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Einsendeschluss 31.05.2021

Dark Empire

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Captain Concho – Band 45

Bill Murphy
Captain Concho – Der Rebell aus Texas
Band 45
Werft den Yankee ins Meer!

Western, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,70 €, Neuauflage, Titelbild von Ertugrul Edirne / Becker-Illustrators

Kurzinhalt:
Captain Concho im Anmarsch! Wie ein Lauffeuer verbreitet sich diese Nachricht unter den Yankees in und um Mobile. Doch die Blauröcke in den schwer bewaffneten Festungen Morgan und Gaines fühlen sich absolut sicher. Soll der Rebell aus dem Süden nur kommen! Die Mauern der Forts sind uneinnehmbar. Und schließlich ist da noch Colonel Mason, der Conchos Männern eine teuflische Falle stellt. Er allein weiß, wie gefährlich Concho ist. Aber das, was nun folgt, übersteigt seine schlimmsten Befürchtungen …

Leseprobe:

Mit nacktem Oberkörper standen die Männer auf der Draisine. Vorneweg Benson, der lange Lieutenant. Er schaute ständig durch den Feldstecher und suchte die Gegend ab, ob da nicht irgendwo voraus entlang des Bahndamms eine Yankeestellung zu erkennen war.

Vier Männer bewegten das Gestänge rhythmisch auf und ab. Dieses langsame Klack-Klack und das harte Rollen der Räder waren die vorherrschenden Geräusche..

Finnewacker lag auf der Werkzeugkiste. Neben ihm standen der kleine Oscura, Forscreek und Sergeant Major Dandry.

Der Kleine jubelte ihnen eine »Weibergeschichte« flach der anderen unter. Aber sie hörten ihm zu. Aus reiner Langeweile. Und deshalb nutzte er die Gunst der Stunde.

»Dandry, kommen Sie mal her!«, rief Lieutenant Benson.

Alle schauten sofort nach vorn. Selbst Finnewacker. Er stützte sich auf die Ellenbogen und drehte gespannt den Kopf.

Zu sehen war nichts. Mochte der Teufel wissen, was der Lieutenant von dem Sergeant Major wollte. Finnewacker streckte sich wieder auf die Kiste und schloss die Augen.

»Spinn dein Garn mal weiter, Kleiner«, sagte er schläfrig.

Wiesen, Felder und hier und dort mal ein Stück Wald glitten langsam vorüber. Eine öde Gegend, durch die sie mit der Draisine in gemächlicher Fahrt rollten.

»Tja! Also wo war ich stehen geblieben?«, fragte der Kleine und schaute verträumt in die Ferne.

»Du wolltest gerade erzählen, wie du das Rotköpfchen in Richmond rumgekriegt hast«, half ihm Forscreek grinsend auf die Sprünge.

»Ach so! Ja! Also, das Rotköpfchen … Eine schicke Puppe war das«, schwärmte Oscura. »Mann, hatte die Holz vor der Hütte, kann ich euch sagen! Schon als ich sie sah, wusste ich: die oder keine! Das ist genau das Richtige für Mutters Sohn.«

»Hast du schon erzählt«, warf Finnewacker ein..

»Lass ihn doch erst mal den Faden wiederfinden!«, verlangte Forscreek. Er klopfte dem Kleinen auf die Schulter. »Also mal weiter! Lass dich nicht unterbrechen.«

»Ich bin also hin zu ihr in meiner schicken Uniform. Tadellos gebügelt. So einen Schlag in der Hose, sage ich euch! Einen Blumenstrauß hatte ich natürlich auch besorgt. Und ich dachte, heute, Junge, muss es passieren. Heidewitzka! Ich bin also los …«

»Ablösung!«, rief Sergeant Hines plötzlich.

Die vier Männer ließen das Triebgestänge sofort los und traten zur Seite.

Das Gefährt wurde allmählich langsamer. Träge bewegte sich das Gestänge von selbst auf und ab.

Finnewacker sprang auf. Er, Oscura und Forscreek machten sich sofort an die Arbeit, damit die Draisine nicht erst zum Stillstand kam. Denn das Gefährt wieder in Gang zu bringen, war ungeheuer anstrengend.

Dandry gesellte sich zu ihnen, und mit kräftigen Armzügen bewegten die Männer die hölzernen Schwengel auf und ab.

Hines, Molden, Perryton und Dusty machten nun Pause und gingen nach hinten. Molden nahm Finnewackers Platz ein und legte sich auf die Kiste, in der neben dem Proviant ihre Uniformen und Waffen lagen. Sie alle trugen braune Leinenhosen und Eisenbahnermützen.

Die Draisine in Fahrt zu halten, war keine besonders anstrengende Beschäftigung. Aber bei der herrschenden Hitze brach den Männern durch die ständige Bewegung schnell der Schweiß aus.

»Achtung!«, rief Benson mit scharfer Stimme.

Wieder blickten alle nach vorn. Die vier Männer am Gestänge bremsten die Fahrt erschrocken ab.

Weiter vorn waren plötzlich Soldaten auf dem Gleis erschienen. Yankeesoldaten! Die Entfernung betrug keine Viertelmeile mehr, und die Yankees winkten ihnen, dass sie anhalten sollten.

Es gab kein Zurück mehr! »Weiter«, sagte Benson. »Und dort vorn halten!«

Rhythmisch bewegten die vier Männer das Gestänge. In verlangsamter Fahrt rollte die Draisine voran.

Sie alle blickten mit gemischten Gefühlen auf die Yankees. Es war etwa ein Dutzend. Aber schon kamen aus dem Gestrüpp neben der Strecke noch weitere Gestalten zum Vorschein, die den Bahndamm herauf stiegen und sich zu ihren Kameraden gesellten.

»Nur ich rede!«, raunte Benson die Männer an. »Ich bin der Boss hier. Dass mir keiner dämlich dazwischen quatscht!«

Dandry ließ sich von Hines ablösen und trat an Bensons Seite.

»Eine Patrouille oder eine Stellung?«, fragte er.

»Das werden wir gleich erfahren!«, meinte Benson.

»Hoffentlich nehmen die uns nicht hopp«, seufzte Dandry. »Wie kriegen wir dann eine Meldung zum Zug?«

Diese Sorge hatte der lange Lieutenant schon längst. Das war beim Anblick der Yankees sein erster Gedanke gewesen.

Der Zug, in dem sich Captain Concho mit achtzig Männern befand, stand zwanzig Meilen hinter ihnen. Sie waren vorausgefahren, um die Strecke zu erkunden.

Mobile – die Hafenstadt am Golf von Mexiko war nicht mehr weit. Der Gegner hatte sie von See her besetzt und blockierte den Hafen. Inzwischen hatte er über Land Verstärkung erhalten. Die Yankees wussten, dass ein Konföderierten-Kommando unterwegs war, um den für die Südstaaten so wichtigen Hafen freizukämpfen. Denn dann konnten wieder Schiffe ein- und auslaufen, um das lebenswichtige Produkt Baumwolle nach Europa auszuführen.

Sie war das einzige Devisen bringende Produkt des Südens. Nur durch den Verkauf von Baumwolle war es der Konföderation möglich, Waffen und Kriegsmaterial in den europäischen Staaten zu erwerben.

»Wie weit ist es bis Mobile?«, fragte Benson.

»Das zieht sich noch hin«, erwiderte der Sergeant Major. »Dreißig Meilen bestimmt. Hast du die Yankees hier schön erwartet?«

»Ich nicht!«, versetzte der Lieutenant. »Aber Captain Concho.«

»Da hat er mal wieder den richtigen Riecher gehabt!«, meinte Dandry.

Ein Sergeant trat auf das Gleis und hob die Hände.

»Anhalten, Leute! Hier geht es nicht weiter!«, rief er lautstark.

Benson drehte sich um und gab den Männern zu verstehen, dass sie abbremsen und anhalten sollten.

Die Draisine wurde langsamer und rollte schließlich aus. Genau vor dem Sergeant kam sie zum Stehen.

»Was gibt es denn, Sergeant?«, fragte Dandry und sprang von dem Gefährt. »Wir sind ein Reparaturkommando der Ohio-Mobile-Eisenbahngesellschaft. Vor Mobile soll was kaputt sein.«

»Woher kommt ihr?«, wollte der Yankeesoldat wissen und grinste dabei freundlich.

