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Celtic Guardians 3

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Celtic Guardians Folge 3
Mörderische Aliens
Timetraveller-Spinn-off

Prolog

Rache

Frank­furt am Main, 22.03.2013

I

Die Nacht war he­rein­ge­bro­chen über der Me­tro­po­le am Main. Tei­le von Main­hat­tan la­gen in Dun­kel­heit; die Be­woh­ner schlie­fen oder sa­ßen vor dem TV-Ge­rät und schau­ten ei­nen spä­ten Film.

In an­de­ren Stadt­tei­len wie­der­um pul­sier­te auch jetzt das Le­ben. Clubs und Dis­ko­the­ken hat­ten bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den ge­öff­net. Das Wo­chen­en­de hat­te be­gon­nen, Al­ko­hol und Dro­gen ver­süß­ten die Nacht, denn schla­fen konn­te man auch am Tag!

Dort, wo bis in das Mor­gen­grau­en hi­nein ge­fei­ert wur­de, zuck­te bun­tes Ne­on­licht von grell­leuch­ten­der Re­kla­me in die Nacht. Park­plät­ze wa­ren be­leuch­tet, eben­so der Weg zur nächs­ten U- oder S-Bahn-Sta­ti­on.

Nur we­ni­ge Ne­ben­stra­ßen wei­ter herrsch­te je­doch schumm­ri­ges Zwie­licht. Nicht jede Stra­ßen­lam­pe brann­te die gan­ze Nacht, und auch die Häu­ser strahl­ten kaum Hel­lig­keit ab.

Die­se Dun­kel­heit mach­te sich eine ein­sa­me Ge­stalt zu­nut­ze, die auf dem Dach ei­ner Ga­ra­ge kau­er­te und war­te­te; eine jun­ge Frau, die an je­nem Abend ei­nen wei­ten Weg zu­rück­ge­legt hat­te.

Dank ih­rer Klei­dung, dem Helm und den Hand­schu­hen konn­te ihr der kal­te Nacht­wind nichts an­ha­ben.

Und auch die Dun­kel­heit stör­te sie nicht. Das Vi­sier ih­res Helms fun­gier­te als Nacht­sichtge­rät, aber auch als Mo­ni­tor für Da­ten, die von ganz ver­schie­de­nen Quel­len stamm­ten. Sen­so­ren in ih­rer Klei­dung lie­fer­ten sie eben­so an wie das Smart­pho­ne in ei­ner Gür­tel­ta­sche oder eine win­zi­ge Droh­ne in Ge­stalt ei­ner fet­ten, schwar­zen Mü­cke.

Des Wei­te­ren fun­gier­ten Helm und Head­set als au­di­o­vi­su­el­les Head­set, mit­tels dem die jun­ge Frau mit ih­rer Zen­tra­le in stän­di­gem Kon­takt stand. Eine vir­tu­el­le Sicht zeig­te ihr die ak­tu­el­le Orts­zeit, das Ziel der Mis­si­on so­wie ei­nen Count­down an, der die Se­kun­den bis zum Be­ginn des Ein­sat­zes he­rab zähl­te.

Dein Auf­trag, Jábeca:

Am 22.03.2013 um 01:25 wird Mi­cha­e­la Schnei­der nach ei­nem Dis­ko­the­ken­be­such von ih­rem Ex-Freund so­wie vier sei­ner Freun­de in die Enge ge­trie­ben, miss­braucht und mit 53 Mes­ser­sti­chen er­mor­det.

Ver­hin­de­re dies!

Töte vier der fünf Tä­ter, da­run­ter den Haupt­schul­di­gen. Las­se den fünf­ten Tä­ter ver­letzt zu­rück, er­klä­re dich ihm und dem Op­fer und ver­las­se den Ort des Ge­sche­hens.

Kla­rer hät­te der Auf­trag für Ja­ni­ce Be­cker, Ja­que­line Ber­gers Cou­si­ne, Ar­chä­o­lo­gin und seit Weih­nach­ten 2012 Mit­glied der Cel­tic Guar­di­ans nicht sein kön­nen.

