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Wie entsteht ein E-Book?

Besucher des Geisterspiegels wissen es längst – wir berichten nicht nur über die verschiedenen Spannungsgenre, wir veröffentlichen auch selbst regelmäßig Bücher, E-Books und Novellen.

Manche davon, etwa unsere Anthologien, die einmal im Jahr erscheinen, sind dabei kostenpflichtig. Andere Werke geben wir hingegen kostenfrei ab, und zwar in digitaler Form.

Das Zauberwort heißt hier E-Books.

Seit man die digitalen Bücher quasi auf jedem Smartphone lesen kann – Apple und Google sei Dank – und auch seit Amazon diesen Zweig für sich entdeckt hat und mit dem Kindle und dem Verlagsprogramm für Self Publisher auf dem Markt vertreten ist, hat sich das E-Book zum boomenden Produkt entwickelt.

War es vor einigen Jahren noch undenkbar, dass selbst große Verlage ihre Werke als E-Books anbieten, so findet man dies heute wie selbstverständlich. Das Medium ist so wichtig, dass große Anbieter wie Weltbild, Hugendubel und andere eine Allianz gegründet haben, um mit einem eigenen Reader dem Kindle Paperwhite Konkurrenz zu machen.

Kritiker werfen nun ein, dass nur ein kleiner Prozentsatz an Büchern digital verkauft wird. Das mag sein. Aber zum einen wächst dieser Prozentsatz ständig, zum anderen sind diese wenigen Prozente auf die Gesamtheit der verkauften Bücher in Deutschland gerechnet doch eine ganze Menge.

Doch genug davon!

Dieser Artikel befasst sich nicht mit der Zukunft des E-Books. Auch möchte ich nicht auf die diversen Kritiker eingehen. Nein, dieser Artikel ist der fachlichen Seite eines E-Books gewidmet. Oder anders gesagt – was geschieht, ehe ein E-Book auf den Reader geladen werden kann? Welche Schritte sind notwendig, was tut ein Verleger, um das Buch zu präsentieren?

Gehen wir schrittweise vor!

Step 1: Am Anfang schuf der Autor Titel und Inhalt, und der Geist der Inspiration schwebte über dem Werk. Denn eines ist seit Jahrtausenden gleich – ehe ein Werk den Weg zum Leser findet, muss es verfasst werden. Es braucht also auch im Jahr 2013 einen Autor, der den Roman, das Gedicht oder das Fachbuch schreibt.

Step 2: Auch der nächste Schritt sollte identisch mit der Herstellung traditioneller Veröffentlichungen in gedruckter Form sein – das Lektorat.
Heute kann man eine Kurzgeschichte vom ersten Buchstaben bis zum fertigen Angebot in knapp einer Stunde erstellen. Genau hierin liegt aber die Gefahr, denn es gibt sehr viel Mist da draußen, der manchmal nicht einmal die Qualität eines Schulaufsatzes hat. Diese Masse an schlechten Geschichten und Romanen macht es dem E-Book nicht gerade einfach, auf dem Markt die ihm gebührende Anerkennung zu erlangen. Will man also ein ordentliches Buch anbieten, muss man eine Kontrolle haben, einen Lektor oder eine Lektorin, die nicht nur Fehler ausbügeln, sondern auch Unklarheiten, Plotholes und andere Sünden anprangert.

Step 3: Nun schlägt die Stunde der Künstler, denn ein E-Book – und auch hier gibt es keinen Unterschied zu gedruckten Büchern – benötigt ein Cover. Dieses kann in verschiedenen Grafikformaten vorliegen, ein gutes JPG-Format ist jedoch völlig ausreichend.

Step 4: Der vom Lektor oder der Lektorin abgesegnete Text wird mit den buchtypischen Informationen versehen. Also Angaben zum Autor, dem Verlag, Jahr des Erscheinens etc.

Step 5: Liegen Cover und die Endfassung des Textes vor, geht es an den Satz. Und hier gibt es einige Unterschiede zum gedruckten Werk, auch wenn manche Grundregeln wie etwa das Vermeiden von Schusterjungen, Formatierung als Blocksatz oder eine gut lesbare Schrift in einer angenehmen Größe unverändert bleiben.

