsdale, enthalten. Alles in Allem ein rundes und sogar recht üppiges Bonuspaket. Etwas Vergleichbares sucht man auf Mayor-DVDs vergeblich.

Fazit:
Kleine Mittel, große Wirkung. Atmosphärisch dichter Horrorthriller, der mit seinem Setting an Blair Witch Project erinnert und von einem einzigen Schauspieler getragen wird.

(eh)