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John Ronald Reuel Tolkien Teil 3

Gollum

Eine der tragischsten Figuren, die Tolkien innerhalb seiner Mythologie erschaffen hat, ist ein Wesen, welches der Leser als widerliche Kreatur mit schimmernden Stielaugen, großen nackten Füßen (wahrscheinlich mit Schwimmhäuten) und spitzen Zähnen kennenlernt:

Gollum ist eine zentrale Figur in »Der Hobbit« und in »Der Herr der Ringe«.

Wer ist Gollum und welche Rolle spielt er?

Gollum hatte nicht immer diesen Namen und sah auch nicht immer so aus. Im Jahr 2430 als Hobbit Smeagol geboren, gehörte er zunächst zu den Hobbits, die die Starren genannt wurden. Smeagol war sein Name in der Sprache Westron, bei den Starren hieß er Trahald, was soviel wie Schleicher, Gräber oder Kriecher bedeutet. Dieser Name deutet an, dass Smeagol schon damals ziemlich unbeliebt und skrupellos war.

Die Starren sind etwas kräftiger gebaut als andere Hobbits, sie wohnen am liebsten auf flachem Land und an Flussufern. Im Umgang mit Menschen und anderen »Fremdlingen« zeigen sie sich weniger scheu als z.B. Auenlandhobbits, doch von deren Existenz ist in Mittelerde zu diesem Zeitpunkt kaum etwas bekannt. Die Beschreibung eines Starren trifft in »Der Herr der Ringe« gut auf Bauer Maggot zu.

An der Figur Gollum wird die Macht des Herrscherringes verdeutlicht, es wird klar gezeigt, was der Ring einem Einzelnen antun konnte.

Dabei fing Gollums Leben einmal ganz anders an. Damals hieß er noch Smeagol und war, wie schon erwähnt, nicht der beliebteste Hobbit bei seinem Volk. Jedoch, er war ein Hobbit.

Das Verhängnis fing im Jahre 2463 an, als Smeagol und sein Vetter Deagol im Anduin, nahe den Schwertelfeldern, fischen war. Der Name Deagol bedeutet übrigens Geheimnis, und einem Geheimnis kommt er an diesem Tag auf die Spur. Deagol fällt beim Fischen in den Fluss, sieht auf dem Grund etwas glitzern, greift danach und kommt so zufällig in den Besitz eines Ringes.

Als Smeagol den Ring sieht, beansprucht er ihn für sich, schließlich hat er an diesem Tag seinen 33. Geburtstag, mit dem man bei den Hobbits volljährig wird. (Frodo erhält den Ring ebenfalls an seinem 33. Geburtstag!)

Deagol hatte Smeagol jedoch schon etwas geschenkt, und so kommt es zum Streit zwischen den Vettern. Smeagols Gier nach dem Ring ist da aber schon so groß, dass er Deagol dafür kaltblütig erwürgt.

Zeit, um sich viele Gedanken an dem Mord zu machen, hat Smeagol wenig, denn der Ring verändert ihn sehr schnell immer weiter zum Negativen, bis er von seinem Stamm ausgestoßen wird. Zu diesem Zeitpunkt nennt man ihn schon Gollum, wegen der Schmatzlaute, die er neuerdings von sich gibt.

Gollum flüchtet ins Nebelgebirge und in den finsteren Höhlen unter den Bergen verbringt er die nächsten Jahrhunderte allein mit seinem Schatz, dem Ring.

Er verändert sich zwar äußerlich sehr stark, aber er altert in all der Zeit nicht. In der Dunkelheit beginnt er, das Sonnen- und Mondlicht zu hassen. Sein einziger Gesprächspartner ist und bleibt der Ring, der Schatz, wie er ihn aber auch sich selbst bezeichnet. So lebt Gollum 478 Jahre lang, bis zum Jahr 2941. Und dann passiert etwas, womit weder Gollum noch der Ring gerechnet haben.

Die folgenden Ereignisse sind im Buch »Der Hobbit« ausführlich nachzulesen.

Gollum verliert den Ring, das heißt, der Ring geht verloren. Die Macht des Ringes ist so groß, dass er sein Schicksal selbst mitbestimmen kann. Und der Zeitpunkt für einen Wechsel des Besitzers scheint gekommen zu sein, denn der Ring spürt das Erstarken der Kräfte Saurons.

Womit der Ring nun nicht gerechnet hat, als er in einem von Orks besiedelten Gebiet verloren geht, ist, dass er wiederum von einem Hobbit gefunden wird. Von Bilbo Beutlin, der als Meisterdieb mit einer Gruppe Zwerge unterwegs ist, um dem Drachen Smaug den gestohlenen Zwergenschatz zu rauben.

Bilbo findet also den Ring, steckt ihn in seine Tasche und trifft dann auf Gollum. Bei einer Wette überlistet Bilbo Gollum, sodass dieser verliert und sehr wütend wird. Mithilfe des Ringes gelingt Bilbo die Flucht, aber Gollum ist außer sich und kennt nur noch ein Ziel: seinen Schatz wieder zu erlangen.

Also verlässt Gollum nach all den vielen Jahren das Nebelgebirge und macht sich auf die Suche nach Bilbo und dem Ring.

