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Andreas Storm – Das neunte Gemälde

Andreas Storm – Das neunte Gemälde

Der Bonner Kunstexperte und Professor Lennard Lomberg wird im April 2016 von einem Mann namens Dupret angerufen, der kurze Zeit später stirbt. Dieser drängt ihn, die Rückgabe eines kubistischen Gemäldes zu organisieren, das zur Nazi-Raubkunst gehörte und ursprünglich das Eigentum eines jüdischen Sammlers namens Bleustein-Levy war. Lennard Lomberg, von seinen Freunden Lenn genannt, ist Experte für derartige Gemälde und hat auch Bücher über solche verfasst.

In Rückblenden, unter anderem in das Paris des Jahres 1943, das zu dieser Zeit von den Deutschen besetzt war, erzählt der Autor die Geschichte des Bildes, das wohl in der Mitte der 30er-Jahre fertiggestellt wurde und tatsächlich auf eine Skizze Pablo Picassos zurückgeht.

1943 lagerten die Nazis ihre französische Raubkunst, das heißt die Gemälde, die sie als entartet bezeichneten und die von bedeutenden Malern des zwanzigsten Jahrhunderts stammten, im Museum Jeu de Paume in Paris. Einige derer, die die Gewalt über die Bilder besaßen, zweigten solche Gemälde ab und verkauften sie, um sich zu bereichern und eventuell nach dem Krieg, dessen Ende sich wohl zu dieser Zeit bereits abzeichnete, nicht bei null anfangen zu müssen.

Unter denen, die sich an der Raubkunst der Nazis bereichern wollten, war auch SS-Untersturmführer Franz Eylmann, der zur Militärischen Abwehr gehörte. Er war ein Aufsteiger, unter prekären Bedingungen im Berliner Arbeiterbezirk Wedding aufgewachsen und hatte bei den Nazis Karriere gemacht. Er emanzipierte sich in den Jahren bei der SS von der Nazi Diktatur, weil er als Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes bereits früh die Niederlage der Nazis absehen konnte.

Deshalb wollte er für die Zeit nach dem Krieg vorsorgen, schlüpfte in die Rolle seines Offizierskollegen Leutnant Ernst Lomberg und entwendete als dieser neun Gemälde aus der Sammlung Bleustein-Levy, die im Jeu de Paume lagerten. Diese gelangten schließlich über Umwege an einen Schweizer Unternehmer namens Ruetschli.

Bei der komplexen Aktion des Diebstahls aus dem Jeu de Paume kommt ein Nazioffizier ums Leben. Ferner wird die Gestapo einiger Leute habhaft, die von Eylmann im Zuge seines Diebstahls missbraucht wurden, allen voran der echte Ernst Lomberg. Die Schergen der Gestapo foltern diese, bevor ein Vorgesetzter von Lomberg sie retten kann.

Eylmann selbst aber kommt davon. Seit Sommer 1942 führte ihn der Militärische Geheimdienst der USA als Agenten auf seiner Gehaltsliste. Man wollte zwar seinen Doppelagentenstatus noch eine Weile aufrechterhalten, aber als Eylmann aus Berlin abgezogen werden sollte, disponierte man kurzfristig neu, und er ging schon zwei Jahre vor Ende des Krieges in die USA und bekam eine neue Identität.

In der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 1966 begegnen sich die Akteure erneut, und der Autor erzählt in Rückblenden ihre Geschichte weiter, da die Erzählung notwendig ist, um die Geschehnisse im Jahr 2016 zu verstehen. Diese ranken sich nun um Lennard, den Sohn von Ernst Lomberg. Vater Lomberg bringt es in der Bundesrepublik zum Generalbundesanwalt, ist aber im Jahr 2016 schon tot. Lennard Lombard deckt die Geschichte seines Vaters und damit auch die des kubistischen Gemäldes mit der Hilfe seiner Freunde und der Polizei am Ende vollständig auf.

Andreas Storm erzählt mithilfe des Stilmittels der Rückblende eine Geschichte, die die Zeit des Nationalsozialismus, die Tage der Bundesrepublik Deutschland im kalten Krieg und die Jahre des vereinten Deutschlands unserer Tage umfasst.

Er berichtet dabei nicht nur von der Kunst dieser Jahre, den Kunstsammlern und -fachleuten, sondern auch von der Familie seines Hauptakteurs, Lennard Lomberg, und deren Leben in den besprochenen Epochen.

Dabei gelingt es ihm, einen sehr komplexen Plot aufzubauen, der jedem an schwieriger Krimikost interessierten Leser gerecht wird.

Der Autor beweist in Das neunte Gemälde dem Leser, dass er nicht nur von der Geschichte und der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts eine Menge weiß und versteht, sondern außerdem auch eine spannende Kriminalgeschichte erzählen kann. Insbesondere der aufgrund von Geschehnissen in der Nazizeit stattfindende Rachefeldzug von Opfern in der frühen Zeit der BRD ist psychologisch sehr gut nachvollziehbar dargestellt. Aber auch die Beschreibung der Skrupellosigkeit der Täter und der Verkäufer und Käufer von Raubkunst, die man oft den jüdischen Bürgern weggenommen hatte, überzeugt.

Ein wenig übertrieben wird für meinen Geschmack vom Luxus und der Lebensart der Wohlbetuchten in der Gegenwart erzählt, was die ganze Geschichte in Kreise versetzt, die mit dem normalen Bürger unserer Zeit nur wenig gemein haben. Dies jedoch mag nur meine eigene Empfindung beim Lesen der Geschichte gewesen sein und von anderen Konsumenten der Story als schön empfunden werden.

Fazit:
Der Erzähler schafft mit Das neunte Gemälde eine Kriminalgeschichte, die sowohl in historischer Hinsicht als auch in kunsthistorischer überzeugen kann. Psychologisch besitzt der Verfasser ebenfalls Kompetenz. Man kann diesem Kriminalroman demjenigen Leser empfehlen, der komplexe und gut konstruierte Plots zu schätzen weiß.

Der Autor:

Andreas Storm wurde 1964 geboren und ist in Köln und im angrenzenden Bensberg aufgewachsen. Er erlernte ab 1985 den Beruf des Werbekaufmanns und begann dann eine Beraterlaufbahn bei Werbeagenturen in Köln Düsseldorf und London. Schließlich machte er sich selbstständig und ist seitdem Geschäftsführer und Teilhaber einer Kommunikationsagentur.

Das neunte Gemälde ist sein erster Roman. Er soll den Auftakt zu einer mehrteiligen Krimiserie um den Kunstexperten und Ermittler Lennard Lomberg bilden, deren zweiter Band, Die Akte Madrid, soeben erschienen ist.

Storm lebt mit Familie Im Bergischen Land in Hoffnungsthal in der Nähe von Köln.

Quellen:

  • Andreas Storm, Das neunte Gemälde, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1.Auflage, 2022.
  • www.kiwi-verlag.de

Bilder:

  • Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Kiepenheuer & Witsch.
  • Foto des Autors. Copyright: Maya Claussen. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung des Verlags Kiepenheuer & Witsch.

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