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Schatten über Altherland

Schatten über Altherland

Magie gibt es schon seit den Anfängen der Fantasy. In der Tat ist vieles selbst Fantasie, was die Fantasy ausmacht und von Magie durchdrungen wird. Selbst in Welten und Storys, die sich den Grenzen von Science Fiction und Urban Fantasy annähern, ist Magie ein Bestandteil – sei es in Form von Zauberern und Hexenmeistern, von alter Technik und antiken Gerätschaften, die lediglich Magie imitieren, oder Technologien, welche so weit fortgeschritten sind, dass unser Verstand nicht in der Lage ist, sie zu begreifen. Arthur C. Clarke hatte davon die richtige Vorstellung, als er sagte: »Magie ist nur Wissenschaft, wir verstehen sie jedoch nicht.«
Die Geschichte der Magie und ihrer Rezeption geht sicherlich weit über die Suggestion hinaus. Betrachtet man die alte Magie der Heiden und Druiden, die besondere Magie der Legenden, Mythen und Geschichten, die dem Christentum zeitlich vorangingen, überlegt man, wie viel Wissen im Verlauf der Geschichte zerstört, vergessen, verloren, unterdrückt oder missverstanden wurde, ist die Idee von Magie, welche unsere Vorfahren sowohl verstanden als auch ausgeübt haben, kein völlig skurriles Konzept.

Seltsam ist die vorliegende Story Schatten über Altherland von Arnold Pelzer wahrlich nicht, in der die Magie eine große Rolle spielt. Es sei jedem Leser selbst überlassen, welchen magischen Zauber dieses Erstlingswerk ausübt. It’s Rodericks and Martinus’ magic time.

Das Buch

Arnd Pelzer
Schatten über Altherland

Fantasy, E-Book, Kindle Edition, 172 Seiten (Printversion), 3,99 Euro, ASIN: B00JE98N52, Coverdesign von Raimund Löffler
Klappentext:
In Altherland ziehen dunkle Wolken auf. Waldmenschen und Dunkelmagier durchstreifen die Wälder und verbreiten Angst und Schrecken. Möchtegern-Magier Roderick wünscht sich nichts sehnlicher, als die Ausbildung zu einem richtigen, waschechten Magier und bittet daher Obermagier Rabenschrei um seine Weihen. Gemeinsam mit seiner Geliebten, der Kräuterhexe Alsuna, stellt er sich den Feinden entgegen. Mithilfe des Obermagiers wollen sie den Kronherrn zu einem Bündnis gegen die Dunkelmagier bewegen. Doch wird ihnen dies gelingen oder ist Altherland für immer verloren?

Der Autor

Arnd Pelzer, Jahrgang 1952, wohnt in Leverkusen, wo er geboren und aufgewachsen ist. Verheiratet mit einer gebürtigen Inderin, besucht er jedes Jahr Hyderabad in seiner zweiten Heimat Indien. Er hat eine Tochter und einen Sohn. Seit Ende 2012 befindet er sich nach 40 Jahren Tätigkeit bei der größten deutschen Bank im Vorruhestand.

Er begann bereits im jugendlichen Alter von 20 Jahren Kurzgeschichten zu schreiben. Damals interessierte er sich für E. A. Poe, H.P. Lovecraft, A. Blackwood und ähnliche Horrorgiganten. Deren Geschichten und Schreibstil färbten seine Fantasien und Manuskripte dunkel.

Nach etwa 7 »Schaffensjahren« verschlangen andere Prioritäten wie Reisen, Heirat, Kinder seine verfügbare Zeit.

In der Publikation des Kundenmagazins einer großen Drogeriekette las er in 2013 erstmals über Autoren, die E-Books selbst veröffentlichen. Er suchte nach den verschollenen Vorlagen seiner, bis …, ja, bis er sie 2013 in einem alten Koffer auf dem Speicher wiederfand.

