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Marshal Crown – Band 29

Tötet Tavoja!

Trommelnder Hufschlag hallte wie das Donnern eines heranziehenden Gewitters durch die Straßen von Pelado und wurde von den weiß gekalkten Wänden der Adobelehmhütten als vielfaches Echo wieder zurückgeworfen.

Mit einem wilden Satz schoss US-Marshal Jim Crown derart ungestüm in die Höhe, dass der Stuhl, auf dem er es sich bis vor wenigen Sekunden noch bequem gemacht hatte, mit einem lauten Poltern hinter ihm zu Boden fiel.

Wütende Schreie gellten durch den Mittag, Pferde wieherten, Männer fluchten, irgendwo auf der Straße kläffte ein Hund wie verrückt.

»Heilige Maria von Guadelupe«, keuchte Juan Martinez, der Wirt der kleinen Bodega von Pelado, und bekreuzigte sich im Sekundentakt.

Dann drehte er sich um und eilte seiner Frau entgegen, die schreiend aus der schmalen Tür gerannt kam, die hinter der Theke direkt in die Küche führte. Er umrundete den Tresen, stellte sich ihr in den Weg und nahm sie in den Arm.

»Tavoja!«, kreischte die Frau wie von Sinnen. »Tavoja kommt zurück. Oh mein Gott, er wird uns alle töten!«

»Beruhige dich, Maria«, sagte Juan, während er sich bemühte, seine Frau sanft aber bestimmend unter die Theke zu drücken. »Setz dich, hier unten ist es immer noch am sichersten.«

Einzig Felipe Pelon, der letzte jenes Quartetts, das in dem Lokal die Zerschlagung des Comancherolagers mit einem ausgiebigen mexikanischen Essen gefeiert hatte, saß noch mit einer solchen Seelenruhe am Tisch, als würde ihn die Sache nicht im geringsten berühren.

»Was zum Teufel geht denn hier vor! Sind denn jetzt alle verrückt geworden?«, fragte Pelon und blickte sich kopfschüttelnd um.

»Hast du nicht gehört, was der Junge gerade gerufen hat?«, schnappte Crown und zog seinen Colt.

»Was für ein Junge?«

»Du bist anscheinend nicht nur taub, sondern auch blind.«

Felipe verzog ungehalten das Gesicht. »Was denn?«, rechtfertigte er sich. »Wie soll denn ein normaler Mensch bei dem Krach irgendetwas verstehen?«

Bevor der US-Marshal darauf eine Antwort geben konnte, krachten draußen die ersten Schüsse. Revolverfeuer dröhnte dumpf durch die Straßen und überall in der kleinen Stadt zersprangen Fensterscheiben.

Kugeln schlugen in die Wände der Häuser.

Eine dieser Kugeln bohrte sich dicht neben Felipe in einen der Stützbalken in der Bodega. Holzsplitter flogen umher, von denen ihm einer die Haut an der rechten Wange aufriss.

Erschrocken zuckte der Mexikaner zusammen, wischte sich über das Gesicht und ließ sich augenblicklich hinter dem Tisch auf die Knie fallen.

Ungläubig starrte er dabei auf das Blut an seinen Fingern.

»Tavoja?«, stammelte der Mexikaner fragend.

»Na endlich, hat ja lange genug gedauert, bis du es kapiert hast!«, sagte Crown. »Los, schnapp dir deinen Colt und dann ran ans Fenster. Wollen doch mal sehen, ob wir diesen Hurensohn nicht gebührend begrüßen können.«

Draußen steigerte sich das Stakkato der stampfenden Pferdehufe zusammen mit dem Krachen der Schüsse inzwischen zu einem infernalischen Lärm.

Crown hatte sich währenddessen am Fenster postiert. Er hielt den Colt in der Rechten und sah Tavoja und seinen Männern entgegen, die an der Kirche vorbei erneut schießend und schreiend durch die Hauptstraße jagten.

Sein Gesicht verfinsterte sich.

