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Im Gespräch mit Kim ten Tusscher

 

In Deutschland dürfte Kim ten Tusscher, geboren 1979, bislang eher wenigen Leuten bekannt sein. In den Niederlanden dagegen haben die Bücher Hydrhaga und die Lilith-Trilogie ihr längst eine feste Fangemeinde eingebracht, und auch in England ist sie bereits durch ihr Engagement in der Szene hervorgetreten. Da erschien es nur als Frage der Zeit, bis ihre Werke auch in anderen Sprachen als Niederländisch erscheinen würden, und nun ist es also soweit: Nach Hydrhaga wird ab Dezember auch die Lilith-Trilogie ins Englische übersetzt. Anlässlich dessen hat sie ein paar Fragen zu ihren Büchern und ihrer Beteiligung an diversen filmischen Werken beantwortet.


            

Für die entsprechende Version des Interviews bitte Flagge anklicken.


Geisterspiegel: Könntest du dich und deine Werke kurz vorstellen?

Kim ten Tusscher: Mein Name ist Kim, ich lebe in den Niederlanden, in einer Kleinstadt nahe Enschede (was euch bekannt sein dürfte). Ich mag es, Geschichten über reale Menschen zu schreiben, die an fantastischen Orten leben. Meine Figuren sind weder gut noch böse, sondern beides. In meinen Geschichten (besonders in der Lilith-Trilogie) kann der Leser entscheiden, auf wessen Seite er steht.
Hydrhaga war mein erster Roman. Es ist eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction und aus meiner Liebe für Tolkiens Elben entstanden, aber ich wollte sie dunkler erscheinen lassen als in den Filmen. Es ist außerdem ein Roman, der mir sehr viel bedeutet. Zuerst habe ich nur zu meinem eigenen Spaß geschrieben. Aber dann dachte ich mir – warum nicht einfach mal versuchen, es zu veröffentlichen? Nach einer gründlichen Überarbeitung war es dann bereit, von jedem gelesen zu werden.
Nach Hydrhaga habe ich die Lilith-Trilogie geschrieben. Ich wollte etwas schreiben mit einer Hauptfigur, die einen entsetzlichen Hintergrund hat. Daraus wurde Lilith, eine junge Frau, die sich in einen Drachen verwandeln kann. Als Baby wurde sie entführt und einem Zauberer überlassen, der sie für seinen Krieg missbrauchte. Man kann sich vorstellen, was sich mit einem einzelnen, feuerspeienden Drachen alles anrichten lässt. Lilith versucht vor ihrem Herrn und ihrer Vergangenheit zu fliehen, aber ist es möglich, ein neues Leben zu beginnen, wenn alles, was man kennt, Schmerz und Gewalt sind?

Geisterspiegel: Nachdem deine Bücher bisher nur auf Niederländisch erhältlich waren, erscheinen sie nun auch nach und nach auf Englisch. Einige niederländische Autoren haben berichtet, sich um ihre Übersetzungen (zumindest teilweise) selbst zu kümmern. Wie ist das bei dir? Warst du in den Übersetzungsprozess involviert oder ist das über deinen Verlag gelaufen?

Kim ten Tusscher: Ich denke, man sollte Menschen die Dinge tun lassen, die sie am besten können. Mein Englisch ist nicht gut genug, um Geschichten zu übersetzen. Daher überlasse ich das Menschen, die darin sehr begabt sind. Es hat geholfen, dass ich der Übersetzerin vertraue, denn sie hat meine Bücher Korrektur gelesen und sie weiß, was ich mit meinen Geschichten aussagen will. Also, nein, ich war nicht beteiligt. Ich habe die englischen Versionen nicht mal gelesen, bevor es an die letzte Überprüfung vor der Veröffentlichung ging.

Geisterspiegel: Zur Lilith-Trilogie wurde ein sehr aufwendig wirkender Buchtrailer veröffentlicht. Wie ist dieser entstanden?

