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Slatermans Westernkurier 12/2023

Auf ein Wort, Stranger, kennst du die Geschichte von John Mosbys Millionenschatz?

In den Wäldern vom Fairfax County in Virginia ist noch heute ein Schatz versteckt, der fast sieben Millionen Dollar wert ist. Er soll irgendwo zwischen Norman und Culpeper zwischen zwei Kiefern vergraben sein, in der Nähe der heutigen Route 522.

Auch heutzutage, fast 160 Jahre später, machen sich immer noch unzählige Glücksritter auf die Suche nach diesem Schatz, denn er ist kein Hirngespinst, sondern Realität. Es gibt genug Berichte damaliger Zeitzeugen und auch Aufzeichnungen der Armee, die bestätigen, dass es sich bei dem Schatz um Schmuck, Gold, Silber und kostbare Erbstücke handelt, welche die Unionstruppen gegen Ende des Bürgerkrieges aus den Häusern reicher Südstaatenfamilien raubten, als sie in Virginia einmarschierten.

Die Geschichte des Schatzes beginnt mit einem konföderierten Partisanen namens John S. Mosby, der wegen seiner blitzschnellen Überfälle und Sabotageaktionen und der Fähigkeit, Verfolgern der Unionsarmee immer wieder zu entkommen, entlang der Front als grauer Geist bekannt wurde.

Mosby trat bei Ausbruch des Bürgerkrieges als Privatmann in die Armee der CSA, also Südstaaten, ein und diente zunächst bei den Washington Mountain Rifles.

Im April 1862 verabschiedete der Konföderierten Kongress das sogenannte Partisan Rangers Act, das vorsah, dass solche Partisanen, auch Ranger genannt, nachdem sie regelmäßig in den Dienst aufgenommen wurden, während ihrer Dienstzeit Anspruch auf den gleichen Lohn, die gleichen Rationen und das gleiche Quartier hatten, aber auch den Armeevorschriften und den Befehlen ihrer Vorgesetzten zu gehorchen hatten. Das hieß, für sie galten die gleichen Regeln wie für jeden anderen gemeinen Soldaten. Am Ende des Jahres wurden die Partisanen Ranger gegründet, denen Mosby vorstand, nachdem er sich unter General Jeb Stuart als herausragender Späher und Informationensammler erwiesen hatte.

Im Januar 1863 ermächtigte General Stuart mit Zustimmung seines Vorgesetzten General Robert E. Lee, Mosby das 43. Bataillon Virginia Cavalry zu bilden, um das Kommando zu übernehmen und dann offiziell als Einheit der Army of Nothern Virginia zu operieren.

Allerdings lebten die Männer dieses Bataillons (von denen 1900 von Januar 1863 bis April 1865 dienten) außerhalb der Standards regulärer Armeekavalleristen. Dazu gehörte das Fehlen von Lagerpflichten, das Leben unter der Zivilbevölkerung, aber auch die Beteiligung an Kriegsbeute.

Die kleine Kavallerieeinheit wurde sofort ins Herz von Virginia hinein beordert, wo sie augenblicklich damit begann, die Stellungen der Union ständig zu attackieren und den Blaurocksoldaten keine ruhige Minute mehr zu gönnen.

Anstatt ihre Feinde im offenen Kampf anzugehen, schlüpfte Mosbys Truppe oft im Schutz der Dunkelheit hinter die Linien der Unionsoldaten, liquidierte diese und stahl Vorräte, Waffen und Munition. Bei ihren oftmals verheerenden Angriffen zerstörten sie unzählige Eisenbahnstrecken und strategisch wichtige Brücken, um sich danach in den Wäldern zu zerstreuen und unerkannt unter die Zivilbevölkerung zu mischen.

