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Westernkurier 03/2009

Auf ein Wort, Stranger,
heute berichtet Renate Behr in ihrem Gastbeitrag über das Yukonterritorium und den Goldrausch von 1896 – 1898.

Historisches und Literarisches

Es war der Prolog für den großen Goldrausch im Yukonterritorium, der 1896 begann: Der erfahrene Goldgräber Robert Henderson traf auf George Washington McCarmack und dessen indianische Verwandte Skookum Joe und Taggish Charlie (auch Dawson Charlie) genannt. Henderson hatte am Botton Creek, ganz in der Nähe des Rabbit Creek (heute Bonanza Creek), Gold gefunden und wollte McCarmack davon überzeugen, mit ihm gemeinsam die Claims (Schürfplätze) abzustecken und auszubeuten. McCarmack war aber nicht bereit, ohne seine indianischen Begleiter zu arbeiten, und Henderson mochte die Indianer nicht. Also trennten sich ihre Wege wieder. Diese Entscheidung kostete Henderson den Reichtum. Was sich innerhalb der nächsten zwei Jahre abspielte, sollte das Yukonterritorium weithin bekannt machen.

Am 16. August 1896 schlugen McCarmack und die Indianer ihr Lager am Rabbit Creek auf und stießen auf ein erstes großes Goldvorkommen. Daraufhin erhielt der kleine Fluss den Namen Bonanza Creek. Am folgenden Tag steckten sie ihre Claims ab und ließen sie in Fortymile eintragen. In ihrer Eile oder vielleicht auch wegen der Vorurteile, die Henderson gegen die Indianer hegte, erzählten sie diesem nichts davon, und als er dann von dem Goldfund erfuhr, waren die besten Claims bereits vergeben. McCarmack verbreitete in Fortymile die Neuigkeit seiner Entdeckung. Zunächst glaubte man ihm nicht, aber eine genaue Prüfung des Goldes ergab, dass es von keinem der bereits bekannten Claims stammen konnte, und so begann der legendäre Goldrausch am Klondike River.

Am 15. Juli 1897 legte die Excelsior aus Skagway kommend in San Francisco an. Mit an Bord waren 68 Goldgräber mit Gold im Wert von 700.000 US-Dollar im Gepäck. Damit wurde die Nachricht vom Gold am Klondike allgemein bekannt. Allein in Seattle ließen damals 10.000 Einwohner ihre Familien und Arbeitsplätze im Stich, um im Norden ihr Glück zu machen. Viele von ihnen glaubten, der Klondike läge in Alaska und somit in den USA. Ihnen war nicht bewusst, dass sie in ein anderes Land einreisen mussten.

Der Weg, den sie vor sich hatten, war unvorstellbar schwer. Sie landeten mit Schiffen in Skagway und erkannten, dass sie ihre gesamte Ausrüstung zu Fuß bis zum Lake Bennett schaffen mussten. Erst von dort aus konnten sie den Wasserweg über den Yukon River zum Klondike einschlagen. Sie mussten sich also auf einen langen und gefahrvollen Fußweg einstellen. Zwei Wege gab es über die Berge, von denen der White Pass auf den ersten Blick das kleinere Übel darstellte. 45 Meilen führte sie der Weg durch Sümpfe und über hohe Berge, durch Hunderte teilweise stark überflutete Bäche und Flüsse bis hin zum Lake Bennet. Im Herbst 1896 machten sich Tausende von Goldsuchern mit ihren Packtieren auf den Weg. Die Pfade waren schlammig und ausgetreten und teilweise so schmal, dass keine zwei Tiere nebeneinander gehen konnten. Nur eine Handvoll der 3000 Packtiere überlebte diesen Weg. Der Rest verendete qualvoll in einer Schlucht, die heute Dead Horse Canyon genannt wird, die Schlucht der toten Pferde. Aber auch den Goldsuchern ist es nicht besser ergangen. Von den 4.000 Männern, die im Herbst 1896 aufgebrochen waren, überlebten nur einige Hundert. Da der White Pass im Winter nicht passierbar war, saßen in Skagway mehr als 5.000 Goldsucher fest. Die Nahrungsmittel wurden knapp und Diebstahl und Mord gehörten zum alltäglichen Straßenbild.

