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Im Gespräch mit Roman Schleifer über den Band 11 von Terminus, Schachmatt

Im Gespräch mit Roman Schleifer über den Band 11 von Terminus, Schachmatt

Alexandra Trinley: Roman, du bist der Autor des Romans Nummer 11 von 12 der Miniserie Terminus. Dein Schachmatt bereitet das Finale vor. Da musst du dich doch ganz und gar ruhig verhalten und anpassen, um den Schlussband herauszuheben. Ist das keine undankbare Aufgabe?

Roman Schleifer: (lacht) Ganz im Gegenteil! Uwe Antons Band 12, Der Plan der Cynos, baut auf Band 11 auf. Damit Uwe sein großes Finale schreiben kann, werden im Vorgängerband bestimmte Hinweise ausgelegt, die er dann einsammelt und zusammenführt. Ich muss also präzise und abgestimmt mit ihm arbeiten. Falls ich etwas Essenzielles nicht erwähne, auf das sein Finale aufbaut, zerschieße ich ihm den letzten Band und die Pointe der kompletten Serie. Aber das ist ja nichts Neues: Letztlich ist das bei allen Heften einer Serie der Fall, die auf einen Endpunkt zusteuern. In jedem Band legen die Autoren Spuren aus, die den Leser Zug um Zug zum letzten Heft führen, in dem alles aufgelöst wird. Gerade im vorletzten Band muss jedoch auch vieles eingefangen, gebündelt und neu ausgelegt werden.

Alexandra Trinley: Terminus ist durchzogen von weitgespannten Plänen, und der Titel Schachmatt hört sich an, als zöge sich die Schlinge zu, als wolltest du jemanden ins Eck schreiben. Auf wen hast du es denn abgesehen?

Roman Schleifer: Wie heißt es in der Vorankündigung auf der Rhodan-Homepage?

»Im Terminussystem kommt es zur Konfrontation. Rhodan erfährt mehr über das Heimliche Imperium und die Ziele der einzelnen Fraktionen. Vor allem wird ihm bewusst, welche Gefahr wirklich auf die Milchstraße zukommt. Viele Möglichkeiten scheinen die Menschen nicht mehr zu haben. Es droht ein Schachmatt für Terra … oder für Terminus?«

Alexandra Trinley: So, dass ihr die Leser noch mal richtig auf Trab haltet.

Roman Schleifer: Dafür zahlen sie ja, das ist der Job des Autors.

Alexandra Trinley: Perry Rhodan ist Teamarbeit. Wie eng war bei diesen letzten Bänden die Abstimmung zwischen Uwe Anton und dir wirklich?

Roman Schleifer: Sehr, sehr eng. Während des Wochenendes der Perry Rhodan-Tage der Perry Rhodan-FanZentrale in Osnabrück haben wir jede freie Minute mit dem Ende von Terminus verbracht. Das begann, nachdem ich in Wuppertal aus dem Zug und in Uwes Auto gestiegen bin, ging beim Mittagessen weiter und setzte sich beim Abendessen fort. Nur beim Frühstück im Hotel haben wir uns zurückgehalten, weil zu viele Leser im Frühstücksraum waren. Intensiv wurden die Gespräche auch nächtens, und die führten wir nach der Rückkehr nach Wien via Skype wöchentlich fort. Überhaupt war Terminus ein gemeinsames Projekt. Den Anstoß gab ja der Redakteur Klaus N. Frick mit einem halbseitigen Ideenpapier, dann Uwe samt innerer Zirkel, dann die einzelnen Autoren, die wiederum mit Uwe am Expo gefeilt haben. Bei der Autorenendfassung der Romane kam der Redakteur Klaus N. Frick wieder zu Wort und gab wichtige Hinweise, um die Texte noch besser zu machen. Und schließlich ging unser Lektor Dieter Schmidt mit Argusaugen über diese Letztfassung und merzte Unstimmigkeiten aus. Man sieht also, wie viele Leute in so ein Projekt involviert sind und gemeinsam versuchen, das optimale Ergebnis zu erzielen.

Bei Uwe und mir ging es bei der Arbeit an Band 11 und 12 noch weiter. Während ich dank der hilfreichen Hinweise von Klaus N. Frick Band 11 überarbeitet habe und Uwe am Expo von Band 12 gefeilt hat, gab es immer wieder Mails von ihm, ob ich zum Beispiel Alaska oder Juki so berücksichtigt habe, wie wir es besprochen hatten. Oder ob ich daran gedacht habe, dass Perry Rhodan in … nein, das verrate ich jetzt nicht.

Ah, und bei Band 12 ging es dann in die Gegenrichtung: Uwe, hast du das eine Raumschiff noch auf dem Schirm? Uwe, denkst du daran, was wir über Alaska Saedelaeres Einstellung zum Suizid gesprochen haben? Et cetera.

Am Ende konnte keiner von uns mehr das Wort Terminus hören, geschweige denn schreiben. Aber das ist normal, wenn man über ein Jahr lang derart intensiv an einer Serie arbeitet.

