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Jim Buffalo – 9. Abenteuer – Kapitel 1

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922

Die Fabrik unter Wasser
Das 9. Abenteuer Jim Buffalos

1. Kapitel

Falsches Geld

Seit zwanzig Minuten sprach der junge, blasse Mensch ununterbrochen und Jim Buffalo hörte ihm schweigend und mit sichtlicher Spannung zu.

Als Timm Gregor schließlich schwieg, schüttelte der größte Abenteurer aller Zeiten nur den Kopf und begann eine lange Wanderung in dem stillen Gemach.

»Ich danke Ihnen, Mister Gregor«, sagte er nach einer Weile, vor dem Besucher stehenbleibend. »Wenn Ihre Erzählung auf Wahrheit beruht, was ich bald feststellen werde, sollen Sie ein reicher Mann werden!«

In den Augen des blassen Mannes leuchtete es glücklich auf.

»Nun lassen Sie mich allein«, sprach Buffalo weiter. »Sie werden von mir hören, sobald ich weiß, woran ich bin. Die Regierung hat eine Belohnung von 20.000 Dollar ausgesetzt. Wenn sich Ihre Worte erfüllen, sollen Sie in vier Wochen die Summe haben – hoffen wir also!«

Dann war er allein.

Lange ging Jim Buffalo auf und ab.

»Hm«, murmelte er, »eine Fabrik unter Wasser! Die Idee wäre nicht schlecht. Ein kluger Kopf mag sie ausgesonnen haben. Wer wohl …«

Wieder vergingen lange, lange Minuten.

»Will Steen war ein großer Falschmünzer«, fuhr er in seinem Selbstgespräch fort. »Er sitzt im Zuchthaus. Jack Fredy war ein Spezialist für Tausend-Dollar-Noten – er ist tot. Hilmar Soedin machte vor zehn Jahren englisches Geld en gros – man sperrte ihn ein – er floh aus dem Zuchthaus – hm …«

Jim Buffalo ließ sich am Kamin nieder.

Still sah er in die knisternde Glut.

Draußen heulten die ersten Novemberstürme. Der Herbst mit seiner prächtigen Milde und seinem Sonnenlicht war vorbei – der Winter nahte mit dröhnendem Schritt …

»Hilmar Soedin war ein kluger Kopf. Er erfand eigens zu Zwecken der Falschmünzerei eine Patenttiegelpresse, stellte nur ausschließlich Tausend-Dollar-Noten her – hm – Hilmar Soedin, solltest du hier am Werke sein?«

Jim Buffalo dachte an die Erzählung des jungen, blassen Mannes, der ein armer Kunstmaler war und gelegentlich eines Bildes, welches er am Ufer des Schwarzen Sees malte, seltsame Beobachtungen gemacht hatte.

So sollte an einer bestimmten Stelle des Sees das Wasser immer unruhig gewesen sein, sollte Blasen geworfen und auch sonst ein rätselhaftes Wesen gezeigt haben.

Am Ufer des Sees waren hin und wieder Männer aufgetaucht. Männer in blauer Arbeitskleidung …

Wo kamen sie her? Weit und breit war keine Fabrik, in der sie beschäftigt sein konnten.

Sie tauchten auf und verschwanden wieder?

Wo?

Timm Gregor hatte es nicht feststellen können und es auch nicht gewagt, den seltsamen Erscheinungen auf den Grund zu gehen.

Nun standen die Zeitungen seit Langem davon voll, dass eine Unmenge Falschgeld im Umlauf sei, das infolge seiner präzisen Nachahmung fast nicht von dem Echten zu unterscheiden sei.

Jim Buffalo nickte.

Solch gutes Falschgeld hatte Hilmar Soedin vor zehn Jahren fabriziert. Hm …

Dann war etwas geschehen, was den jungen Kunstmaler veranlasst hatte, Jim Buffalo aufzusuchen.

Er hatte eines Tages am Ufer des Sees drei funkelnagelneue Tausend-Dollar-Noten gefunden, die scheinbar achtlos verloren worden waren. Als er jedoch das Geld auf die Sparkasse brachte, wo er sich einen Notgroschen zu hinterlegen gedachte, nahm man ihm das Geld ab. Es war falsch …

Jim Buffalo nickte still vor sich hin.

Das unruhige Wasser – Männer in blauer Bluse am Ufer des Sees – falsche Banknoten an der gleichen Stelle …

Sollte sich am Schwarzen See die langgesuchte Falschgeldwerkstatt befinden? Unter dem Wasserspiegel, ganz und gar?

Nun, er würde es feststellen …

Schon am nächsten Tag fuhr er in der Teufelsmaschine bis in die Nähe des Sees, verbarg diese dann im Dickicht und trat den Rest des Weges zu Fuß an.

Erst am späten Abend kehrte er nach New York zurück.

»Zeigen Sie mir bitte einmal das Album unserer Lieblinge«, sagte er am anderen Morgen zu seinem Freund Dufferin, New Yorks tüchtigstem Polizeiinspektor.

Dufferin sah neugierig von seinen Akten auf.

»Haben Sie was Neues?«

»Ich glaube.«

»Und was, wenn man fragen darf?«

»Ein Verbrechen.«

Dufferin setzte die Brille ab, die er stets bei schriftlichen Arbeiten benötigte.

»Sie sind recht einsilbig heute«, meinte er. »Tun Sie mir einen Gefallen: Bringen Sie keinen neuen Fall. Ich weiß schon so nicht, wo mir der Kopf steht.«

»So schlimm?«

»Noch schlimmer.«

»Woran arbeiten Sie momentan?«, fragte Buffalo.

»An einem Verbrechen«, gab Dufferin augenzwinkernd zurück.

Jim Buffalo lächelte.

»Ah – wie du mir, so ich dir – offen gestanden, Dufferin, ich würde Ihnen alles erzählen, aber ich habe meine Voruntersuchungen noch nicht völlig abgeschlossen. Sie wissen, ich mache keine halbe Arbeit. Wenn ich selbst in der neuen Geschichte klar sehe, werde ich Ihnen alles unterbreiten.«

»Der langen Rede kurzer Sinn ist es doch, dass Sie wieder einmal hinter irgendjemand her sind?«

»Richtig, und dazu hätte ich gern einmal zuvor einen Blick ins Verbrecheralbum geworfen.«

»Wie Sie wollen«, meinte Dufferin, klingelte und beauftragte den hereintretenden Beamten, das Gewünschte zu bringen.