Lese-Tipp

Wahrer Erfolg

Download-Tipps

Jim Buffalo – Band 3

Archive
Folgt uns auch auf

Midnight Movie

Kurzfristig wird Kultregisseur Tobe Hooper für ein Screening seines ersten Films Destiny Express nach Austin, Texas, eingeladen. Dort trifft er nicht nur auf den zurückhaltenden Filmkritiker Erik Laughlin und die hübsche Janine Daltrey, sondern auch auf seinen alten Jugendfreund und Hauptdarsteller seines miesen Erstlingswerks Gary Church. Trotz der Peinlichkeit Destiny Express einem öffentlichen Publikum zugänglich zu machen, scheint es ein entspannter Abend zu werden. Doch nur wenige Tage später gerät die Welt aus den Fugen. Zuerst entwickelt sich Janines jüngere, schüchterne Schwester in eine sexsüchtige Nymphomanin, der es nicht das Geringste auszumachen scheint, dass sich ihre Körpersäfte in blauen Schleim verwandelt haben. Meth-Junkies jagen ein Amateurlabor nach dem anderen in die Luft und Selbstmordattentäter sind an der Tagesordnung. Doch das schlimmste aller Übel ist, dass scheinbar Tote wieder zum Leben erwachen und höchst aggressiv auf die Überlebenden losgehen, vorzugsweise auf diejenigen, die ihnen zu Lebzeiten am Nächsten standen. So wie Janines durchgeknallter Exfreund. Auch Erik Laughlin macht eine beängstigende Wandlung durch. Schon bald steht für Janine und Erik fest, dass jetzt nur noch einer helfen kann: Tobe Hooper …

Eines vorweg: Dies ist kein, ich wiederhole KEIN, herkömmlicher Zombie-Roman. Wer also die üblichen Weltuntergangsszenarien à la Dawn of the Dead erwartet, mit Horden von Untoten, die eine kleine Gruppe von Überlebenden belagert, wird bitter enttäuscht sein. Tobe Hooper, eben jener Regisseur, der sich für The Texas Chainsaw Massacre verantwortlich zeichnet, hat mit Midnight Movie eine derb-blutige Medien-Satire geschaffen, in der er selbstironisch nicht nur die Filmindustrie persifliert, sondern auch die moderne Internet- und Kommunikationsgesellschaft. Über Twitter und Chats wird sich mit Wildfremden ausgetauscht, denen man weder Alter noch Geschlecht eindeutig zuordnen kann. In Blogs werden der gesamten Welt via Internet intimste Details kundgetan, egal wie anstößig sie auch sein mögen. Ein idealer Nährboden für Zombies, die in Scharen aus ihren Löchern herauskommen und von Hooper wirklich widerwärtig dargestellt werden. In pseudo-authentischer Manier wird der Roman aus wechselnden Perspektiven erzählt, aufgelockert durch diverse Blog- und Twitter-Einträge, Zeitungsartikel und Polizeiberichte. Im Mittelpunkt stehen dabei, neben Tobe Hooper natürlich, Janine Daltrey und Erik Laughlin, obwohl auch viele andere Figuren zu Wort kommen, ähnlich einem Diary-Room in einer Reality-Soap. Die Mischung aus tiefschwarzem Humor und eklig-blutigen Gewaltexzessen, gepaart mit derbem Sex, erinnert sicherlich nicht zufällig an die filmischen Werke von Quentin Tarantino und Eli Roth; immerhin werden die beiden Regisseure des Öfteren erwähnt. Glücklicherweise nehmen sich Autor und Roman selbst nicht ernst, sodass man sich über Sinn und Unsinn des Plots und insbesondere des Finales nicht viele Gedanken machen muss. Der Roman soll in erster Linie Spaß machen, und das tut er, von der ersten bis zur letzten Seite. Was nicht heißen soll, dass er keine Botschaft zu vermitteln hat.

Lektor und Übersetzerin haben sehr gute Arbeit geleistet, obwohl Hoopers Umschreibung für L.A., das Herz der amerikanischen Filmindustrie, im Deutschen ein wenig von seiner Wirkung einbüßt: Höll-A (Hell-A).

Mit dem gleichnamigen Horror-Film von Jack Messitt aus dem Jahr 2009 hat der Roman indes nicht das Geringste zu tun.

Die Covergestaltung ist genauso verrückt und durchgeknallt wie der komplette Roman. Die blutige Hand, die aus der Erde herauskommt, macht dem potenziellen Leser unmissverständlich klar, mit was für Kreaturen, er es im Laufe der Handlung zu tun bekommt. Da stinkt selbst die amerikanische Originalausgabe gegen ab, und das soll was heißen. Der Klappentext besteht aus Zeitungsschnipseln, aus denen der Leser lediglich entnehmen kann, dass es um Tobe Hooper, einen Film und Zombies geht. Immerhin wird die Neugier geweckt.

Fazit:
Beißende Medien-Satire mit einem selbstironischen Helden. Kein herkömmlicher Zombie-Roman, aber ein Lesevergnügen, dass Sie nicht so schnell vergessen werden. Brillant.

Copyright © 2013 by Florian Hilleberg

 

Tobe Hooper
Midnight Movie
Midnight Movie, USA 2011
Bastei Lübbe, Köln
September 2012
Taschenbuch, Horror
384 Seiten, 8,99 Euro
ISBN: 9783404206698
Titelillustration/Titelgestaltung
von istockPhoto/mdrPhoto

www.luebbe.de