Es folgte die Bearbeitung einer dieser Kurzgeschichten. Es stellte sich heraus, dass der Schreibstil nach so langer Zeit gewöhnungsbedürftig war und ihm nicht mehr so recht gefiel.

Daher ist er in die Fantasy abgeglitten und veröffentlichte mit der Geschichte Schatten über Altherland sein erstes Werk als E-Book und in Kürze als Taschenbuch.

Leseprobe

Roderick von Tannenbusch

»Sagt, Meister, warum tragt Ihr eigentlich immer Euren komischen Spitzhut?«, fragte Martinus spitzbübisch mit leicht ironischem Unterton in seiner jugendlichen Stimme. »So einen drolligen Hut habe ich sonst noch bei niemand anderem gesehen, noch nicht einmal bei anderen Magiern«, erklärte er.

In der Tat schmückte Meister Roderick sein Haupt mit einem jener länglichen, am Zipfelende spitz zulaufenden Hüte, für die Magier allgemeinhin bekannt waren. Die fast handbreite, durch die endlose Zeit der Abnutzung wellig verformte Krempe unterstrich das alles in allem schludrige und schlaffe Aussehen des Hutes. Die Farbe war wohl ursprünglich ein sattes, tiefes Lila gewesen, aber im Laufe der Zeit und durch den Umstand, dass er höchstwahrscheinlich nie gereinigt oder gewaschen worden ist, dafür aber beliebig viele Flecken, Knicke und Schmutzränder dazugekommen waren, blieb nun nur noch ein verblasster, schmieriger und zerknitterter Abklatsch seines ehemals würdevollen Farbtons übrig.

Das wiederum schien Roderick aber nicht im Geringsten zu stören. Für ihn zählte nur die geheimnisvolle und rätselhafte Erscheinung eines Magiers und da könnte ein allzu feines Aussehen stören, wie er einmal sagte.

»Was murmelst du da, du Frechdachs, hast du keine Manieren, meinen feinen Hut so abfällig als ›komisch‹ zu bezeichnen? Soll ich dich dafür etwa in eine stinkende Unke verwandeln?«, Roderick war gutmütig, konnte aber Gemeinheiten über seine Person oder Beanstandungen seiner Kleidung nicht ertragen und reagierte immer sogleich mit einer Entgegnung.

»Nein, nein, Meister, so habe ich es doch gar nicht gemeint. Ich wollte doch nur ausdrücken, dass ich solch einen feinen Hut, wie den Euren, noch niemals vorher gesehen habe. Selbstverständlich gibt er Euch genau jenes noble Aussehen, welches Euch als einen Edlen der Magierskunst erkennen lässt. Verzeiht bitte.«

»Gut, gut, ich will heute noch einmal über deine dummen Sprüche hinwegsehen.«

Martinus war froh, dass er die heikle Angelegenheit so schnell und gut beenden konnte, denn als Zaubergehilfe wollte er unbedingt bei seinem Meister bleiben, um viel von der Zauberei zu erlernen. Allerdings, wenn er es sich recht überlegte, waren es bislang noch sehr geringe Kenntnisse, die er im alltäglichen Zusammensein vom Können seines Meisters hatte erfahren dürfen.

Er wusste aber auch, dass echte Zauberer meist weißhaarige Männer mittleren oder hohen Alters waren, die mit wuchernden Bärten, langen Gewändern und dem obligatorischen Zauberstab einherschritten. Damit glich Roderick bis auf den Hutzipfel seinen Artgenossen sehr, nur vielleicht mit dem Unterschied, dass er zudem besonderes Augenmerk auf seinen säuberlich zum Zopf geflochtenen, spitz auslaufenden Bart legte. Diesen hatte er bis zum Ende hin mit feinem Zwirn ordentlich geschnürt und trug daran immer drei kleine, bunte Steine befestigt.