Mike Heney, Kanadas bekanntester Eisenbahningenieur, begann am 28. April 1898 damit, eine Eisenbahnstrecke über den White Pass zu bauen, die im Februar 1899 bereits den Gipfel erreichte. Die White Pass & Yukon Railroad fährt heute Touristen über den Whitepass von und nach Skagway.

Es gab eine zweite Möglichkeit, zum Lake Bennet zu gelangen, und zwar über den Chilkoot Pass. Dieser Weg war zwar kürzer, dafür aber viel gefährlicher. Der Pass liegt etwa 200 m höher als der Whitepass, aber Lawinengefahr und teilweise kaum zu überwindende Steilhänge machten es den Goldsuchern nicht leicht. Über den Chilkoot Trail versuchten etwa 30.000 Goldsucher, darunter auch Frauen, sich ihren Weg zu bahnen.

Die kanadische Regierung erwartete von jedem Goldsucher, der auf ihr Territorium wollte, ein Mindestmaß an Ausrüstungsgegenständen und Nahrungsmitteln. Das bedeutete, dass jeder Goldsucher das Gewicht von mehr als einer Tonne über die Pässe schaffen musste. Dazu benötigten sie teilweise bis zu drei Monate.

Beide Trails endeten am Lake Bennet in der Provinz British Columbia. Von nun an konnten die Abenteurer die etwa 550 Meilen lange Strecke auf dem Yukon River zurücklegen. Im Sommer und im Herbst 1897 kamen immer mehr Menschen zum Lake Bennett, um Boote zu bauen. Die Wälder rings um den See wurden abgeholzt, aber kaum einer von ihnen hatte je zuvor ein Boot gebaut. Viele erreichten ihr Ziel nicht und ertranken, entweder schon im Lake Bennett oder später im Yukon River. Bennett wurde zur Zeltstadt mit mehr als 10.000 Einwohnern, die hier alle den Winter abwarten mussten. Als Ende Mai 1898 das Packeis brach, machten sich etwa 7.000 Goldsucher auf den Weg. Bennett wurde über Nacht zur verlassenen Stadt. Wer es schaffte, sein Boot und seine Ausrüstung sicher durch die engen Schluchten und Stromschnellen bei Whitehorse zu bringen, hatte dann eine relativ leichte und störungsfreie Fahrt nach Dawson City vor sich. Es gab noch eine Reihe anderer Wege nach Dawson City, die aber teilweise bedeutend länger waren. Viele Goldsucher erreichten diesen Ort erst, nachdem der Goldrausch schon längst zu Ende war.

Die Goldfunde am Klondike waren enorm. Trotzdem erfüllte sich für viele der Abenteurer der Traum von Reichtum und Wohlstand nicht. Die Naturgewalten im hohen Norden waren unerbittlich. Viele starben an Unterernährung oder erfroren in ihren unzureichend gebauten Behausungen. Auch die Verbrechensrate stieg ins Unermessliche. Mord gehörte zum alltäglichen Leben.

Unzählige Abenteuer-Romane beschreiben eine Romantik, die der Goldrausch nie besessen hat. Einer, der es realistisch gesehen und beschrieben hat, ist der Autor Jack Griffith, besser bekannt unter dem Namen Jack London. Im April 1897 verließ er San Francisco, überquerte den Chilcoot-Pass im August und begann mit der Goldsuche, allerdings erfolglos. Sein Partner North wurde in Dawson City ermordet. Im Jack London Centre in Dawson City kann man sich einen guten Eindruck davon verschaffen, wie die Goldsucher dort gelebt haben. Jack London erkrankte an Skorbut und verließ mit der Schneeschmelze das Yukongebiet in Richtung San Francisco. Reich war er nicht geworden, aber in seinem Kopf hatte er unzählige, teilweise selbst erlebte Geschichten, die er dann später in packenden Abenteuerromanen zu Papier brachte. Als Beispiel seien hier folgende genannt:

  • Ruf der Wildnis, erschienen 1903
  • Lockruf des Goldes, erschienen 1910
  • Skome Bellew/Alaska Kid, erschienen 1912

Es gibt natürlich auch zahllose Sachbücher, die sich mit dem Thema des Goldrausches am Klondike beschäftigen. Zwei davon sind an dieser Stelle besonders erwähnenswert, weil sie die Geschehnisse anhand von original überlieferten Dokumenten, Briefen und Berichten von Goldsuchern aufgearbeitet haben.

Im ersten Buch mit dem Titel Goldrausch schildert Autor Dieter Hermening auf 126 Seiten, wie er sich auf die Spuren der Goldsucher begeben hat. Er stieß dabei auf den Augenzeugenbericht eines Deutschen, der die ersten Tage des Goldrausches am Klondike 1898 miterlebte. Die Eindrücke des Autors, der Bericht aus dem Jahr 1898 und erstklassiges Bildmaterial vermitteln dem interessierten Leser ein eindrucksvolles Bild vom Leben der Abenteurer, ihrer primitiven Unterkünfte und Werkzeuge und von der ebenso grandiosen wie unerbittlichen Natur des Landes.

Uwe Grote legt mit dem Buch »Ein Leben im Goldrausch. Living the Gold fever« eine Biographie des Goldgräbers Arthur Fröhlich (1862-1932) vor. Anhand von Originalbriefen und Fotos schildert er das einzigartige Leben zur Zeit des großen Goldrausches. Das Leben von Arthur Fröhlich war mit Sicherheit alles andere als ein Rausch. Dieses Buch beschreibt das Leben eines Mannes, der im Alter von zwanzig Jahren seine Heimat Deutschland verlässt, um in Amerika sein Glück zu suchen. Aus vielen Briefen, die er an eine Freundin schrieb, und noch mehr Fotos aus seinem Leben in dem fremden Land entsteht das Bild eines Goldgräbers ohne Pathos und fern jeder Abenteuer-Romantik. Das Leben Arthur Fröhlichs war geprägt von harter Arbeit, aber auch von Freiheit und Selbstbestimmung. Ein Leben mit vielen Freunden und Kameraden in der Abgeschiedenheit des hohen Nordens.

 

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe von Fachbüchern, aber auch Romane, die sich mit dem Thema des Goldrausches am Klondike beschäftigen. Ein solcher Roman ist Klondike von James A. Mitchener, der alle historischen Aspekte berücksichtigt und einen phantastischen Einblick in die Entwicklung des Yukonterritoriums gibt. Nicht unerwähnt bleiben sollte hier auch die Romanreihe von Renate Behr, erschienen im Persimplex Verlag mit den Titeln Champaine 1897, Nenana 1904 und Dawson City 1915, die spannende Geschehnisse aus der Gegenwart mit historischen Begebenheit aus der Zeit des Goldrausches in Kanada und Alaska perfekt verbinden.

Quellen:

  • Originalartikel in Zeitungen »Klondike Midnight Sun 1897«, »Dawson City Daily News 1898« und »Skagway News 1897«, eingesehen in der Alaska State Library, Juneau, während einer Alaska-Kanada-Reise im Jahr 1998.
  • Viele weitere Informationen ergaben persönliche Gespräche in der Dawson City Public Library, Dawson City YT, im Dawson City Museum, Dawson City YT und in der Yukon Public Library, Whitehorse YT.
  • Biografische Angaben zu Jack London wurden dem Internetportal Wikipedia entnommen.
  • Zusätzliche Informationen kamen bei Online-Recherchen im öffentlich zugänglichen Archiv der University of Fairbanks zutage.

Literatur:

  • Dieter Harmening: »Goldrausch«, Verlag Jan Thorbecke, ISBN: 3799501002
  • Uwe Grote: »Ein Leben im Goldrausch. Living the Gold fever«, LIT, ISBN: 978825805623
  • James A. Mitchener: »Klondike«, 1997, Bastei Lübbe
  • Renate Behr: »Champaine 1897«, 2007, Persimplex Verlag
  • Renate Behr: »Nenana 1904«, 2007, Persimplex Verlag
  • Renate Behr: »Dawson City 1915«, 2008, Persimplex Verlag

(rb)