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Romantruhe-Western Band 23

Larry Lash
Romantruhe-Western Band 23
Trommelnde Hufe – Teil 1

Western, Paperback, Romantruhe, Kerpen-Türnich, Februar 2018, 70 Seiten, 4,95 Euro, Titelbild: Romantruhe-Archiv
www.romantruhe.de

Kurzinhalt:
Sein Name ist Ward Turner. Er ist ein Mann der kanadischen Wildnis und liebt das Leben in der Einsamkeit. Am Tag, als er der Halbindianerin Gina Curry begegnet, ändert sich alles. Denn Gina muss vor fünf gewissenlosen Mördern flüchten, die ihren Vater getötet haben. Jetzt verfolgen sie das Mädchen, um ihr das Geheimnis über das Gold zu entlocken, von dem ihr Vater wusste. Turner greift ein und rettet Gina, – aber dann muss auch er mit ihr flüchten. Ihr Weg führt immer tiefer in die winterliche Wildnis, in der sich schließlich das Schicksal aller Beteiligten entscheidet.

Leseprobe:

1.

Regengrau begann der Tag. Über dem Land hingen Nebelschleier. Die Ufer der kleinen Insel, die vor dem Kanubug sichtbar wurden, verschwammen im Dunst. Aus den Nebelbänken ragte das Geäst der Uferbäume in bizarren Formen, Fangarmen ähnlich, hervor.

Lautlos tauchte Ward Turner die Paddel in das graue Wasser. Sein kräftiger, breitschultriger Körper wiegte sich im Rhythmus der Paddelarbeit. Er hockte weit vorgeneigt im Kanu, ein Mann mit athletischen Muskeln, die deutlich unter dem knapp sitzenden Hemd sichtbar waren. Es war keine Unze Fett zu viel an diesem Körper. Die Wildnis hatte Ward Turners Gesicht geprägt, hatte ihm den Stempel aufgedrückt.

Ward hatte ein verschlossenes, breitflächiges Gesicht, eine hohe, klare Stirn, buschige Augenbrauen und tief liegende Augen, die unentwegt über das Wasser spähten. Noch schien das Wasser ringsum endlos zu sein, ein graues, auf der Lauer liegendes Ungeheuer, das unter Windstößen ein unheimliches Leben zu entfachen vermochte.

Ward Turners rauchgraue Augen wanderten hin und her, der Blick schweifte über die träge Wasserwüste. Die Inselgruppen versanken zu seiner rechten Hand in Dunst und Nebel. Nach einiger Zeit tauchten erneut Inseln vor dem Kanu auf. Eine von ihnen schien Wards Aufmerksamkeit besonders auf sich zu lenken. Er hielt jetzt mit dem Kanu genau auf die größte der Inseln zu. Unter den kräftigen Paddelschlägen bewegte sich das Boot schnell vorwärts. Das Wasser teilte sich am Bug und schoss an der Bootswand entlang, um sich am Heck wieder zu vereinen.

Seit Stunden war Ward nun schon unterwegs, seit Stunden glitt das Kanu durch die stille, erhabene Einsamkeit der Wasserwüste dieses Sees, der nur einer der vielen war im Land der Wälder und der Urforste. Kanada war ein Land, so recht für Männer geschaffen. Hier konnte man noch frei streifen, jagen, aber man musste auch hart zupacken. Hier war man meistens auf sich selbst gestellt.

Dieses Land, in dem im Winter eine tiefe Kälte herrschte, in dem der Blizzardgott regierte, in das das Ren auf seinen unerforschten Wanderungen aus den Tundren, den baumlosen Gegenden der Arktis kam, konnte in der Tat ein Männerherz höher schlagen lassen. Hier atmete die Urnatur, es gab nichts Künstliches. Wald und Tier und Mensch waren der Natur untertan und mussten sich nach ihren Gesetzen richten. In diesem Land war der ein Mann, der sich durchsetzte und mit allen Schwierigkeiten fertig wurde.

