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Der Mythos Tempelritter – Teil 3.5

Einst waren sie im Hochmittelalter die mächtigste Organisation auf Gottes Erden. Sie waren führend im Bankwesen, sie besaßen die größte Flotte des Abendlandes. Zeugen ihrer schier übermächtigen Größe und ihres Reichtums findet man noch heute: Der Newport Tower in Newport, Rhode Island, der als Leuchtturm der Templer gilt; Santa Mariá de Eunate in Spanien, welche die Templer nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem erbauten; Temple Church in London, die den Templern als englisches Hauptquartier diente; die Klagemauer sowie der Tempelberg in Jerusalem, wobei aufgrund der derzeitigen religiösen und politischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und Palästina es dort unmöglich erscheint, umfangreiche Ausgrabungen durchführen zu können. Die Liste der noch existierenden zeitgenössischen Sachzeugen und Bauwerke ist groß und würde den hiesigen Rahmen sprengen.
Wer waren die Templer? Wie waren sie organisiert? Wer waren ihre Führer? Gingen die geheimnisvollen Templer am Freitag, den 13. Oktober 1307 tatsächlich unter? Oder gibt es heute noch Nachfahren der Templer? Fragen über Fragen.
In einer losen Folge möchte ich versuchen, den Mythos der Tempelritter ein wenig zu beleuchten.


Die Großmeister des Tempelordens


Bertrand de Blanquefort 1154 – 1165

Mit Bernhard de Tromelai war in der Bresche von Askalon auch der ganze Konvent umgekommen. So verzögerten sich die Wahl eines neuen Großmeisters und dessen Bestätigung vonseiten des Papstes bis ins Jahr 1154, in welchem der Ritter Bertrand de Blanquefort, ein Sohn Gottfrieds, Herrn von Blanquefort in Guienne, die großmeisterliche Würde erhielt, welchen Wilhelm von Tyrus als einen gottesfürchtigen Mann bezeichnet. Dessen ungeachtet verfolgte der Orden nach dem Tod des heiligen Bernhards immer entschiedener und offener einen Weg voller Stolz und Habsucht, sodass Johannes von Salisbury es dem damaligen Papst Hadrian IV. (1154 – 1159), welcher manchen Missbrauch in der Kirche beseitigte, schon sehr übel nahm, dass er diesen Orden, dessen Beruf nur Blutvergießen sei und der gleichwohl als ein kriegerischer Verein ein kirchlicher sein wolle, nicht aufgelöst hatte.

Nureddin hatte den Fall Askalons mit großer Betrübnis vernommen, ihn bangte um das herrliche Damaskus, dessen Fürst, Modschireddin, es mit den Christen hielt. Deshalb setzte er diesen ab und nahm selbst zum Schrecken der mit ihm einen Waffenstillstand schließenden christlichen Fürsten seinen Sitz in Damaskus ein.

Die fortdauernde Zwietracht unter den syrischen Adligen ruhte nicht und leistete den Sarazenen in ihrem Andringen gegen die christliche Herrschaft den möglichsten Vorschub. Fürst Rainald von Antiochien, Gemahl der Witwe des von den Sarazenen erschlagenen Fürsten Raimund, wütete gegen den dortigen Patriarchen, sodass dieser nach Jerusalem zu flüchten sich genötigt sah. Zwischen den Hospitalitern und den Bischöfen des Reiches Jerusalem erhob sich tödlicher Hader über die Zehntfreiheit, welche jene vom Papst Paschalis II. erhalten hatten, sodass daraus große Verwirrung der kirchlichen und auch staatlichen Zustände in Syrien hervorging, und selbst in Jerusalem zwischen dem Patriarchen Fulcherius und dem Großmeister Raimund die ärgerlichsten Auftritte stattfanden. Eine Beschwerde der syrischen Geistlichkeit bei Hadrian fruchtete nicht, weil, wie man vermutete, die Hospitaliter den Papst oder die Kardinäle durch Bestechung auf ihre Seite gebracht hatten. Von nun an stieg sowohl der Übermut der Hospitaliter als auch der Templer, und beide waren Hauptbestandteile in dem Getriebe syrischer Zustände. Um den Hospitalitern in nichts nachzustehen, trachteten die Templer vor allem nach Reichtum und ließen sich hierdurch manche Vergehen zuschulden kommen.