Ob­gleich sie vor dem Ein­satz zwei Be­cher Energy­drink zu sich ge­nom­men hat­te. Am Mor­gen hat­te sie noch an ei­ner Aus­gra­bung in Schott­land teil­ge­nom­men, war dann per Gli­der nach Ade­lai­de ge­reist, um dort ih­ren Ein­satz vor­zu­be­rei­ten, und hat­te sich schließ­lich per Por­tal nach Frank­furt be­ge­ben, um ihre El­tern zu be­su­chen.

Ur­sprüng­lich hät­te ein an­de­res Mit­glied des Teams die­sen Ein­satz über­neh­men sol­len, doch Ja­ni­ce war nicht nur in die­ser Stadt auf­ge­wach­sen, son­dern sie kann­te Mi­cha­e­la Schnei­der.

Da­rum trug sie auch eine Nano-Mas­ke, die ihr Aus­se­hen ver­än­der­te. So, wie es Ja­que­line tat, denn die CG agier­ten im Verb­or­ge­nen, los­ge­löst von Po­li­zei oder Ge­heim­diens­ten – und not­falls auch ge­gen staat­li­che In­te­res­sen. Denn die Cel­tic Guar­di­ans dien­ten den Men­schen, in­dem sie den Wil­len Mor­ri­gans er­füll­ten.

Und die­se scher­te sich ei­nen Dreck um Po­li­tik …

Noch zwan­zig Se­kun­den.

Ja­ni­ce, die sich in die­ser Auf­ma­chung für den Na­men Jábeca ent­schie­den hat­te, mach­te sich be­reit.

Sie stell­te si­cher, dass man sie von der Stra­ße aus nicht se­hen wür­de, schüt­tel­te Arme und Bei­ne aus und ging im Geis­te noch ein­mal die ers­te An­griffs­se­quenz durch.

Sechs, fünf, vier …

Schrit­te er­klan­gen, und schon kurz da­rauf eil­te eine jun­ge Frau in die Gas­se. Sie hielt ei­nen Schlüs­sel­bund in Hän­den, ihr Blick wirk­te ge­hetzt und ihr Atem ging stoß­wei­se. Trotz der Käl­te hing ihr einst hübsch fri­sier­tes Haar ver­schwitzt ins Ge­sicht.

Hin­ter ihr, mit we­ni­gen Se­kun­den Ab­stand, folg­ten fünf jun­ge Män­ner, dem Aus­se­hen nach Süd­län­der.

Ja­ni­ce, die sich auf ih­ren Ein­satz vor­be­rei­te­te, wuss­te, dass es sich bei ih­nen um Tür­ken han­del­te.

Die ty­pi­sche Frau­en­ver­ach­tung, wie man sie stets bei Men­schen mit die­ser Re­li­gi­on fin­det, dach­te Ja­ni­ce ver­är­gert.

Sie war­te­te, bis die Män­ner ihr Op­fer, Mi­cha­e­la Schnei­der, ein­ge­holt und zu Bo­den ge­wor­fen hat­ten. Ja­ni­ce woll­te, dass die ini­ti­a­le Ge­walt von den An­grei­fern aus­ging; nicht von ihr.

Die jun­ge Frau stieß ei­nen Schrei aus. Sie setz­te zu ei­nem zor­ni­gen Ruf an, schwieg aber ent­setzt, als ei­ner der Fünf ein Mes­ser zog.

»Bü­lent – nein!«, brach­te Mi­cha­e­la Schnei­der her­vor. »Bit­te …«

»Ich sag­te dir, dass du mein Ei­gen­tum bist! Du wuss­test, dass ich dich nicht ge­hen las­se. Du ge­hörst mir, auch wenn du eine scheiß-deut­sche Schlam­pe bist!«

»Ich bin nicht ein Ei­gen­tum! Ich ge­hö­re nie­man­dem! Ich bin …«

»Du bist eine Frau! Du machst, was ich sage – sonst nichts! Hast du das nicht be­grif­fen, Schlam­pe?«

Ja­ni­ce be­schloss, dass der Wor­te ge­nug ge­wech­selt wa­ren. Sie trat aus dem Schat­ten her­vor. »Hey, Arsch­loch!«, rief sie da­bei in ih­rer Mut­ter­spra­che.