 Kim ten Tusscher: Ich wollte einen Buchtrailer haben, der der Sorgfalt entspricht, die ich auf das Schreiben verwendet habe – etwas sehr professionelles. Da ich aber kein Regisseur bin, habe ich einen befreundeten gebeten, es für mich zu übernehmen. Er kam mit der Idee von Matte Paintings und Drachen. Ich dachte, sie wären zu aufwendig, aber Paul Haans sagte, er könne es machen. Es war unglaublich, zu sehen, wie viel Liebe jeder in dieses Projekt gesteckt hat. Ich hatte sogar eine bekannte niederländische Schauspielerin, die Lilith spielen wollte. Und Christopher Dane – der in Born of Hope Arathorn gespielt hat – wollte die Rolle des Sprechers übernehmen.
Wir haben die Szenen an einem Tag gedreht. Es war unglaublich, zuzusehen, wie Teile meiner Geschichten zu Leben erweckt wurden! Und gleichzeitig war es nervenaufreibend. Ich konnte nicht einfach herumsitzen und zusehen, wie andere arbeiten. Ich musste die Kostüme und das Make-Up übernehmen.
Nach diesem Tag habe ich ungeduldig darauf gewartet, dass die anderen den Trailer vollendet haben. Er hat meine Erwartungen übertroffen! Ich bin sehr froh, andere um Hilfe gefragt und nicht alles selbst gemacht zu haben, wie es mein ursprünglicher Plan war. (Ich bin sogar durch den Wald gerannt, um Filmmaterial zu sammeln, aber das war wirklich nicht, wie ich meinen Trailer aussehen lassen wollte.)

Geisterspiegel: Laut deiner Homepage hast du auch am Herr der Ringe-Fanfim Born of Hope mitgewirkt. Wie kam es dazu und wie war die Arbeit für dich?

Kim ten Tusscher: Begonnen hat alles mit den  Herr der Ringe-Filmen. Sowohl meine Liebe für Fantasy als auch fürs Schreiben. Bevor ich mit dem Schreiben angefangen habe, wollte ich am Dreh von Der Hobbit teilhaben. Ich habe angefangen, Kostüme zu schneidern und sowas. Zu dieser Zeit hat mir ein Freund von Born of Hope erzählt. Ich dachte, das wäre eine gute Möglichkeit, Erfahrung im Filmemachen zu bekommen und vielleicht würden die Leute von Weta Workshop mich ja bemerken. (Ja, ich bin eine Träumerin. Aber seht, wohin es mich gebracht hat!)
Ich habe Kate Robinson (die Regisseurin) mit der Idee kontaktiert, die Kostüme herzustellen. Aber das wäre zu umständlich gewesen, da es mir nicht möglich war, von jedem die Maße zu nehmen. Also habe ich die Banner gefertigt. Ich bin sogar mal rüber gereist, um am Set auszuhelfen. Während meiner Zeit in England konnte ich auch einige der Kostüme machen. Es war großartig, Teil dieses Films zu sein.
Und falls ihr euch das fragt, ich habe mich nie bei Weta Workshop1 beworben, als sie den Hobbit gedreht haben. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt mit dem Schreiben angefangen und beschlossen, mich darauf zu konzentrieren.

Geisterspiegel: Stehen für dich demnächst weitere Veröffentlichungen an oder arbeitest du an neuen Projekten?

Kim ten Tusscher: Ja, derzeit bin ich in der Endphase für ein Buch, das bisher den Titel Hunter trägt. Es ist für April 2014 geplant. Es wird der erste Teil einer zweiteiligen Serie. Und natürlich werden die beiden anderen Bücher der Lilith-Trilogie übersetzt und auf Englisch veröffentlicht.

Geisterspiegel: Wird man dich auch mal in Deutschland antreffen können? 🙂

Kim ten Tusscher: Ich besuche Deutschland häufig, da ich nahe der Grenze wohne und mein Bruder in Deutschland lebt. Aber ich vermute, das ist es nicht, was du meinst. 😉
Ja, ich würde gerne einmal eine Convention in Deutschland besuchen. So, wer weiß, vielleicht kann ich euch sehr bald alle kennenlernen!


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Geisterspiegel: Could you briefly introduce yourself and your books to the readers?