So gilt zum Beispiel:

  • Ein E-Book kennt keine Seitenzahlen, da die verschiedenen Geräte mit unterschiedlichen Display-Größen das Buch anders aufbereiten.
  • E-Books kennen keine Fußnoten, sondern nur Endnoten. Auch das ergibt sich aus den unterschiedlichen Aufbereitungen der Reader.
  • Trennungen von Seiten, Absätzen oder Kapiteln können nicht mit Leerzeichen oder Tabs gelöst werden, sondern müssen in den Formatvorlagen definiert und mit fixen Umbrüchen ausgezeichnet werden.
  • Da ein E-Book kein rechts und links kennt – viele Reader stellen nur jeweils eine Seite dar – brauchen zu Beginn keine Leerseiten eingefügt zu werden. Man kann es tun, muss es aber nicht.
  • Überschriften von Kapiteln müssen mit der jeweiligen Textverarbeitung entsprechend ausgezeichnet werden. Jede Textverarbeitung bietet in den Formatvorlagen die Möglichkeit, eine Überschrift als »Überschrift 1« (oder »Überschrift 2« etc.) zu formatieren. Genau das muss man mit der jeweiligen Kapitelüberschrift tun. Auch dann, wenn es sich dabei lediglich um eine Zahl handelt. Zwar könnte man die Überschrift auch händisch formatieren, etwa indem man sie zentriert, fett und in einer anderen Schriftgröße setzt. Aber dies wäre nicht nur falsch, sondern würde auch den nächsten Schritt erschweren.
  • Das Cover hat nichts im eigentlichen Text verloren.

Step 6: Hat man den Text nach obigen Regeln formatiert und abgespeichert, kann man ihn schließen – die Textverarbeitung, mit der man zu Werke gegangen ist, braucht man nicht mehr. Stattdessen benötigt man nun ein Programm, welches den Text in ein E-Book umwandelt.
Wirft man einen Blick ins Web, findet man einige Tools, die genau das versprechen. Das fängt vom kostenfreien Programm namens Calibre an und geht hin zu Paketen für mehrere Hundert Euro.
Ich selbst arbeite mit Jutoh. Das Programm kostet knapp 35 Euro und liegt für Mac, Windows, Linux und Free BSD vor – also für jedes ernst zu nehmende Betriebssystem auf dem Markt. Die Software wird zudem ständig überarbeitet und aktualisiert, wobei die Updates bislang kostenlos sind.
Jutoh bietet die Möglichkeit, sowohl das von Microsoft entwickelte DOCX-Format einzulesen, als auch das freie Format ODT, welches unter anderem Open Office verwendet.
Die Handhabung von Jutoh ist zudem sehr einfach. Schritt für Schritt wird man durch den Vorgang geführt.

  • ?Noch vor dem Einlesen des Romans (oder Kurzgeschichte etc.) gibt man die sogenannten Meta-Daten ein. Also Verlag, Genre, Autor, Erscheinungsjahr etc. Hierbei müssen lediglich die entsprechenden Felder ausgefüllt werden.
  • ?Anschließend wählt man aus, welche Formate Jutoh erzeugen soll. Neben MOBI und EPUB stehen auch ältere Formate zur Auswahl, die heute kaum noch unterstützt werden.
  • ?Im nächsten Schritt legt man das Cover fest; hier wird die Bilddatei ausgewählt, die man unter Step 3 erstellt hat.
  • ?Nun wird die Textdatei ausgewählt.
  • ?Ist der Text eingelesen, kann man Jutoh sagen, wo ein Seitenumbruch erfolgen soll. Hat man die Überschriften wie unter Step 5 beschrieben formatiert, kann man nun exakt diese Formatvorlage (also z. B. »Überschrift 1«) als Trennpunkt angeben. Auf diese Weise wird nicht nur eine korrekte Trennung vollzogen, sondern Jutoh erstellt daraus auch das Inhaltsverzeichnis, über das man in Readern einzelne Kapitel direkt anspringen kann! Dies ist ein wichtiger und oft übersehener Punkt, der vor allem den Lesekomfort erhöht.
  • ?Hat man die entsprechende Einstellungen vorgenommen, lässt man Jutoh per Klick die Projekt-Datei und anschließend – wieder per Klick – die einzelnen Formate erstellen.

Step 7: Damit ist das E-Book fertig. Es liegt nun auf der Festplatte. Ehe man es jedoch verschickt oder im Web anbietet, muss es kontrolliert werden. Hat man keinen eigenen Reader und kein Smartphone, kann dies über verschiedene kostenfreie E-Book-Programme auf dem PC oder Mac geschehen. Amazon bietet eine Kindle-App für Windows und Mac, die man kostenfrei laden kann. Daneben gibt es Calibre, das auch EPUB liest, oder das von Adobe angebotene Tool Adobe Digital Editions.
Besser ist es natürlich, das E-Book auf Readern, Tablets oder Smartphones zu kontrollieren.

Step 8: Ist man mit dem Ergebnis zufrieden, kann das E-Book online gehen oder verschickt werden. Ob man es auf der eigenen Seite zum Download bereitstellt oder sich an einen Shop wie Beam wendet, ist eine persönliche Entscheidung.

Step 9: Nun kann man die Früchte seiner Arbeit genießen 🙂

Und damit komme ich zum Ende dieser kleinen Exkursion. Viel Spaß weiterhin mit unseren E-Books …

Copyright © 2013 by Gunter Arentzen

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