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Wolfram von Bärenburg – Teil 15

Wolfram von Bärenburg, genannt der Erzteufel
Der verwegenste Raubritter und schrecklichste Mörder, ein Scheusal des Mittelalters, von der Hölle ausgespien zum Verderben der Menschen
Eine haarsträubende Schauergeschichte aus den furchtbaren Zeiten des Faustrechts und des heimlichen Gerichts der heiligen Feme aus dem Jahr 1860
Kapitel 15

Die rächende Hand Gottes

Zwei Stunden vor dem Beginn des großen Festturniers zu Heidelberg bat ein unbekannter Ritter, der aber tags zuvor bei zwei Kampfrichtern oder sogenannten Turnierkönigen mit Verlangen des Stillschweigens sich gehörig ausgewiesen hatte, um die Gunst, gleich den übrigen Rittern, das Erbfräulein Hildegard von Kronfeld, die Base des Kaisers und Braut des Ritters Hugo von Klippenberg, begrüßen zu dürfen, da er ihr eine wichtige Botschaft mitzuteilen habe. Seine Bitte wurde gewährt. Er traf diese schöne junge Dame im kostbarsten Brautschmuck, da unmittelbar nach dem Turnier ihre Trauung geschehen sollte. Am letzten Fenster stand ihre Ehrenzofe. Der fremde Ritter trug eine prächtige Rüstung von schwarzem Stahl, eine blutrote Feldbinde, das Visier geschlossen.

»Erlauchte Gräfin«, sprach der Ritter, »ich weiß, dass der Kaiser will, dass Ihr den Ritter Hugo heiratet, Ihr aber tragt eine andere Liebe in Eurem Herzen. Seid getrost, er wird nicht Euer Gatte, dafür verpfände ich Euch meine Ritterehre!«

Mit diesen Worten ging er nach einer tiefen Verbeugung. Die Dame war höchlich erstaunt und voll banger Freude.

Mit kaiserlicher Pracht war das Festturnier auf dem Marktplatze angetan. Der Kaiser, von feinen vornehmsten Hofherren und Damen umgeben, saß auf einem herrlichen Thronstuhl. In einer der beiden Seitentribünen war Ritter Anselm von Alpenfall zwischen zwei verschleierten Damen und seinen zwei jungen Töchtern zu sehen. Den ersten Dank erhielt der fremde Ritter aus der Hand Hildegards, die ihn mit den schönen Augen ängstlich zu fragen schien.

»Geduld!«, flüsterte er ihr zu.

Der Bräutigam, Hugo von Klippenberg, hatte auf alle Preise verzichtet und wollte mit dem Ritter, der den ersten Preis erhielt, um die Ehre des Sieges kämpfen.

Der schwarze Ritter ließ sich ein frisches Ross von seinem Knappen bringen, schwang sich in den Sattel und legte den Speer gegen Hugo ein, den er bei dem furchtbaren Zusammenstoß wie einen Federball aus dem Sattel hob, dass er rückwärts weit ab in den Sand flog. Zwei Hofdiener hoben ihn auf und geleiteten ihn langsam zu einem Stuhl unterhalb der Tribüne des Kaisers.

Vor diesen trat der schwarze Ritter hin und sprach: »Gnädigster Kaiser! Ich habe mit diesem da nur turniert, weil ich ihn töten wollte.«

Ein allgemeiner Ausdruck des Unwillens wurde sichtbar. Der Ritter aber fuhr fort: »Es gelang mir nicht. Ein anderer Tod wird ihn bald ereilen. Dieser sogenannte Ritter Hugo von Klippenberg ist der Einzige dieses Namens und zugleich auch Wolfram der Erzteufel!«

Entsetzt fuhren alle von ihren Sitzen auf.

»An seinem linken Oberarm trägt er die frischen Narben von fünf Zähnen eines großen Wolfes, aus dessen Klauen er durch einen alten Holzhauer gerettet wurde. Eine alte Kräuterkundige, zu welcher er als Ritter Hugo kam, erkannte also gleich mit Entsetzen die lange Narbe einer Brustwunde, die sie vor geraumer Zeit Wolfram dem Erzteufel verbunden hatte. Ich habe auch erfahren, dass er hinter der rechten Schulter ein Rad als Brandmal trägt. Die Burg Klippenberg steht in unterirdischer Verbindung mit der Bärenburg. In jener spielt er als Hugo den ehrsamen Ritter, in dieser trieb er als Erzteufel sein Unwesen. Wenn er auf irgendeine Schandtat auszog, schickte er einen Spießgesellen in ganz gleicher Vermummung an einen anderen Ort, um seine Schuld auf einen listigen Streich seiner Feinde wälzen zu können, wie er es zur Zeit des gotteslästerlichen Überfalls des Frauenklosters Marienzell getan hat, welcher die ganze Ritterschaft empörte.«

Der Angeklagte schüttelte immer verneinend den Kopf mit eiserner Frechheit.