Er­schro­cken fuh­ren die Män­ner he­rum und schau­ten sich um.

Schließ­lich ent­deck­ten sie Ja­ni­ce auf dem Dach der Ga­ra­ge.

»Ich spin­ne wohl!«, rief ei­ner von Bü­lents Be­glei­tern. Er starr­te Ja­ni­ce an, als habe er ei­nen Geist ge­se­hen.

Die He­ro­in wuss­te, dass sie ei­nen ge­lun­ge­nen Auf­tritt brauch­te, um ih­nen al­len den Schneid ab­zu­kau­fen.

Sie rich­te­te den Arm auf eine der we­ni­gen bren­nen­den Stra­ßen­la­ter­nen. »Grip!«, wis­per­te sie da­bei, ge­folgt von ei­nem »Pull!«

Da sie die Stra­ßen­la­ter­ne nicht zu sich zie­hen konn­te, jag­te sie durch die Luft, lös­te dann aber die Ver­bin­dung und lan­de­te knapp zwei Me­ter von den Män­nern ent­fernt. Um den Schwung aus­zu­glei­chen, ging sie in die Ho­cke und fing sich zu­dem mit ei­ner Hand ab.

»Shit!«, wis­per­te Bü­lent. »Ich … habe so et­was bei You­Tu­be ge­se­hen. Du bist …«

»Mein Name ist Jábeca; ich bin eine He­ro­in der Cel­tae und zu­dem eine Cel­tic Guar­di­an. Ihr woll­tet die­se Frau nicht nur miss­brau­chen, son­dern auch tö­ten!«

»Sie ist mein …« Bü­lent kam nicht dazu, den Satz zu be­en­den. Eine un­wi­dersteh­li­che Kraft um­fing ihn. Nicht nur, dass ihm die Luft ge­raubt wur­de. Nein, er spür­te auch, wie ihn eben jene Kraft hoch in die Luft schleu­der­te.

Gut drei, vier Me­ter jag­te er in die Höhe. Dann, plötz­lich, konn­te er wie­der at­men. Die selt­sa­me Ener­gie – es muss­te Ma­gie sein, ver­dammt, denn was an­de­res hät­te ihn der­art pa­cken kön­nen – war ver­schwun­den.

Und da­mit be­gann der Sturz.

Es ge­lang ihm ge­ra­de noch, die Hän­de ein we­nig vor­zu­stre­cken, dann schlug er auch schon hart auf.

Sei­ne Freun­de blick­ten ent­setzt zu ihm, wäh­rend Mi­cha­e­la Schnei­der auf­sprang, ein lau­tes, fast schon ir­res La­chen aus­stieß und Bü­lent die Spit­ze ih­res Stie­fels ge­gen den Kopf häm­mer­te.

Ja­ni­ce ließ in­zwi­schen das mit Ener­gie vers­tärk­te Schwert auf­blit­zen. »Ei­ner wird le­ben! Die an­de­ren wer­den noch heu­te in die An­ders­welt ein­tre­ten! Wer möch­te nicht ster­ben?«

Noch ehe ei­ner von ih­nen auch nur re­a­gie­ren konn­te, han­del­te die He­ro­in. Schnel­ler als es die jun­gen Män­ner für mög­lich ge­hal­ten hät­ten, jag­te sie ih­nen ent­ge­gen. Das Schwert blitz­te im fah­len Schein der La­ter­ne auf, dann spritz­te Blut und Schreie er­füll­ten die Nacht.

In we­ni­ger als drei­ßig Se­kun­den hat­te Ja­ni­ce Ge­rech­tig­keit ge­bracht. Eine Ge­rech­tig­keit jen­seits von Ge­rich­ten, Pro­zes­sen und Be­wäh­rungs­stra­fen.

Vier der fünf Män­ner wa­ren tot, da­run­ter auch Bü­lent.

Ein­zig ein jun­ger Mann hat­te über­lebt; er lag auf dem Bo­den und krümm­te sich, denn das Schwert hat­te so­wohl sei­ne rech­te Schul­ter als auch das rech­te Knie zer­stört.