Im Jahre 1155 hatte der Emir Abbas in Ägypten den Kalifen Dafer, um die Herrschaft an sich zu reißen, getötet. Vorzugsweise sollte sein ältester Sohn, Nasireddin , Scheich werden, um dadurch in seiner Familie weltliche und geistliche Macht zu vereinen. Allein der Versuch misslang. Abbas musste mit seiner Familie und dem Schatz des Kalifen flüchten. In der Gegend von Askalon stieß er auf eine Schar christlicher Ritter, die überwiegend aus Templern bestand. Ihren Händen entkam Abbas mit seinem jüngsten Sohn. Nasireddin aber musste sich ihnen mit unermesslichen Schätzen ergeben. Die Templer erhielten den größten Teil der Beute. Da Nasireddin von den Sarazenen künftig nichts Gutes zu erwarten hatte, erklärte er, zum Christentum übertreten zu wollen. Er lernte zu diesem Zweck mit großem Fleiß die lateinische Sprache und die Anfangsgründe der christlichen Religion, um sich durch einen solchen Übertritt Schutz vor seinen Feinden zu erkaufen. Allein die Templer fürchteten teils die Wiederherausgabe der erbeuteten Schätze, teils boten die Ägypter für die Auslieferung des Flüchtlings große Summen. Deshalb verkauften die habsüchtigen Ritter den Unglücklichen um das Jahr 1158, als der rechtliche Großmeister Bertrand in türkischer Gefangenschaft war, für 60 000 Goldgulden an seine rachsüchtigen Feinde. Sie übergaben ihn in einen eisernen Käfig gesperrt, worauf er auf einem Kamel nach Ägypten geschleppt und dort von ihnen im wahrsten Sinn des Wortes zerhackt wurde.

König Balduin sah sich durch Geldnot zum Bruch des mit Nureddin geschlossenen Waffenstillstandes im Jahre 1157 getrieben. Der Sarazene zögerte nicht, den Kampf zu beginnen, schlug die Hospitaliter nebst dem Connetable Honfroy unweit Paneas, und belagerte diese Stadt, musste aber beim eiligen Anrücken König Balduins die Belagerung bald aufheben. Dieser befahl die Reparatur der Mauern und in der Meinung, der Emir habe sich weit zurückgezogen, kehrte er nach Tiberias mit seiner Ritterschaft zurück, entließ die übrigen Barone und schlug ohne größeren Schutz sein nächtliches Lager am Salzsee auf. Mittlerweile hielt sich Nureddin im Walde von Paneas verborgen. Als er die Unbesonnenheit der königlichen Ritterschaft wahrnahm, eilte er über den Jordan, legte an der Jakobsfurt einen Hinterhalt an und überfiel am 19. Juni die unbesorgt und fröhlich einherziehenden Ritter so plötzlich und kräftig, dass der König, in Notlage geraten, ins Gebirge zur Burg Saphed floh. Viele vornehme Ritter wurden fast ohne Kampf erschlagen, die meisten gefangen genommen. Nur wenige entrannen. Das ganze Gerät, selbst des Königs Kapelle, fiel den Türkomanen in die Hände. Unter den Gefangenen befand sich der Großmeister Bertrand de Blanquefort mit 97 seiner Ritter, der Baron Hugo von Ibelin und des Königs Marschall, Otto von St. Amand, der später Großmeister der Templer wurde. In einem entwürdigenden Marsch wurden alle nach Damaskus geführt. Die vornehmeren Ritter mussten mit Panzer und Helm, jeder sein Banner haltend, zu Pferd einziehen. Die gewöhnlichen Ritter je zwei auf einem Kamel Fahnen tragend, an welche man die Kopfhäute der Erschlagenen befestigt hatte. Die Knechte je drei oder vier mit einem Strick zusammengebunden. Das war eine Schmach für die syrische und Templerritterschaft, die beide tief empfanden. Während sich der Meister Bertrand in der Gefangenschaft befand, führte der Drapierer des Ordens, Walter Fulcherius, als Großkomtur die Leitung des Ordens, welcher als Ritter aus einem Brief an König Ludwig von Frankreich bekannt und ein bedeuteter Mann gewesen war.