Einige Jahre lebte Ward Turner nun schon in diesem Land. Das Land ließ ihn nicht mehr los, es hatte ihn an sich gekettet. Er hatte sein Herz daran verloren. In den vergangenen Jahren hatte er Mühsal und Strapazen genug ertragen müssen. Wind, Sturm, Kälte und Nässe hatten ihm arg zugesetzt. Er hatte aber auch das große Glück der Freiheit kennengelernt, die es vermochte, einen Mann über sich hinauswachsen zu lassen. Es war also kein Wunder, dass Ward nicht daran dachte, in den warmen Süden zurückzukehren. Dieses Land gehörte ihm, hier war er sein eigener Herr, hier durfte er jagen und pirschen, sein Leben einrichten, wie es ihm passte.

Der gelbbraune Hund im Kanu regte sich. Er hob den Kopf, stellte die Lauscher hoch und reckte die Schnauze in Richtung der Insel, die jetzt schon nahe herangerückt war. Einen Augenblick lang erhob sich der Hund, dessen dichter Pelz kaum verriet, dass Wolfsblut in seinen Adern rollte. Nur einen Moment hatte das riesige Tier auf seinen Läufen gestanden, dann hatte es sich wieder hingelegt. Der Kopf lag wieder auf den Pfoten. Die Augen des Tieres blinzelten seinen Herrn an.

»Ich weiß, Freund Teufel, dass dir der Magen knurrt und dass du es kaum noch erwarten kannst, den Lachs, den wir an einer Schnur mit einem Köder gefangen haben und der schon seit Stunden hinter uns her muss, zwischen deine Zähne zu bekommen. Beruhige dich, wir sind bald am Ziel.«

Ward spähte zu der gestrafften Schnur, die hinten am Kanu festgemacht war. In diesen Seen war es nicht schwierig, Lachse, Forellen oder den nahrhaften Weißfisch zu fangen. Die Seen waren voll von Fischen. Es war vor allem der Weißfisch, der in zwei Arten vorkam, der sogenannte Connie und der Sukker. Die Fische waren nicht nur ein Leckerbissen für den menschlichen Gaumen, sie waren auch das ideale Hundefutter. Die Fische lieferten in dieser Zeit, in der das Ren aus unerklärlichen Gründen fortblieb, das Futter. Der Weißfisch galt in diesem Land als lebenswichtige Nahrungsreserve, die man jederzeit anbrechen konnte, um sich vor dem Hungertod zu schützen. Ohne den Weißfisch und ohne das Wildrentier wäre das Leben in dem unerbittlichen Land kaum möglich gewesen. Beides waren die Quellen, aus denen die Weißen und auch die Indianer ihren Lebensunterhalt schöpften. Vom Wildrentier lebten auch die Raubtiere.

Der Mensch war hier dem großen Rhythmus der Natur unterworfen, der manchmal das Tierleben anschwellen ließ, um es dann wieder abklingen zu lassen. Die Wanderungen von Ren und Lemming, das Auftauchen unzähliger Hasen waren Erscheinungen in der Natur, die noch von keinem Menschen ergründet wurden. Ja, wer wollte in diese Geheimnisse hineinleuchten, die von alters her in Erscheinung traten? Warum wechselte das Ren die Brunstplätze? Warum zogen zuerst die Bullen aus den arktischen Sommerquartieren, warum folgten die Kühe und Kälber so viel später? Warum vereinten sich die Gehörnten, um einem geheimnisvollen Drang nachzugeben und auf Wanderung zu gehen? Was war es, was ihnen das Blut unruhig machte und sie zu gewaltigen Heerzügen vereinte? Warum verließen sie ihre Schlupfwinkel? Sie wanderten durch das baumlose Land, bis vor ihnen aus dem Dunst des verhangenen Wintertages die blau leuchtende Baumgrenze auftauchte.

Es gab wohl einige Gründe, doch reichten sie nicht aus, um diese großen Heerwanderungen zu erklären. Die Rene gaben ihre Weidegründe auf und fegten mit trommelnden Hufen durch das Land. In zwei gewaltigen Heerströmen kamen sie aus den Tundren, angeführt von erfahrenen Kühen, die in ihrer Begleitung den stärksten Bullen hatten. Gruppe um Gruppe schloss sich zusammen. Immer größer und gewaltiger wurden die Herden.