Aber er leb­te, und das war mehr, als man von sei­nen Kum­pels sa­gen konn­te.

Mi­cha­e­la Schnei­der stand zwi­schen den To­ten und schau­te sich un­gläu­big um. Dann blick­te sie lang­sam zu Ja­ni­ce.

»Sie … hät­ten mich wirk­lich ge­tö­tet?«

»Sie hät­ten dich ge­tö­tet! Wir wis­sen es, denn wir ken­nen die Zu­kunft, Ge­gen­wart und Ver­gan­gen­heit!«

»Und du bist …«

Ja­ni­ce zog den Helm ab. Ihre Nano-Son­de ver­lieh ihr ein völ­lig an­de­res Aus­se­hen. Ihre Au­gen je­doch blie­ben hier­von un­be­ein­druckt und sie leuch­te­ten in ei­nem sat­ten Gold.

Mi­cha­e­la Schnei­der be­rühr­te sanft Ja­ni­ce’ Wan­gen. Sie fühl­te das, was sie für war­me, wei­che Haut hielt. »Du … bist echt, nicht wahr?«

»Ich bin so echt, wie es die Göt­tin ist, die heu­te Nacht ihre Gna­de auf dich her­nie­der­schei­nen lässt. Sie hat dein Le­ben ge­ret­tet, denn sie wacht nun über die­se Welt. Bete zu ihr; dan­ke ihr und be­rich­te, was ge­sche­hen ist!«

Ja­ni­ce blick­te zu dem Ver­letz­ten. »Und auch dein Le­ben hat sie ge­schont. Bete zu ihr, nicht zu Al­lah, und ver­kün­de, was ge­schah!«

Sie wand­te sich um – und sah ei­nen jun­gen Mann, der nicht weit ent­fernt un­ter ei­ner La­ter­ne stand, in der aus­ge­streck­ten Hand das Smart­pho­ne.

Ja­ni­ce wuss­te, dass er dort ste­hen wür­de. Er war Bü­lent und sei­nen Freun­den ge­folgt, als die­se Mi­cha­e­la folg­ten. Sei­ne Auf­nah­men von dem An­griff hat­ten zur Fest­nah­me und Ver­ur­tei­lung der fünf Män­ner ge­führt; alle nach Ju­gend­straf­recht, kei­ne Stra­fe län­ger als fünf Jah­re!

»Hast du das al­les auf­ge­zeich­net, Frank?«, frag­te sie kühl. Da­bei ging sie auf den jun­gen Mann zu.

»Ich ken­ne ihn!«, rief Mi­cha­e­la. »Wir … hat­ten in der Dis­ko­thek Spaß! Tue ihm nichts!«

»Das hat­te ich nicht vor!« Ja­ni­ce blick­te in die Ka­me­ra. »Auch ich ken­ne ihn. Frank Rös­ner, 20 Jah­re alt und Me­di­zin­stu­dent. Ihr bei­de hat­tet in der Toi­let­te der Dis­ko­thek Sex; das war es, was Bü­lent auf­reg­te, da­rum woll­te er dich tö­ten!«

»Wo­her …« Die Wan­gen der Frau färb­ten sich rot. »Du weißt …«

»Ich bin eine He­ro­in und er­fül­le den Wil­len der Göt­tin. Sie weiß es, also weiß ich es. Sag­te ich nicht, dass wir Ge­gen­wart, Zu­kunft und Ver­gan­gen­heit ken­nen!«

Sie blick­te noch im­mer in die Ka­me­ra. »Ich weiß auch, dass Frank Rös­ner fürch­tet, die ho­hen Mie­ten nicht zah­len zu kön­nen!«

»Uhm …«, sag­te der jun­ge Mann, ohne die Auf­nah­me zu stop­pen. »Das trifft wohl auf je­den Stu­den­ten in Frank­furt zu.«

Aber nur we­ni­ge ver­kau­fen das Vi­deo ei­nes Mor­des meist­bie­tend, um die Kas­se auf­bes­sern zu kön­nen!