Nach diesem Ereignis verheiratete sich König Balduin mit der schönen Theodora, der 13-jährigen Tochter des Prinzen Isaak, Sohnes des griechischen Kaisers Manuel. Sie brachte viele kostbare Geräte und 100 000 Goldstücke als Mitgift in die Ehe ein und kam im September in Tyrus an. Als Graf Dietrich von Flandern zum dritten Mal das heilige Land besuchte, beschloss man mit seiner Hilfe und ihm zu Ehren irgendeinen beträchtlichen Waffengang zu vollführen und rückte dementsprechend vor Eäsarea am Orontes, um die Stadt einzunehmen. Allein wiederum wie früher gönnten die syrischen Barone dem Grafen, welcher hier ein eigenes Fürstentum begründen wollte, diesen Besitz nicht, sondern verließen, da sich die Burg noch in den Händen der Ungläubigen befand, mit reicher Beute die Stadt und kehrten nach Antiochien zurück. Später 1158 eroberte man die widerstandsfähige Höhle Roob jenseits des Jordans und die unweit Antiochiens liegende Burg Harem, zog durch das feindliche Land und machte reichlich Beute, denn Nureddin hütete in Haleb krank das Bett.

Plötzlich brachen die Ägypter in das heilige Land ein und vereitelten die Hoffnung der syrischen Fürsten, Verlorenes wieder zu gewinnen. Die Ägypter verwüsteten das Land bis Gaza und Askalon. Auch Nureddin rüstete sich von Damaskus aus zum Krieg. Am 15. Juli 1158 entbrannte zwischen Nureddin und dem König ein harter Kampf, in welchem die Heiden eine große Niederlage erlitten. Doch wussten die Christen ihren Sieg wiederum nicht zu nutzen. Es erscholl die Nachricht vom Näherrücken Kaisers Manuel mit einem zahlreichen Heer, worüber die Barone und die Ungläubigen erschraken, weil beide in ihrer Macht und Herrschaft eingeschränkt zu werden befürchteten. Insbesondere befand sich Fürst Rainald von Antiochien in großen Ängsten, da er die dem Kaiser zugehörige Insel Zypern feindlich überfallen und dort übel gehaust hatte. Dazu stand er mit König Balduin und den syrischen Fürsten so schlecht, dass er sich von ihnen weder Hilfe noch Fürsprache zu erhoffen hatte, weil ihm niemand seiner niedrigen Herkunft wegen sein Fürstentum gönnte. Um sich mit dem Kaiser zu versöhnen, ließ er zu Manistra in Kilikien eine solche Demütigung über sich ergehen, dass er dadurch die ganze Ritterschaft schändete. König Balduin wurde dort vom Kaiser höchst ehrenvoll aufgenommen. Beide hielten einen festlichen Einzug in Antiochien und verlebten dort glanzvolle Tage. Manuel enthielt sich des Krieges mit Nureddin, verhandelte mit ihm um einen Waffenstillstand und begehrte von ihm die Freilassung der Gefangenen, worauf er nach Konstantinopel zurückging. So kehrte Bertrand de Blanquefort im Jahre 1159 aus der Gefangenschaft zurück.

Unter diesem Großmeister breitete sich der Orden immer mehr aus. Als im Dezember 1158 der Graf von Barcelona diesem L’Arzat gab, wurde dabei ein Meister von Aquitanien, Elias de Montbrun, erwähnt. Im selben Jahr erhielten die Zisterzienser Calatrava in Spanien, wo bald daraus der Orden gleichen Namens gegründet wurde. Bereits 1130 soll diese Stadt unter der Schutzgerechtigkeit der Templer gestanden haben, bis sie später der Orden von Calatrava übernahm. Auch in Italien fasste der Orden der Templer festen Fuß. Als Kaiser Friedrich I. Mailand belagerte, schlug er sein Lager an der Templerkirche zwischen der Porta Fosa und Romana auf. König Ludwig von Frankreich war dem Großmeister Bertrand persönlich zugetan, wie man aus mehreren Briefen schließen kann, welche dieser an jenen geschrieben hat. Als Ludwig mit Heinrich II. von England dahin übereinkam, dass die zwischen ihnen umstrittene Stadt Gisors in der Landschaft Vexin in der Normandie so lange in einem neutralen Besitz verbleiben sollte, bis Ludwigs zwei Töchter den beiden Söhnen Heinrichs vermählt worden seien, so übergaben beide Könige die Stadt den Tempelrittern Robert de Pirou, Tostes von St. Omer und Richard von Hastings zur einstweiligen Bewachung. Allein König Heinrich vermeinte ein ausschließliches Recht an deren Besitz zu haben und setzte sich daher durch List in denselben, indem er als Templer verkleidet nach Gisors kam und eine ihm ergebene Besatzung hineinbrachte.

