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Marshal Crown – Band 52

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Balgonie Castle

Im schottischen Fife, 3,5 Kilometer östlich von Glenrothes in der Nähe von Milton Balgonie, steht am Südufer des Flusses Leven ein Schloss aus dem 14. Jahrhundert. Diese Festungsanlage, heute beliebt als Veranstaltungsort für Hochzeiten, ist Balgonie Castle.

Seit 1246 gehörten die Ländereien um das Schloss herum den Sibbalds. In den 1360er Jahren bauten sie einen Barmkin 1, einen befestigten Hof mit einem an der nordwestlichen Ecke gelegenen Turmhaus. Nach einer Reihe von Eigentümern, die Balgonie Castle nach ihren Vorstellungen umbauen ließen, ist Stuart Morris of Balgonie heutiger Herr des Schlosses.

Geschichtliches und Familiäres

Der Turm, das älteste und noch unversehrte Gebäude in Fife, wurde im Auftrag des Königlichen Schatzmeisters Sir Thomas Sibbald von Balgonie gebaut und gilt in Schottland als einer der schönsten Türme aus dem 14. Jahrhundert. Um 1360 aus Quadern härtesten Sandsteins gebaut, erhebt er sich etwa 23 Meter über der Brüstung. Die Mauern sind am Fußpunkt ca. 3 Meter und an ihrem oberen Ende 1,80 Meter dick. Der Große Saal ist der einzige Raum, welcher von den späteren Gutsherren nie umgebaut wurde und seine ursprünglichen Fensterbänke behielt. Die Laird’s Hall im oberen Stockwerk veränderte man im 17. Jahrhundert. Die alten Fensterbänke gingen verloren, als die Fenster vergrößert wurden.

Der Nordtrakt entstand 1496 im Auftrag von Sir Robert Lundin of Balgonie. Zu dieser Zeit besuchte König James IV. am 20. August 1496 Balgonie Castle und war von den Arbeiten am Herrenhaus dermaßen beeindruckt, dass er für deren Fortsetzung 20 Schilling zur Verfügung stellte.

Im Erdgeschoss befindet sich eine Kapelle, ausgestattet mit Mobiliar, welche aus nicht mehr betriebenen Kirchen stammte. Sowohl dieser als auch alle anderen Räume werden nur durch Kerzen beleuchtet und verleihen der ganzen Szenerie ein mittelalterliches Ambiente.

Die Lücke zwischen Turm und Herrenhaus wurde 1666 durch ein weiteres Gebäude geschlossen. John Mylne of Balfarg, in 7. Generation Erbköniglicher Steinmetzmeister, erbaute dieses große Treppenhaus. In den 1960er Jahren zerstörten Vandalen die Steintreppe, welche später aus Holz wiederhergestellt werden musste.

Die Barkim-Mauern entstanden in zwei Zeitabschnitten. Die Südwand entstand vermutlich im 16. Jahrhundert, während bereits im 15. Jahrhundert die Westwand errichtet wurde, wo sich das Torhaus und das Gefängnis befinden.

Der erste urkundlich erwähnte Gutsbesitzer war die Sibbald-Familie. Die Sibbalds stammten vermutlich aus Sybaldi, eine in der Mitte des 12. Jahrhunderts aufstrebenden Stadt. Sir Duncan Sibbald lebte vor 1246 in Balgonie. Er wurde später in einer päpstlichen Bulle von 1250 erwähnt.

Isobel Sibbald, Tochter von Sir John Sibbald von Balgonie, heiratete Georg Douglas, 4. Earl of Angus. Aus dieser Linie ging Henry Stuart, Lord Darnley, zweiter Ehemann von Maria Stuart, Königin von Schottland, hervor. Königin Mary verbrachte die Nacht auf Balgonie Castle, bevor sie nach Wemyss Castle weiterreiste, wo sie Darnley zum ersten Mal traf.

Durch die Heirat von Elizabeth, Tochter von Sir Andrew Sibbald von Balgonie, Sheriff von Fife, mit Robert Lundin, zweiter Sohn von Sir John Lundin ging Balgonie Castle an die Lundins über. Diese stammte von einem unehelichen Sohn Königs William Der Löwe ab. Sir Robert Lundin von Balgonie, welcher in Diensten von James IV. stand, war Lord High Treasurer of Scotland.

1624 kauften die Brüder James Boswell von Lochgelly und David Boswell von Craigincalt Balgonie Castle. Ihre Gläubiger, darunter ihr Vater Sir John Boswell von Balmuto, verkauften 1635 das Anwesen an Sir Alexander Leslie.

Leslie, um 1580 geboren, war der Sohn von George Leslie, Hauptmann von Blair Castle. Er diente in der niederländischen Armee, bevor er die Führung der schwedischen Armee unter König Gustav Adolf angeboten bekam. Im Jahr 1622 stellte er das Närke-Värmland Regiment für den König auf. Dieses Regiment bestand bis 2000 und wurde Opfer von Kürzungen durch die schwedische Regierung. Leslie verbrachte 30 Jahre in schwedischen Diensten und stieg vor seinem Ruhestand im Jahre 1638 in den Rang eines Feldmarschalls auf. Sein Leben als Soldat war damit jedoch nicht zu Ende, denn er wurde 1639 Lord General of the Army of the Covenant. 1641 hob ihn Charles I. mit den Titeln Earl of Leven und Lord Balgonie in den Adelsstand und machte ihn zum Hauptmann von Edinburgh.