Frank Rös­ner hat­te das Vi­deo am hei­mi­schen Mac ge­schnit­ten; die Tat selbst hat­te er der Po­li­zei über­las­sen, das ge­sam­te Vi­deo je­doch, mit­samt den Be­lei­di­gun­gen und den Wit­ze­lei­en am Ende hat­te er für sehr viel Geld an den größ­ten deut­schen Ver­lag für Schmutz-Jour­na­lis­mus ver­kauft.

»Mer­ke dir die­se Zah­len: Neun, Sech­zehn, Drei­ßig, Sie­ben­und­drei­ßig, Ein­und­vier­zig, Neun­und­vier­zig! Zu­satz­zahl lau­tet Zehn, Su­per­zahl Zwei!«

Sie nick­te dem jun­gen Mann zu, dann ging sie da­von – und ver­schwand Se­kun­den spä­ter. So, als habe sie sich in Luft auf­ge­löst. Das Por­tal, das sie be­trat, war nur für sie sicht­bar ge­we­sen, denn es hat­te sich in ih­rer Sicht deut­lich ab­ge­zeich­net. Ohne Da­ten­bril­le aber, und da­für hat­te Ro­ger ge­sorgt, als sie die CG plan­ten, war das Por­tal un­sicht­bar.

 

II

 

»Hat­test du ei­nen schö­nen Abend?«, frag­te Caro­la Be­cker, von den meis­ten Freun­den und Fa­mi­li­en­mit­glie­dern kurz Caro ge­nannt. Sie be­trat die Kü­che des schmu­cken Ein­fa­mi­li­en­hau­ses et­was au­ßer­halb von Frank­furt, trat an den Kühl­schrank und hol­te eine Pa­ckung Milch her­vor. An­schlie­ßend schenk­te sie ih­rer Toch­ter ei­nen nach­denk­li­chen Blick.

»Er war okay. Es mach­te Spaß, alte Freun­de zu tref­fen! Seit ich in Schott­land lebe, habe ich den Kon­takt zu vie­len na­he­zu ganz ver­lo­ren.«

»Der Preis, wenn man von heu­te auf mor­gen aus­zieht!« Caro Be­cker be­müh­te sich, den Zorn aus ih­rer Stim­me zu ver­ban­nen. Sie konn­te Ja­ni­ce nicht ein­mal zür­nen für das, was sie ge­tan hat­te.

Nein, Schuld an dem gan­zen Mist war je­mand an­de­res.

Lady Ja­que­line Ber­ger … Ich kotz gleich!

Caro Be­cker, die sehr viel jün­ge­re Schwes­ter von Ja­que­lines Va­ter, ver­ach­te­te ihre Nich­te aus tiefs­ter See­le. Ja­que­line war nichts an­de­res als eine Die­bin, eine Hure und eine Mör­de­rin.

Sie war reich ge­wor­den, in­dem sie an­de­re be­stahl. Und sie mach­te nicht ein­mal ei­nen Hehl da­raus! Mehr noch – sie brüs­te­te sich in Fa­mi­li­en­krei­sen mit dem Ein­bruch in das Ägyp­ti­sche Mu­se­um. Das sei vor ihr lan­ge Zeit nie­man­dem ge­lun­gen und auch nach ihr nicht, hi, hi, hi.

Was in al­ler Welt war lus­tig da­ran, in ein Mu­se­um ein­zu­bre­chen?

Und nun war die­se Frau, die­se Ver­bre­che­rin, eine ge­ach­te­te Countess und Duch­ess. Sie, Ja­que­line, aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen, war wie von Zau­ber­hand eine bri­ti­sche Ad­li­ge.

War­um in al­ler Welt?

Wie­so sie und nicht ihr Va­ter? Hät­te nicht er der Ad­li­ge sein müs­sen? Oder ihre Mut­ter – je nach­dem, von wel­cher Sei­te der Adel stamm­te?

Wie kam es, dass man Ja­que­line die­sen Ti­tel ge­ge­ben hat­te?

Es kam, weil es je­mand so ge­wollt hat­te, und nicht, weil es dem Ge­setz ent­sprach. Zu die­ser la­pi­da­ren Feststel­lung war Caro Be­cker ge­kom­men, als sie den Fall re­cher­chier­te. Denn tat­säch­lich war eine Ge­ne­ra­ti­on über­sprun­gen wor­den.