Der Großmeister Bertrand fand Gelegenheit, dem Orden im Streit zwischen den Päpsten Alexander III. und Viktor IV. wesentliche Dienste zu leisten und den festen Grund zu seiner nachmaligen Größe zu legen. Anfangs neigte sich der Orden auf die Seite Viktors, der vom Kaiser Friedrich l. unterstützt wurde. Als die Templer jedoch bemerkten, dass des Papstes Macht größer sei als die des Kaisers, schlugen sie sich auf einer Synode von Nazareth 1161 zu Alexanders Partei. Dieser bewies sich dafür nicht undankbar. Da der Hospitaliterorden bereits unter Papst Anastasius IV. 1154 exemt geworden war, ersehnten sich die Templer nichts mehr als gleiches Vorrecht, welches ihnen die größte Selbstständigkeit verschaffte, indem sie der bisherigen Abhängigkeit vom Patriarchen in Jerusalem enthoben, danach unmittelbar unter päpstlicher Oberhoheit standen und die Bischöfe kein Recht mehr hatten, die Tempelhäuser in ihren Sprengeln zu beaufsichtigen und zu visitieren, sondern dies nur durch den päpstlichen Legaten geschehen konnte.

Am 7. Januar 1162 verlieh ihnen Alexander diese wichtige Exemtion in der Bulle Omne datum optimum, in welcher zugleich alle bisherigen Privilegien bestätigt sowie erweitert wurden. Die Exemtion war ein um so größerer Vorteil für den Tempelorden, da er, wenn auch ein geistlicher Ritterorden, doch streng genommen kein klerikaler oder rein kirchlicher Orden war. Daher wurde durch diese Exemtion der Neid der Bischöfe gegen die Templer lebhafter und eine Feindschaft begründet, welche zum Sturz des Ordens beitrug. Die Bulle Omne datum optimum ist die magna carta der Templer, welche jeder Papst künftig jedem Großmeister erneuerte, gleichsam als dessen Bestätigung vonseiten des Papstes.

Von da an wurde der Orden durchgehend ein anderer. Der Gerichtsbarkeit der Bischöfe und der noch lästigeren Aufsicht des Patriarchen ledig, der Oberhoheit des Papstes unmittelbar unterworfen, hatte er niemand zu fürchten und zu gehorchen als dem Papst allein. Der Orden selbst wurde dadurch herrschsüchtiger, stolzer und päpstlicher.

Zu Beginn der Bulle lobt der Papst den Orden wegen seiner Bedeutsamkeit und Nützlichkeit und rühmt seine Mitglieder als die eines frommen Vereins, welcher stets das Kreuz Christi führe und sich im immerwährenden Kampfe für die christlichen Brüder opfere. Deshalb erkenne sie auch die Kirche als ihre Streiter an, sie sollten daher ihre Pflichten nie aus den Augen verlieren und stets unter dem besonderen fürsorglichen Schutz des päpstlichen Stuhles stehen. Sie möchten treu und willig ihrer Regel und dem Befehl ihrer Obern Respekt zollen. Die Residenz des Großmeisters soll stets des Ordens Hauptsitz sein und der Großmeister nie von den Brüdern abgesetzt werden können. Auch soll niemand außer dem Großmeister und den weisen Mitgliedern des Ordenskonvents berechtigt sein, die Statuten abzuändern. Jedem Templer wird in einen andern Orden überzutreten streng untersagt, es sei denn, dass der Übertritt mit Willen des Großmeisters und Konvents geschehe. Wider den Willen der Brüder darf nie sonst unter niemand. Die Ordination dieser Kleriker kann von jedem dem Orden beliebigen Bischof ausgehen, aber sie dürfen nirgend ohne Erlaubnis des Großmeisters anderweitig predigen. In jedem Kapitelhaus kann der Orden eine Kapelle errichten, in welcher die gottesdienstlichen Zeiten gefeiert werden dürfen, auch kann in ihnen begraben werden. Doch schickt es sich nicht für geistliche Brüder, öffentliche Gotteshäuser zu besitzen und unter dem Getümmel der Männer und Frauen zu sein. Damit auch der Orden nie Mangel an geistlichen Gütern habe, soll jeder andere Priester gehalten sein, der Templer Beichte zu hören und ihnen die Sakramente des Abendmahls und der Letzten Ölung zu reichen. Es wird erlaubt, Donaten und Oblaten anzunehmen. Einige ältere Vorrechte wurden erneuert, und diese für die Templer so überaus wichtige Bulle vom Papst, vier Kardinalbischöfen, fünf Kardinalpresbytern und sieben Kardinaldiakonen unterschrieben und in Tours ausgestellt, wohin sich Papst Alexander vor Kaiser Friedrich zurückgezogen hatte.

