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Der schwarze Mann

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Felsenherz der Trapper – Teil 14.6

Felsenherz der Trapper
Selbst Erlebtes aus den Indianergebieten erzählt von Kapitän William Käbler
Erstveröffentlichung im Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1922
Band 14
Tom Brack, der schwarze Häuptling
Sechstes Kapitel

Letzte Sorgen

So war denn die arme Familie Döring mit einem Schlag fast bettelarm geworden. Alles, was zur Gründung einer Farm notwendig war, lag jetzt für immer verloren im Pecos. Nichts als die Waffen, die Pferde und einige Fässchen Pulver hatte man gerettet.

Kein Wunder, dass die Auswanderer verzweifelt und trostlos am Ufer standen und kaum auf Felsenherz’ aufmunternde Worte achteten. Erst als er dem alten Döring eindringlich versicherte, dass das Gold des Apachensees sie für alles entschädigen würde, wurden die niedergedrückten Leute wieder vertrauensvoller und beeilten sich, Felsenherz’ Anordnungen zu befolgen.

Nach einer halben Stunde brach man auf. Die Kinder und Frauen mussten jetzt gleichfalls reiten. Man kam daher nur sehr langsam vorwärts. Es war ein langer Zug, der sich jetzt durch die Prärie nördlich der Guadalupe-Berge nach Süden zu im Schritt vorwärtsbewegte.

Am Pecos hatten Chokariga, Ben und Tom, die dort zunächst zurückgeblieben waren, alle Spuren nach Möglichkeit beseitigt und dann noch etwa zwei Stunden gewartet, ob vielleicht bereits Verfolger auftauchen würden.

Kaum waren sie den Übrigen jedoch im Galopp gefolgt, als aus einem Dickicht am jenseitigen Ufer zwei Apachenspäher und der ohrenlose Glaynbourg sich hervorarbeiteten und mithilfe zweier Baumstämme über den Fluss setzten.

Inzwischen hatte nämlich Glaynbourg, der mit dem Schnellen Büffel alles insgeheim vereinbart hatte, sein Floß längst an Land gelenkt gehabt und war mit dem Oberhäuptling auch sehr bald zusammengetroffen, der sofort zwei der Leute des Plantagenbesitzers in die Llano zurückschickte, um seine Krieger herbeizuholen. Die Apachen waren mittlerweile ebenfalls nach Westen aufgebrochen, hatten sich mit der berittenen, hundert Mann starken Abteilung wieder vereinigt und stießen auf die beiden Leute Glaynbourgs etwa drei Meilen östlich des Pecos.

So hatte denn der Schnelle Büffel die hundert berittenen Krieger bereits zur Verfügung, als die Auswanderer und ihre Freunde die Flussfahrt kaum angetreten hatten. Die Apachen und die mit ihnen abermals verbündeten Weißen konnten dem Floß, im Uferwald verborgen, ständig folgen und beachteten auch, wie das große Floß zerstört wurde und Felsenherz’ Trupp nach Süden zu den Marsch fortsetzten.

Glaynbourg und die beiden Apachenspäher überzeugten sich am Westufer nur, dass Chokariga, Ben und Tom tatsächlich im Galopp davonsprengten, gaben den anderen ein Zeichen und sahen bald den Schnellen Büffel mit den berittenen Kriegern auf Baumstämmen den Fluss passieren.

Der Oberhäuptling wollte auf das Eintreffen der übrigen Apachen, die erst ihre Mustangs wieder einfangen mussten, nicht warten. Er fürchtete, dass die verhassten Feinde ihm sonst abermals entgehen könnten. So befahl er denn, dass zehn Späher den Flüchtlingen sofort nachreiten sollten, während er mit den anderen Kriegern und den Weißen erst eine Stunde danach aufbrechen wollte. Sein Plan ging dahin, die Blassgesichter und die Neger im nächsten Lager überraschend anzugreifen.

Doch auch Felsenherz und Chokariga waren sich der Gefahr sehr wohl bewusst, die ihnen von den Apachen drohte. Sie sahen voraus, dass Glaynbourg und der Schnelle Büffel sich wieder zusammentun und in Kurzem den nur langsam vorwärtskommenden Trupp eingeholt haben würden.

Die beiden Westmänner, Tom und Ben bildeten jetzt den Nachtrab.

Tom war es, der plötzlich erklärte: »Massa Felsenherz, es gibt ein sehr einfaches Mittel die Apachen zurückzuscheuchen und unsere Fährte zu verwischen. Wir brauchen nur die Prärie anzuzünden. Der Wind kommt von Süden und würde die Flammen also nordwärts treiben. Das Gras ist recht dürr. Es muss hier wochenlang nicht geregnet haben.«

Der blonde Trapper erwiderte bedächtig: »Du sprichst das aus, was Chokariga und ich bereits beschlossen haben. Sobald die Nacht naht, werden wir einen Feuerwall zwischen uns und jeden Verfolger legen. Mit voller Absicht haben wir diesen Weg durch die offene Grassteppe gewählt und sind jedem Wäldchen, jedem Höhenzug ausgewichen.«

Die Dämmerung brach an. Der Südwind war jetzt gegen Abend noch stärker geworden.