So gelangt Gollum an die Grenzen von Mordor und wird dort im Jahr 3010 von Saurons Schergen gefangen genommen. Unter Folter verrät er dem Feind alles, was er über den Verbleib des Ringes weiß. Durch Gollum erfährt Sauron, dass der Ring wieder da ist, und dass er sich in einem Land befindet, von dessen Existenz er bis dahin gar nichts wusste: das Auenland. Sauron weiß allerdings noch nicht, wo sich dieses Land befindet.

3017 wird Gollum von Sauron freigelassen und er macht sich sofort wieder auf die Suche nach dem Ring. Gollum wird jedoch sehr bald von Aragorn gefangen genommen, dieser übergibt ihn an Gandalf und Gandalf lässt ihn bei den Waldelben im Düsterwald in Gewahrsam.

Während eines Orkangriffes gelingt Gollum die Flucht und zufällig (oder vielleicht auch angezogen von der Macht des Ringes) trifft er in Moria auf die Gemeinschaft des Ringes und heftet sich an ihre Fersen.

Gollum verfolgt Frodo und seinen Gefährten Sam bis Emyn Muil und wird dort durch die beiden gefangen genommen. Um zu verhindern, dass Sauron den Ring bekommt, schwört Gollum auf den Schatz, dass er Frodo dienen wird. Und so kommt es, dass Gollum der Anführer des Ringträgers auf seinem gefährlichen Weg nach Mordor wird.

Dabei kommt es immer wieder zu Streitereien zwischen Sam und Gollum, denn Sam scheint den wahren Grund für Gollums Verhalten zu kennen – die unstillbare Gier nach dem Ring.

Es kommt, wie es kommen muss, diese Gier überwältigt Gollum dann doch, als er sich von Frodo bei Faramir verraten glaubt, und er führt Frodo und Sam nach Cirith Ungol, um sie der Riesenspinne Kankra, die dort haust, als Beute vorzuwerfen. Sein Ziel ist es, dass er den Ring bekommt, wenn Kankra ihre Opfer der Kleidung entledigt und diese dann achtlos wegwirft.

Doch auch diese Rechnung geht nicht auf und Gollum hat wieder einmal das Nachsehen.

Seine Zeit kommt erst direkt unter dem Orodruin, dem Schicksalsberg. In seinem letzten Kampf um den Ring beißt Gollum Frodo den Ring samt Finger von der Hand ab und stürzt anschließend in seinem Freudentaumel in die Lava.

Gollum, der sich von Anfang an zu keiner Seite zugehörig fühlt, er hasst Elben und Orks gleichermaßen und liebt nur seinen Schatz, also den Ring und sich selbst, wird am Ende zum Retter der Guten.

Ist Gollum selbst nun eigentlich böse?

Durch Mord ist er in den Besitz des Ringes gekommen, hat der Ring vielleicht ihn zum Ringträger auserkoren? Seine weitere Entwicklung bestimmt jedenfalls der Ring.

Für den Mord an Deagol hat Gollum mit fast 500 Jahren Einsamkeit im Nebelgebirge Buße getan. Doch was danach geschieht, ist der Wille des Ringes. Gollum ist eigentlich nur ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck.

Bilbo, Gandalf, Aragorn, Frodo, selbst Sauron, alle haben Gollum am Leben gelassen. Er war für sie alle nicht durchschaubar und kein Feind für die gute oder böse Seite.

Was man aber ziemlich sicher feststellen kann, ist die gespaltene Persönlichkeit, die Gollum und Smeagol verkörpern.

Da ist zuerst Smeagol, der noch kein Sklave des Ringes ist und »ich« sagt, wenn er von sich spricht. Der Rest, der von Smeagol dann noch in Gollum steckt, ist ab und zu noch sichtbar. Zumindest so lange, bis es zu dem angeblichen Verrat, den Frodo bei Faramir an ihm verübt, kommt. Solange hält Smeagol an seinem Schwur fest, Frodo nach Mordor zu geleiten.

Die finstere Seite, also Gollum, sagt von Anfang an »wir«, wenn er von sich redet, denn er schließt den Ring immer mit ein. Und Gollum hat nur ein Ziel: den Ring.

Und der Verrat lässt die finstere Seite der Kreatur die Oberhand gewinnen und nun seinerseits Verrat üben, indem er Frodo zu Kankra führt.

Selbst legt Gollum aber nicht Hand an Frodo, diese Arbeit will er erledigen lassen. Er will bei der entscheidenden Tat passiv bleiben, genau wie in seiner Beziehung zum Ring. Denn Gollum nutzt den Ring nie sonderlich, er wacht lediglich über seinen Schatz. Der Ring war Jahrhunderte lang seine einzige Abwechslung zu dem stinkenden Teich und rohem Fisch und auch sein einziger Gesprächspartner.

Was Gollum in all der Zeit nicht wusste:

Nicht er besaß den Ring, sondern der Ring besaß ihn!


Bilder: Archiv der Autorin (Quellen nicht mehr bekannt)

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Michael Nagula, Tolkiens Welt
  • Friedhelm Schneidewind, Das große Tolkien – Lexikon
  • Andy Serkis, Gollum – Auf die Leinwand gezaubert

Copyright © 2007 by Anke Brandt


Der vollständige Artikel steht als PDF-Download zur Verfügung.

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