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Pamfilius Frohmund Eulenspiegel 19

Pamilius-Frohmut-Eulenspiegel-Band-2Des Erzkalfakters, Quadratschlankels und durchtriebenen Leutvexierers, Pamfilius Frohmut Eulenspiegel, des allbekannten, berüchtigten und weltverrufenen Till Eulenspiegel einzigen Sohnes pfiffigen Streiche, Ränke, Schwänke und lustige Possen als: Hendlschnipfer, Brotschwindler, Rahmkripfer, Fischdieb, Entenangler, Zigeuner-, Schneider- und Schusterlehrbua, Herzogslebensretter, Herold, Schatzgräber, magistratischer Bademeister, Hofnarr, Feldherr, frommer Pilger, glücklich dem Galgen entgangener Spieler usw.

Pamfili als Herold

Dem Bürgermeister von Assingen meldete ich die mir gelungene Rettung des Herzogs, seine Ankunft am nächsten Sonntag, und dass ich am herzoglichen Hof einen guten Dienst erhalten werde, worüber er eine große Freude äußerte und mich bat, bis zur Ankunft des Herzogs in seinem Haus zu wohnen bei freier Verpflegung, welche Einladung ich bereitwillig annahm, weil mir Essen und Trinken niemals besser schmeckte, wenn es nichts kostete. Vermutlich bewog ihn zu dieser gastfreundlichen Einladung die Hoffnung, an mir einen Freund am Hofe zu erhalten. Da ich von ihm hörte, dass am anderen Tage ein magistratischer reitender Bote mit der halbjährigen städtischen Gilt nach Kloster Gottsgnad abgehen würde, so bat ich den Bürgermeister, in seinem Namen dem Boten einen Brief von mir zur Ablieferung an meine Mutter in Laubheim mitzugeben, was er mir recht gerne bewilligte. Ich schrieb also diesen Brief und legte die vom Herzog erhaltenen Goldstücke bei.

Gleich darauf ließ der Bürgermeister austrommeln, und auf sein Ersuchen ging ich mit dem Trommler, um in den paar Straßen der Stadt zu verkünden, was dieses Trommeln zu bedeuten habe.

So oft das Trommeln aufhörte, verkündete ich mit lauter Stimme: »Edle Bewohner der herzoglichen Residenzstadt Assingen! Am Sonntag wird der gnädigste Herr Herzog hierher zurückkommen und feierlich empfangen werden. Der hochlöbliche Magistrat verordnet schon, dass alle Hausbewohner ihre Häuser festlich schmücken durch Aushängen von Teppichen, frisch gewaschenen Leintüchern, neuen Wämsern, Blumenkränzen, Kochtöpfen und andern festlichen Zierden, und wer gar nichts zum Aushängen hat, dem steht es frei, wenn er Lust hat, sich selbst oder andere Familienglieder zu den Fenstern hinauszuhängen!«

Überall entstand ein allgemeines Gelächter, und viele fragten mich, wie sie es machen sollten, wozu ich ihnen den besten Rat gab. Als diese Verkündung dem Bürgermeister zu Ohren kam, stellte er mich darüber zur Rede, und meinte, ich habe etwas recht Unschickliches getan, was der Herzog sehr übel aufnehmen werde.

»Gerade umgekehrt, Herr Bürgermeister«, erwiderte ich. »Der Herr Herzog, der reiche Verzierungen schon bis zum Überdruss gesehen hat, wird durch einen Spaß, den ich selbst werde ausführen helfen, in die heiterste Stimmung versetzt werden.«

Während der Bürgermeister mit 6 Magistratsräten hinter einer verschlossenen Tür eine Beratschlagung über die Anrede hielt, mit welcher er den Herzog in einiger Entfernung von der Stadt feierlich empfangen wolle, ging ich von Haus zu Haus und unterrichtete die Leute, auf welche sinnreiche Art sie ihre Fenster verzieren sollten. Das viele Gehen und Reden hatte mir Hunger und Durst gemacht, und ich fragte eine alte Bürgersfrau, in welchem Wirtshaus der beste Wein zu haben sei.