Im Sog des ziehenden Rens folgten Wölfe und anderes Raubgesindel. Tausende von Renen ertranken auf diesem Zug, andere wurden von Wölfen gerissen, die es verstanden hatten, aus dem lebenden Strom von Fleisch einzelne kranke, schwache und junge Tiere auszusondern. Das Ren, das entkräftet war oder gar liegen blieb, wurde gerissen. Hart und unerbittlich waren die Gesetze der Natur. Es trieb die Rene zu den Brunstplätzen. Nach der Paarungszeit kehrten die Kühe vor den Bullen zu den alten Weidegründen zurück. Erst sehr viel später folgten die Bullen und zerstreuten sich so geheimnisvoll, wie sie gekommen waren.

Was war es, was die Lemminge ebenso wandern ließ? Zum Unterschied gegenüber den Renen ging es bei ihnen nicht zu den Brunststätten, sondern in den Tod, ins Meer, wo sie ihren Lebenszyklus beendeten. Das geschah in gewissen rhythmischen Perioden, in denen die Lemminge zu Heerhaufen vereint waren, um dann ihr Leben im Meer auszuhauchen.

Welches war die Kraft, die es vermochte, in bestimmten Jahren so viel Schneehasen hervorzubringen, dass der Wald nur so von ihnen wimmelte?

Yeah, der erfahrene Jäger wusste, dass es sich in den Jahren, in denen der Lemming und der Schneehase die Weiten beherrschten, lohnte, auf Luchs und Fuchs Jagd zu machen. Wenn Lemminge und Schneehasen ausfielen, waren kaum Füchse und Luchse anzutreffen.

Es war nicht anzunehmen, dass Ward Turner über alle diese Dinge nachdachte. Er wusste um diese Geheimnisse, aber auch er hatte noch keine Erklärung dafür finden können. Bis zum Auftauchen der ersten Rentiere würden noch Wochen vergehen. Zuerst musste der Winter einsetzen. Ward spürte deutlich, dass er vor der Tür stand. Sein kalter Atem wehte bereits vom Norden heran. Eines Tages würde der Urforst im Frost klirren. Der Schnee würde das urige Land mit einer weißen Decke überziehen. Dann erst würden die Hufe trommeln.

Ein Leuchten lag in Wards Augen. Es roch nach Schnee und Kälte. Nun, beides mochte kommen! Er hatte alles vorbereitet. Auf seiner Sommerinsel warteten die Schlitten und die Hunde, dort hatte er den Trockenfleischvorrat und alles, was ein Mann in der Schnee-Einsamkeit brauchte. Er hatte Waffen und Munition, Speck, Zucker und Salz, Feuersteine, Schabmesser und viele andere Dinge mehr. Das Wichtigste jedoch war der Schlafsack, denn bei einer Übernachtung unter freien Himmel, in bitterer Kälte und in froststarrender Nacht, bei niedergebranntem Feuer, war darauf einfach nicht zu verzichten. Er gehörte als wichtigster Bestand zur Ausrüstung. Schon mancher Mann war, nachdem er sich nach der Jagd niedergelegt hatte, nicht mehr aufgestanden. Man hatte ihn später erfroren aufgefunden.

Trotz allem, Ward lockte nichts mehr. Es zog ihn nicht mehr in den Süden zurück, um dort den Beruf des Cowboys auszuüben. Er hatte es satt, für wohlhabende Rancher Rinder zu treiben, Pferdeherden zu hüten und Broncobuster, d. h. Pferdezureiter zu sein. Diese Zeit war vorbei, ebenso die stillen Abende an den Lagerfeuern, die Nächte, die man mit nur einer Decke bedeckt unter gestirntem Himmel verbringen konnte.

