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Der schwarze Mann

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Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern … Teil 1

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern, Zauberern und Gaunern
Dem Ende des philosophischen Jahrhunderts gewidmet
Adam Friedrich Böhme, Leipzig, 1796

Vorrede

Gegenwärtige Erzählungen menschlicher Torheiten sind weniger darum aufgestellt, um dem 18. Jahrhundert sein schönes Beiwort streitig machen zu helfen, sondern mehr, um dazu mitzuwirken, dass man nach noch am Ende desselben streben möchte, mit größerem Recht als bisher ihm den Ehrennamen des philosophischen beilegen zu können. Wodurch könnte man aber auf gangbare Vorurteile aufmerksam machen, als durch Erzählung von Tatsachen?

Die hier gelieferten Geschichten bieten so mannigfaltige Beobachtungen und sind für ihre Materie zu reichhaltigen Inhalts, als dass sie mit Bemerkungen hätten begleitet werden dürfen. Sie betreffen zum Teil zwar auch Menschen aus solchen Ständen, bei denen man im Allgemeinen Philosophie nicht voraussetzt. Aber man sieht daraus doch, wie vernachlässigt die niederen Schichten im gesunden Unterricht sind, bei welchen solche Auswüchse des menschlichen Verstandes dergleichen hier beschrieben sind, sich selten zeigen würden. Mehrere, besonders Gespenstergeschichten, die durch Täuschung der Sinne veranlasst worden und sich entwickelten, sind hier beigebracht, weil man daraus entnehmen kann, welche abenteuerliche Sagen entstehen können, wenn so etwas unphilosophischen Menschen begegnet.

Orte und Namen der handelnden Personen konnten aus leicht zu erratenden Gründen nicht immer angegeben werden.

Die Überschrift sagt nicht überall etwas zum Hauptinhalt des Aufsatzes aus, sondern bezeichnet oft nur eine merkwürdige Szene in demselben; denn bei Ersterem verliert der Leser immer etwas an Neuheit und Unterhaltung, so wie durch Letzteres seine Aufmerksamkeit ohne Zweifel gespannt wird.

Ein wohltätiger Prediger wird für den Teufel gehalten.

Im Winter 1786, wo tiefer Schnee die Fluren bedeckte, ging der Feldprediger eines in Berlin in Besatzung liegenden Regiments in der Heide vor dem Teltower Tor spazieren und hatte zum Schutz gegen die kalte Witterung einen Mantel über seine Ministerialkleidung mitgenommen. In der Heide begegnete er einer armen Soldatenfrau mit dem Ausdruck des Grams und Kummers im Gesicht, die mit einem Bund Strauchholz zur Stadt ging. Er ließ sich mit ihr in eine Unterredung ein, und auf die Frage, ob sie auch wohl zuweilen zum Abendmahl gehen, um das Andenken des Todes Jesu zu feiern, antwortete sie, sie sei gegangen und auch nicht gegangen, und dies sei daher kommen. Sie hätte zum heiligen Abendmahl gehen wollen, wäre also den Tag vorher zur Beichte gegangen, aber gleich darauf so krank geworden, dass es ihr nicht möglich gewesen sei. Was ihre Not noch vergrößere, sei, dass ihrem Mann verschiedene Wunden, die er aus dem Bayerischen Erbfolgekrieg mitgebracht hatte, aufgebrochen seien, worauf viel Unrat, Haare usw. gekommen sind. Sie könnten nicht anders glauben, als müsse ihnen von bösen Leuten etwas angetan worden sein. Sie müssten behext worden sein.

Der Feldprediger versuchte ihr diese schändlichen Aberglauben auszureden, gab ihr, um ihr Elend einigermaßen zu mildern, eine Handvoll Geld, so viel, wie er in seiner Tasche fassen konnte, und ging, ohne ihren Dank abzuwarten, ins Gebüsch zurück, aus dem sie beide eben gekommen waren.

Die arme Frau, die ihn wegen ihrer schweren Bürde, welche den Kopf niederbeugte, wohl nicht recht angesehen hatte, erschrak über die Handvoll Geld, denn so viel auf einmal hatte sie wohl nicht gehabt. Sie wusste nicht, von wem es kam. Der Geber ist verschwunden. Hexerei hat sie im Kopf. Fast natürlich war also der Gedanke: Der Teufel habe es ihr geben, um sie in Versuchung zu führen. Sie kam bestürzt nach Hause und erzählte ihren Freunden und Nachbarinnen, der Teufel sei ihr erschienen und habe ihr eine Handvoll Geld gegeben. Der Feldprediger, zufrieden, die Not dieser armen Frau gemildert zu haben, ahnte nichts davon, erfuhr es aber danach auf folgende sonderbare Art.

Der Inspektor und Prediger an der Nikolaikirche in Berlin, der es sich zur Pflicht gemacht hatte, in seinen Vorbereitungsstunden den Kindern jeder Art des Aberglaubens auszureden und besonders die Meinung vom großen Einfluss des Teufels zu vernichten, lehrte auch jetzt, dass man dergleichen seltsame Meinungen müsse fahren lassen; denn Christus, der Sohn Gottes, sei in die Welt gekommen, die Werke des Teufels zu zerstören. Der Teufel könne also keinem Menschen erscheinen und Geld oder sonst etwas geben.

»Ja, Herr«, fing eines von den Kindern an, »vor einigen Tagen ist er wirklich einer Soldatenfrau erschienen und hat ihr eine große Handvoll Geld gegeben.«

Dies war ihm Rätsel und glaubte, die Frau sei entweder betrogen worden oder sie wolle betrügen.

Der Feldprediger kam aber ungefähr zu ihm, und da entwickelte sich dann die Geschichte nach ihrem wahren Verlauf.

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