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15 Fragen an Verleger …

… Schemajah Schuppmann


1. Welche Themen sind Schwerpunkte deines Verlages?


Schönheit und Fantasie. Fantasie muss ein zentraler Bestandteil des menschlichen Lebens sein. Und das ist auch gut so. Auf der einen Seite sind die Leben, die wir führen, oft beladen mit Unstimmigkeiten, schlimmen Situationen und Dingen, die man am liebsten vergessen möchte. Auf der anderen Seite wissen wir nicht, was morgen sein wird und – in Anbetracht der vielen geschriebenen Dystopien – ist dieser Umstand absehbar, dass eine Zeit kommen wird, in der wir Geschichten brauchen werden. In beiden Fällen hilft eine gesunde Fantasie.
Schönheit ist ein Thema, dem der Verlag vermehrt Aufmerksamkeit schenkt, denn ein schlecht dekoriertes Mahl aus der Kantine, regt keinen Appetit an. Wir bemühen uns im Zeitalter der Digitalisierung, dem Papier eine Chance zu geben. Das gedruckte Werk darf gern besonders sein.


2. Was bedeutet dir dein Verlag?


Der Papierverzierer Verlag bedeutet für mich, etwas Einmaliges schaffen zu können. Er ist zugleich kreativer Ort, wie auch Schmiedestätte für das, was ohne ihn nie zum Leben kommen würde. Allein deswegen ist mir der Verlag sehr wichtig.

3. Welche Tätigkeiten gehören zum Berufsbild des Verlegers?


Zu meinem Berufsbild des Verlegers gehört alles, was zur Entstehung eines Buches beiträgt. Auswählen, Lektorieren, Illustrieren, Buchhaltung, Setzen, Drucken, Werben, Verkaufen, Verhandeln, Verpacken, Versenden – das alles gehört zum Verlegen dazu. Oft muss man sich jedoch Hilfe von außen holen, da man nicht alles allein bewältigen kann. Und ich bin sehr froh, dass es so großartige Unterstützung gibt.


4. Welche drei Bücher/Hörbücher, die du verlegt hast, haben dir bisher am besten gefallen?


Phoenix – Tochter der Asche

Luna und die Sterne

Eiskalt und verknallt


5. Welches war dein erstes professionell veröffentlichtes Buch?


Luna und die Sterne – es ist eine Gutenachtgeschichte, die einerseits die Fantasie anregt, aber auch in den Bildern, in Aquarell und Tusche, Kunst verkörpert.


6. Welches Buch aus deinem Verlag würdest du mir zum Lesen empfehlen und warum?


Prinzipiell würde ich jedes Buch aus dem Papierverzierer Verlag empfehlen. Aber ganz besonders empfehle ich den Lesern des Geisterspiegels die Dystopie Phoenix – Tochter der Asche. Es ist der Auftakt einer geplanten Trilogie von Ann-Kathrin Karschnick. Sie holt dafür das uralte Fantasiewesen eines Phönixes in die Zukunft und in den Körper einer Frau. Dabei hat sich 1913 bei Experimenten Teslas alles verändert und die überirdischen Saiwalo regieren über Menschen und Fantasiegeschöpfe, die durch dieses Experiment entstanden sind. Zeitgleich laufen in dem Werk mehrere Genres ineinander, weswegen es schwer ist, eine Abgrenzung zu machen. Es ist zugleich Teslapunk, wie Fantasy, wie Krimi und wie Liebesgeschichte. Vielschichtige Leser dürfte das jedoch gerade begeistern.


7. Unter welchen Umständen würdest du den Verlag mit einem anderen Beruf oder Hobby tauschen?


Die Frage verstehe ich nicht.


8. Welcher Autor oder welche Person haben dich bei der Idee, einen Verlag zu gründen, am meisten beeinflusst?


Meine Illustratorin Stefanie Messing. Es ging bei der Verlagsgründung ja nicht darum, irgendjemandem nachzueifern. Es ging vielmehr darum, das Unveröffentlichte aufzubereiten und marktfähig zu machen. Und dabei ist die Illustratorin und Designerin von Luna und die Sterne eine entscheidende Partnerin, deren Rat ich auch in Zukunft gerne einholen werde.


9. In welchem anderen Genre würdest du dich als Verleger gern ausprobieren?


Ich glaube nicht, dass der Verlag noch weitere Genres benötigt. Das Motto der Fantasie ist bereits ein großer Rundumschlag. Der Papierverzierer Verlag hat damit alle Hände voll zu tun. Fantasie für alle Altersklassen aufzubereiten bedeutet, auf einen unendlichen Vorrat an Geschichten zurückgreifen zu können, da Fantasie grenzenlos ist.
Mit dem Kunstmärchen Humpelgreed und 2014 mit einem Animalfantasyroman betritt der Verlag ja bereits Sparten, die sonst kaum auf dem Markt vertreten sind. Trotzdem haben sie eine Berechtigung und ich bin sehr froh, damit richtig intensive Fantasie anbieten zu können.


10. Welches Buch aus deinem Programm könntest du dir am besten als Film vorstellen und wer sollte die Hauptrolle darin spielen?


Das stelle ich mir bei jedem Buch vor. Für Humpelgreed könnten Bud Spencer und Asa Butterfield aufeinandertreffen. Und für Phoenix – Tochter der Asche sollten vielleicht Hillary Swank und Jude Law vor die Kamera treten.


11. Nach welchen Kriterien erfolgt die Manuskriptauswahl?


Es geht um ganz viel Bauchgefühl. Das lässt sich nicht an wenigen Kriterien ausmachen. Einiges muss auch verschmerzt werden, da kein Autor perfekt ist. Aber ganz wichtig ist mir ein guter erster Eindruck, sowohl von den ersten Zeilen des Manuskripts, als auch von der Person hinter dem Text. Ich arbeite nicht mit Menschen zusammen, die ich von Anfang an nicht leiden kann. Ich kenne meine Autoren alle persönlich und möchte, dass das so bleibt. Immerhin sitzen wir alle in einem Boot. Da wäre es schade, wenn wir nicht am gleichen Strang ziehen.


12. Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?


Normaler Arbeitstag … Jeder Tag ist anders. Es gibt genug Rituale dazwischen, wie das Verfassen von Tweets und Posts, aber nichts ist vorherbestimmbar. Garantiert kommt auch etwas dazwischen, wenn man sich etwas vorgenommen hat. Wenigstens endet jeder Tag noch mit einem Buch in der Hand und das ist mir wichtig und heilig.


13. Welchen guten Rat hast du für junge Autoren/ Hobbyautoren?


Viele von den Newcomern wissen gar nicht, worauf sie sich einlassen, wenn sie ihr erstes Manuskript schreiben. Tatsache ist jedoch, dass man nicht mit dem ersten Manuskript zum Autor wird. Eine E. L. James zu sein, ist auch nicht einfach. Immerhin lachen viele über sie, nicht wahr? Und dann kann man vielleicht nicht vom Autorendasein sprechen, indem man ein Buch oder eine Trilogie geschrieben hat. Außerdem ist es wahrscheinlicher unter sieben Milliarden Menschen im Lotto zu gewinnen, als mit dem Glück von E. L. James geboren zu sein. Nein, Autor zu sein bedeutet hart dafür zu arbeiten. Ich muss mich ständig fortbilden, schreiben, schreiben, schreiben, lesen, netzwerken und Geld für Infomaterial oder PC-Programme erübrigen können. Und es bedeutet zu einer öffentlichen Person zu werden. Ich muss mir im Klaren sein, dass ein Leben als Autor im hier-und-heute mit Lesungen, Interviews und ständigen meet-and-greets einhergeht. Wer das nicht fortlaufend mit einbezieht, der sollte sein Manuskript lieber in die Schublade legen, für sich allein schreiben oder was-auch-immer tun und Platz für Autoren machen, die es ernst meinen. Ehrlich: Erste Manuskripte sind selten bis nie verlegbar.


14. Woran arbeitest du derzeit?


An einer Weihnachtsgeschichte von einer Graphikerin und Künstlerin, die auf schwarzem Ton von einem Troll beim Weihnachtsfest erzählt. Einfach herrlich gezeichnet. Daneben sehe ich aber schon eine Elfengeschichte aufflackern.


15. Was wünschst du dir für deinen Verlag?


Entweder wünsche ich mir einen großzügigen Sponsor oder ich wünsche mir wenigstens, dass er weiterhin wächst und gedeiht, damit weitere großartige Fantasie-Projekte die Gourmet-Küche verlassen können.


Weitere Informationen gibt es unter: