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Oberhessisches Sagenbuch Teil 60

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Die zaubergeblendete Magd

In Herchenhain lief ein Gickel über die Straße, der hatte einen Strohhalm an sich hängen. Ein Zauberer tat den Leuten den Schabernack an, dass sie alle den Strohhalm für einen Wiesbaum ansahen und vor Erstaunen über das große Wunder die Hände über dem Kopf zusammenschlugen.

Da kam eine Magd des Weges mit einer Last Gras auf dem Kopf.

»O, ihr schlechten Leute«, sagte sie, »was steht ihr hier und sperrt Maul und Nase auf? Seht ihr denn nicht, dass es ein Strohhalm ist?«

Da wich der Zauber, die Leute gingen fort, schämten sich des Blendwerks und die Magd lachte sie aus.

Aber, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Als sie wieder einmal eine Last Futter heimtragen wollte, und es waren gerade recht viele Menschen auf der Gasse, rächte sich der Zauberer. Er tat es der Magd an, dass sie meinte, sie stünde vor einem großen Wasser und käme immer tiefer hinein.

Da hob sie ihre Röcke auf bis über die Knie, immer höher, und war ihr sehr angst. Alle Leute aber lachten sie aus und ätschten an ihr, bis sie sah, was der Mär war. Hätte sie die Kräuter bei sich gehabt, die in der ersten Last steckten, und sie damals den Zauber erkennen ließen, so wäre ihr das Schelmenstückchen nicht passiert. So aber hatte sie den Schaden und brauchte sich ihr Lebtag um den Spott nicht zu besorgen.

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