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Sherlock Holmes und das Geheimnis der Narrenkappe

Sophie Oliver, Alisha Bionda (Hrsg.)
Baker Street Tales 3
Sherlock Holmes und das Geheimnis der Narrenkappe

Historischer Krimi, E-Book, Arunya Verlag, Köngen, Februar 2016, entspricht 65 Normseiten, 2,99 Euro, Cover- und Innengrafik/Covergestaltung: Shikomo
www.arunya-verlag.de

 »Wussten Sie, dass der Narr im Mittelalter keineswegs nur ein drolliger Spaßmacher für den Adel war? Als Narren bezeichnete man auch geistig Zurückgebliebene, Fehlgebildete, Kleinwüchsige sowie jene, die dem Teufel näherstanden als Gott. Verruchte, träge, lüsterne Menschen. Die Ohren und der Hahnenkamm symbolisieren dies. Die Schellen implizieren Geschwätzigkeit und leere Worte.«

London, Januar 1989: Einigermaßen geheimnistuerisch bittet ein neuer Klient, der zwergwüchsige Tobias Ervinson, Holmes und Watson um ihre Dienste. Schon zuvor wurde er wegen seines abnormen Körperbaus das Opfer allgemeiner Anfeindungen, doch nun, wenige Wochen vor seiner bevorstehenden Hochzeit, wird ihm unmissverständlich gedroht. Auf seinem Kopfkissen wurde eine Narrenkappe mit einer toten Amsel darin platziert. Holmes und Watson begeben sich unverzüglich nach Northmoor, wo sich Ervinsons Anwesen befindet und schon bald nach ihrer Ankunft das Dienstmädchen, welches einige Tage zuvor die Narrenkappe auf Ervinsons Bett fand, ermordet wird. Nachdem Holmes Ervisons Verlobte und weitere, ihm nahestehenden Personen kennengelernt hat und sich auch im nahegelegenen Dorf umhören konnte, bezweifelt er, dass Ervinsons Leben tatsächlich in Gefahr ist. Doch welcher Zweck wird mit der geheimnisvollen Narrenkappe verfolgt?

»Wenn die Narrenkappe bewusst gewählt wurde – wovon ich ausgehe – was wirft man unserem Mister Ervinson eigentlich vor? Weshalb soll er sterben? Weil er ein Zwerg ist? Oder ein Gotteslästerer? Weil er sexuell lasterhaft ist? Weil er üble Nachrede übt? Oder, weil man ihm sein Glück nicht gönnt? Die Amsel gxilt nämlich seit jeher als Glücksmagnet. Was bei einem toten Tier selbstredend nicht mehr zutrifft.«

Mit Band 3 der Novellenreihe Baker Street Tales legt die Autorin Sophie Oliver einen nahezu klassischen Sherlock-Holmes-Fall vor, der angenehm geradlinig, ohne eigennützige Sperenzchen und doch alles andere als langweilig daherkommt. Die Figuren Holmes und Watson folgen in ihren Aktionen dem bewährten Vorbild, das Conan Doyle gezeichnet hat. Das Zeitkolorit stimmt und mit dem Auftritt eines »Freaks« erhält der Fall noch ein zurückhaltendes Quäntchen Skurrilität, wie es auch der Holmes-Erfinder selbst in einigen Geschichten pflegte. Auch die Struktur folgt im Großen und Ganzen den klassischen Fällen: Ein neuer Klient spricht vor, es folgt ein Ausflug auf Land, das Kennenlernen der Beteiligten, parallel Holmes Ermittlungen, die – zurück in der Hauptstadt – vertieft werden. Als abschließende Kür folgt in den Räumen der Baker Street 221 B die unvorhersehbare Aufklärung des Falls, die jedoch nicht aufgesetzt wirkt, sondern sich elegant und folgerichtig in die zuvor gesetzten Eckpfeiler der Handlung einfügt. Ein Punkt, an dem viele moderne Holmes-Geschichten scheitern. Fr. Olivers Erzählung fällt dagegen eher durch gepflegtes Understatement und das wohlgeplante Gesamtbild auf.

Fazit:
Sehr schöne bodenständige Sherlock-Holmes-Novelle, die sich des klassischen Strickmusters der Originale bedient und damit vollauf überzeugt.

(eh)