Zauberer früherer Zeiten glänzten stets in ihren sauberen, schillernden Gewändern, führten ihre Zauberkunststücke dem staunenden Publikum mit allerlei theatralischen Gesten vor, wirkungsvoll unterstützt durch den gelegentlichen Einsatz des Zauberstabes. Unser Meister war auch hierbei von besonderem Holz geschnitzt. Denn sein lang herabwallendes Gewand war aus grobem Leinen gewoben und eingefärbt in ortsüblichem Dunkelbraun. Eine breite, auf dem Umhang angesetzte Kapuze, schien ähnliche Jahrhunderte durchlaufen zu haben wie sein Spitzhut. Sowohl in der Farbgebung als auch in der Abnutzung nahmen die beiden sich nun nicht gerade viel.

Hingegen kam Rodericks Zauberstab einem glatten, kräftigen Stock gleich, knapp fünfeinhalb Fuß in der Länge und mit einer gewundenen Verzierung am oberen Ende, die sich überkreuzte und in einen schlangenähnlichen Kopf überzugehen schien. Genau vermochte man dies aber nicht mehr zu erkennen. Ohne diesen eigentümlichen Stab hatte den Meister noch niemand jemals zu sehen bekommen. So herrschte allgemein die feste Meinung, dass der mächtige Mann mit seinem Stab verwachsen sei. Und das …, ja, das war in der Tat so, der Magierstab eine unverrückbare Einheit mit seinem Herrn und Meister bildete. Ein solcher Stab erhielt sogar einen eigenen Namen zugewiesen. Denn erst durch den passenden Spruch in Verbindung mit der geheimen Ausrufung seines richtigen Namens konnten die Kräfte eines Zauberstabes und seine übernatürlichen Fähigkeiten genutzt werden.

Martinus fühlte die Kälte des Abends, schürte das weitgehend niedergebrannte Feuer und legte einige Holzscheite nach.

»Meister, wann werdet Ihr mir von Eurem Können auch einige Kunststücke beibringen?«, knüpfte er an seine vorherigen Fragen an.

»Kunststücke, du Esel, welche Kunststücke?«, herrschte der Meister den armen Gehilfen an und zischelte noch etwas in den Bart. »Ich zeige keine Kunststücke, sondern höchste Magie und so einer wie du muss sich erst einmal tüchtig hocharbeiten, bevor ich ihn auch nur in den einfachsten Fertigkeiten unterweise.«

Autsch, das hatte gesessen. Zwar war Martinus nicht zimperlich, denn er kannte seinen Meister seit etwa einem Jahr, aber es ging ihm immer noch sehr nahe, wenn er dermaßen beschimpft wurde. Andererseits lag es ja auch an ihm selbst, vorsichtiger mit seiner Ausdrucksweise umzugehen. Er hatte sich nun auf die Kante des grob zusammengezimmerten Nachtlagers gesetzt. Ihm war sehr daran gelegen, die Unterhaltung fortzuführen, in der Hoffnung, dem Meister doch den einen oder anderen Hinweis über seine Zauberkräfte herauszukitzeln. Leider schien dieser durch die vielen Fragen für den Augenblick bereits zur Genüge genervt.

Um ein guter Zauberer zu werden, bedurfte es zum einen ein gehöriges Maß an Klugheit, Willenskraft und zumindest anfangs körperlicher Kraft, zum anderen natürlich einer fachkundigen Einführung durch den Obermagier. Es gab neben dieser Autorität keine andere Möglichkeit, eine der großen Schulen zu erlernen. Wenn, im schlimmsten Fall, ein Obermagier die Sprüche der Weisheit nicht mehr rechtzeitig an einen würdigen Nachfolger weitergeben konnte, musste er entweder sein Streben nach Magie für alle Zeiten begraben oder versuchen, in der Weite der Welt einen anderen Weisen zu finden, der dazu bereit wäre. Doch wo hätte man einen solchen in der unendlichen Größe der Welt auftreiben sollen?