Am 9. März 1863 führte Mosby seine Einheit weit hinter die Linien der Unionssoldaten bis in die Nähe des Gerichtsgebäudes der Countyhauptstadt Fairfax. In einer dunklen und regnerischen Nacht tauchte Mosby mit 29 Gefolgsleuten morgens um zwei in der Stadt auf, über zehn Meilen hinter den Linien der Union. Obwohl Tausende Soldaten der Nordstaatenarmee in der Stadt und in umliegenden Lagern stationiert waren, gelang es Mosby und seinen Männern, sich an allen Wachposten vorbeizuschleichen und unzählige Telegrafenleitungen zu durchtrennen. Danach begannen sie damit, einen nach dem anderen Wachposten zu überwältigen, ohne dass diese Alarm schlagen konnten. Als die Wachen ausgeschaltet waren, machte sich Mosby auf den Weg zum Schlafzimmer von General Edwin H. Stoughton, dem Offizier, der das Oberkommando über diesen Frontabschnitt besaß. Mosby weckte den General mit einem Schlag auf den Rücken, hielt ihm seine Pistole an den Kopf und erklärte ihm, dass er sein Gefangener war. Als Stoughton sich angezogen hatte, begleitete ihn Mosby auf die Straße, wo seine Ranger inzwischen 32 Gefangene und 58 Pferde versammelt hatten.

 

*

 

Armeeberichten und Zeugenaussagen nach erbeuteten Mosby und seine Ranger in dieser Nacht nicht nur Gefangene und Pferde, sondern auch Gold, Silber, Schmuck und andere Wertgegenstände, die laut späteren Berichten der Familienangehörigen, welchen diese Dinge von den Unionssoldaten geraubt wurden, einen Wert von etwa 360.000 Dollar hatten, was heute etwa 7 Millionen entspricht. Wobei zu erwähnen wäre, dass heutige Sammler und Liebhaber inzwischen bereit sind, für diese Stücke sogar eine zweistellige Millionenzahl zu berappen.

Eineinhalb Stunden nach ihrer Ankunft in Fairfax verließ Mosby und seine Truppe zusammen mit den Gefangenen, den erbeuteten Pferden und den von den Unionssoldaten geraubten Schätzen die Stadt in Richtung ihres Hauptquartiers. Späher warnten Mosby allerdings vor dem Herannahen einer großen Abteilung von Unionssoldaten, worauf Mosby zusammen mit einem ihm ergebenen Sergeanten die Truppe kurz verließ und die Kriegsbeute, so gaben es jedenfalls andere Soldaten der Truppe an, irgendwo auf dem Weg zwischen zwei Kiefern vergruben.

General Robert E. Lee sagte zu Mosbys nach seinem Eintreffen im Hauptquartier: »Ein Hurra für Mosby! Ich wünschte, ich hätte hundert wie ihn.«

Sein Kontrahent, Abraham Lincoln, äußerte sich über das Versagen von General Stoughton, nachdem er von Mosbys Überfall erfahren hatte, wie folgt:

»Der Verlust der Pferde wiegt schwerer als das Versagen des Generals. Kraft meines Amtes kann ich Brigadegeneräle machen, wann immer es mir gefällt. Aber ich kann keine Pferde machen und die brauch ich für diesen Krieg.«

 

*

 

Mosby wurde am 15. März 1863 umgehend zum Captain befördert und am 26. März zum Mayor.

Trotz seines Ranges, mit dem er keinen Felddienst mehr leisten musste, operierte Mosby weiterhin in Virginia. Als Robert Lee 1865 kapitulierte, löste er seine Einheit auf und kehrte ins Zivilleben zurück.

Er starb am 30. Mai 1916 an den Folgen einer Halsoperation in Washington D.C. und wurde anschließend auf dem Warrenton Cemetery in Warrenton, Virginia beigesetzt.

Aber was war mit dem Schatz?

Die Geschichte besagt, dass Mosby seinen ihm vertrauten Sergeanten mit ein paar Männern zurückgeschickt hatte, um den Schatz zu bergen. Aber bevor sie die Stelle erreichten, wo dieser vergraben war, wurden sie von einer Abteilung Unionssoldaten aufgegriffen und kurzerhand als Spione ohne Gerichtsverhandlung gehängt.

Warum Mosby Jahre später nicht zurückkehrte, um den Schatz zu bergen, ist nicht bekannt, aber er soll auf seinem Sterbebett erklärt haben, dass da im Herzen von Virginia, irgendwo zwischen Norman und Culpeper, eine Menge wertvolle Dinge auf ihn warteten, und er sich wünschte, er hätte sie bekommen.

Wer also Interesse hat, kann sich nach Virginia aufmachen, um den Schatz zu bergen. Metalldetektoren gibt es dort zum Sonderpreis, man muss nur jede Menge an Zeit und Geduld aufbringen und dazu jede Menge Glück, um diesen Millionenschatz zu finden.

Quellenangabe: