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Autoren und Amazon – wo bleibt der lokale Buchhandel?

Vor wenigen Tagen erschien bei buchreport.de ein interessanter Artikel, der sich mit der Frage befasste, ob Autoren auf ihren Webseiten direkt zu Amazon verlinken sollen.

Vor allem der stationäre Handel, also die kleinen Buchläden, würden darunter leiden.

Grund für den Artikel war eine Aktion englischer Buchhändler, die sich gegen diese Praxis wehren. Dazu muss man jedoch wissen, dass die Situation für die Händler im Vereinigten Königreich noch ungünstiger ist als für den Handel bei uns; in Großbritannien gibt es keine Buchpreisbindung, sodass große Ketten oder auch Amazon die Händler vor Ort unterbieten können.

Schon vor Jahren klagte darum ein Händler, dass er sich den neuen Harry Potter in den Laden legen müsse, um seine Stammkundschaft bedienen zu können. Gleichzeitig würde er jedoch mit jedem verkauften Exemplar Verlust machen, da er sich zumindest einigermaßen an den Preise von Amazon und anderen Ketten orientieren müsse.

Aber um die Buchpreisbindung geht es diesmal nicht, auch wenn sie sicherlich im Hintergrund eine Rolle spielen dürfte.

Stattdessen geht es darum, dass Autoren auf ihren Webseiten direkt zu Amazon verlinken und damit den stationären Handel ignorieren. Gegen diese Praxis wehren sich nun die Händler, denn sie wollen ihren Teil am Verkauf haben; was ja auch verständlich ist. Sie fordern, dass die Autoren auch die lokalen Shops in ihrer Linkliste erwähnen.

Haben sie recht?

Haben die Autoren recht?

Schauen wir nach Deutschland. Autoren erhalten einen Betrag X für einen Roman, meist als Vorschuss. Anschließend erhalten sie pro verkauftem Exemplar Y Euro, die dann ausgezahlt werden, wenn der Vorschuss aufgebraucht ist. Manche erhalten sie auch zusätzlich, je nach Vertrag.

Gemessen an dem, was Autoren etwa in den USA verdienen, ist das jedoch nicht viel.

Den Autoren ist es zudem egal, wo die Bücher verkauft werden, ihr Anteil ist immer gleich. Wollen sie noch zusätzlich ein Stück vom Kuchen, können sie ein Partnerprogramm bei Amazon buchen. Jedes verkaufte Buch, das über einen Partnerlink aufgerufen wurde, bringt seitens Amazon ein paar Cent ein; das läppert sich am Ende zu einen hübschen Betrag. Auf diese Weise verdienen Autoren also doppelt an Amazon-Verkäufen.

Kaufen die Kunden hingegen im Laden, ist dies nicht der Fall. Der Autor hat also ein gesundes Interesse daran, dass möglichst viele Leser über seine Webseite bei Amazon kaufen.

Für den stationären Handel ist das ein Problem, denn sie verkaufen dadurch weniger. Zumal es für den Kunden kaum einen Anreiz gibt, nicht bei Amazon zu bestellen. Die Preise sind identisch, Versandkosten fallen keine an und man kann die Bücher bequem vom Sofa aus bestellen; ohne Öffnungszeiten, ohne Fahrt in die Stadt, ohne auf eine Bedienung warten oder sich vor der Kasse in eine Schlange stellen zu müssen. Lehnt der Kunde Online-Shopping nicht generell ab oder ist er ein Enthusiast, der lokale Händler stützen will, bietet ihm Amazon mehr Vorteile als Nachteile.

Man kann also sagen, dass die Buchhändler einen Krieg an mehreren Fronten führen. Würde bei uns die Buchpreisbindung fallen, wäre es vollends aus.

Wie aber könnte sich der Handel in diesen Zeiten besser positionieren?

Nun, vielleicht wäre es tatsächlich eine Lösung, über ein Abrechnungssystem die Autoren auch bei Verkäufen im Laden zu beteiligen. Bestellt ein Kunde über die Webseite des Autors ein Buch vor, erhält der Autor X Cent. Dank moderner Computersysteme sollte eine solche Abrechnung nicht schwer sein. Vor allem aber würde so ein Anreiz geschaffen, dass Autoren auch den stationären Buchhandel unterstützen.

Ob nun die Läden selbst an einer solchen Lösung basteln, oder aber die Grossisten oder gar der Börsenverein, sei dahingestellt. Jedenfalls wäre das aus meiner Sicht die deutlich bessere Alternative, als nur an das gute Herz des Autors zu appellieren.

Neue Zeiten erfordern neue Methoden – das betrifft jede Branche!

(ga)

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