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Spirou und Fantasio Band 1

André Franquin
Spirou und Fantasio Band 1
Die Anfänge eines Zeichners

Comic, Hardcover, Carlsen Comic Verlag, Hamburg, September 2014, 208 Seiten, 29,90 Euro, ISBN: 9783551716217, Titelbild und Zeichnungen: André Franquin Farben: Jijé
www.carlsen.de
Franquin wurde am 3. Januar 1924 in Brüssel geboren. 1945 gründete er mit Jijé, Morris und Peyo ein eigenes Comic-Studio. Ein Jahr später begann er für das Wochenmagazin Spirou zu zeichnen. Leider wurde das Studio wieder geschlossen. Franquin ist am 5. Januar 1997 in Nizza gestorben.

Die Gesamtausgabe eines der großen Werke der frankobelgischen Comics.
Die Werke aus den Jahren 1946 – 1950 in einer chronologischen Neuausgabe. Darin enthalten sind die Alben Onkel Ottos Testament, Spirou und der Roboter, Spirou bei den Pygmäen, Spirou im Wilden Westen sowie bislang unveröffentlichtes Material. Das deutsche Werk, ganz früh als Der fröhliche Fridolin bekannt, folgt dem in Frankreich gestarteten Projekt L’Integrale. Im Mittelpunkt steht der Zeichner André Franquin. Damit wird manches Sammlerherz höher schlagen. Wer jedoch die Anfänge von Spirou und Fantasio erwartet, etwa mit den ersten Geschichten vom Spirou-Schöpfer Rob-Vel alias Robert Velter aus dem Jahre 1938, wird etwas enttäuscht sein. Stattdessen beginnt die Reihe mit der Erzählung Der Tank. Dies ist die erste Erzählung aus der Feder von Franquin. Die Idee ist zwar nett, aber vollkommen unrealistisch. Dafür sehr humorvoll geschrieben.

Die ersten Zeichnungen sind mir so gar nicht mehr in Erinnerung. Nachdem Fantasio mit dem billig erworbenen Panzer viel Spaß hatte, ein Abbruchunternehmen gründete und das falsche Haus abriss, geht es mit der Geschichte Spirou und das Fertighaus weiter. Neben den ausführlichen längeren Geschichten werden auch einseitige Comicstrips veröffentlicht, die den Humor von Franquin weiter hervorheben. Dabei ist die Entwicklungsgeschichte seiner Hauptfiguren deutlich zu erkennen. Fantasio und Spirou nähern sich in ihrer Form, wie wir sie kennen.

Franquin lässt Spirou im belgischen Brüssel sein Zuhause beziehen. Wer sich auskennt, erkennt das Autokennzeichen und den Stadtpark, die immer mal wieder in den Bildern auftauchen. Anfangs wohnte Spirou als Untermieter bei einer unausstehlichen Hauswirtin in der Innenstadt. Später zog er mit Fantasio jedoch in ein Haus außerhalb der Stadt. Spirous unverwechselbares Kennzeichen war seine Uniform als Hotelpage. Sein Name ist vom wallonischen Wort für Eichhörnchen abgeleitet, was sich auch in dem kleinen Begleiter zeigt, das auch Lausbub bedeutet.

Spirou ist die Hauptfigur der langlebigen Serie. Er arbeitete für etwas mehr als ein halbes Jahr als Hotelpage. Er entwickelte sich schnell zum Abenteurer und einem Helden. Spirou ist intelligent, unbestechlich, aber vor allem loyal seinen Freunden gegenüber. Er ist der Gute der Reihe. Fantasio ist der beste Freund von Spirou. Er ist manchmal etwas tollpatschig. Fantasio arbeitete unter anderem als Privatdetektiv,

Vertreter von Fertighäusern oder Abbruchunternehmer, wie in den ersten Abenteuern des Sammelbandes zu sehen ist. Später wurde er Reporter. In seiner Eigenschaft als Reporter spezialisierte er sich auf Fotoreportagen, mit äußerst eigenwilligen Methoden.

Der vorliegende Band zeigt nun einiges, was ich als Leser und Sammler nicht kannte. Dadurch habe ich nicht nur das Gefühl, in meine Kindheit zurück versetzt zu werden, wo ich versuchte, viele Comics zu sammeln, sondern ich wurde mit neuen alten Comics beglückt. Die Wiedergabe der Abenteuer entspricht oft dem alten Zustand der Comicseiten. Etwas vergilbt. Dadurch wirkt das Buch noch authentischer.

Mir fehlte jedoch ein Inhaltsverzeichnis, damit ich die längeren Storys leichter finde. Ein großes Plus des ersten Bandes der Gesamtausgabe sind die vielen, lesenswerten und informativen Artikel. Franquins Lebenswerk ist umfangreicher als nur die Serie Spirou und Fantasio. Seine Schwarzen Gedanken, 1977 erschienen, sind ein besonderer Leckerbissen, die um einiges dunkler sind, als der

Humor dieser Serie. Ganz anders sein Gaston. Auf dreizehn Seiten, zuerst noch häufig, zum Ende hin weniger, wird zudem über den Zeichner und die Serie berichtet. Spirou und Fantasio ist ein brillantes Beispiel für die Fähigkeit Franquins,

Absurdes mit Komischem zu verbinden. Zuzuschauen und zu lesen, wie die beiden ihre Abenteuer bestehen, ist äußerst charmant.

(es)