Im Schein der Abendröte ritten der Schnelle Büffel und Glaynbourg den Apachen ein weites Stück voraus. Der Plantagenbesitzer war überzeugt, dass die kommende Nacht die Neger wieder in seine Gewalt bringen würde. Dann wollte er sein Mütchen an ihnen kühlen; dann sollte Tom eines Todes sterben, gegen den das Ende am Marterpfahl noch ein Vergnügen war.

Plötzlich hielt der Oberhäuptling seinen Mustang mit einem kurzen Ruck an.

Ein gellender Wutschrei entrang sich seiner Kehle. Seine Blicke waren nach Süden gerichtet, wo am fernen Horizont des Grasmeeres soeben dicke Rauchwolken erschienen waren.

Bald bildete dort der ganze Horizont eine einzige feurige Linie.

Mit unheimlicher Schnelligkeit flog die rote Lohe gen Norden.

Die Apachen hatten kehrtgemacht. Der Schnelle Büffel jagte in finsterem Schweigen neben Glaynbourg her. Es ging scharf nach Osten zu näher an die Uferwälder des Pecos heran. Dort war man vor dem Präriebrand sicher. Man erreichte auch eine breite Waldzunge, erreichte sie dicht vor den ersten Hitzewellen.

Der Schnelle Büffel sprang vom Pferd, führte es tiefer in den Wald hinein bis zu einer großen Lichtung. Dann rief er seinen Kriegern einige Befehle zu.

Glaynbourg und die neun Weißen wurden plötzlich zu Boden gerissen und jeder an einen Baum gefesselt.

Der Oberhäuptling trat an den Plantagenbesitzer heran, zischte ihm in das bleiche, vor Angst entstellte Gesicht. »Elender, feiger Hund, wer sich mit dir verbündet, von dem wendet Manitu sein Antlitz! Meine zehn Späher sind nicht zurückgekehrt, sind in den Flammen umgekommen! Alles schlug fehl, was ich mit dir zusammen unternahm!«

Blitzartig zuckte sein Messer hoch.

Glaynbourg stieß nur noch einen letzten, schrillen Todesschrei aus. Dann schwenkte der Schnelle Büffel schon den Skalp des Sklavenhalters in der Linken.

So hatte Tom Bracks Voraussage sich wirklich bestätigt: Howard Glaynbourg hatte hier sein Leben und seinen Skalp verloren!

Auch seine Gefährten starben einen raschen Tod. Als der Präriebrand nun ebenfalls das Unterholz des Waldes entzündete, als die Apachen schleunigst weiter zum Pecos zurückwichen, hingen inmitten der züngelnden Flammen der Lichtung nur noch die zehn entstellten Leichen der Menschenjäger.

Am folgenden Mittag kamen Felsenherz und die seinen am Apachensee an. Sofort wurde der Bach, der den See speiste, abgedämmt und der Abfluss des Sees noch erweitert und vertieft.

Diese Arbeit nahm die Weißen und die Neger bis zum Abend in Anspruch, hatte dann jedoch auch den erhofften Erfolg. Der Wasserspiegel des Sees hatte sich so weit gesenkt, dass man nach den vier Goldsäcken tauchen, Lassos daran befestigen und sie aus der Tiefe heraufholen konnte.

Noch in derselben Nacht brach man dann zum nahen Pecos auf, wo für die Auswanderer und Toms Leute ein neues Floß hergestellt wurde.

Felsenherz hatte dem alten Meister Döring einen der Goldsäcke übergeben und ihm geraten, sich unten im Süden an der Grenze von Mexiko eine große Farm zu kaufen und die Neger als Arbeiter bei sich zu behalten, womit diese ganz einverstanden waren. Nur Tom Brack wollte hiervon nichts wissen.

»Meine Mutter war eine Delawarin«, sagte er stolz. »Tom liebt die Wildnis. Tom wird ein Trapper wie Felsenherz!«

Nach herzlichem Abschied schwammen die Auswanderer und die Schwarzen auf ihrem Floß den Pecos abwärts, winkten noch lange den drei Zurückbleibenden zu.

Als das Floß verschwunden war, wurde das übrige Gold an einer besonders reißenden Stelle des Flusses versenkt. Dort ruht es noch heute, dort kann es die Habgier den Menschen nie mehr entflammen.

Die Familie Döring und die befreiten Sklaven erreichten glücklich die Ansiedlungen und brachten es in gemeinsamer Arbeit zu großem Wohlstand.

Tom Brack, der schwarze Häuptling, sollte jedoch sehr bald ein ruhmvolles Ende bei einem neuen Kampf mit den Apachen finden und wurde dann mit allen Ehren eines tapferen Kriegers nach Indianersitte bestattet.

Die Einzelheiten über seinen Tod bringt der folgende Band

Der Medizinmann Omakati

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