In Palästina herrschte um diese Zeit große Verwirrung. Denn Fürst Raimund von Antiochien war am 23. November 1160 in die Gefangenschaft der Heiden gefallen. Die beiden Parteien der Gegenpäpste Alexander und Viktor erschütterte eine Zeit lang die syrischen Zustände. Barak, der sarazenische Leibarzt des Grafen von Tripolis, gab dem König vergiftete Medizin, sodass Balduin III. am 10. Februar 1162 in Berytus starb. Alle diese Ereignisse erregten das Land.

In der hieraus entstehenden Zerrüttung schrieb der Großmeister Bertrand an König Ludwig von Frankreich mehrere Briefe, in welchen er sich von Gottes Gnaden, der armen Tempelbruderschaft Großmeister nennt. Jedenfalls ist der Ausdruck Dai gratia ein Beweis, wie bedeutend damals schon der Orden und folglich die Würde seines Großmeisters waren. Im ersten jener Briefe versicherte der Meister und Konvent des Tempels dem König seine Ehrerbietung, und stellt die Verwirrung des Reiches Jerusalem und mehrere dasselbe belassende Unglücksfälle in der Kürze dar. Die Heiden, des Landes noch wahrnehmend, waren voll Mut und Frechheit, namentlich machte sie die Gefangennahme des Fürsten Rainald übermütig. Auch berichtete Bertrand, dass durch Erdbeben mehrere Burgen eingestürzt, andere Befestigungen geschädigt und viele Menschen umgekommen seien. Zum größten Leidwesen aber aller sei König Balduin gestorben, durch seinen Tod die Heiden mit neuem Mut erfüllt und nun die Kirche Christi zu stürzen bemüht wären. Darum forderte Bertrand des Königs Hilfe an, weil diese für Jerusalem und Antiochien höchst nötig seien.

Im zweiten Briefe berichtet Bertrand an den König, wie in den Besitzungen des Ritters Wilhelm von Donner während dessen Abwesenheit im Gelobten Lande einige Nachbarn feindselig eingefallen wären und sie verwüstet hätten. Er bittet den König, diese Friedensstörer nachdrücklich zu bestrafen und solchen Frevel nicht ungeahndet hingehen zu lassen, weil sonst mancher von der Meerfahrt abgehalten werden könnte. Schließlich versicherte er dem König für die ihm und seinen Brüdern erwiesenen Wohltaten seinen erbetesten Dank. Die übrigen Briefe bezogen sich auf spätere Ereignisse.

Der neue König von Jerusalem, Balduins III. Bruder, Amalrich, war ein ungestümer, verschlossener, treuloser Fürst, aber ein treuer Freund der Templer, bei den syrischen Baronen unbeliebt, denn nur dem Patriarchen Almerich von Nesle verdankte er den Thron. Die Barone waren ihm darum sehr abgeneigt, weil er einen französischen Ritter aus der Grafschaft Troyes, Milo von Plancy, zum Seneschall des Reichs machte, und ihm die Tochter des Herrn Philipp von Naplus, Stephanie, Witwe des jüngeren Honfroy, mit Montroyal und dem umliegenden Landstrich Syria Sobal gab. Amalrich vermählte sich in zweiter Ehe, nachdem er naher Blutsverwandtschaft wegen von Agnes, Tochter des jüngeren Grafen Joscelin geschieden war, mit Maria, Tochter des Protosebasten Johannes Dukas Komnenos, eines Neffen des griechischen Kaisers.