Alexandra Trinley: Du hast dich bei der Konzeption von Terminus sehr schwungvoll eingebracht – was hast du dabei gelernt?

Roman Schleifer: Dass es unglaublich ist, wie viel es allein bei zwölf Heften zu berücksichtigen gibt. Noch dazu spielten sie bekanntermaßen in einer vordefinierten Vergangenheit der Serie, zu der es am Ende keine Widersprüche geben durfte. So faszinierend es war, eine Story in der Vergangenheit der Serie zu gestalten, so komplex war es auch. Wir haben unglaublich viel recherchiert.

Für den Leser in mir war es ein ganz besonderes Erlebnis, die Hefte mit den 400er-Nummern, die ich aus meiner Teenagerzeit kannte, ein paar Jahrzehnten später noch einmal zu lesen und innerlich durchzuspielen. Mit dieser Distanz sind mir doch Dinge aufgefallen, die seinerzeit für mich kein Thema waren. Umso spannender war es, manches nachträglich glattzubügeln.

Alexandra Trinley: Das ist jetzt nicht allzu präzise.

Roman Schleifer: (lacht) Warum wundert mich das nicht?

Aber gut, nehmen wir einen Punkt, der mich von Anfang an beschäftigt hat. Die Cynos wurden vor einer Million Jahren aus dem Schwarm vertrieben. Eine Fraktion der Cynos hat seit damals darauf hingearbeitet, den Schwarm bei seiner Rückkehr in die Milchstraße zurückzuerobern und wieder zu übernehmen. Aber in den 500er Bänden waren die Cynos allein nicht dazu in der Lage. Was haben sie also eine volle Million Jahre lang gemacht? Und falls sie zielgerichtet vorgegangen sind, woran sind sie in dieser langen Vergangenheit immer wieder gescheitert?

Eine Antwort darauf findet sich in Band 11.

Ein anderes Beispiel stammt von unserem Datenrechercheur Peter Dachgruber. Das Antitemporale Gezeitenfeld, das das Solsystem vor dem Angriff der Antisolaren Koalition schützt, wurde seinerzeit dreimal unterschiedlich und widersprüchlich beschrieben. Welche Beschreibung stimmt? Auch damit haben wir uns auseinandergesetzt und uns für eine entschieden.

Alexandra Trinley: Die Zeitspringer Juki Leann und Darren Zitarra sind weitgehend deine Babys, ihre Datenblätter gehen auf dich zurück. Werden sie überleben?

Roman Schleifer: Wie sagte Berthold Brecht? »Niemand ist wirklich tot, wenn wir an ihn denken.«

Alexandra Trinley: In deinem Band 3 Konfrontation auf Mimas hast du eine Figur von Bestsellerautor Andreas Gruber verbraten.

Roman Schleifer: Maarten S. Sneijder, alias Arten Sneijter, richtig.

Alexandra Trinley: Wie kam es dazu?

Roman Schleifer: Ich kenne Andreas von einem Schriftstellerseminar aus dem Jahre 1999. Wir haben uns nie aus den Augen verloren und seit sieben Jahren lesen wir uns gegenseitig Korrektur. Da er mich in seinem letzten Werk Todesreigen (übrigens ein Pflichtkauf für alle Thrillerfans) eingebaut hat, habe ich mich in Band 3 revanchiert. Außerdem bin ich nicht nur Testleser, sondern auch Fan seiner Werke. Ich empfehle allen Thrillerfans, mit Todesfrist zu beginnen und sich dann vorzuarbeiten.

Alexandra Trinley: Wen hast du diesmal eingebaut?

Roman Schleifer: In Schachmatt gab es keine Gelegenheit für eine solche Hommage. Den üblichen Metallica-Bezug habe ich mit Ach und Krach geschafft. Ein Systemname geht auf einen Kollegen von PR-Stammtisch Wien zurück und zwei Sprüche, die Perry Rhodan von sich gibt, habe ich nach Rückfrage von Heiko Langhans geklaut, als Dank für seine sensationelle Arbeit für die Encyclopedia Terrania.

Alexandra Trinley: Welche sind das?

Roman Schleifer: Zumindest ein Zitat verrate ich, weise aber daraufhin, dass es aus dem Zusammenhang gerissen sicher seltsam anmutet: »Der Boden des Bierglases ist nicht der Beginn des Durchblicks.«

Alexandra Trinley: Ah. Hört sich sicher voll genial an, wenn man genug Bierglasboden gesehen hat.

Roman Schleifer: Definitiv. (lacht)

Alexandra Trinley: Was mich besonders interessiert, ist die sehr gezielte Präsenz in den sozialen Medien, die du immer wieder aufs Neue in Gang gebracht hast: die Leserunden, Livechats und Gesprächsmöglichkeiten. Ging das auf einen Auftrag des Verlags zurück?

Roman Schleifer: Die Erstellung der Facebook-Gruppe war mit Klaus N. Frick abgestimmt. Aber die Häufigkeit der Interaktionen war mein Privatvergnügen. Ich komme ja aus dem Retail-Bereich, von daher frage ich mich immer, was der Kunde will. Bei Rhodan heißt das: Was könnte der Leser wollen?

