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Geisterstunde – Staffel 2 – Folge 5

Geisterstunde – Staffel 2 – Folge 5
Der Seelenspiegel
Nach literarischer Vorlage von C. B. Andergast

Hörspiel, Krimi, Saphir Tonart, Hamburg, 28.07.2023, Audio-CD, ca. 61 Minuten, 8,99 EUR, ISBN: 97833862124282

Literarische Vorlage: Sven Schreivogel, Direkt Film & Video, 1996
Hörspielfassung 2023: Amüsement Musik- und Medienmanagement Hamburg
Manuskript: Florian Hilleberg
Produktion: Anett Schwichtenberg
Regie: Sven Schreivogel
Produktionsassistent: Alexander Siebrecht
Titelmusik: H. G. Kaczmarek
Musik: Konstantinos Kalogeropoulos
Covergestaltung: Mark Freier – www.freierstein.de
Artwork: Raphael Bräsecke – werbefluesterer.ch
Premastering: Karsten Deutschmann Gentle Art, Hamburg

Sprecher: Chronist: Walter Renneisen, Edwin Gerlach: Mathias Renneisen, Johanna Köstritz: Susanne Usia, Komtess Amalie von Winterstein: Adelheid Kleineidam, Luc-Pascal de Jeneaux: Marcus Off, Adalbert Köstritz: Jörg von Liebenfelß, Edwins Vater: Wolf Frass, Edwins Mutter: Kornelia Boje, Ernst: Patrick Bach, Hannes: Miruka Usia, Irma: Lisa Surmann, Erster Holzfäller: Alexis Kara, Zweiter Holzfäller: Jan Reinartz, Pfarrer: Klaus Krückemeyer, Bauer: Horst Peter Walz

Synopsis:
Der junge Zimmermannsgeselle Edwin ist auf der Suche nach Arbeit. In einer alten Klosterruine trifft den Teufel in Gestalt eines Mönchs, der ihm Glück und Wohlstand verspricht. Der Leibhaftige schenkt Edwin einen Spiegel, der jeweils dessen sehnlichsten Wunsch zeigt und in Erfüllung gehen lässt. Der Haken daran ist, dass für jeden Wunsch Edwins ein anderer Mensch stirbt, was diesen allerdings nicht daran hindert, das Geschenk anzunehmen.
Die Laufbahn des zunächst armen Gesellen geht steil nach oben: Er findet Arbeit beim Zimmermann der Stadt, steigt vom Ehemann der Meistertochter zum Geliebten einer Adligen empor, erwirbt Reichtum und genießt in höheren Kreisen einen tadellosen Ruf. Durch den Spiegel wird jedwedes Begehr des inzwischen Unersättlichen Wahrheit. Und immer bezahlt ein Unschuldiger mit dem Leben. Doch schon bald wendet sich das Blatt.

Hörprobe:
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Wenn du dich mit dem Teufel einlässt, verändert sich nicht der Teufel. Der Teufel verändert dich, das ist es!
SITD, Snuff Machinery

Was wäre, wenn Satan oder einer seiner Dämonen dir ein Angebot machen würde? Er würde dir alles geben, was dein Herz begehrt – Reichtum, Macht, Schönheit, große Fähigkeiten usw. – in diesem Leben. Im Gegenzug gehört ihm deine Seele für alle Ewigkeit.

Die Idee, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen, wurde durch die klassische Legende von Faust populär, einem Gelehrten, der einen Pakt mit einem Dämon namens Mephistopheles schloss. Es gibt viele ähnliche Geschichten, die sich um das gleiche Thema drehen. In einigen der Legenden überlistet der Mensch den Teufel auf irgendeine Weise, entkommt dem Vertrag und erhält seine Seele zurück. In anderen gewinnt der Teufel durch Täuschung oder ein doppeltes Spiel. Als Beispiele sollen hier Thomas Manns Doktor Faustus, Gebrüder Grimms Gevatter Tod, Wilhelm Hauffs Das kalte Herz, Stanley Donens Mephisto 68 genannt werden.

Was bedeutete es denn, wenn man sagt, jemand habe seine Seele an den Teufel verkauft?  Der Teufel, auch bekannt als Luzifer, war im Wesentlichen ein Wesen, das gegen den freien Willen und für den Determinismus argumentierte.  Wenn man manipuliert, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, weil man so verzweifelt ist, verliert man irgendwann den Kontakt zu seinem eigenen freien Willen. Das ist im Grunde nichts anderes als eine Sucht.  Wenn man süchtig ist, hat man das Gefühl, keine Kontrolle mehr über sich zu haben, wenn man versucht, ein Bedürfnis zu befriedigen.  Man hat das Gefühl, sich nicht mehr kontrollieren zu können.  Wenn man an einen Punkt kommt, an dem man einen solchen Mangel spürt, dass man so verzweifelt ein Bedürfnis befriedigt haben will, dass man sich nicht mehr kontrollieren kann, wenn man mit dem Angebot konfrontiert wird, dieses Bedürfnis zu befriedigen, dann hat man sich von seinem eigenen freien Willen abgekoppelt.  Man hat sich gegen seinen Willen auf die Seite des Determinismus geschlagen und damit auf die Seite des Wesens, das diesen Gedanken hervorgebracht hat und das wir den Teufel nennen.  Seine Seele an den Teufel zu verkaufen ist, nichts anderes, als sich auf ein Geschäft einzulassen, das einen von der Erfahrung des eigenen freien Willens abkoppelt.

Seit der Premiere des Films Der Seelenspiegel am 12. September 1998 im Göttinger Sterntheater, an der 260 Zuschauer teilnahmen, ist viel Zeit vergangen. Viel Zeit, in der sich Produzent Sven Schreivogel nicht zurückzog, sondern sich anderen Projekten widmete.

Auf der Grundlage des Films und des Manuskripts von Florian Hilleberg geht Geisterstunde 5 als Hörspiel auf die erwähnte Thematik ein, hält sich in Grundzügen an den roten Faden der filmischen Vorlage und liefert Hörgenuss pur.

Walter Renneisen als Chronist versteht es bis zum Final End hervorragend, die fungierenden Charaktere in die sich stet entwickelnden Storyline einzuführen sowie die Freveltaten des Edwin Gerlach selbstgefällig in Szene zu setzen, was dem Leitmotiv des Hörspiels zugutekommt.

Dass das Ende des Hörspiels vorhergesehen werden kann, tut der Qualität von Geisterstunde keinen Abbruch; vielmehr lagen meine Erwartungen darin, da ich den Film gesehen habe, wie das Produktionsteam um Anett Schwichtenberg die literarische Vorlage umsetzen würde. Und dies ist ihm erneut routiniert gelungen.

(wb)