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Die drei Templer

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Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern … Teil 44

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern, Zauberern und Gaunern
Dem Ende des philosophischen Jahrhunderts gewidmet
Adam Friedrich Böhme, Leipzig, 1796

Eine Frau Doktorin behorcht die Hilfesuchenden.

Die Frau Doktorin hatte noch 1793 ihre Bude in Hebenshausen, einem hessischen Dorf, eine Stunde von Witzenhausen, und zog da jährlich ungestört durch ihre Praxis 200 bis 300 Reichstaler auch von Vornehmen. Sonst wohnte sie im Eichsfeld, wurde aber gar bald, weil sie mehrere Kranke schnell davon half, des Landes verwiesen und schlug darauf ihren Wohnsitz in oben genanntem Dorf auf. Freilich wurden auch hier ihre Kuren bald ruchbar und ihr demnach bei Zuchthausstrafe verboten, keinem Hessen Arzneimittel zu geben, und das wussten die guten Leute im Hessenland. Wenn sie daher ihren Rat und Hilfe suchten, so taten sie es immer unter dem Namen der Hannoveraner. Die Betrügerin fand es denn auch weiter nicht für gut, die Landsmannschaft zu untersuchen, sondern gab und nahm. Am meisten besuchte man sie indessen aus dem Hannoverschen, und man weiß Beispiele, dass Leute vier bis acht Stunden weit herkamen, um Arzneimittel bei ihr zu holen. Kein Tag verging, da nicht acht bis zehn teils selbst Patienten, teils Abgesandte derselben in ihren Gesundheitstempel kamen. Dabei ging es nun so zu:

Auf der Hausflur sind Stühle und Bänke angebracht, wo sie sich hinsetzen und warten müssen. Einer nach dem anderen wird dann ins Zimmer geführt. Einige Helferinnen der Frau Doktorin sind dazu abgerichtet, die Leute auszufragen, indem sie selbst nicht gegenwärtig ist, sondern in einer daran stoßenden, durch eine Bretterwand von der Stube geschiedenen Kammer zuhört. In der Unschuld erzählen die Leute alles. Endlich erscheint die Frau Doktorin, lässt sich mit einer geheimnisreichen Miene das Uringläschen reichen, (ohne dieses Gefäß wird keiner angenommen) scheint nachzudenken und sagt dann die hinter der Wand vernommenen Gebrechen des abwesenden oder gegenwärtigen Patienten, bereitet in aller Geschwindigkeit ihre Arzneien, die größtenteils ganz einerlei, nur durch Vermischung gewisser Tropfen von verschiedener Farbe gemeiniglich schweißtreibende Mittel sind, und nimmt dann ihr Opfer an Geld, Flachs, Frucht usw. Die Leute können besonders die Kunst der Frau, aus dem Urin zu sagen, was für Gebrechen der Kranke habe, nicht genug bewundern.

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