»Deer Park!«, antwortete Benson. »Deer Park?« Der Yankee zog die Lider zusammen«

»Stehen dort die Züge?«

»Ja! Sie warten, bis wir von Mobile melden, dass die Strecke in Ordnung ist. Dann fahren die Züge weiter.«

»Was haben sie geladen?«

»Geladen? Na, in dem einen sitzen Leute und warten darauf, dass es weitergeht. Die beiden anderen befördern Baumwolle.«

»Habt ihr einen Militärtransport gesehen?«

»Schon lange nicht mehr!«, erwiderte Benson und schüttelte den Kopf wie ein Unschuldslamm. »Geht doch alles nach Norden! Nur Passagiere und Baumwolle fahren nach Süden.«

»Absteigen! Es geht nicht weiter!«, schnarrte der Sergeant.

»Hören Sie mal zu!«, ereiferte sich Benson. »Ich habe einen Job! Ich werde glatt gefeuert und meine Männer dazu. Sie machen uns brotlos!«

Brotlos!

Das war das verabredete Zeichen für die Männer auf der Draisine. Es war Bensons Befehl, sich mit Gewalt abzusetzen. Mit Waffengewalt!

Der Sergeant griente. »Macht euch mal keine Sorgen ums Brot! Ab sofort werdet ihr von uns versorgt. Ihr seid alle gefangen genommen.«

»Gibt es bei euch auch Bohnensuppe?«, fragte Benson laut. »Die sind wir nämlich gewöhnt.«

Bohnensuppe!

Der Befehl zum Angriff!

Prompt tauchte Sergeant Forscreek mit einer Konservendose auf – eine seiner Handgranaten. Und Benson war klar, dass Forscreek sie schon abgezogen hatte.

Folglich blieben noch drei Sekunden!

»Hier habe ich eine Dose Bohnensuppe«, sagte Forscreek. »Probier die mal! Wenn eure so schmeckt, bleiben wir.«

Mit diesen Worten warf er dem Sergeant die Handgranate vor die Füße.

Wie ein Wiesel flitzte Lieutenant Benson zurück und warf sich neben der Draisine zu Boden.

Die Handgranate explodierte mit einem dröhnenden Donnerschlag.

Die Detonation warf die schwere Draisine ein Stück zurück. Sie schleuderte auch die Hälfte der Yankees, die auf dem Gleis standen, von den Beinen.

Benson sprang auf und schwang sich auf das Gefährt. Dandry warf ihm den Karabiner zu. Im gleichen Augenblick setzte sich die Draisine auch schon in Bewegung. Die vier Männer bewegten die Schwengel des Gestänges mit kraftvollen Zügen. Alle anderen stellten sich vorn mit schussbereiten Karabinern auf.

Das Gefährt kam schnell ins Rollen. Bei den Yankees rührte sich erst wieder etwas, als sich die Draisine bereits vierhundert Yards entfernt hatte.

Die unverletzten Yankees sprangen auf, rannten schreiend vorn Bahndamm und verschwanden im Gestrüpp.

Fast alle Männer auf der Draisine grinsten. Nur der lange Lieutenant fluchte.

Er hatte sich das alles anders vorgestellt. Captain Concho und er waren bei der letzten Besprechung davon überzeugt gewesen, dass die Yankees die Draisine mit den Bahnarbeitern zumindest durchlassen würden, wenn auch nicht mehr zurück. Sie hatten die Ansicht vertreten, dass es in der Gegend von Mobile möglich gewesen wäre, zumindest ein Pferd zu beschaffen. Damit hätte ein Melder zurückreiten sollen, nachdem Benson mit den Männern längs der Bahnlinie und vielleicht auch in Mobile die Stellungen und Aufenthaltsorte, des Gegners erkundet hatte.

Nun hatten sie nichts erkundet, und die Yankees wussten, dass sie da waren.

»Sie laufen wie die Hasen!«, meinte Dandry.

»Ja!«, stieß Benson knirschend hervor. »Aber alles ist für die Katz gewesen. Wir wollten die Yankees überraschen. So ein verfluchter Mist! Der Captain wird enttäuscht sein.«

Benson nahm den Feldstecher an die Augen. Er sah eine Gruppe berittener Yankees, die im gestreckten Galopp nach Süden davonjagten.

(wb)