Amalrichs ganzes Augenmerk richtete sich gleich zu Anfang seiner Regierung auf Ägypten, wo sich eine den Christen furchtbare Macht zu bilden anfing. Es stellte sich immer klarer heraus, wie notwendig es für das Bestehen des Reiches Jerusalem sei, die sarazenische Herrschaft in Ägypten zu zerstören. Dem König Amalrich schien der Zeitpunkt dazu gekommen, denn Askalon befand sich in der Christen Hände und in Ägypten herrschte wegen innerer Unruhen große Verwirrung. Die Macht der Kalifen war längst gebrochen und lag in der Hand des Wesirs, welcher sich gewöhnlich Sultan nannte. 1163 hatte ein Emir Dargam den Sultan Schaver vertrieben. Kurz danach kam König Amalrich mit einem stattlichen Heer herbei, forderte den früher dem König Balduin III. vom Sultan Adel feierlich in Aussicht gestellten Zins und schlug bei dessen Verweigerung Sultan Dargam auf dem Schlachtfeld. Unterdessen hatte Schaver Nureddins Hilfe nachgesucht, welcher nach Ägyptens Besitz längst trachtete. Deshalb führte auf sein Geheiß sein tapferer Feldherr Schirkuh, den Schaver mit einem Heer nach Ägypten zurück und gründete dessen Herrschaft wieder, indem er seinen Widersacher umbringen ließ. Unter Schirkuhs Truppen befand sich der später so sehr gefürchtete Saladin, Neffe des Schirkuh und Sohn eines tapferen kurdischen Emirs Nureddins, Namens Ejub.

Da Schirkuh mit seinem Heer Ägypten nicht verließ und Schaver merkte, was jener beabsichtigte, rief er den König Amalrich zu Hilfe, welcher im Juli 1164 dem Ruf folgte und mit Schaver im Bund Schirkuh Anfangs August vor Pelusium belagerte. Nureddin zog zum Ersatz herbei und war bis an das Schloss der Kurden gekommen, als es dem Komtur der Tempelritter in Tripolis, Gilbert von Laci, ein tapferer und im Waffenhandwerk geübter Mann, gelang, den Türken, welche am heißen Mittag unter ihren Zelten sorglos ruhten, eine große Niederlage zuzufügen. Der Andrang der Christen fand so plötzlich und mit ungeheurer Kraft statt, dass sie, alles niedermetzelnd, in Windeseile bis zu Nureddins Zelt vordrangen. Dieser vermochte kaum ein Obergewand überzuwerfen, durch die hintere Zelttür zu entrinnen und ein Roß zu besteigen. Einem Kurden, welcher mit Geistesgegenwart die Zügel des angebundenen Tieres durchhieb, hatte er seine Rettung zu verdanken. Sonst wäre er gefangen genommen worden, denn auch sein Schwert blieb in den Händen der Sieger, welche aber ihren Sieg weiter nicht nachgingen.

Der Sultan, erbittert über diese Niederlage, schwur den Templern Rache. Schon am 10. August lagerte er mit einem zahlreichen Heer vor Harem, welche Burg ihm erst vor fünf Jahren abgenommen und an deren Besitz ihm sehr gelegen war. Sogleich versammelten Fürst Bohemund III. von Antiochien, Graf Raimund der Jüngere von Tripolis, Joscelin, der Sohn des Grafen von Edessa, Gottfried von Martel, Bruder des Grafen von Angouleme, ein ansehnliches Heer. Allein der Übermut, mit welchem sie ihren Feind verachteten, wurde ihr Verderben. Denn als Nureddin bei ihrer Annäherung Ende August sich vorsichtig zurückzog, dachten sie, er fliehe vor ihnen, drangen darauf hin ungeordnet und ungestüm nach, gerieten in sumpfiges Gelände, wo sie Nureddin unvermutet angriff und vernichtend schlug, sodass alle syrischen Fürsten gefangen wurden und von 60 Tempelrittern nur sieben entkamen.