Doch wäh­rend ei­nes An­rufs in Lon­don hat­te man ihr ei­nes klar­ge­macht – je­der im ge­sam­ten Kö­nig­reich ist dank­bar, dass Ja­que­line Ber­ger die­se Ti­tel trägt, denn sie trägt sie mit ei­ner neu­en Wür­de und ei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein, dass es so noch nicht oft ge­ge­ben hat; wenn über­haupt. Seit sie nach Ken­ny zog, flos­sen mehr als sie­ben Mil­li­o­nen Pfund in Inf­ra­struk­tur-Pro­gram­me; sie al­lein ließ das Kran­ken­haus und ein Kin­der­heim re­no­vie­ren, sorg­te für die Auf­sto­ckung von Per­so­nal und steht je­dem hilf­reich zur Sei­te, der da­rum bit­tet.

Im Rah­men ei­nes Pro­gramms na­mens Gi­ving so­me­thing Back hat­te sie zu­dem je­den Ein­woh­ner ih­rer Re­gi­on ein Weih­nachts­ge­schenk zu­kom­men las­sen; eine Tüte mit ei­nem klei­nen Prä­sent, Süß­wa­ren und Früch­ten so­wie ei­nem Scheck über 25 Pfund. Von ihr en­ga­gier­te Weih­nachts­män­ner und El­fen hat­ten die Ge­schen­ke ver­teilt.

Selbst wenn ihre El­tern den Ti­tel hät­ten er­ben müs­sen, so ist es doch gut, dass man dies über­sah. Zu­mal Ja­que­lines El­tern häu­fig in Schott­land ge­sich­tet wur­den und das Ihre dazu bei­tru­gen, dass es Ja­que­lines Adop­tiv­toch­ter an nichts man­gel­te.

Ge­nau das war das Prob­lem, vor dem Caro stand.

Ih­rer Nich­te war es ge­lun­gen, sich ein blü­ten­wei­ßes Hemd über­zu­strei­fen. Sie war so sau­ber, ge­schätzt und ge­ach­tet, dass nichts die­sem fal­schen Lack ei­nen Krat­zer ver­pas­sen konn­te.

Ob Kö­nigs­haus, Po­li­tik oder der Mann auf der Stra­ße – sie alle la­gen ihr zu Fü­ßen. Hät­te man dort die Que­en ge­wählt, Ja­que­line wäre eine hei­ße Kan­di­da­tin ge­we­sen.

Wie also konn­te Caro ih­rer Toch­ter zür­nen, von al­le­dem eine Schei­be ab­ha­ben zu wol­len? Wie konn­te sie Ja­ni­ce ver­übeln, dass sie sich von die­sem sor­gen­frei­en Le­ben, dem Über­fluss, dem rie­si­gen Haus, dem köst­li­chen Es­sen, den Pfer­den, dem Park, den Au­tos so­wie der Zu­nei­gung hat­te um­gar­nen las­sen?

Nein, Ja­ni­ce wür­de nicht von al­le­dem ab­las­sen, und das ver­stand Caro in­zwi­schen. Da­her war es bes­ser, Frie­de zu hal­ten.

»Hast du von die­ser merk­wür­di­gen Sa­che ge­hört, die sich ges­tern Nacht zu­trug?«, frag­te Caro, nach­dem sie sich ei­nen Kaf­fee auf­ge­brüht und Milch hi­nein­ge­ge­ben hat­te.

»Was meinst du?«, tat Ja­ni­ce un­schul­dig.