Am Anfang war es schwer gewesen, sich mit den so ganz anderen Lebensbedingungen abzufinden, nicht mehr zu reiten, vom Sattel her Rinder oder Pferde zu treiben. Er hatte sich dann aber verhältnismäßig rasch an seine neue Umgebung gewöhnt. Jetzt machten ihm lange Fußmärsche nichts mehr aus. Er hatte es gelernt, mit Schlitten und Schlittenhunden umzugehen. Er kannte den Unterschied zwischen dem Toboggan der Indianer, der für die Verwendung im tiefen Schnee konstruiert wurde, und dem Skischlitten der Eskimos, der im Gegensatz zum Toboggan für die offene, hart gefrorene Fläche der Seen benutzt wurde. Er wusste, dass die Eskimos ihre Hunde fächerförmig vor die Schlitten spannten und dass die Alaskaleute es mit dem Nomenstil hielten, bei dem die Hunde in Doppelreihe an einem Mittelstrang den Schlitten zogen. Er selbst hielt es für richtig, die Hunde nach Art der Kanadier vor den Schlitten zu spannen, im Tandem, bei dem ein Hund dicht am Fuße des anderen gehen musste.

Ward hatte es gelernt, die Natur mit scharfen und offenen Augen zu sehen und auf das Kleinste und Geringste zu achten. Sein Leben konnte von der Auslegung dessen abhängen, was er beobachtet hatte.

Wieder wurde der gelbbraune Hund unruhig. Er hatte den Kopf über den Kanurand geschoben und blickte zu den rechts vom Kanu liegenden Inselgruppen hin, als hätte er von dort eine ihn misstrauisch stimmende Witterung aufgenommen. Die Nackenhaare des Tieres sträubten sich.

Sofort bewegte Ward seine Paddel weniger kräftiger. Er richtete sich gerader im Boot auf und betrachtete die Inselgruppe misstrauisch. Die Uferränder mit dem dunkelbraunen, gelben und roten Moorwuchs traten jetzt deutlich in Erscheinung. Die dunklen Löcher in der Uferböschung waren die Zugänge zu den Bisamrattenhöhlen. Einige dieser Tiere schwammen am Uferrand. Die Tiere waren so beschäftigt, dass sie sich in ihrem Treiben nicht stören ließen. Sie gaben fiepende Lockrufe von sich, tauchten und kamen mit ganzen Büschen Grünzeug, wieder an die Wasseroberfläche, um es dort in Ruhe zu vertilgen.

Der Hund Teufel beachtete die graubraunen Ratten nicht. Das Tier winselte leise und hörte erst damit auf, als Ward seine Winchester ergriff und sie schussbereit neben sich legte. Das Kanu trieb jetzt im See. Die Leine, an der der Lachs geschleppt wurde, blieb schlaff. Der Fisch trieb kieloben an der Wasseroberfläche. Doch auch ihm schenkte Teufel keine Beachtung. Dass er diesem Leckerbissen nicht einen Blick gönnte, war für Ward der Beweis dafür, dass drüben bei den Inselgruppen, denen er im Sommer ab und zu einen Besuch abgestattet hatte, etwas war, das die Flanken des Hundes vor Erregung zittern ließ.

Sollte es ein Bär sein, einer jener wuchtigen Braun- oder Schwarzbären, die an Größe und Kraft nur von einem Grizzly oder von einem noch stärkeren Alaskabären übertroffen wurden? War es ein Elch? Nun, Espenlaub, die Lieblingsnahrung des Schaufelwildes, war genug auf der Insel zu finden. Elche schwammen recht gut, ab und zu kamen einige zu den Inseln. Wenn es sich so verhielt, konnte es nur ein Einzelgänger sein, denn der kanadische Elch war ein Tier der Hügel und Wälder und nicht wie man irrtümlich glaubte, ein Sumpftier. Elchfleisch würde eine begrüßenswerte Abwechslung für den Jäger, aber auch für den Hund sein.

Ward Turner verhielt sich ganz ruhig. Er nahm die Winchester langsam auf, in der Hoffnung, dass das Tier sich zwischen den Uferbüschen zeigen würde, dass es zum See hinaustreten würde und dass er so zu einem guten Schuss kommen konnte.

In diesem Moment knackte es, Laub raschelte und teilte sich. Im nächsten Augenblick hatte Ward seine Winchester in Anschlag. Der Finger krümmte sich jedoch nicht am Abzugsbügel, denn kein Tier stand dort zwischen den Büschen am Uferrand. Es war ein Mensch, der erschrocken zurückprallte und mit weit offenen Augen zum Kanu hinstarrte.

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