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Sternenlicht 19 – Die Monster von Morgenblau

Joachim Stahl
Sternenlicht 19
Die Monster von Morgenblau

Science-Fiction, Taschenbuch, Saphir im Stahl, Bickenbach, 213 Seiten, ISBN: ‎9783962860738, 13,00 EUR, Titelbild: Thomas Budach

Synopsis:

Man schreibt das Jahr 3169 in der Sternenlicht Vereinigung. Seit den verhängnisvollen Kriegen gegen die Frogs sind mehr als einhundert Jahre vergangen. Das ehemalige Staatengebilde der Menschheit zerfiel in eine Vielzahl von Reichen, Vereinigungen und Neo-Aristokratischen Gesellschaften. Nach einer langanhaltenden wirtschaftlichen und politischen Erholung entschloss sich die Sternenlicht Vereinigung Forschungsschiffe zu entsenden, um die Milchstraße neu zu erkunden.

Nach der verhängnisvollen Raumschlacht gegen die Maschinen von Maschina ist die Sternenlicht-Flotte massig geschwächt worden. Doch die Erkundung des Alls muss dennoch weiter vorangetrieben werden. Das große Expeditionsschiff GIORDANO BRUNO schickt seine vier Forschungskreuzer in einem bislang kaum erforschten Raumsektor auf Erkundungsfahrt. Einer dieser Kreuzer ist die GB-I unter dem Kommando von Major Taunsend. Nachdem der Kreuzer einen Dschungelplaneten angeflogen hat, stößt die Besatzung dort auf eine seltsame Wesenheit, deren Gefährlichkeit zu spät von ihr erkannt wird.

Leseprobe:

Prolog

Die Wesen in dem dämmerigen Raum klammerten sich mit ihren dürren Ärmchen aneinander, um von den Luftströmen der Klimaanlage nicht in alle Richtungen verweht zu werden. Ihre äußerliche Gestalt wurde von dem großen ovalen Kopf dominiert, der etwa ein Viertel ihrer gesamten Körpergröße einnahm. Zwei Auswölbungen an beiden Seiten des von Furchen durchzogenen Schädels unterhalb seiner Spitze ähnelten Griffmulden. Unter dem Schädel befanden sich auf einer horizontalen Ebene an den Seiten zwei enganliegende Ohren, dazwischen zwei rundliche Augen mit dunkler Iris und in der Mitte die Nase, die fast nur aus zwei runden weit voneinander liegenden Nasenlöchern bestand. Unter der Nase war der breite Mund, der voller langer, scharfer Zähne steckte.

Deutlich schmaler als der Kopf und von diesem durch einen kurzen Hals getrennt war der Oberkörper. Links und rechts ragten aus den Schultern je zwei kurze, vielgelenkige Gliedmaßen, die den Ästen eines ungepflegten Obstbaumes ähnelten. Darunter befand sich der schlaffe Leib, der sich unten in zwei weitere Gliedmaßen unterteilte, die in ausgestrecktem Zustand ungefähr so lang wie der Kopf waren.

Die Wesen benutzten zur Fortbewegung nur selten ihre kaum entwickelte Muskulatur, meist schwebten sie wie Heißluftballons von einem Ort zum anderen. Ermöglicht wurde dies durch das Gas in ihrem schlaffen Körper, das leichter als die umgebende Luft war. Notwendige Richtungsänderungen erfolgten durch Bewegungen der Beine, doch gelang es ihnen nicht, komplett gegen den herrschenden Luftstrom zu schweben.

Sie mussten ihre Bewegungen diesem daher stets anpassen.

Das aus insgesamt sieben sich aneinanderklammernden Wesen bestehende Nest war von tödlichen Feinden umgeben. Die Bestien, die sich Menschen nannten, waren groß und stark, und die scharfen Krallen an ihren Klauen konnten einen Körper der zierlichen Nestbewohner mit Leichtigkeit zum Platzen bringen. Doch glücklicherweise gab es eine Möglichkeit, die Bestien zu bekämpfen: Ihre große Schwäche war ihre mentale Beeinflussbarkeit. Geistig waren sie den großköpfigen Wesen hoffnungslos unterlegen.

Ihre Gedanken ließen sich problemlos lesen und je nach Bedarf manipulieren.

Heldenhaft hatte sich die siebenköpfige Gruppe im Auftrag ihres Volkes an Bord eines der diskusförmigen Raumschiffe der Bestien geschmuggelt, das zu ihrem Heimatplaneten im Tyros-System zurückgeflogen war. Selbst hatten die Wesen keinerlei Technik entwickelt, weil diese für ihr Überleben bislang nicht notwendig gewesen war. Nach der Landung auf der Welt namens Mené hatten die Wesen aus den Gedanken der Bestien erfahren, wo die wichtigsten Entscheidungen getroffen wurden. Die Weltregierung befand sich in einem riesigen Gebäude im Zentrum von Menés Hauptstadt Neu-Paris, in der vierzig Millionen der brutalen Monster lebten. Es war den sieben todesmutigen Helden durch Gedankenmanipulation einzelner Menschen gelungen, sich in dieses Regierungsgebäude zu schmuggeln und dort einen Raum zu finden, in dem sie ungestört waren. Auch dort manipulierten sie einige der dort arbeitenden Bestien mental, sodass diese ihnen regelmäßig geeignete Nahrung brachten. So wurden sie mit der für ihre anstrengende Geistesarbeit notwendigen Energie versorgt.