Wütend jagte er der herandonnernden Reiterkavalkade seine Kugeln entgegen. Heisere Schreie sagten ihm, das zumindest eine oder zwei seiner Kugeln getroffen haben mussten.

Dann waren die Reiter in Höhe von Juans Bodega.

Crown erkannte Tavoja ganz genau.

Mit seiner dunklen Reiterkleidung und den silbernen Conchas auf der Weste war der Comanchero-Jefe inmitten der zerlumpten Reiterhorde nicht zu übersehen. Crown hob den Colt, legte auf Tavoja an … und erstarrte!

Der Anblick des nachfolgenden Reiters, der keine zwei Yards hinter dem Comanchero im Sattel eines kupferfarbenen Buckskins hockte und wie ein Verrückter auf das Pferd eindrosch, nahm ihm für einen Moment fast die Luft zum Atmen.

Dieser Mann war niemand anderes als Bob Kane!

Obwohl er sein Gesicht nur für die Dauer eines Atemzuges sehen konnte, gab es keinen Zweifel. Die Fratze des Mannes hatte sich unauslöschlich in sein Gedächtnis gebrannt. Er würde die Mörder seiner Frau selbst im Dunkeln erkennen und Bob war einer von ihnen. Einer von acht.

William, Howard, Mike, Tom, Billy und Wilbur sowie Frank, Williams Bruder, und dessen Sohn Bob. Allesamt Mörder, Räuber, Vergewaltiger und Betrüger der übelsten Sorte, die ihm den Tod geschworen hatten.

Alles hatte vor etwas mehr als anderthalb Jahren begonnen.

Damals, als er in Ausübung seiner Pflicht als Town Marshal von Rath City Billy Kane erschossen hatte.1

Die Kanes schworen daraufhin blutige Rache, aber nachdem sich über Wochen hinweg nichts getan hatte, geriet dieser Schwur nach und nach in Vergessenheit. Bis zu dem Tag, an dem ihn Wilbur Kane auf offener Straße zum Duell herausforderte. Sein Tod verlieh den Rachegelüsten der Mördersippe neues Leben.

Und ihre Rache war fürchterlich!

Sie kamen an dem Tag nach Rath City, als er mit Linda vor dem Traualtar stand, um sie zu heiraten. Die Kanes, diese Bestien in Menschengestalt, zogen noch in der Kirche ihre Waffen und schossen auf ihn.

Aber ihre Kugeln trafen Linda.2

Für den Bruchteil einer Sekunde hatte Jim das Gefühl, als ob sein Herz aufhörte zu schlagen. Kalter Schweiß überzog seine Stirn und seine Hände begannen jäh zu zittern. Ihm wurde schwarz vor Augen. Obwohl er mit dem Revolver in der Hand in sicherer Deckung stand und Tavoja und seine Männer zum Greifen nahe an ihm vorbeiritten, ließ er die Comancheros unbehelligt ziehen.

Er war in diesen Sekunden zu keiner vernünftigen Handlung fähig. Wut und Trauer lähmten ihn gleichermaßen.

Er erwachte erst wieder aus seiner Erstarrung, als ihm Felipe unsanft auf die Schulter klopfte.

»Was zum Teufel ist los mir dir? Warum hast du nicht geschossen?«

Crown zuckte zusammen und verzog sein Gesicht zu einer wütenden Grimasse, als er sah, wie die Comancheros unbehelligt aus der Stadt ritten und am südlichen Ende von Pelado ihre Pferde in Richtung Grenze lenkten.


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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  1. Siehe Marshal Crown Band 19, Hetzjagd ohne Gnade
  2. Siehe Marshal Crown Band 25, Fahr zur Hölle, Marshal Crown

2 Kommentare zu Marshal Crown – Band 29

  • Paule sagt:

    Na denne mal auf der Spur der Mörder reiten und mit genügend Patronen folgen.

    • W. Brandt sagt:

      Slatermans Westernstorys sind wirklich ein Lesegenuss, wo sich Virtuelles im Kopf abspielt. Er reiht sich mit seinen Texten in die Werke von Hal Warner, die ich gerade lese, und anderer Autoren würdig ein.

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