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Paraforce Band 36

C. C. Slaterman
Paraforce 36
PUYATHAK Teil 2
Die Brut des Uralten

Irgendwann kam Pascal Dubois wieder zu sich. Stöhnend öffnete er die Augen und versuchte sich aufzurichten. Aber es ging nicht.

Irritiert blieb er einige Sekunden lang liegen und blickte sich schließlich fragend um.

»Was zum Teufel …«

Dubois verstummte abrupt.

Schlagartig wurde dem Franzosen klar, warum er sich kaum bewegen konnte.

Er lag inmitten einer großräumigen Höhle auf einer Art hölzernen Liege.

Vollkommen nackt und gefesselt.

Arme und Beine waren in geradezu grotesker Weise vom Körper abgewinkelt und mit Lederriemen an das jeweilige Ende seiner seltsamen Lagerstatt gebunden, die ihn, je länger er sie betrachtete, immer mehr an eine Totenbahre erinnerte.

Pascal hob den Kopf, soweit es ihm möglich war, und starrte mit zusammengekniffenen Augen in das Halbdunkel der Höhle.

»Hallo, ist da wer?«

Die Antwort war Stille.

»Hallo, hört mich denn hier keiner?«

Wieder nur Stille.

Ein Anflug von Panik kam in ihm hoch.

Verzweifelt zerrte Dubois an seinen Fesseln und versuchte sich aufzurichten. Doch die Lederriemen gaben nicht nach, im Gegenteil; je mehr er sich gegen sie wehrte, umso mehr schnitten sie ihm in die Haut. Trotzdem zog und zerrte er immer wieder daran. Er erkannte die Sinnlosigkeit seines Tuns erst, als ihm bewusst wurde, dass ihm sein Widerstand nur Schmerzen und blutende Wunden einbrachte.

Keuchend ergab er sich schließlich in sein Schicksal und lag sekundenlang einfach nur da. Verzweifelt versuchte Pascal, einen klaren Gedanken zu fassen, während ihm tausend Dinge durch den Kopf gingen.

Was war mit ihm geschehen, nachdem sie die Eingeborenen nach ihrer Notlandung überfallen hatten?

Wo waren die anderen, LeGrand zum Beispiel, oder der fette Moreau, und überhaupt, warum hatte man ihn an diese hölzerne Bahre gefesselt?

Statt Antworten waren Schritte zu hören.

Pascals Augen zuckten zur Seite.

Sein Puls begann zu rasen, als er erkannte, wie sich die schattenhaften Umrisse mehrerer Gestalten aus der Düsternis schälten.

»Na endlich«, sagte Dubois verärgert und erleichtert zugleich. »Wird auch langsam Zeit, dass sich hier mal jemand blicken lässt.«

Zu seiner Verwunderung machten die Ankömmlinge jedoch keinerlei Anstalten, ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien, sondern blieben stehen und starrten ihn lediglich nur an.

»Was soll das?«, keifte der Franzose, als minutenlang nichts geschah. »Was steht ihr da herum wie die Ölgötzen? Bindet mich gefälligst los!«

Er bemühte sich zwar, seine Stimme hart und befehlend klingen zu lassen, aber trotzdem war die Unsicherheit, die darin mitschwang, deutlich herauszuhören.

Die Antwort auf seine Worte war ein ärgerliches Gemurmel.

Plötzlich flammten Lichter auf.

Pascal zuckte unwillkürlich zusammen, als er die Gestalten im Schein ihrer brennenden Fackeln erkannte.

Die Männer gehörten unzweifelhaft zu jener Horde von Wilden, die sie nach der Notlandung gefangen genommen hatten.

Ein kurzer Blick in ihre bemalten, von Mordlust verzerrten Fratzen ließ seine Hoffnung, endlich freizukommen, augenblicklich wie eine Kerze im Wind erlöschen.

Verzweiflung machte sich in ihm breit, bis in den Reihen der Wilden plötzlich Unruhe entstand. Einer der Eingeborenen, ein hünenhafter Kerl mit breiten Schultern und langen, muskulösen Armen, drängte sich rücksichtslos nach vorne.

Die Art, wie er sich dabei bewegte, zeigte selbst einem unwissenden Betrachter, dass dieser Mann der Anführer der Horde war.

Dubois’ Augen weiteten sich jäh, als er den groß gewachsenen Wilden erblickte.

Obwohl das Gesicht unter einer dicken Schicht aus Pflanzenfarben verborgen lag, wusste er sofort, wer der Mann war. Die makabre Kette aus abgetrennten Menschenfingern, die um seinen Hals baumelte, war ihm deutlich im Gedächtnis haften geblieben.