Es hatte nicht lange gedauert, bis sie erfahren hatten, welches die führenden Mitglieder der Regierung waren. Die sogenannte Erste Vorsitzende trug den Namen Lukira Change. Noch rascher war es ihnen anschließend gelungen, diese mächtigen Bestien mental so zu beeinflussen, dass ihre Sternenlicht Vereinigung genannte Organisation in absehbarer Zeit hoffentlich keine Gefahr mehr für die Heimatwelt der Wesen darstellen würde. Aufgrund der gewaltigen Größe dieses feindlichen Sternenbundes und der Unmenge von Bestien, die darin lebten, war es bis dahin noch ein weiter Weg. Es war daher leider nicht möglich, mit der Vorsicht und Behutsamkeit vorzugehen, die beim Kampf gegen einen derart mächtigen Gegner eigentlich angemessen gewesen wäre. Die siebenköpfige Gruppe musste beträchtliche Risiken eingehen, um ihr Ziel in absehbarer Zeit erreichen zu können. Doch zumindest die ersten Schritte dorthin waren bereits erfolgreich eingeleitet worden, ohne dass die Bestien davon etwas ahnten.

 

I

»Petrus?«

Karins Stimme drang durch die dämpfende Watte des Traumes an seine Ohren. Als Major und Kommandant eines Raumkreuzers der Sternenlicht-Forschungsflotte war er darauf trainiert, auch im Schlaf auf jegliche alarmierenden Signale zu achten und darauf sofort zu reagieren.

Petrus Taunsend schlug die Augen auf.

Karin lag wie üblich rechts neben ihm im Bett und hatte sich auf den linken Ellbogen gestützt, um ihren Oberkörper halb aufzurichten. Das Licht im Schlafzimmer leuchtete schwach. Ihr hübsches Gesicht mit den großen hellbraunen Augen unter den kurzgeschnittenen dunklen Haaren wirkte besorgt.

»Was ist denn, Schatz?« Taunsend zwang sich zu einem Lächeln. Er hatte geträumt, doch er konnte sich schon nicht mehr genau an den Trauminhalt erinnern. Er wusste nur noch, dass er vom Weltall gehandelt hatte.

Karin strich ihm vorsichtig über die Schläfe, dann streckte sie die Zeigefingerspitze vor Taunsends Augen. Sie war rotgefärbt.

Taunsend runzelte die Stirn. »Was ist mit deinem Finger? Hast du etwa zu tief in der Nase gebohrt?«, versuchte er zu derb scherzen.

Karin blieb ernst. »Das ist dein Schweiß, Petrus. Du schwitzt Blut.«

Taunsend schüttelte benommen den Kopf, während er sich langsam aufsetzte. »Was redest du da?« Er spürte, dass er schwitzte. Es war Winter auf der nördlichen Halbkugel Morans, doch ihr kleines Einfamilienhaus in der Provinz etwa zweihundert Kilometer entfernt von der Hauptstadt Toris war angenehm temperiert. Im Schlafzimmer herrschten nachts etwa sechzehn Grad Celsius, gerade genug, um gut schlafen zu können. Seltsam, dass seine Stirn dennoch schweißüberströmt war. Vorsichtig, als würde er eine offene Wunde untersuchen wollen, strich sich Taunsend über die Schläfe und betrachtete anschließend seine Hand. Die Fingerspitzen waren rot.

»Wie fühlst du dich?« Karin streichelte zärtlich über seinen Unterarm.

»Eigentlich ganz in Ordnung«, erwiderte Taunsend mit leicht zittriger Stimme. »Ich habe gut geschlafen, bis du mich geweckt hast, und ich habe auch nicht den Eindruck, dass ich krank wäre. Nur leicht schockiert, aber das ist wohl relativ normal, wenn man soeben erfahren hat, dass man Blut ausschwitzt.«

»Ich rufe trotzdem vorsichtshalber einen Krankengleiter. Du hast unruhig geschlafen, davon bin ich wachgeworden.« Karin wollte aufstehen, doch Taunsend hielt sie zurück.

»Denk bitte an meinen guten Ruf.« Er lächelte gequält. »Du weißt doch, was für Lästermäuler meine lieben Kameraden sind. In ein paar Tagen schon muss ich mit denen wieder aufbrechen.

Wenn sie dann durch einen dummen Zufall erfahren haben, dass ihr Kommandant sich wegen einer Lappalie im Krankenhaus behandeln ließ, machen die sich bis zum Ende unseres nächsten Einsatzes über mich lustig. Willst du mir das wirklich antun, Schatz?«

Karin erwiderte seinen Blick ernst. »Und woher willst du wissen, dass es sich hier wirklich um eine Lappalie handelt? Vielleicht ist das eine gesundheitlich brandgefährliche Spätfolge deines letzten Einsatzes!«

Bei diesen Worten seiner Frau wanderten Taunsends Gedanken unwillkürlich zurück zu seinen schmerzhaften Erlebnissen auf Tinged-II, die inzwischen etwa ein halbes Jahr zurücklagen.

Er hatte dort buchstäblich den Verstand verloren, nachdem er lebendige Insekten verschluckt hatte, die durch eine unbekannte Strahlungsart behandelt worden waren. Glücklicherweise war es seinen Kameraden vom Forschungskreuzer DIANA noch während des Rückflugs von dem ausgestorbenen Ruinenplaneten gelungen, ihn wieder zu kurieren. »Das ist doch schon monatelang her«, versuchte er Karin zu beruhigen.

»Und nach meiner Heilung war ich vollkommen in Ordnung. Warum sollten jetzt plötzlich irgendwelche Spätfolgen auftreten?«

»Das ist nun mal die Natur von Spätfolgen.

Sie tauchen nicht unmittelbar nach dem Anlass auf, der sie ausgelöst hat, sondern viel später.«