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Paraforce Band 31

Paraforce Band 31

Bete, wenn der Chupacabra kommt

Prolog

Mexiko, Juni 1994
Irgendwo im Norden, hart an der Grenze zu Texas

Die Sonne stand einer weißglühenden Scheibe gleich fast senkrecht am stahlblauen Himmel.

Erbarmungslos schleuderte sie ihre Strahlen auf die ausgebrannte Hügellandschaft, die nur aus Steinen, Sand und Staub zu bestehen schien.

Soweit das Auge reichte, nicht das geringste Anzeichen von Leben. Das Einzige, was sich bewegte, war ein leichter, stetig wehender Wind, der fortwährend feine Sandkörnchen durch die Luft wirbelte. Zusammen mit der Stille, die über diesem wüstenähnlichen Teil des Landes lag, glich die ganze Szenerie eher einer Kraterlandschaft auf dem Mond als einem Ort, an dem nur fünfzig Meilen von diesen Hügeln entfernt die mehrstöckigen Häuser einer Kleinstadt in den Himmel ragten.

Es hatte den Anschein, als ob hier, zwischen all den Felsen und dem Sand, die Zeit seit dem Anbeginn der Erde stillstand.

Doch der Schein trog, denn gegen Ende des Tages, als das leise Säuseln des Windes immer mehr an Stärke gewann, war plötzlich ein Geräusch zu hören, das absolut nicht in diese urweltliche Landschaft passte: das Aufheulen eines Lkw-Motors, das Mahlen schwerer Räder, die immer wieder im Sand durchzudrehen schienen, und das Scheppern irgendwelcher gegeneinander schlagender Metallteile. Ein verbeulter Pick-up rollte in der flirrenden Hitze des Nachmittags quer durch das Hügelland.

Der Mann, der am Steuer des Kleinlasters saß, ein hagerer, pockennarbiger Mexikaner, wirkte ungemein nervös. Statt auf die bucklige Felsenpiste zu achten, die vor ihm lag, glotzte er im Sekundentakt ständig auf seine Armbanduhr. Er hatte es wohl ziemlich eilig, dabei wäre es besser gewesen, wenn er sich auf die Straße konzentriert hätte.

Erstens verging die Zeit weder schneller noch langsamer, egal wie oft er auf seine Uhr starrte, und zweitens wäre er nicht ständig von der Fahrbahn abgekommen.

Er hatte es bisher nur den Pferdestärken seines Pick-ups zu verdanken, dass er nicht schon längst in einer Sandkuhle aufgesessen war. Außerdem hätte er dann vielleicht auch bemerkt, dass sich die vier Metallfässer hinter ihm durch die ständige Schaukelei allmählich von den Stricken lösten, mit denen sie auf der Ladefläche festgezurrt waren.

Obwohl die Blechtonnen ziemlich stabil und schwer wirkten, hüpften sie inzwischen auf dem Wagen wie Frösche nach einem warmen Sommerregen umher.

Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die erste von ihnen über die Ladebordwand fiel, was auch prompt geschah, als der Wagen durch eine weitere Unachtsamkeit seines Fahrers erneut in einem Schlagloch aufsetzte.

Die hüfthohen Behälter neigten sich zur Seite, wippten in ihre Ausgangsstellung zurück, um sich wieder hin und her zu neigen, bis schließlich einer von ihnen unvermittelt gegen die Ladebordwand krachte und wie in Zeitlupe vom Wagen fiel.

Der weiche Sand, der den Aufprall dämpfte, und der Lärm des Automotors sorgten zusammen mit dem Fluchen des Fahrers dafür, dass die Tonne unbemerkt von der Ladefläche verschwand.

Träge kullerte das Blechding einen Hang hinab, nahm dabei immer mehr an Fahrt auf und hüpfte schließlich wie ein überdimensionaler, blauer Gummiball auf das kleine Tal zu, das sich am Fuß der zerklüfteten Hügellandschaft bis zum östlichen Horizont ausdehnte.

Unten im Tal angelangt landete die Tonne in einem ausgetrockneten Flussbett und wäre sicherlich noch weitergerollt, wenn nicht ein spitz zulaufender Felsbrocken ihrer Reise ein jähes Ende bereitet hätte.

Der scharfkantige Stein, der wie der Speer eines Riesen aus dem Flussbett ragte, bohrte sich mit einem hässlichen Knirschen in das Metall und brachte die Tonne abrupt zum Halten.

Der Laster auf dem Hügelkamm war inzwischen längst am Horizont verschwunden.

Als das Motorengeräusch verstummt war und sich der Staub, den die Tonne bei ihrem Sturz vom Hang aufwirbelte, gelegt hatte, übernahm die Stille, die bis dato in diesem Landstrich herrschte, wieder das Zepter.

Keine Viertelstunde später war wieder alles so, wie es immer gewesen war.

Bis auf die blaue Tonne, aus der dort, wo sie die Felsspitze durchbohrt hatte, eine weißliche, fast durchsichtige Flüssigkeit tropfte, die vom Wüstensand förmlich aufgesogen wurde.


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