Kim ten Tusscher: I am Kim. I live in the Netherlands, in a small town near Enschede (which you might know). I like to write stories about real people who happen to live in fantastical places. My characters aren’t good or evil, but both. In my stories (especially the Lilith-trilogy) the reader can decide who’s side they’re on.
Hydrhaga
was my first novel. It is a mixture between fantasy and sci-fi. It evolved from my love for Tolkiens elves, but I wanted to give them more darkness than they appear to be in the movies. It is also a novel very close to my heart. At first, I wrote it for my own amusement. But then I thought ‘why not try and get it published?’ After editing it thoroughly it was ready for everybody to read.
After Hydrhaga I wrote the Lilith trilogy. I wanted to write something with a main character with a horrible background. She became Lilith, a young woman who can change into a dragon. She was kidnapped when she was a baby and given to a wizard. He used her in his war. You can imagine what you could do with a rare, fire breathing dragon. Lilith tries to flee from her master and her past, but is it possible to start a new live when all you know is pain and violence?

Geisterspiegel: Up until now, your books have only been available in Dutch, but now they are gradually being translated into English. I’ve heard some Dutch authors say that they partly translate their books themselves. What about you? Are you involved in the translations yourself or do you completely leave the process to your publisher?

Kim ten Tusscher: I believe you should let people do the things they do best. My English isn’t well enough to translate the stories. So I leave it to people who are very skilled. It helps that I trust the translator, because she proof read my books and I feel she knows what I want to achieve with my stories. So, no, I am not involved. I didn’t even read the English versions before doing the final check before publishing.

Geisterspiegel: Introducing your Lilith trilogy, a very elaborate book trailer was released. What can you tell us about the production process?

Kim ten Tusscher: I wanted a book trailer that would fit the time and care I put in writing. Something very professional. As I am not a filmmaker, I asked a director I know to do it for me. He came with the ideas for matte paintings and dragons. I thought they would be too difficult to make, but Paul Haans said he could make it happen. It was amazing to see with how much love everybody worked on this project. I even had a well-known Dutch actress who wanted to play Lilith. And Christopher Dane – who played Arathorn in Born of Hope – wanted to do the voice over.
We shot the scenes in one day. It was amazing to see parts of my story to come to live. And also nerve wrecking. I couldn’t just sit and watch how others worked. I had to do the costumes and make-up.
After that day it was waiting impatiently until the others finished the trailer. It exceeded all my expectations. I am very glad that I asked others for help and didn’t make it all by myself as was the original plan. (I even ran through the woods to shoot some footage, but it was really not what I wanted a trailer to look like.)

Geisterspiegel: On your website you write that you were involved in the making of the Lord of the Rings fan film Born of Hope. How did it come to this? Did you enjoy the experience?

Kim ten Tusscher: Everything started with the Lord of the Rings-movies. My love for fantasy and also writing. Before I started writing, I wanted to be involved with filming The Hobbit. I started making costumes and things like that. At that time, a friend of mine told me about Born of Hope. I thought it would be a great way to get some experience in filmmaking and maybe the people at Weta Workshop would notice me. (yes, I am a dreamer. But look where it got me.)
I contacted Kate Robinson (the director) with the idea of making costumes. But that would be too much of a hassle, not being able to take everybody’s measurements. So I made the banners. I even went over to help out on set one time. While I was in England I was able to do some of the costumes. It was amazing to be part of this movie.
And in case you’re wondering. I never applied at Weta Workshop when they were shooting The Hobbit. I had started writing by then and I decided to focus on that.

Geisterspiegel: Are there any new publications in planning or are you working on any new projects?

Kim ten Tusscher: Yes, at this moment I am finishing a book for now called Hunter. It is due for April 2014. It will be the first part of a series of two. And of course the two other books of the Lilith trilogy will be translated and published in English.

Geisterspiegel: Is there any chance we might welcome you in person here in Germany one day? 🙂

Kim ten Tusscher: I visit Germany a quit lot, as I am living near the border and my brother lives in Germany. But I guess that’s not what you mean. 😉
Yes, I would love to come to a convention in Germany one day. So, who knows, I will get a change to meet you all very soon!


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Anmerkungen/Quellen:

(ar)

Show 1 footnote

  1. Die Firma, die unter anderem für die Spezialeffekte der Herr der Ringe- und Hobbit-Filme zuständig ist.

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