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Der schwarze Mann

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Das schwarze Bildchen von Neuerburg

Vom frischen Quell
Sagen, Legenden und Geschichten aus der Eifel
Jung und Alt in neuer Fassung dargeboten von Rektor Jos. Schiffels
Verlag Georg Fischer. Wittlich. 1912
Erstes Bändchen

Das schwarze Bildchen von Neuerburg1

Graf Kuno von Falkenstein hatte sich ein Burgfräulein von Neuerburg zur Gemahlin erkoren. Er fand in dem Grafen von Vianden einen gefährlichen Nebenbuhler, der auf Kunos Verderben sann. Als dieser, von nur wenig Getreuen begleitet, zur Brautfahrt nach Neuerburg zog, lauerte ihm der eifersüchtige Viandener im Koxhausener Wald auf. Er lag mit seinen bewaffneten Mannen im Hinterhalt, als Kuno arglos vorüberkam. Plötzlich sah sich sein kleines Häuflein von dem überlegenen Feind umringt. Kunos Begleiter wurden zum Teil niedergemacht, zum Teil ergriffen sie die Flucht. In rasender Eile ritt auch Kuno davon, durch Felder und Wiesen, über Fels und Heide, von den Viandenern in wilder Jagd verfolgt. Als er im Neuerburger Wald in die Nähe der genannten uralten Eiche kam, brach sein Ross erschöpft zusammen. Er wurde durch den Sturz gegen einen Baum geschleudert, sodass er einige Minuten bewusstlos liegen blieb. Als er wieder zu sich kam, schien es ihm unmöglich, sich vor seinen Verfolgern zu retten. In seiner Angst und Not nahm er seine Zuflucht zur Muttergottes. Sein Gebet um Rettung wurde erhört. Eine hehre Erscheinung bedeutete ihm, sich zu erheben. Sie zeigte ihm eine Höhle in der Nähe, in die Kuno hineinkroch. So wurde er von der Mordbande, die bald darauf fluchend vorübersprengte, nicht erkannt. Kuno betete unterdessen weiter um Schutz und gelobte, im Falle seiner Rettung ein Muttergottesbild in der Eiche aufstellen zu wollen. Sein Gebet wurde erhört. Als die Viandener den Gesuchten nicht fanden, kehrten sie unter Verwünschungen zurück. Nun verließ Kuno sein Versteck und dankte Gott für die wunderbare Rettung. Er eilte rasch nach Neuerburg, wo er erzählte, auf welche Weise er dem Tode entronnen war. Seinem Versprechen gemäß ließ er die Eiche aushöhlen und ein schwarzes Muttergottesbild hineinstellen.

Show 1 footnote

  1. Nicht weit von Neuerburg steht in dem Wald, durch den der Weg nach Muxerath führt, eine alte Eiche, die einen Unfang von 4,70 Metern hat. Darin steht ein schwarzes Muttergottesbild, an das sich folgende Sage knüpft.

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