Archiv

Nordische Mythologie – Band 1 – Teil 2

Benjamin Thorpe
Nordische Mythologie, umfassend die wichtigsten Volksüberlieferungen und den Volksglauben Skandinaviens, Norddeutschlands und der Niederlande Zusammengestellt aus Original- und anderen Quellen. In drei Bänden
Band 1
London 1851

Abschnitt I.
Erster Teil

Eine Betrachtung der Mythologie des Nordens beginnt mit der Schöpfung. Am Anfang der Zeit existierte im Norden eine Welt namens Niflheim (Niflheimr), in deren Mitte ein Brunnen namens Hvergelmir lag, aus dem zwölf Flüsse1 entsprangen. Im südlichen Teil gab es eine andere Welt, Muspellheim (Muspellzheimr)2, eine helle und heiße, eine flammende und strahlende Welt, deren Grenze von Surt (Surtr) mit einem flammenden Schwert bewacht wurde.

Weiterlesen

Sagen der mittleren Werra 104

Von der Hexe zu Möhra

In Möhra lebte vor noch nicht allzu langer Zeit eine Hexe, die in dem ganzen Dorf gefürchtet war, und der kein Mensch bei Leib und Leben auf eine ihrer Fragen mit Ja oder Nein geantwortet hätte; denn viele hatten deutlich gesehen, wie Hans oft des Nachts als ein mit einem Feuerschein umgebener schwarzer Klumpen durch den Schornstein zu ihr spill (d. h. auf Besuch) gegangen war.

Einmal hatte es jedoch eine junge Bauerntochter versehen, der Gefürchteten gerade mit Ja geantwortet und sich damit in die Gewalt der Hexe gegeben. Da merkte das Mädchen bald, was sie getan hatte, denn sie wurde von Stund an so krank, dass sie das Bett nicht mehr verlassen konnte. Dazu kam noch, dass sie während ihrer Krankheit jedes Mal in der dritten Nacht einen barbarischen Hasen zum Spillgast bekam, der sich zu ihr auf das Bett setzte und sie gar gewaltig ängstigte.

Als sie nun dieses ihrem Vater klagte und dieser öffentlich auf die Hexe loszog, wurde ihm noch dazu sein ganzes Vieh im Stall aufstößig, sodass es kein Futter mehr zu sich nehmen konnte.

Ja, bei dem nächsten nächtlichen Besuch fing der Hase sogar zu reden an und sprach: »Ja, ja, mein Liebchen, das wird wohl noch Weiterlesen

Varney, der Vampir – Kapitel 65

Thomas Preskett Prest
Varney, der Vampir
oder: Das Blutfest

Ursprünglich als penny dreadful von 1845 bis 1847 veröffentlicht, als es zum ersten Mal in Buchform erschien, ist Varney, der Vampir ein Vorläufer von Vampirgeschichten wie Dracula, die es stark beeinflusst hat.

Kapitel 65

Der Vampir im Mondlicht – Der falsche Freund

Varneys Besuch im Keller des einsamen Gefangenen in den Ruinen

Es war offensichtlich, dass Marchdale bei Weitem nicht so gewissenhaft war wie Sir Francis Varney, in dem, was er zu tun pflegte. Er hätte ohne Zögern das Leben jenes Gefangenen im einsamen Kerker geopfert, von dem wir – ohne den Verstand unserer Leser Weiterlesen

Kommissar Rosic – Band 1.01

Rodolphe Bringer
Kommissar Rosic
Band 1
Der Dolch aus Kristall
Kapitel 1: Das Abenteuer des Streckenwärters Frégière

Wie jeden Morgen stand Monsieur Lahuche, der Bahnmeister von Pierrelatte, rauchend vor der Tür seines Büros.

Bekleidet mit einer russischen Mütze aus blauem Tuch, den kräftigen Oberkörper in eine Uniformjacke aus Cord gehüllt und die robusten Waden in Ledergamaschen steckend, vertrieb er sich vor Beginn seines Tagewerks die Zeit damit, die Einfahrt des Zuges um 8:46 Uhr zu beobachten und das rege Treiben der ein- und aussteigenden Fahrgäste zu verfolgen.

An jenem Morgen jedoch war Monsieur Lahuche recht erstaunt, als er sah, wie der Streckenwärter Frégière aus einem Abteil der dritten Klasse sprang und hastig auf ihn zukam – das Gesicht völlig verstört und sichtlich unter dem Eindruck einer gewaltigen Weiterlesen

Westward! Ho! – Erinnerungen eines Trappers – Kapitel 55

Conmarrowap, ein berüchtigter Häuptling der Py-Euts

Am Dreiundzwanzigsten kam Conmarrowap, ein gefeierter Häuptling, mit seiner Frau und zehn Kriegern ins Lager. Diese stadtbekannte Persönlichkeit ist von Geburt an ein Eutaw, verließ aber sein eigenes Volk und schloss sich als erwachsener Mann den Py-Eut an. Durch seine Tatkraft und Tapferkeit erlangte er ein solches Übergewicht über seinen Wahlstamm, dass er zu dessen oberstem Häuptling wurde. Er hat sich dort zum Objekt des Schreckens gemacht, indem er die grausame Sitte pflegte, seine Leute schon bei den geringfügigsten Vergehen hinzurichten. Er ist überall Gesprächsthema unter den Eutaw, von denen er universell verabscheut wird; alle sind sich einig, dass er den Tod verdient, doch findet sich niemand, der kühn genug wäre, ein Attentat auf ihn zu wagen.

Er ist der einzige Indianer im Land, der es jemals wagte, einen weißen Mann im eigenen Lager zu züchtigen; und hätten nicht die Gefährten des Jägers eingegriffen, wäre dessen Seele zu jener Zeit in die Ewigkeit entflohen. Denn der stolze Fallensteller konnte die Beleidigung durch den hochmütigen Häuptling nicht dulden – eine Kränkung, die selbst in der Brust des niedersten Indianers Rachegeist geweckt hätte. Er richtete sofort sein Gewehr auf das Herz seines Widersachers, der daraufhin vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben Regungen von Furcht verriet. Die Kameraden des zu Recht erzürnten Jägers stießen jedoch seine Waffe beiseite und Weiterlesen