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Der Rote Planet – Leben auf dem Mars

Der-Rote-PlanetRenate Behr

Der Rote Planet – Leben auf dem Mars

Es war die Schlagzeile im Spätsommer 2015. Auf dem Planeten Mars waren überirdische Wasservorkommen entdeckt worden. Dass es unter der Oberfläche Wasser gab, hatte bereits 2005 die ESA-Marssonde entdeckt. Die Reservoire bestanden nach Ansicht der Wissenschaftler überwiegend aus Eis unterhalb der beiden Polkappen, das sich bei klimatischer Erwärmung verflüssigte. Trockengräben und Flussbetten ließen damals bereits vermuten, dass es vor Milliarden von Jahren auch an der Oberfläche natürliche Wasserläufe gegeben haben musste. Der Mars war also nicht von Beginn seiner Entstehung an ein Wüstenplanet. Die Marssonde Curiosity, die sich seit 2012 auf der Marsoberfläche befand und Daten an die Erde übermittelte, beschäftigte sich auch mit den hohen Methanvorkommen auf dem Mars. Hier entstand rasch die Theorie, dass ein Teil des Gases, welches zur Energiegewinnung genutzt werden könnte, durch Mikroorganismen wie Flechten oder Moos produziert würde. Es existierte also wahrscheinlich – wenn auch in einer niederen Form – Leben auf dem Mars.

Die führenden Raumfahrnationen der Welt begannen damit, Pläne zu entwickeln, den Mars zu kolonialisieren. Es wurde immer dringlicher, sich nach neuen möglichen Lebensräumen für die Erdbewohner umzuschauen. Die natürlichen Ressourcen des Planeten erschöpften sich mehr und mehr. Was Politiker und Friedensinitiativen nicht zuwege gebracht hatten, schaffte diese eine Schlagzeile im Laufe der nächsten Jahre. Man schloss sich zusammen, um gemeinsam an dem großen Projekt der bemannten Raumfahrt zum Mars zu arbeiten. Indien, China, die USA, Europa und Russland richteten gemeinsame Forschungszentren ein, an denen Wissenschaftler und Ingenieure aus aller Welt auf dieses eine Ziel hinarbeiteten. Inzwischen schrieb man das Jahr 2025, und die Situation auf der Erde wurde zunehmend dramatischer. Es gab strengste Geburtenkontrollen. Eine natürliche Empfängnis war in den meisten Ländern bereits verboten. Nur noch speziell ausgesuchte Familien durften im Wege der künstlichen Befruchtung ein Kind zeugen und aufziehen. Die Erziehung dieser Kinder wurde streng überwacht, denn aus diesen genetisch besonders wertvollen Menschen sollten die ersten Kolonialisten für den Mars ausgesucht und ausgebildet werden.

Im August berief der amerikanische Präsident deshalb eine Versammlung der Staatschefs, Militärberater und der führenden Wissenschaftler ein, um einen Zeitplan für die Vorbereitungen zur Besiedlung des Mars auszuarbeiten.

 

New York, August 2025

»Bitte, meine Herren.« Präsident Carmichael erhob seine Stimme und das Gemurmel um ihn herum erstarb. »Wir haben in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Ich bitte jetzt Dr. Rawball von der NASA, uns einen kurzen Überblick zu geben.«

Der amerikanische Raumfahrtspezialist erhob sich und sah in die Runde. Alle Gesichter waren ihm aufmerksam zugewandt.

»Die Raumbasis hinter dem Mond, die als Transferstation und Lager für Rohstoffe dienen soll, wird innerhalb der nächsten zwei Monate ihren Betrieb aufnehmen können. Das bedeutet, dass wir die gut sechsmonatige Flugstrecke zum Mars in zwei Etappen zurücklegen werden. So reduzieren wir die Belastung für unsere Astronauten erheblich. Bisher sind wir immer davon ausgegangen, dass die Menschen, die wir zum Mars bringen werden, nie wieder nach Hause zurückkehren können. Mit der Raumstation haben wir jetzt ganz andere Möglichkeiten. Trotzdem müssen wir natürlich die hohe psychische Belastung einplanen, denen die Männer und Frauen ausgesetzt sein werden. Sie verlassen Freunde und Familien immer noch auf unbestimmte Zeit. Und sie gehen gesundheitliche Risiken ein, denn die Schwerkraft auf dem Mars ist nur etwa ein Drittel so hoch wie die auf der Erde.

Außerdem gibt es eine starke Strahlenbelastung, weil die CO2-Wolken zwar aussehen wie echte Wolken, aber keinen Schutzschild gegen ultraviolettes Licht bilden.«

Undeutliches Gemurmel erhob sich. Dann meldet sich Dr. Pattayah, ein indischer Wissenschaftler, zu Wort.