Roderick hatte gegen ein unterhaltsames Gespräch nichts einzuwenden, solange es nicht an seine Ehre ging. Sobald das Gespräch aber auf eigene Unzulänglichkeiten hinauslief, lenkte er gerne auf anderen Gesprächsstoff ab. Da traf es sich bestens, dass es für die lästigen täglichen Aufgaben einen Gehilfen gab, den er scheuchen konnte.

»Nun bereite endlich ein Eichelbräu, dazu taugst du wenigstens. Und halte mich nicht mit deinem dummen Gerede von meinen gewichtigen Überlegungen ab. Ich habe nachzudenken.«

Eichelbräu kochen konnte Martinus schon ganz gut, das hatte er nach einigen Misserfolgen und der überschäumenden Schelte des Meisters schnell lernen müssen. Das Bräu, so wie man es in ganz Altherland nannte, wurde aus sorgsam ausgesuchten Eicheln gebraut, diese mussten getrocknet und über Feuer geröstet werden, anschließend wurden sie gemahlen und mit heißem Wasser aufgekocht. Nur in den Marktstädten der Unteren und Oberen Läufe kannte man ihn als Kaffa, dieser war jedoch deutlich feiner gemahlen, aromatischer und mit Zutaten aus fernen Ländern versetzt.

Um den Rest des Haushalts hatte sich Martinus natürlich auch kümmern müssen, nicht immer zur vollsten Zufriedenheit des Hausherrn, wie man sich bereits denken konnte.

Endlich konnte das frisch aufgebrühte Bräu getrunken und wenige dicke Schnitten des körnigen Bauernbrotes genossen werden. Das geschah meist, indem die Brotscheiben in eine Schale mit Bräu getunkt wurden, bis diese sich ganz vollgesogen hatten und man diese dann – Teller hoch – schlürfte. Hier und da schlabberte zwar einiges daneben oder glitt aus den Mundwinkeln den Bart hinab, konnte aber behände mit den langen Gewandärmeln abgewischt werden.

Knauserig war der Meister nicht, es war ihm bewusst, alleine und ohne einen Gehilfen sämtliche Arbeiten selbst erledigen zu müssen. Darum hatte er sich damals überhaupt dafür entschieden, einen Lehrling einzustellen, der anfangs erst einmal beweisen musste, ob er zu einer dermaßen anspruchsvollen Aufgabe überhaupt taugte. Bei Martinus war er sich noch nicht so sicher, aber was wollte er machen, wenn es sonst keine weiteren Bewerber gab.

Martinus war stets ein geduldiger Lehrling, der wusste, dass zunächst die Bereitwilligkeit, auch einfachste Tätigkeiten gut und zur Zufriedenheit des Lehrherrn auszuführen, am Anfang einer soliden Ausbildung stehen sollte. Das Erlernen sowie die Beherrschung der Zauberkunst wäre dann der nächste Schritt. Nun hatte er dem Meister bislang noch nicht bei einer Vorführung seines Könnens zuschauen dürfen, aber er war sich hundertprozentig sicher, bei ihm in naher Zukunft die vielfältigen Möglichkeiten der Magie zu erlernen.

»Und wann werdet Ihr mir einen Zauberstab übergeben, Meister Roderick?«, war seine nächste Frage.

»Dann, wenn ich genau weiß, dass du dafür infrage kommst und keinen Zauberstab mehr mit einem Holzstock verwechselst. Das ist nicht einfach ein Holzstecken, sondern ein verwunschener Geisterstab, der nur von der richtigen Person zum Leben erweckt werden kann, auf dass er die Kraft seiner Zauber offenbart. Verdammt, Martinus, davon bist du aber noch weit entfernt. Mach` noch ein Eichelbräu, hurtig und gieße dieses Mal etwas mehr Milch hinzu!«

Martinus nahm den Rest Milch, die nach einigen Tagen Aufbewahrung ein wenig säuerlich geworden war, aber sie gab dem Bräu einen weicheren und milderen Geschmack, so wie der Meister ihn mochte.

Veröffentlichung der Leseprobe mit freundlicher Genehmigung des Autors

Quelle:

(wb)