David, 3. Earl of Leven und Erbe der Earlswürde derer von Melville, stellte 1689 in Edinburgh das heutige The King’s Own Scottish Borderers auf. Im Januar 1716 verweilte der berüchtigte Rob Roy MacGregor mit etwa 200 Clanangehörigen und 20 hannoverischen Gefangenen auf Balgonie Castle.

Andere berühmte Besucher auf Balgonie Castle waren der Schriftsteller Daniel Defoe, Dr. Benjamin Rush (einer der Unterzeichner der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung), der schottische Schriftsteller und Rechtsanwalt James Boswell und der gelehrte Samuel Dr. Johnson.

Der 8. Earl of Leven verkaufte 1824 den Herrschaftssitz an Sir James Balfour of Whittinghame (Großvater von A.J. Balfour, 1. Earl Balfour, Premierminister von 1902 bis 1905), welcher das Anwesen an seinen zweiten Sohn Charles vererbte.

Während der 1840er Jahre erschienen in den Edinburgher Zeitungen einige Artikel und Berichte über den beklagenswerten Zustand von Balgonie Castle. Um die Dachsteuer einzusparen, entfernte man die Dächer. Nach schwerem Vandalismus der 1960er Jahre wurde die Burg 1971 an David Maxwell aus Edinburgh verkauft. Er trug die Kosten für die Restauration des Turmes und veräußerte 1985 das Grundstück an den gegenwärtigen Gutsherrn Raymond Morris of Balgonie & Eddergoll.

In all den Jahren der Existenz des Schlosses verweilten innerhalb der Mauern viele Gutsherren und bekannte Persönlichkeiten. Doch noch bekannter sind die Geister, die einen Besuch auf Balgonie Castle zu einem haarsträubenden Erlebnis werden lassen.

Der Geist der Green Jeanie

Der berühmteste Geist auf Balgonie Castle ist die Green Lady, besser als Green Jeanie bekannt. Bereits im Jahr 1840 wurde dieses Gespenst als ein berühmtes Phantom dokumentiert. Man sagt von ihr, dass sie besonders gern im 1702 erbauten Flügel, welcher heute nur noch eine Ruine ist, umherspukt. Sie geht von links nach rechts von einem Raum in den anderen, bleibt vor dem zweiten vergitterten Fenster stehen und schaut in den ummauerten Hof.

Green Jeanie haben bereits schon viele Menschen einschließlich des Gutsherrn und seiner Familie gesehen. Einmal, als die Gutsfrau gegen 02.00 Uhr die Jagdhunde herausließ, stieß sie zufällig auf die Green Lady und beschrieb sie wie folgt: »Sie erschien mir in einer erbsengrünen Farbe. Ihr Gesicht war unter einer Kapuze verborgen.«

Weitere Geister und paranormale Aktivitäten

Neben Green Jeanie wurde auch ein Geist eines alten Mannes auf Balgonie Castle gesichtet. Eines Abends, als sich die Gutsfrau im Lehnstuhl in der großen Halle ausruhte, öffnete sie ihre Augen und sah eine spitzbärtige Erscheinung, welche sie anstarrte – grau wie eine Statue und wie im 17. Jahrhundert gekleidet. Ein anderes Mal sah man einen alten grauen Mann, der unsichtbare Türen im Hof öffnete. In der ersten Etage der Halle hatte man einen körperlosen Kopf gesichtet. Im Hof war die unheimliche Form eines Soldaten aus dem 17. Jahrhundert gesehen worden, welche durch das Schlosstor ging. Zuweilen trieb ein Geisterhund sein Unwesen.

Die Halle, in welcher sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart Gäste bewirtet wurden und werden, ist ein beliebter Ort für Gespensterzusammenkünfte. Selbst wenn die Halle leer ist, kann man Tag und Nacht Stimmen hören, die jedoch nicht zu verstehen sind. Manchmal unterbricht Glockengeläut weibliches Gelächter. Im Esszimmer waren häufig ein kopfloser Soldat und eine alte Dame gesehen worden.

2005 verbrachten Mitglieder eines Geisterklubs eine Nacht auf Balgonie Castle. Im Speisesaal hatten zwei von ihnen eine Begegnung von sehr kalter Art. Obwohl das Thermometer eine annehmbare Temperatur von 13 Grad Celsius anzeigte, bekam ein Mitglied akute Beschwerden aufgrund der Kälte und musste den Raum sofort verlassen. Ein anderes Mitglied sah blinkende Lichter in der Mitte der Halle. Da es keine schlüssigen Anhaltspunkte für diese Erscheinungen gab, hielt der Geisterklub aufgrund der gemachten Erfahrungen die Annahme, dass es auf Balgonie Castle tatsächlich spukt, aufrecht.

Sollte sich jemand von Ihnen, liebe Leser, einmal in der Nähe von Balgonie Castle aufhalten, so ist er bereits heute vom Schlossherrn herzlich eingeladen, um selbst auf Gespensterjagd zu gehen. Grüne Kleidung sollte dabei vermieden werden, um Irritationen auszuschließen. Die Farbe Grün ist auf Balgonie Castle ausschließlich für Lady Jeanie vorbehalten.

Quelle:

Bild Balgonie Castle o1 Copyright by Paul McIlroy

Copyright © 2013 by Wolfgang Brandt

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  1. Barkim ist ein schottisches Wort, welche sich auf eine Form mittelalterlicher und späterer Verteidigungsanlagen bezieht und typisch für kleinere Schlösser sind.