Da der König Amalrich noch in Ägypten abwesend war, ging am 16. Oktober auch Paneas verloren. Nureddin rückte sogar vor Jerusalem, welches Graf Dietrich von Flandern, der zum vierten Male mit einer auserlesenen Ritterschaft nach Palästina gekommen war, nur nach verzweifeltem Kampfe rettete und hieraus einen Waffenstillstand abschloss. Die traurige Lage des Landes bewegte den Großmeister Bertrand abermals, sich an König Ludwig schriftlich zu wenden. Er berichtete: »Eure Hoheit werden vernommen haben, wie lange und warum ich mit König Amalrich in Ägypten zu Felde gelegen. Nureddin kam diesem Land zu Hilfe, er beherrschte mit einer Flotte das Meer und ging damit um, Ägypten mit dem Reich Damaskus zu vereinigen. Wir schlossen den Schirkuh in Pelusium ein und er musste uns diese wehrhafte, mit einer Besatzung von 30 00 Mann versehene Stadt übergeben. Als wir hieraus in das Reich Jerusalem zurückkehrten, fanden wir dieses in sehr zerrüttetem Zustande, Paneas durch Verrat den Türken übergeben, Antiochien in einer hilflosen Lage, sodass es bald entweder den Griechen oder den Sarazenen zu Teil werden muss, da unser obgleich tüchtige König nicht zugleich Antiochien, Tripolis, Jerusalem und Ägypten vor Nureddins hereinbrechender Übermacht schützen kann. Mein lieber Mitbruder, euer Diener und Freund hat mich, damit er sich von seinem körperlichen Übelbefinden erholen kann, gebeten, ihn hier noch verweilen zu lassen. An seiner statt sende ich zu Euch den Überbringer dieses Schreibens, den Bruder Walter, einen tüchtigen Mann, ausgezeichnet durch Ahnen, Adel und Sitten, den ich Euch dringend anempfehle, denn er ist meinem Herzen teuer.«

Als dieser Bruder Walter aus Frankreich zurückgekehrt war, sandte Bertrand ein Dankschreiben an König Ludwig, worin er die Wohltaten, welche er und seine Vorgänger vom König empfangen hatten, über alles erhebt, da Letzterer von seiner Jugend schon den Orden begünstigt und es auch weiterhin tun würde. So wurde in diesem Schreiben auch die ehrenvolle Aufnahme des Bruder Walter in Paris gebührend gepriesen, denn dieser könne es nicht mit Worten beschreiben, wie hoch er aufgenommen, mit welchem dankbaren Sinn er erfüllt sei. Er habe vor dem ganzen Konvent auf seinen Knien die ihm widerfahrene königliche Gnade laut gerühmt, dass den Anwesenden solche Begegnungen fast unglaublich geschienen. Dafür solle nun dem König alles, was dem Orden an Land und Leuten zu Gebote stehe, zu Willen sein. Schließlich äußerte Bertrand, wie ihn der traurige Zustand Jerusalems, insbesondere Antiochiens, sehr betrübe, doch sei dies dem König schon oft gesagt, daher schweige er jetzt, und erwähne nur, dass der griechische Kaiser dem Fürstentum zu Hilfe kommen wolle, sodass es entweder diesem oder den Türken eine sichere Beute werden müsse. Da bleibe denn Seiner Hoheit, der König, der einzige Trost.«

Der angedeutete Zustand des Landes nötigte den König Amalrich mit Schirkuh Frieden zu schließen, wofür dieser Pelusium wieder erhielt. Nun zog Amalrich mit dem Grafen Dietrich von Flandern unverzüglich nach Antiochien und Tripolis. Fürst Bohemund kehrte aus der Gefangenschaft zurück. Unter den syrischen Baronen herrschte die größte Mutlosigkeit. So wurde ein fast unbezwingbares Höhlenkastell im Land Sidon durch Verrat an Nureddin übergeben. Bald darauf kam die Nachricht, ein anderes Höhlenkastell jenseits des Jordan, welches der Bewachung der Templer anvertraut war, sei von den Sarazenen umlagert. Diese nahmen es durch Verrat, worauf Amalrich zwölf der Schuldigen aufhängen ließ.

Die so nötige und heiß ersehnte Hilfe aus dem Abendland blieb aus. Den Großmeister Bertrand erlöste von seinen vielfachen Sorgen um das Reich Jerusalem der Tod, welcher ihn am 9. August 1165 vom Schauplatz seiner nicht gemeinen Tätigkeit abrief. Bertrand hatte den Orden im Abendland in den blühendsten Zustand versetzt, sodass er selbst in Deutschland Fortschritte machte. Nach einer Urkunde aus dem Jahre 1165 übergab Bertrand und der Meister Bonifazius in der Lombardei, zu welcher damals Süddeutschland als Ordensprovinz gehörte, dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach die Güter Otmanshart im damaligen Landgericht Dachau und Leuchenthal.

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