»Ein paar Män­ner woll­ten eine Frau ver­ge­wal­ti­gen. Eine He­ro­in schritt ein, tö­te­te vier der Män­ner und schütz­te so die Frau. Es ist in den Nach­rich­ten, vor al­lem aber bei Fa­ce­book und You­Tu­be!«

»Wirk­lich?«, tat Ja­ni­ce er­staunt. »Die Cel­tic Guar­di­ans sind auch in Deutsch­land ak­tiv? Ich schaue es mir mal an!«

»Ich habe nach­ge­forscht«, sag­te Caro lei­se. »Die­se Cel­tic Guar­di­ans kom­men wohl aus Groß­bri­tan­ni­en. In Eng­land und Schott­land tra­ten sie häu­fi­ger in Er­schei­nung. Ein­mal ret­te­ten sie ein Kind aus der Gon­del des Rie­sen­rads, ehe die­se ab­stürz­te. Dann ver­hin­der­ten sie ei­nen Flug­zeug­ab­sturz!« Sie leg­te eine kur­ze Pau­se ein. »Du … weißt nicht zu­fäl­lig et­was da­rü­ber?«

»Nur das, was alle wis­sen!« Ja­ni­ce zö­ger­te. »War­um fragst du?«

»Weil ihr … euch eben­falls Cel­tae nennt, Ja­que­line und du. Ich habe es auf eu­ren Sei­ten ge­se­hen. Und so …«

Ja­ni­ce mus­ter­te ihre Mut­ter. Sie sah de­ren Un­si­cher­heit, aber da­run­ter auch ei­nen Ver­dacht, der sich zu­neh­mend zu er­här­ten schien. »Du willst wis­sen, ob ich ges­tern Abend in der Rüstung der CG die­se Frau ge­ret­tet habe!«

Caro nick­te. »Ich habe heu­te mit dei­ner Freun­din Lisa ge­chat­tet. Sie sag­te, dass ihr euch erst heu­te tref­fen wollt. Eben­so Da­nie­la; auch sie weiß nur, dass du heu­te Zeit hast!«

Ja­ni­ce wuss­te nicht, wie ihre Mut­ter zu ul­ti­ma­ti­ver Ge­rech­tig­keit stand. Da­her wuss­te sie nun auch nicht, was sie er­wi­dern soll­te.

»Du warst es, nicht wahr? Auch wenn du an­ders aus­ge­se­hen hast, habe ich dich auf dem Vi­deo er­kannt. Ich bin dei­ne Mut­ter, mich kannst du nicht hin­ters Licht füh­ren!«

Sie beug­te sich vor. »Wie hast du das mit den Au­gen ge­macht? Kon­takt­lin­sen?«

Ja­ni­ce er­wi­der­te den for­schen­den Blick – und ließ zu, dass ihre Na­tur die Ober­hand ge­wann.

Plötz­lich leuch­te­ten ihre Au­gen in ei­nem sat­ten Gold, eine Aura von Macht um­gab sie. Ihre Haut schien aus sich he­raus in ei­nem sanf­ten Grün zu leuch­ten. »Ich bin eine He­ro­in der Cel­tae! Ich ar­bei­te nicht mit Kon­takt­lin­sen. Dies ist mein wah­res We­sen!«

Ihre Mut­ter wich ent­setzt zu­rück. »Du … das …«

»Du weißt, dass du es nie­man­dem sa­gen kannst! Ich selbst wer­de es nicht be­stä­ti­gen, nie­mand glaubt, dass ich eine He­ro­in bin!«

»Ja …« Caro fing sich wie­der, denn Ja­ni­ce zü­gel­te ihre Macht und wur­de zu je­ner jun­gen Frau, die in Ruhe ihr Müs­li aß. »Du hast ges­tern vier Men­schen …«

»Die­se Men­schen hät­ten die arme Frau nicht nur miss­braucht, son­dern auch ge­tö­tet. An­schlie­ßend wä­ren sie mit ein paar Jah­ren Ge­fäng­nis, zwei von ih­nen so­gar mit Ar­beits­stun­den, da­von­ge­kom­men.«

»Also hast du be­schlos­sen …«

»Nein, ich habe gar nichts be­schlos­sen! Die Göt­tin, für die wir über Mo­na­te lit­ten und kämpf­ten, die nun über die­se Welt wacht und ihre Gna­de, aber auch ih­ren Zorn ent­sen­det, fäll­te das Ur­teil. Ich als ihre He­ro­in habe es le­dig­lich voll­streckt!« Ja­ni­ce lä­chel­te. »Es ist das, was jede Re­li­gi­on glaubt. Le­ben und Ster­ben lie­gen in der Hand der Göt­ter, sie stra­fen oder ver­ge­ben. Wir tun all das in Mor­ri­gans Na­men – und ein we­nig di­rek­ter, als es sich die Chris­ten vor­stel­len.«