»Das Problem mit der Schwerkraft ist nicht mehr ganz so gravierend, wie es ursprünglich aussah. In der Raumbasis hinter dem Mond herrschen inzwischen erdähnliche Bedingungen. Für den Weitertransport zum Mars haben wir ein Raumgleitersystem entwickelt, das aus zwei Flugkörpern besteht. Derjenige, mit dem die Astronauten auf dem Mars landen werden, wird während des gesamten Fluges vom Mond zum Mars in eine Rotation versetzt. Dadurch simulieren wir Verhältnisse, die der Schwerkraft auf dem Mars sehr ähnlich sind. Das reduziert die Nebenwirkungen und Umstellungsschwierigkeiten für die Männer und Frauen auf ein Minimum. Bevor der erste bemannte Flugkörper auf den Weg gebracht wird, muss aber alles notwendige Material zum Bau der ersten Unterkünfte und technischen Einrichtungen auf den Weg gebracht werden. Dafür planen wir derzeit eine Zahl von 16 bis 20 Versorgungsflügen ein. Das bedeutet, der erste bemannte Flug mit Kolonialisten kann frühestens in drei bis vier Jahren stattfinden.«

Präsident Carmichael runzelte die Stirn. Das war länger, als er geplant hatte. Schon der Bau der Mondbasis hatte viel mehr Zeit gekostet als erwartet. Innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre musste eine Kolonialisierung des Mars möglich gemacht werden, damit die Menschen auf der Erde eine Überlebenschance erhielten. Eine autarke Versorgung auf dem Roten Planeten sollte sichergestellt werden. Inzwischen gab es Verfahren zum Anbau von Getreide, zur Umwandlung von Methan in nutzbare Energien und zur Gewinnung von Sauerstoff aus Kohlendioxid. Geplant war die erste Ansiedlung auf der Nordhälfte des Planeten entlang des Äquators, weil dort ein gemäßigtes Klima mit einer Durchschnittstemperatur von etwa 20 Grad Celsius gegeben war. Alle schauten aufmerksam auf den Plan, der von Ingenieuren der europäischen Raumfahrtbehörde ESA in Zusammenarbeit mit den Russen und Chinesen entwickelt worden war. Es würde eine Stadt entstehen, die von einer großen luftdichten Kuppel umgeben sein würde. Solange es nicht gelang, die atmosphärischen Verhältnisse auf dem Mars grundlegend zu verändern, gab es keine Möglichkeit für die Menschen, außerhalb einer solchen Kuppel ohne Spezialanzüge längere Zeit zu überleben. Wissenschaftler hatten aber inzwischen nachgewiesen, dass es zu früheren Zeiten Lebensformen auf dem Mars gegeben hatte. Vielleicht standen ihnen ja noch viel größere Entdeckungen bevor.

 

Mondbasis Alpha sechs, Januar 2029

Das Leben auf der Raumstation hinter dem Erdenmond hatte sich inzwischen nahezu normalisiert. Das Gebilde war riesig, denn auf Alpha sechs wurden alle Vorräte gelagert, die ab dem kommenden Jahr auf den Mars transportiert werden sollten. Außerdem gab es Platz für etwa 100 Kolonialisten, die inzwischen nach und nach hierher transportiert worden waren. Die Mannschaft, die zur Bedienung und Versorgung von Alpha sechs benötigt wurde, blieb für zwölf Monate und wurde dann abgelöst. Alle Nationalitäten waren hier vertreten, aber es gab keine Sprachprobleme. Die Leute, die den Dienst auf Alpha sechs versahen, wurden sorgfältig ausgewählt, sodass es auch keine nennenswerten zwischenmenschlichen Probleme gab. Ganz ähnliche Auswahlverfahren wurden auch für die Kolonialisten angewendet. Schließlich mussten auch sie auf sehr beengtem Raum möglicherweise viele Jahre miteinander zurechtkommen, ohne dass ein Kontakt zur Erde möglich sein würde. Jeder Einzelne von ihnen fieberte aber dem Flug entgegen, der sie in knapp drei Monaten in ihre neue unwirtliche Heimat bringen sollte. So etwa mussten sich die vielen Auswanderer, Glücksritter und Goldsucher gefühlt haben, die im 19. Jahrhundert in Nordamerika gen Westen zogen. Auch darunter waren viele Menschen, für die es kein Zurück gegeben hatte.


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB und MOBI zum Downloaden zur Verfügung.

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2 Antworten auf Der Rote Planet – Leben auf dem Mars

  • W. Brandt sagt:

    Ich hatte ich diese Story bereits seit einiger Zeit von Renate bekommen. Wie sie mir schrieb, ist es ihre erste Geschichte im Genre Science-Fiction. Beim Lesen war ich in Gedanken inmitten der Handlung und litt mit den von der Autorin beschriebenen Charakteren.
    »Der Rote Planet – Leben auf dem Mars« hat mich so faziniert, dass ich mich seinerzeit entschlossen hatte, die Story an unserem heutigen Jubiläum einem breiten Leserkreis anzubieten.
    Ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen.

  • Renate Behr sagt:

    Lieber Wolfgang, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass diese Story für eine Veröffentlichung welcher Art auch immer einfach nicht gut genug ist. Und nun das! Danke, dass der Geisterspiegel sie veröffentlicht und danke auch dir persönlich für den tollen Kommentar.
    Liebe Grüße
    Renate

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