Seine Erkenntnis verwandelte sich in schreckliche Vorahnungen, als er beobachtete, wie sich ein weiterer der Eingeborenen in sein Blickfeld schob und dem Anführer dabei ein ovales Etwas entgegenstreckte, das ihn unwillkürlich an einen ausgehöhlten Kürbis erinnerte.

Das dumpfe Gefühl in der Magengrube, das sich in ihm ausbreitete, als dieser in das Behältnis griff und das zusammengeschnürte Blattwerk irgendeiner Pflanze zum Vorschein brachte, wurde mit der gleichen Geschwindigkeit größer, mit der es der Mann auseinanderfaltete.

Pascal riss Mund und Augen auf und starrte wie gebannt auf das beinahe handtellergroße Blatt. Seine Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt, deshalb war sein Erstaunen umso größer, als er erkannte, was sich darin befand.

Farbe!

Ein dicker, fast taubeneigroßer Klecks, der in einem solch intensiven Gelb leuchtete, dass er für einen Moment instinktiv die Augen schloss.

Fast hätte Dubois vor Erleichterung losgelacht, aber als der Eingeborene mit einem feierlich anmutenden Gesicht seinen Zeigefinger in die Farbe tauchte, blieb ihm dieses förmlich im Hals stecken. Plötzlich waren die Vorahnungen wieder da, düsterer und schrecklicher als je zuvor. Kalter Schweiß überzog seine Stirn und sein Herz begann zu rasen.

»Nein!«, keuchte der Franzose und versuchte sich aufzubäumen, während der Mann unbewegt irgendwelche heidnischen Symbole auf seinen Brustkorb zeichnete. Dabei murmelte er immer wieder jenes seltsam klingende Wort, das Pascal bereits mehrfach aus dem Mund der Wilden vernommen hatte.

Puyathak!

Inzwischen begannen die anderen Männer zu singen, während sie den Takt des Liedes mit ihren nackten Fußsohlen auf den Boden stampften.

Das Klatschen ihrer Füße und der monotone Singsang vermischten sich zusammen mit dem Gemurmel ihres Anführers zu einer Geräuschkulisse, die den Professorenassistenten langsam in den Wahnsinn trieb.

Puyathak! Puyathak!

Der Gesang wurde immer schriller und lauter.

Pascal hatte das Gefühl, in einem Albtraum gelandet zu sein. Er schloss die Augen und begann zu beten.

Im gleichen Moment endete das Stampfen und Singen genauso abrupt, wie es begonnen hatte.

In der Höhle herrschte unvermittelt eine geradezu beängstigende Stille und für Sekunden war das Keuchen und Atmen der Männer das einzige Geräusch, das zu hören war.

Es hatte den Anschein, als lauschten die Eingeborenen andächtig Dubois’ Worten.

Dann wurde Pascal erneut von den Wilden umringt.

Hände glitten über die Zeichnungen auf seinem Körper, manche sanft und tastend, manche rau und hart.

Die ganze Situation wirkte unwirklich, fast gespenstisch.

Obwohl sich der zerbrechlich wirkende Franzose darüber im Klaren war, dass er sich in höchster Gefahr befand und seine nächste Bewegung durchaus die Letzte in seinem Leben sein konnte, wurden die Gefühle, die diese Hände in ihm auslösten, immer stärker.

Pascal, der aus seiner Homosexualität noch nie einen Hehl gemacht hatte, konnte ein Schluchzen kaum unterdrücken, als er bemerkte, dass diese Hände, obwohl sich sein ganzes Wesen vehement dagegen sträubte, allmählich in ihm eine Erektion auslösten, die immer deutlicher sichtbar wurde.

Die vielen Hände auf seinem Körper, die dunkle Umgebung und der Umstand, dass schon Wochen vergangen waren, seitdem er das letzte Mal mit einem Mann geschlafen hatte, ließen die Lust über die Vernunft siegen.

Die Wilden antworteten mit schrillen Schreien.

Plötzlich waren ihre Hände überall.

Fingernägel gruben sich in seine Haut, rissen und zerrten an seinem Körper.

Der Schmerz, der plötzlich in seinem Unterleib tobte, war mörderisch.

Blut tropfte auf seine Oberschenkel.

Pascal begann zu schreien.

Seine Schreie wurden immer schriller.

Er schrie selbst dann noch, als sie längst wieder von ihm abgelassen hatten und ihn mitsamt seiner Bahre tiefer in die Höhle trugen.


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