»Vier Reisige von seiner Bande fielen in die Hände der Ritter, denen sie, gegen das Versprechen der Begnadigung die geheimen Wege durch die Burg Klippenberg in die Bärenburg zeigten, in welcher wir alle seine geraubten Schätze fanden, auch jene aus dem Kloster Marienzell. Lasst mich schweigen von den in den Folterkammern halb verwesenden Gefangenen und aufgeschichteten Menschengerippen, unzählbar und schauderhaft. Dort sitzt Ritter Anselm von Alpenfall, den linken Arm in der Schlinge, weil er bei dem Angriff verwundet wurde. Er hat alle Gräuel gesehen, alle Aussagen von Wolframs Mordgesellen gehört, und dies alles ist uns Rittern gelungen, während der Erzteufel als Ritter Hugo von Klippenberg sich in dem Glanz des kaiserlichen Hoflagers sonnte.«

Als Wolfram den Verlust seiner geraubten Schätze vernahm, senkte er den Kopf und knirschte mit den Zähnen.

»Noch nicht genug!«, fuhr der Ritter fort: »Wolfram brachte es durch Ränke und Verstellungskunst dahin, unter dem Namen Hugo von Klippenberg zum Freigrafen der heiligen Feme gewählt zu werden und hat als Freigraf sich selbst, den der schwersten Verbrechen angeklagten Wolfram, den Erzteufel, welchen einer von seinen Mordgesellen in ganz gleicher Verlarvung vorstellen musste, feierlich freigesprochen! Er hat sich somit des schändlichsten Vergebens gegen das heilige Femegericht schuldig gemacht.«

»Alles wahr!«, riefen vier Freischöffen der heiligen Feme aus, die sich durch die Zuschauer drängten und hinter Wolframs Stuhl stehen blieben.

»Nehmt und bestraft ihn!«, sagte der Kaiser zu den vier schwarzen Gestalten mit zürnendem Blicke, erhob sich von seinem Thronstuhl und verließ mit seinem ganzen Hof den Turnierplatz. Die Erbgräfin Hildegard erwiderte die Verbeugung Kurts mit einem Lächeln des innigsten Dankes.«

»Edler Ritter und Freund«, sagte Ritter Anselm zu Kurt, »Ihr habt dem ganzen Land einen großen Dienst erwiesen. Empfangt dafür aus meiner Hand statt Eurer verlorenen Gertraud eine neue liebenswürdige Braut!«

»Für mich gibt es keine Braut mehr«, entgegnete Kurt.

»Aber ein liebendes Weib!«, rief eine Dame an Anselms Seite, schlug den Schleier zurück, und Gertraud sank an die Brust ihres überseligen Gatten. Als Wolfram mithilfe ihrer verräterischen Zofe die Burg Steinau in seine Gewalt bekam, floh Gertraud durch die Gemächer in ihrem Hausmantel, der ihr im Laufen entfiel, von der nacheilenden Zofe aufgehoben wurde, die ihn um ihre Schultern warf, und so von dem nacheilenden Räuber für diese gehalten und fortgeschleppt wurde, während Gertraud auf einem Seitenweg glücklich entkam und im Kloster Marienzell als Küchenmagd Aufnahme fand. Als Wolfram auf seiner Burg die Verwechselung bemerkte, ließ er die Verräterin den Bären vorwerfen. Dadurch entstand die unrichtige Meinung des Klaus. Nach der früher gemeldeten langen Unterredung Kurts mit Martha hatte Ersterer den Schatz in seiner Burg erhoben, sich in Worms gerüstet und dort auch gleich den Auftrag zur Wiedererbauung der Burg Steinau gegeben, auf welcher Martha noch 10 Jahre lang gut gepflegt lebte. Hildegard wurde die Gattin ihres Geliebten, und Veronika und Elsbeth noch bei dem Bankett des Festturniers mit zwei schönen jungen Rittern verlobt.

Die bezeichneten Wunden und das Brandmal zeigten sich an Wolframs Leib, den nach drei Tagen die Freischöffen an einem unter den Schultern durchlaufenden Strick lebendig in den Bärenzwinger hinabsenkten, wo ihn die wilden Bestien stückweise zerfleischten. Die Bärenburg wurde dann von unten auf durch Brand zerstört, und ihr Trümmerhaufen noch Jahrhunderte lang überdauert von der grauenvollen Sage von Wolfram dem Erzteufel.

Ende