Deshalb wollte ich Kontaktangebote ausprobieren, um zu sehen, wie sie bei den Fans ankommen. Die Live-Chats zum Beispiel gab es in dieser Form noch nie. Auch die Live-Berichterstattung auf Facebook, bei der Fans das Heft lesen und nach jedem Kapitel live ihre Eindrücke schildern, geht auf mich zurück. Beides ist gut angekommen und ich hoffe, dass sie in der einen oder anderen Form erhalten bleiben, weil es Lesern und Autoren etwas bringt.

Alexandra Trinley: Tagsüber arbeitest du in der Bank. Wie geht dermaßen viel Aktivität nebenbei?

Roman Schleifer: Ich habe das Glück, dass mir meine Freundin den Rücken freihält. Sobald ein Heftprojekt startet, bin ich eigentlich nicht mehr ansprechbar. In jeder freien Minute überlege ich, wie ich den Roman besser gestalten könnte, wie ich noch spannender schreiben könnte oder wie man mehr überraschende Wendungen einbauen könnte. Und wenn das pro Heft über vier bis sechs Wochen geht, ist es für die Partnerin schon ziemlich nervig. Bei Terminus ging das im Prinzip ein ganzes Jahr, weil Uwe und ich wöchentlich geskypt haben. Da bin ich echt dankbar, dass mir meine Freundin diesen Freiraum lässt, mir Belastungen abnimmt und ich mich in dieser Zeit nur um ganz wenige Dinge des normalen Lebens kümmern muss. Da nutze ich doch gleich die Gelegenheit … Iwi, mein Schatz, danke!

Alexandra Trinley: Ja, das ist gut. Aber – wird Iwi jetzt entlastet? Ich meine, wie geht es nach Terminus weiter?

Roman Schleifer: Unglaublich aber wahr, alle Projekte sind fertiggestellt. Ich habe zwei Stellaris-Stories geschrieben, die beide dasselbe Ausgangssetting haben, aber mit unterschiedlichen Handlungen fortgeführt werden. Du kennst ja die Kurzgeschichten um das Raumschiff STELLARIS, die regelmäßig in die Perry Rhodan-Bände eingeheftet erscheinen, deren neuer Redakteur Olaf Brill den Band 8 von Terminus schrieb. Die Idee zu diesen Stellaris-Geschichten geht auf mehrere virtuelle Treffen mit Jörg Isenberg zurück. Ursprünglich wollten wir die Stories gemeinsam schreiben, aber er musste dann krankheitsbedingt von dem Projekt zurücktreten. Also habe ich sie allein zu Ende gebracht. Eine dieser Stellaris-Stories erscheint im November in der SOL 88, dem Magazin der Perry Rhodan-FanZentrale, die andere als Stellaris Nr. 61 in der Erstauflage.

Dann habe ich im Jahre 2006 einen Band für die Perry Rhodan-Fanserie Dorgon geschrieben, den ich komplett überarbeitet habe. Schwarze Seele erscheint als zweiter Band des Rideryon-Zyklus – wenn alles glattgeht, noch in diesem Jahr. Das Heft gibt es als Gratis-Download und ich lege es jeden Thriller-Fan ans Herz, vor allem, weil man kein Rhodan-Vorwissen braucht. Weitere Infos dann unter www.dorgon.net

Alexandra Trinley: Dorgon, die Fanserie aus dem Perry Rhodan-Universum. Gibst du uns zu deinem Schachmatt noch eine Textprobe?

Roman Schleifer: Gern doch.

»Zitarra, Sie wissen, was Sie zu tun haben?« Perry Rhodan versuchte, die grölende und johlende Menge zu übertönen, die dem nächsten Kampf in der Arena entgegenfieberte. Er saß mit Darren Zitarra in der Mitte des Zuschauerraums und blickte nach unten zu dem Käfig, vor dem sich zwei Männer auf den Kampf vorbereiteten.

Zitarra schnaufte. Rhodans Überheblichkeit nervte genauso wie sein Kontrollwahn. Seit dem gemeinsamen Einsatz auf dem Planeten Arcane 2 erteilte der Terraner ihm die Anweisungen grundsätzlich zweimal. Offenbar hatte Rhodan ihm nicht verziehen, dass Zitarra auf dem Werftplaneten auf eigene Faust nach seinen Landsleuten gesucht hatte.

Rhodan tippte ihm auf den Oberarm. »Zitarra?«

Eine längere Leseprobe gibt es unter perry-rhodan.net.

Alexandra Trinley: Vielen Dank, Roman!

Roman Schleifer: Ich danke für dein Interesse. Allen Lesern noch viel Spaß bei der Auflösung von Terminus. Und wer Fragen zur Serie hat, dem empfehle ich die Facebook-Gruppe Perry Rhodan Terminus, dort findet ihr alle Autoren, die auch bereitwillig Fragen beantworten. Am 16. September 2017 gibt es einen Live-Chat von 18 – 19 Uhr. Vielleicht hat ja der eine oder andere Leser Lust vorbeizuschauen.

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