Da­mit war für sie das The­ma be­en­det. »Ich tref­fe mich heu­te mit mei­nen Freun­din­nen. Mor­gen rei­se ich ab; Ost­ara ist nicht weit, und ich möch­te noch et­was Zeit mit Ali­son ver­brin­gen.«

»Ali­son?«, frag­te Caro. »Dei­ne …«

»Mei­ne … Freun­din. Auch wenn wir uns sel­ten se­hen, spü­re ich doch, dass ich sie lie­be!«

Ihre Mut­ter schüt­tel­te den Kopf. »Du weißt, dass ich nicht ge­ra­de be­geis­tert da­von bin, dass du … mit Frau­en …«

»Dass ich les­bisch bin!«, as­sis­tier­te Ja­ni­ce grin­send.

»Ge­nau! Ich fin­de es … un­na­tür­lich!«

»Das war nicht im­mer so, oder?«, frag­te Ja­ni­ce, die sich durch­aus an das er­in­ner­te, was ihr Ja­que­line wäh­rend ih­res ers­ten, ge­mein­sa­men Aben­teu­ers sag­te.

»Wie meinst du das?«, rief Caro schrill. »Ich habe nie … Also, das ist ja …«

»Ja­que­line mein­te, ich sol­le bei ei­ner sol­chen Ge­le­gen­heit fra­gen, ob du mal wie­der et­was von Eri­ka Schmidt aus An­der­nach ge­hört hast!«

»Also so was!«, rief Caro Be­cker ent­setzt. Ihr Ge­sicht lief rot an, ihre Hand zit­ter­te. »Ich habe nie … Ich mei­ne, ich … Ich wuss­te, dass es ge­gen … Das …«

»Wir wis­sen nun also, von wel­cher Sei­te die Ver­an­la­gung kommt. Und auch wenn sie bei dir nicht so stark war wie bei Ja­cky und mir, weißt du doch sehr gut, wie wir emp­fin­den!«

»Ja …« Caro wand­te sich um. »Das ist …« Sie blick­te zu Ja­ni­ce. »Auch Ja­que­line hat­te eine Freun­din in An­der­nach, ohne es je­doch zu­zu­ge­ben. Sie ver­heim­lich­te lan­ge, wie sie emp­fin­det.«

»Es war eine an­de­re Zeit. Bei dir noch schwe­rer als bei ihr. Und doch … Ruf die­se Eri­ka doch an. Viel­leicht tut es dir gut und du bist nicht mehr so un­glaub­lich steif, ver­knif­fen und ab­leh­nend, was Ja­cky an­be­langt!«

»Ich leh­ne sie ab, weil sie eine Die­bin …«

»Mut­ter!«, rief Ja­ni­ce kopf­schüt­telnd. »Das hat sie längst aus­ge­gli­chen! Nicht ein­mal jene, die sie be­stahl, tra­gen es ihr nach. Sie hat sich mit al­len ver­söhnt, ih­nen zu gro­ßem Er­folg ver­hol­fen und ihre Schuld zig­fach ab­ge­tra­gen! Sie hat dich nie bes­toh­len, also tra­ge ihr nicht nach, was ihr an­de­re nicht nach­tra­gen!«

»Du hast sie schon im­mer ge­mocht. Ich hin­ge­gen sehe sie als Schand­fleck an und ver­ste­he nicht, war­um mein Bru­der … Egal. Ich muss heu­te in die Stadt; be­glei­test du mich? Wir könn­ten shop­pen. Und da du nun un­ter die Groß­ver­die­ner ge­gan­gen bist und un­se­re Kü­chen­ma­schi­ne de­fekt ist …«

Ja­ni­ce lach­te. »Ich kau­fe dir eine neue. Und auch ei­nen neu­en Staub­sau­ger, denn der alte saugt nicht ein­mal eine Flu­se vom Stein­bo­den!


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